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Matroschka-Puppen, die sich mehrfach in kleinere Puppen zerlegen lassen, sind eine Spezialität Russlands und zeigen meist mütterliche Figuren. Neben der traditionellen Variante gibt es aber auch Parodien - und jetzt eben auch Damen mit Bart.

Ein Mufti in der autonomen Republik Tatarstan im östlichen Teil des europäischen Russland fordert ein Einschreiten der Staatsanwaltschaft gegen die bärtigen Puppen.

In Tatarstan haben Matroschka-Puppen, die sich an der Optik von Eurovision-Siegerin Conchita Wurst orientieren, für Kritik gesorgt. Der stellvertretende Mufti der Republik, Rustam Batyr, verglich den Verkauf der traditionelle Holzpuppen in dieser Aufmachung gar mit dem Auftritt von Pussy Riot in der Christ-Erlöser-Kathedrale in Moskau.

Beides sei blasphemisch, so Batyr in einem Zeitungsartikel. Es sei unverständlich, dass es noch keine Ermittlungen wegen "Homo-Propaganda" gegen die Verkäufer der Puppen gebe, die sich ja auch an Minderjährige wendeten. Batyr kritisierte vor allem, dass die bärtigen Matroschkas traditionelle Kleidung der Tataren sowie muslimische Gebetskappen tragen – und diese in der letzten Woche des Ramadans in der Hauptstadt Kasan verkauft werden.

Tatarstan ist eine autonome Republik der Russischen Föderation. Rund 53 Prozent der Einwohner sind Tataren, von denen sich rund 60 Prozent zum sunnitischen Islam bekennen. Die andere große Religion des Landes ist die russisch-orthodoxe Kirche, knapp 40 Prozent der Einwohner sind Russen.

"Hässlicher Spiegel der Gesellschaft"


Mufti Rustam Batyr (r.) scheint selbst der Lust nach Kritik und Verehrung verfallen, die er beklagt

In dem Artikel kritisiert Batyr Conchita Wurst als "doppelte Transsexuelle": Sie sei nicht nur ein Mann, der Frauenkleider trage, sondern "ein Mann, der wie eine Frau sein und mit einem Mann zusammen sein möchte".

Des islamische Rechtsgelehrte zeigte sich überrascht, dass es muslimische LGBT-Gruppen und gar einen schwulen Tataren gibt, der mit ihm über Facebook kommuniziert habe. Er erinnerte sich dann aber noch an Rudolf Nurejew, ebenfalls schwul und tartarischer Abstammung, und entwickelte die These, dass man Conchita Wurst nicht die Schuld für ihr Wurst-Sein geben müsse, sondern der Gesellschaft.

Wie auch Drogen- oder Alkoholsucht sei Wurst Audruck des Hedonismus und der Konsumgesellschaft. Die Kritik und Verehrung gegenüber Wurst seien zwei Seiten einer Medaille und typisch in einer Gesellschaft, die Skandalfiguren wie Lady Gaga liebe. Somit sei die Eurovisions-Gewinnerin der "hässliche Spiegel" einer Gesellschaft, die sich zunächst über Dinge aufrege, um sie dann zu akzeptieren.

Als Beispiel für eine solche schleichende Umdeutung der Normen nennt der Mufti den Bikini: Einst hätten sich Leute über die Freizügigkeit empört, heute würden Kinder in Unterwäsche durch die Gegend schwimmen. "Seid also nicht überrascht, wenn unsere Kinder irgendwann wie Conchita Wurst aussehen", so der Mufti. Das Experimentieren und Schaffen neuer Werte sei der Motor des Fortschritts, der am Ende aber die Welt zerstören werde.

Russland übertragt auch den ESC 2015


Die Chonchita-Matroschkas und der Werteverfall scheinen "unstoppable"

Conchita Wurst, eine Drag-Persönlichkeit des Österreichers Tom Neuwirth, hatte im Mai den Eurovision Song Contest vor allem durch die Stimmen des Televotings gewonnen. Auch bei den Zuschauern in Russland hatte sie im Finale Platz Drei belegt, von der Jury war sie nur auf Platz 11 gesetzt worden.

