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  • 01.08.2014           59      Teilen:   |

Alberne Anpassungs-Debatte

Schwuler Frisör von schwuler Schrillheit "provoziert"

"Peinlich oder wichtig?", fragt die "Hamburger Morgenpost" am Freitag zum CSD auf ihrer Titelseite. Auch "Männer" führt unterirdische Debatten.

"Hamburger streiten, ob der CSD zu schrill und unpolitisch ist", heißt es heute auf der Titelseite der MoPo. Übersetzt heißt das: Man hat wohl gezielt Leute für einen Streit gesucht und einen 27-jährigen Frisör namens Benjamin Rial-Farina aus Winterhude gefunden. Seine Grundthese zum CSD: "Ich fühl' mich provoziert!"

Die MoPo nennt das einen "Zoff um die Schwulenparade" und fragt: "Muss es immer so schrill sein?" Das könnte sich die Zeitung freilich zunächst selbst fragen: Es sind vor allem die Medien, die gezielt nur das Schrille aufgreifen. Ebenso wie sie durch den Begriff "Schwulenparade" die Vielfalt und das Anliegen der Demonstration nur eingeschränkt wiedergeben. Lesben? Transsexuelle und Transgender? Sind für Medien genauso vernachlässigbar wie die durchaus vorhandenen politischen Botschaften.

Rial-Farina sagt, er gehe am Samstag zum ersten Mal seit zehn Jahren auf den CSD und habe "jetzt schon keine richtige Lust, weil mich das Schrille wieder so nerven wird". Er werde zu der Veranstaltung "wie ein normaler Bürger gehen, weil ich noch an die ursprüngliche Idee glaube. Viele sehen ihn ja heute nur noch als lustige Homo-Party."



Was die "ursprüngliche Idee" sein soll, verrät der Frisör nicht. Er scheint aber Politik zu vermissen; ein Heterosexueller würde auf der Parade "nur einen Haufen von bunten und lauten Personen" sehen, kritisiert er. Zur Politik hat er zugleich Vorstellungen, die der "ursprünglichen Idee" oder dem Stonewall-Aufstand vielleicht nicht ganz entsprechen: "Wir müssen uns der Masse anpassen. Randgruppen können nur so ihre Ziele durchsetzen", sagt er in dem Streitgespräch. "Wäre es nicht produktiver, sich anzupassen und mit Argumenten zu arbeiten als mit übertriebenen Events?" Selbst Conchita Wurst ist vor Kritik nicht sicher: "Der Bart hätte wegbleiben können. Dann hätten selbst Konservative gesagt: super!"

Googelt man den Namen des Frisörs, findet man übrigens keinen Hinweis auf eine politische oder sonstige Aktivität im Dienste der Sache. In seinem Facebook-Profil verbreitet er alle paar Monate mal eine Nachricht zu LGBT-Themen, vor allem zu Russland. Bei dem Streitgespräch traf er auf die Drag Queen Valery Pear, die galant konterte, dass die Gegenthese letztlich ein Verstecken fordere, wo es um "Offenheit, Toleranz und Freiheit" gehe. Der CSD müsse gar "noch bunter und schriller" werden, man transportiere so schließlich auch politische Botschaften ins In- und Ausland. Mit Politik hielt sich das Streitgespräch allerdings nicht lange auf.


Dabei heißt das Motto des diesjährigen Hamburger CSD "Grenzenlos stolz statt ausgegrenzt", und Vorstand Stefan Mielchen zeigt in Interviews, wie gut man als CSD, Demoteilnehmer oder Medium damit politische Themen aufgreifen kann (nebenbei kann man das Motto auch als schöne Gegenthese zu Frisör Rial-Farina lesen, denn eine nur halb stolze Anpassung führt logischerweise auch zu Ausgrenzung). Gänge es der MoPo um die Sorge um mangelnde Politik, hätte sie ansonsten auch die russischen Aktivisten befragen können, die gerade auf Einladung des LSVD Hamburg anlässlich des CSD in der Stadt weilen.

