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Dima Tschischewski nach dem Überfall im letzten November

Dima Tschischewski, der beim Angriff auf die St. Petersburger Organisation LaSky am Auge verletzt wurde, hat das Land verlassen.

Ein weiterer russischer LGBT-Aktivist lässt sein Heimatland hinter sich. Wie mehrere russische Medien berichten, will Dima Tschischewski seinen derzeitigen Aufenthalt in den USA nutzen, um einen Antrag auf Asyl zu stellen.

Der 27-Jährige war im letzten November bei einem Überfall von maskierten Männern auf eine Gesprächsrunde für junge Schwule und Lesben in den Räumlichkeiten der Aids-Organisation LaSky in St. Petersburg verletzt worden (queer.de berichtete). Bei einem von zwei Schüssen auf ihn blieb eine Kugel der Druckluftwaffe in seinem linken Auge stecken.

Eine weitere Aktivistin, Anna Prutskowa von der Bisexuellengruppe Lubi, war bei dem Überfall durch Baseballschläger verletzt worden (queer.de berichtete). Die Polizei nahm danach Ermittlungen wegen "Rowdytums" auf; ein Versuch Tschischewskis, Ermittlungen wegen eines Hassverbrechens zu erzwingen, scheiterten vor Gericht. Pläne für eine eigene Organisation, die Opfer homophober Hassverbrechen eine Stimme geben und sie unterstützen sollte, hat er später aufgegeben.

Exodus aus Russland


Gray Violet stellte in Finnland einen Antrag auf Asyl – und wurde in weniger als zwei Monaten anerkannt

Tschischewski befindet sich seit rund zwei Wochen auf einem Besuch in den USA. In sozialen Netzwerken schrieb er: "Lasst uns kein Geheimnis machen aus dem, was allen längst klar sein wird: Ja, ich bin in die Staaten gereist, und ja, ich werde Asyl beantragen." Vor sechs Monaten habe er noch anders über die Frage des Auswanderns gedacht, so der Aktivist.

In den USA haben in den letzten Monaten bereits einige russische LGBT-Aktivisten zumindest vorläufigen Unterschlupf gefunden, weitere stellten in Spanien oder Schweden einen Asylantrag. Am Freitag berichteten russische Medien, ein weiterer Transgender-Aktivist aus Moskau, bekannt von mehreren LGBT-Demos unter den Namen Gray Violet und Maria Stern, habe im Juni in Finnland um Asyl gebeten – und bereits gestern die Anerkennung als Flüchtling erhalten.

In Deutschland hatten zuletzt unter anderem ein Aktivisten-Paar aus Moskau, das zuvor in Kopenhagen geheiratet hatte, und ein junger Aktivist aus Woronesch, der durch einen Protest beim Olympischen Fackellauf weltweit bekannt wurde, einen Asylantrag gestellt. Pawel Lebedew, der dazu einen Besuch beim Kölner CSD nutzte, befindet sich derzeit im Aufnahmelager Friedland bei Göttingen; in einem Video bedankte er sich für die zahlreichen Spenden.

Insgesamt werden in Deutschland derzeit rund zwei Dutzend Asylfälle von LGBT aus Russland bearbeitet, neben Aktivisten sind das vor allem Lesben(-paare) mit Kindern. Aufgrund der unvorhersagbaren Einzelfallentscheidungen der deutschen Behörden sowie der belastenden Zeit bis zu einer Anerkennung oder Ablehnung rät die Organisation Quarteera in der Regel von dem manchmal spontanen Schritt ab; LGBT sollten etwa besser die Möglichkeit eines Studiums oder eines Sozialen Jahres nutzen (mehr zur Arbeit der Organisation mit Flüchtlingen in diesem Interview).