Ihr Song "Rise Like a Phoenix" kletterte nach der Show sogar auf Platz Eins der russischen iTunes-Charts. Einige Politiker hatten daraufhin einen Werteverfall beklagt und, auch angesichts der Pfiffe gegen Russland in der Show, einen Ausstieg des Landes aus dem Wettbewerb sowie eine eigene Konkurrenzsendung gefordert (queer.de berichtete). Inzwischen gibt es tatsächlich Pläne zur Wiederauflage des Intervision Song Contests – mit Ländern wie Kasachstan oder Kirgisistan und eventuell gar China, zum Westen neigende ehemalige Ostblockstaaten haben daran hingegen kein Interesse. Inzwischen hat der russische Kanal 1 aber auch eine erneute Teilnahme beim Originalwettbewerb im nächsten Jahr zugesagt.

Der 60. Grand Prix wird am 23. Mai 2015 stattfinden, mit den beiden Halbfinalen am 19. und 21. Mai. Noch ist unklar, ob die Wiener Stadthalle, die Olympiaworld in Innsbruck oder die Stadthalle Graz die Show austragen wird. Conchita Wurst hatte sich für die Moderation ins Gespräch gebracht, als Vorjahressiegerin wird sie in jedem Fall Teil der Show werden (es gibt bereits Spekulationen über ein Duett mit Udo Jürgens). Sie kann damit erneut ein Zeichen an homophobe Politiker oder Geistliche setzen. (nb)



#1 FoXXXynessEhemaliges Profil
#2 Just meAnonym
  • 28.07.2014, 13:12h
  • "Seid also nicht überrascht, wenn unsere Kinder irgendwann wie Conchita Wurst aussehen"

    Oh nein, überall bärtige Drag-Kinder! Sie sind überall und sie werden die Weltherrschaft an sich reißen.
    Die Blödheit mancher religiotischer Hetentrolle ist echt nicht mehr zu glauben...
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#3 MarekAnonym
  • 28.07.2014, 13:14h
  • Naja, wenn man sonst nichts hat im Leben, muss man sich halt über sowas aufregen...
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#4 FelixAnonym
  • 28.07.2014, 13:26h
  • "Conchita Wurst hatte sich für die Moderation ins Gespräch gebracht, als Vorjahressiegerin wird sie in jedem Fall Teil der Show werden (es gibt bereits Spekulationen über ein Duett mit Udo Jürgens). Sie kann damit erneut ein Zeichen an homophobe Politiker oder Geistliche setzen."

    Da Udo Jürgens auch etwas gegen Spießigkeit und Scheinheiligkeit hat sowie Vielfalt und Akzeptanz unterstützt, könnte ich mir das sehr gut vorstellen.

    Vielleicht schreibt Udo Jürgens ja sogar zum 60. ESC eine neue ESC-Hymne, die Vielfalt und Akzeptanz besonders betont und sich deutlich gegen Homophobie, Frauenfeindlichkeit, Rassismus, etc. ausspricht... Fände ich toll!
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#5 RobinAnonym
  • 28.07.2014, 13:28h
  • Totalitäre Fanatiker haben immer ein Problem mit anderen Meinungen und anderen Ansichten. Und wenn man keine Argumente hat, schreit man halt nach Zensur.
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#6 Tartar RezepteAnonym
#7 PetterAnonym
#8 Martin StAnonym
#9 MiepmiepAnonym
#10 LangsamLangsamEhemaliges Profil
  • 28.07.2014, 14:22h
  • Antwort auf #5 von Robin
  • Richtig!
    "...Während ESC-Gewinnerin Conchita Wurst ungeachtet ihrer kritiklosen Beteiligung an der ultrarassistischen RTL-Trash-Sendung »Wild Girls Mit High Heels durch Afrika« als Missionarin neo-individualliberaler Freiheiten in taz und auf der CSD-Gala in Berlin gefeiert wurde, überraschte Profifußballspieler Thomas Hitzlsperger den Kreuzberger CSD mit seinem Besuch...."

    Auszug aus einem Artikel der linken (!!!) "Junge Welt" von heute. Danke queer.de, daß der Artikel bei "Anderswo" stand.
    Ich konnte es erst nicht glauben, daß so etwas in dieser Zeitung steht. Für alle Wurst-Liebhaber dürfte das schockierend sein.

    www.jungewelt.de/2014/07-28/021.php
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