Stattdessen greift die Zeitung die Frage "Muss es wirklich immer so schrill sein?" sogar als Online-Abstimmung auf und befördert damit Spießigkeit und gesellschaftlichen Backlash. Pro und Contra hatten dabei am Morgen rund gleich große Lager.


Freilich steht die Zeitung mit der albernen Debatte, die in etwa auf dem Niveau von "Tunten zwecklos" in Dating-Profilen geführt wird, nicht alleine: "Männer", das nach eigener Ansicht "führende deutschsprachige Lifestylemagazin für schwule Männer", stellt in der aktuellen Ausgabe unter Ignoranz von Bindestrichregeln wie von längst ausdiskutierten Debatten die Frage "Homo Randale oder Anpassung?"

Zur Einleitung fragt Chefredakteur David Berger: "Haben wir mit unseren Forderungen vielleicht den Bogen überspannt? Die Gesellschaft durch zuviele Provokationen überfordert?" Da sollte man von einem etablierten schwulen Magazin mit Selbstbewusstsein und Rückgrat ein klares "Nein" erwarten, bekommt aber keinerlei Haltung oder zumindest Aufklärung geboten, sondern von Berger nur die rhetorischen Gegenfragen geliefert.

In einem Debattenbeitrag kommt dann ein Dennis Deuling zu Wort, einer, zu dem Google ebenfalls nicht viel findet, und der behauptet: "Wenn wir dauernd unser Schrill- und Anderssein betonen, werden wir auch anders behandelt." Er kritisiert, dass etwa Conchita Wurst auf eine "schockierende Andersartigkeit" setze, um direkt im Anschluss aufzuzeigen, wohin diese "Andersartigkeit" führe: "Erst wurden Indianer in Reservate gesperrt, dann wurden Schwarze versklavt und was im Dritten Reich mit den 'Andersartigen', besonders den Juden, passierte, muss hier nicht ausgeführt werden."

Nicht nur die Deutsche Aids-Hilfe kritisierte danach, der Mann mache "eine unterstellte 'Andersartigkeit' von 'Indianern', Schwarzen und Juden dafür verantwortlich, was sie erlitten haben." Opfer würden zu Mittätern gemacht. Delling selbst schreibt dazu passend: "Wenn wir permanent unsere 'Andersartigkeit' betonen, ist es nicht verwunderlich, dass die heterosexuelle Mainstream-Gesellschaft Angst vor uns bekommt."

Später schreibt er, konservativ erzogene Politiker sähen durch "promotete 'Andersartigkeit'" das Wertesytem in Gefahr. "Promotete"? Von da ist es nicht weit zum Vorwurf der Homo-"Propaganda". Und in der Tat bezeichnet Delling das russische "Homo-Propaganda"-Gesetz als "logische Konsequenz".

Wozu braucht man Gegner von AfD über Kuby bis Putin, wenn man solche Schwule hat, die als Zeichen der Anpassung gleich ihre Voruteile und ihren Hass übernehmen? Das ganze zeugt nicht nur von einer gefährlichen Fehldeutung der Bewegung wie der Menschheitsgeschichte überhaupt, sondern auch von einem erschreckenden Mangel an Solidarität und Toleranz. Es mag einige geben, die so denken, was Berger als Begründung für diese Debatte "ohne Denkverbote" anführt. Es ist aber keine zielführende, sondern rückständige und menschenfeindliche Denkschule, die sich da präsentiert. Kurz: Einfalt statt Vielfalt.


Die "Siegessäule" hatte einst die Rubrik "Dafür haben wir nicht gekämpft", und Rial-Farina und Deuling wären gute Kandidaten für eine Neuauflage (wie einige mehr, die Berger in seinem zunehmenden, auf Facebook gar teilweise nach Bullying anmutendem Kampf gegen fast alles und jeden in der Szene auffährt und noch auffahren will). Dabei ist freilich das Gegenteil der Fall: Die Bewegung hat auch für die Freiheit von Deuling & Co. viele Ziele erreicht, die es mit reiner Anpassung nie gegeben hätte. Und zur Freiheit gehört auch, so "schrill" zu sein, wie man es will.

