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  • 08.08.2014           13      Teilen:   |

Schockierender Vorfall

Aserbaidschan: LGBT-Aktivist von eigener Familie attackiert

Ein Bild von "M.N." am Tag danach - Quelle: Nefes
Ein Bild von "M.N." am Tag danach (Bild: Nefes)

Ein schwuler Mann wurde verprügelt und mit Benzin übergossen, nachdem er an einer Konferenz für die Rechte Homosexueller teilgenommen hatte.

In Aserbaidschan ist ein schwuler Aktivist von seiner eigenen Familie zusammengeschlagen und mit Benzin übergossen worden. Das berichtet die LGBT-Organisation Nefes aus Baku.

Dem Bericht zufolge habe die Familie den Mann, dem die Organisation den fiktiven Namen M.N. gegeben hat und zu dem sie keine weiteren Angaben machte, anzünden wollen, allerdings habe er fliehen können. Ein von Nefes verbreitetes Bild soll die Verletztungen des Mannes nach dem Vorfall vom Donnerstag zeigen.

"Obwohl M.N. von zu Hause fliehen konnte, hat die Familie viele seiner Sachen und Dokumente behalten", so Nefes. "M.N. ist jetzt an einem sicheren Ort, die Bedrohung seines Lebens hält aber an. Zudem ist durch die Wegnahme der Papiere seine Bewegungsfreiheit wie die Chance, das Land zu verlassen, eingeschränkt."

M.N. soll am 23. Juli an einer LGBT-Konferenz teilgenommen und danach von einem Unbekannten bei Facebook erpresst worden sein. Gedroht wurde offenbar, ein Bild von der Veranstaltung an die Familie des Aktivisten zu senden.

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Schlaglicht auf die Lage von LGBT

Der Aktivist Isa S. hatte sich im Januar das Leben genommen - Quelle: privat
Der Aktivist Isa S. hatte sich im Januar das Leben genommen (Bild: privat)

Die öffentliche Konferenz mit rund 40 Teilnehmern unter Unterstützung von ILGA Europe war die erste ihrer Art in dem Land. Sie begann mit einem Gedenken an den jungen Aktivisten Isa S.: Der Vorsitzende der Organisation "Free LGBT Azerbaijan" hatte sich im Januar das Leben genommen, in dem er sich mit einer Regenbogenflagge erhängte (queer.de berichtete).

Der Fall warf ein Schlaglicht auf die Lage von LGBT in dem Land, zumal zur Beerdigung des 20-Jährigen Besucher und Journalisten beschimpft und mit Steinen beworfen wurden.

Homosexuelle Handlungen sind in Aserbaidschan erst seit dem Jahr 2000 legal. Es gibt Berichte über Gewalt und Erpressung durch die Polizei. Als vor zwei Jahren der Eurovision Song Contest in Baku stattfand, äußerten sich Vertreter zweier LGBT-Organisationen vorsichtig positiv über die Lage. Wohl auch ein Grund: Nach der Show waren viele (allgemeine) Menschenrechtler, die kritische Anmerkungen gemacht hatten, zu längeren Haftstrafen verurteilt worden. Diese Verfolgung von Oppositionellen hält an: Erst in den letzten Tagen waren zwei führende Aktivisten verhaftet worden.

Vision: Baku in Regenbogenflaggen

Flashmob zum Internationalen Tag gegen Homophobie in Aserbaidschan 2014 - Quelle: Nefes
Flashmob zum Internationalen Tag gegen Homophobie in Aserbaidschan 2014 (Bild: Nefes)

Trotz des Klimas haben sich mit Nefes oder "Free LGBT Azerbaijan" neue engagierte LGBT-Organisationen gegründet, Isa S. hatte sogar in TV-Interviews über sein Coming-out gesprochen. In einem hatte er gesagt: "Ich hoffe, dass ich eines Tages den Tag erlebe, an dem die Straßen von Baku in Regenbogenflaggen geschmückt sind."

Zum 17. Mai, dem Internationalen Tag gegen Homophobie, hatten aserbaidschanische LGBT-Aktivisten, vor allem Jugendliche, in diesem Jahr immerhin einen Trip mit einem mit einer Regenbogenflagge geschmückten Bus unternommen. Später ließen sie Luftballons aufsteigen. Ein Video davon verbreitete sich gut auf Youtube, ist in Deutschland allerdings nicht abrufbar. (nb)

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Tags: aserbaidschan, baku
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Reaktionen zu "Aserbaidschan: LGBT-Aktivist von eigener Familie attackiert"


 13 User-Kommentare
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Die ersten:   
#1
08.08.2014
19:25:32


(+6, 8 Votes)

Von London Bridge


Azerbaijan ist mitglied des europarats, der OSZE, des NATO-programms 'partnership for peace'.