UN-Menschenrechtskomitee schaltet sich ein

Derweil hat sich am Donnerstag das Menschenrechtskomitee der Vereinten Nationen der Lage von LGBT in Russland angenommen. Für den nächsten Landesbericht wurden zahlreiche Fragen an russsische Behörden gestellt, darunter wie man gegen Volksverhetzungen in der Öffentlichkeit vorgeht oder wie man die Versammlungs- und Meinungsfreiheit von LGBT garantiere.

Einen besonderen Augenmerk legt das Komitee auf den Überfall auf LaSky. So will die UN wissen, warum das Verbrechen nicht als Gewalt gegen eine Bevölkerungsgruppe bewertet wurde, wieviele Überfälle es auf LGBT gegeben habe und was die Ergebnisse der polizeilichen Ermittlungen zu diesen Fällen sind.

Der letzte Menschenrechtsreport zu Russland aus dem Jahr 2012 hatte noch keine spezielle diskriminierende Politik gegenüber LGBT festgestellt. Russische LGBT-Organisationen hatten vor wenigen Wochen dem Menschenrechtskomitee einen alternativen Bericht (PDF) vorgelegt. (nb)



#1 m123Anonym
#2 Simon HAnonym
  • 08.08.2014, 13:28h

  • Ich kann nur all allen schwulen, lesbischen, trans- und bisexuellen Russen raten, wenn es ihnen irgendwie möglich ist, ihr Land zu verlassen und in einem zivilisierteren Land Zuflucht zu suchen.

    Und es wird endlich Zeit, dass die sexuelle Orientierung als Asylgrund anerkannt wird.
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#3 PetterAnonym
  • 08.08.2014, 13:30h

  • Ich drücke ihm die Daumen, dass das klappt, dass er sich ganz von seiner Verletzung erholt und dass er dann endlich ein Leben in Frieden und Sicherheit und ohne Angst leben kann.
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#4 LGAYBTAnonym
  • 08.08.2014, 13:53h

  • Ich finde es sehr traurig das er sein Land verlassen muss nur weil er LGBT ist, niemand sollte aufgrund seiner sexuellen Orientierung verfolgt werden

    Ich hoffe aber das mehr LGBT in Deutschland und anderen "toleranten" Ländern aufgenommen werden, wenn sie in ihrem Land diskriminiert und verfolgt werden
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#5 Oliver43Anonym
  • 08.08.2014, 13:57h
  • Nur mal so angedacht für die Verräterpartei der Sozialdemokraten, die mit Putin Geburstagspartys in Sankt Petersburg feiern und zum Kaffekränzchen sich in Moskau mit Schmidt treffen:

    Die SPD kann mit Putin aushandeln, das Deutschland den nördlichen Teil von Ostpreußen mit Königsberg zurückbekommt (derzeit russisch) und dafür akzeptiert Deutschland dann das Russland die Krim und den Osten der Ukraine bekommt.

    Das würde dann die gesamte Aussenpolitik Deutschlands verändern: aber dann wären Russland und Deutschland wieder Freunde...nur wären dann die Polen, Litauer und andere Europäer sicherlich darüber nicht so erfreut.

    Also wie wärs: die SPD als Heim ins Reich holende Partei, die uns Königsberg zurückgebracht hat.

    Dann wären Putin, Schröder und Gazprom alle Sorgen los...
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#6 wurstfingerAnonym
#7 FoXXXynessEhemaliges Profil
#8 dem BetreuerAnonym
#9 BaksisProfil
  • 08.08.2014, 14:57h
  • Es fängt ja schon ganz gut an für Russland.
    So langsam aber sicher verschwinden alle Homos aus dem Land, das Ziel eines homo-freien und gereinigten Staates scheint in greifbarer Nähe.

    Umso mehr freut sich dieser osteuropäische Staat nun darüber, dass auch die meisten westlichen Lebensmittel vom Markt verschwinden.

    Herzlichen Glückwunsch, du russisches Land!

    Immer weniger deiner Kinder werden jetzt zu Perversen erzogen und deine Wirtschaft wird angekurbelt!

    yuhuuuu <3
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