Daher wünschen wir allen Hamburgern, die an diesem Wochenende beim CSD feiern und Forderungen aufstellen, viel Spaß und viel Erfolg. Wir wünschen es auch den Leuten in Essen, Nürnberg, Wiesbaden, Ulm, Bonn und Bad Tölz: Zelebriert eure Andersartigkeit und Vielfalt! (nb)

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Tags: hamburg, morgenpost, csd, männer, david berger, bewegung
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Reaktionen zu "Schwuler Frisör von schwuler Schrillheit "provoziert""


 59 User-Kommentare
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Die ersten:   
#1
01.08.2014
18:34:37


(+14, 14 Votes)

Von Barbican


Vielfalt ist nun einmal bunt und wer dafuer eintritt sollte sich auch nicht schaemen mensch unter menschen zu sein - und den anderen sein zu lassen was er sein moechte. Muss einem ja nicht gefallen, muss man nur akzeptieren.


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#2
01.08.2014
19:24:31


(+4, 10 Votes)

Von Robby69
Profil nur für angemeldete User sichtbar


Uiuiui! Das ist ja wieder mal ein gefundenes Fressen für unser Waldmäuschen und für unseren "Püree". LOL! -
Tja, sie und alle anderen überangepassten, biederen Wohlstands-Schwuppen werden - ob es ihnen nun in den Kram passt oder nicht oder ob durch ihr entrüstetes Kreischen ihr Eichenschrank in dem sie sitzen zu zerbersten droht... - damit leben müssen, dass wir offenen Schwulen selbst bestimmen, wie schrill, bunt und auffällig wir zum CSD gehen! Das lassen wir uns von denen jedenfalls nicht vermiesen - und schon gar nicht verbieten. Grins...
Ein CSD IST nun mal schrill und bunt und geil! Und er IST politisch, weil wir nicht nur feiern, sondern bei der CSD-Demo auch für unsere Rechte auf die Straße gehen. Etliche von uns - z.B. auch ich - mit einem provokativen Plakat.
Wenn's unseren biederen Schrankschwestern nicht gefällt - deren Pech. - Sie müssen ja nicht hingehen, sondern dürfen sich auf ihr restliches Leben gern weiter im Schrank verstecken...
Darum: Auf einen geilen, schrillen und bunten CSD!


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#3
01.08.2014
20:02:11
Via Handy


(+6, 8 Votes)

Von Juljan


Ach Lesben sind für die Kameras die über einen CSD schon sichtbar, aber nur solange sie heterolike sind und in Bikinis über die Parade hüpfen.
Im krassen Gegensatz zu Schwulen, die nur gezeigt werden, wenn sie Klischees entsprechen und als Drag Queen oder extrem ausgefallen rumlaufen.
Jeder soll so rumlaufen wie er will!
Insbesondere die Mainstream- Medien zeigen aber keine Vilefalt.

Von 100% gezeigten Inhalten gibt es mindestens etwa 60% Drag Queens und Trans; 20% Fetischleute, mit Vorliebe stürzen sich die Kameras dabei auf Leute mit Hundehalsband- Kette oder (grundsätzlich alte) Männer mit Lederanzug welcher den Hintern freilegt; zu 10% auf ( grundsätzlich junge und schlanke) Lesben und Bifrauen mit Bikinioberteil- und teils auch Bikinihose und teils einem wie ein Penis aussehenden Dildo in der zu Hand, ( was den Heterozuschauer an das Klischee denken lässt, Lesben machen zwar untereinander rum, wollen für Sex aber keinen normalen Dildo sondern einen der wie ein Penis aussieht- ( sprich, "vielleicht lassen die ja auch mich mal ran");
nur ca. 5% von den Fotokameras der Zeitungen aufgefangen wird entsprechendes männliches Pendant, heißt junge, schlanke Männer in kurzer oder länger Jeans und schönem Oberkörper und zu maximal 5% nicht- heterolike Lesben...wenn überhaupt.