1813 vom Russischen Reich annektiert, 1918 selbstaendig geworden, die erste demokratische parlamentarische republik der islamischen welt, das erste islamische land dass das frauenwahlrecht einfuehrte und frauen rechtlich maennern gleichstellte. Dann stellte 1920 ein Herr Lenin fest dass es der jungen Sowietunion am aserbaijanischen oel gebrach (Oel? Oel? Habe ich das wort nicht schon einmal gehoert irgendwo?), was seiner aussage zufolge eine militaerische invasion und annexion rechtfertigte.

Im januar 1990 hat Herr Gorbachev die protestierenden massen in Baku, die fuer unabhaengigkeit demonstrierten, von seinen soldaten unter feuer nehmen lasse. Im oktober 91 wurde aserbaijan wieder selbstaendig.

Offenbar ist die dortige gesellschaft gepraegt von stark paternalistischen strukturen in denen familienmitglieder dem oberhaupt zu so weitgehender loyalitaet verpflichtet sind dass man von einem besitzrecht bzw -anspruch sprechen kann. Das setzt sich auf den weiteren ebenen der gesellschaft fort bzw wirkt sich aus. Der staat besteht aus institutionen die dem namen nach demokratischer natur sind, aber gewiss nicht der funktion nach.

Link:
freedomhouse.org/country/azerbaijan#.U-UGKWPe9r8


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#2
08.08.2014
21:25:35


(+7, 9 Votes)

Von Hinnerk


"Der Aktivist Isa S. hatte sich im Januar das Leben genommen"

Wieviele müssen noch sterben, ehe der zivilisierte Teil der Welt mal aufwacht und etwas gegen solche Staaten unternimmt?

Wobei ich das nicht mal sicher finde, dass der sich das Leben genommen hat. Vielleicht war das ja ein Mord und das wurde (weil es ja "nur" ein Schwuler war) nicht richtig untersucht oder sogar bewusst vertuscht.


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#3
08.08.2014
21:26:07


(+10, 10 Votes)

Von Felix


Wann wird die sexuelle Orientierung endlich als Asylgrund anerkannt?


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#4
08.08.2014
22:43:36


(+5, 7 Votes)

Von Cambridge Five
Antwort zu Kommentar #1 von London Bridge


"Dann stellte 1920 ein Herr Lenin fest dass es der jungen Sowietunion am aserbaijanischen oel gebrach (Oel? Oel? Habe ich das wort nicht schon einmal gehoert irgendwo?),"

"Barzani and his followers arrived in the Armenian SSR and were put in a camp near Nakhchevan.[11] After appealing to the Soviet Union to help them, Barzani and his followers were transferred to the Azerbaijan SSR, kept in camps near and around Baku. Barzani met with Azerbaijan Communist Party officials, who under orders from Moscow were told to help the Kurds.

In November 1947, Barzani met for the first time Mir Jafar Baghirov, the First Secretary of the Azerbaijan Communist Party, to discuss what the Kurds could do in the Soviet Union. Barzani's followers were organized into a military regiment and received training in military tactics and politics, as well as education to learn to read and write Kurdish.[12]"

Link:
en.wikipedia.org/wiki/Mustafa_Barzani


Bild-Link:
130059196328180235.jpg


Bild-Link:
President_Barzani_President_Obama_USA__2012_04_05_
h2m23s32__HA.jpg


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#5
09.08.2014
08:47:26


(+4, 4 Votes)

Von ehemaligem User FoXXXyness
Antwort zu Kommentar #3 von Felix


Wenn es nach mir gehen würde, sofort!


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#6
09.08.2014
09:20:03


(+11, 11 Votes)

Von Tobi Cologne


Was sind das nur für perverse Menschen, die ihren eigenen Kindern sowas antun?

Wie religiös verblödet und fanatisiert muss man dafür sein?


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#7
09.08.2014
09:26:57


(+9, 9 Votes)

Von Pascal
Antwort zu Kommentar #6 von Tobi Cologne


Wie Du schon richtig sagst, lässt sich das letztlich alles auf religiösen Fanatismus zurückführen, weil irendwelche Sekten, denen es in Wahrheit nur um Geld und Macht geht, den Leuten Angst machen, um sie gefügig zu machen.


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#8
09.08.2014
09:28:56


(+8, 8 Votes)

Von Alex


Verflucht seien die Leute, die sowas tun!


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#9
09.08.2014
09:59:36


(+6, 10 Votes)
 
#10
09.08.2014
10:21:50


(+5, 11 Votes)

Von -hw-
Antwort zu Kommentar #9 von CaucasianContest


"In 2009, Akbar published a book entitled Artush and Zaur, a homosexual love tale between an Armenian and an Azerbaijani who felt apart after Nagorno-Karabakh War.

The book became highly controversial and was banned in bookstores in both Armenia and Azerbaijan which for the past two decades have been bitter rivals due to the ongoing ethnic conflict over Nagorno-Karabakh and where homosexuality is still highly stigmatised"

Link:
en.wikipedia.org/wiki/Ali_Akbar_(writer)


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