Wer auf vielen CSD's war, weiß dass die Männer, die sich nicht als Drag oder mit ausgestopftem BH und damit als Frau/ Teilfrau verkleidet präsentieren, bei weitem nicht die Mehrheit ausmachen.
Die jungen Männer, welche sich nicht als Frau verkleiden und welche die Mehrheit ausmachen werden wesentlich weniger gezeigt.
Bei den gezeigten Frauen verhält es sich genau umgekehrt.

Jeder soll sich wie gesagt kleiden und geben wie er will, gerade auf einem CSD ist DER Platz für so etwas.
Aber was wir fordern ist eine realistische Berichterstattung der queeren und Mainstreammedien über die Teilnehmer!
Dazu gehört, die nicht mal gruppengrößten, Drag Queens nicht wie ein Aushängeschild vorne weg und überwiegen zu zeigen, wenn es noch viele andere Gruppierungen und Einzelpersonen gibt, die dort mitlaufen.


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#4
01.08.2014
20:29:38
Via Handy


(+3, 7 Votes)

Von David77
Antwort zu Kommentar #2 von Robby69


Wer sagt denn, das sich hinter dem waldmäuschen nicht der interviewte verbirgt? ;-)


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#5
01.08.2014
20:53:28
Via Handy


(+6, 8 Votes)

Von Felix


Auch bei den Medien wird Homophobie wieder salonfähig...

Wie lange wollen wir uns das noch bieten lassen?


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#6
01.08.2014
22:09:04


(+10, 12 Votes)

Von Lars3110
Profil nur für angemeldete User sichtbar


David Berger weiß, wovon er spricht, wenn es um Anpassung bis zur Selbstverleugnung geht.


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#7
01.08.2014
22:10:14


(+8, 10 Votes)

Von Zeitfenster


Die MÄNNER befindet sich mit ihren Beiträgen zum Thema im intellektuellen Tiefflug über den (schwulen) Stammtischen der Republik. Unfassbar!


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#8
01.08.2014
23:10:42


(+13, 13 Votes)

Von Hannibal
Aus Berlin
Mitglied seit 10.05.2008


Und Herr Rial-Farina hat das Prinzip des CSD auch nicht wirklich verstanden. Es geht EBEN DARUM, dass "anders sein" akzeptiert wird. Und das geht nur durch immer wiederkehrende Indoktrination und Konfrontation mit dem "Anderen". Das macht man auch bei der Erziehung von Tieren so. Dann versteht es nämlich auch der Dämlichste irgendwann.


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#9
02.08.2014
09:29:08


(+5, 5 Votes)

Von ehemaligem User FoXXXyness
Antwort zu Kommentar #1 von Barbican


Richtig!


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#10
02.08.2014
09:32:41


(+7, 9 Votes)

Von buddybuddy


David Berger nimmt aber doch sonst so wunderbar klare schwule Positionen ein. Z.B. wenn er schreibt:

"... Es ist Zeit für ein neues männliches Selbstverständnis. Eine Gemeinschaft von Männern, die miteinander, statt gegeneinander lebt, arbeitet, Sport macht und Spaß hat. Männer von morgen. Männer, die frei sind. Frei von Vorurteilen und Neid, frei im Kopf und im Herzen..."

Richtig, hier geht es nicht so übermässig um schwules Selbstbewusstsein, sondern eher mehr um schwule Verkoofe.

Damit bezaubert Berger seine kleine schwule Lifestyle-Leser-Gemeinde gleich auf der Titelseite des "führenden deutschsprachigen Lifestylemagazin für schwule Männer" und müht sich in katholisch-brüderlichem Geiste den schwer ins Trudeln geratenen, nunmehr insolventen, aber dennoch "weltberühmten" Homo-Verlag (vom nach Australien abgewanderten Porno-Millionär - einer der 10 mächtigsten Schwulen aus Deutschland - rechtzeitig 'abgestossen') wieder hochzubeten.

Siehe: Gottesmann David Berger präsentiert uns die brandheissen Bruno Gmünder Schlüpfer

Link:
satirischundschwul.blogspot.de/2014/07/gottesmann-
david-berger-prasentiert-uns.html


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