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  • 16.08.2014           29      Teilen:   |

Video-Installation von Philipp Gufler

"Gauweilereien" im Schwulen Museum*

Artikelbild
Philipp Gufler, Jahrgang 1989, lebt in München. Seine Ausstellung im Schwulen Museum* Berlin zeigt neben der Videoinstallation neue Arbeiten, darunter Siebdrucke auf Stoff aus der Serie "Quilt", sowie in Epoxi gegossene Textcollagen mit dem Titel "August von Platen" (Bild: Robert Niedermeier)

"Projektionen auf die Krise – Gauweilereien in München" lautet der Titel einer Ausstellung in Berlin, mit der ein junger Künstler an Bayerns Aids-"Maßnahmenkatalog" von 1987 erinnert.

Von Robert Niedermeier

"Die Gesellschaft ist in Bezug auf Aids geschichtsvergessen", sagt Philipp Gufler. Am Vortag der Eröffnung seiner Ausstellung "Gauweilereien" zeigt er auf den Aufbauplan und bemängelt, was der Schwulenszene vor allem fehlt: "der Wille zum Widerstand". Namensgeber des Epochen übergreifenden Installations-Arrangements im Schwulen Museum* ist der mittlerweile ergraute CSU-Politiker Peter Gauweiler: ein stets von Schwulengerüchten flankiertes Feindbild der bundesdeutschen Homo-Bewegung.

Mit seiner Kunst möchte der 25-jährige Gufler nicht weniger, als die Menschen dazu zu bringen, sich für ihre Rechte und gegen Ausgrenzung zu engagieren. Der schlanke Bayer setzt dabei seine künstlerischen Mittel gekonnt ein. Inhalte zu transportieren und die Geschichte neu zu interpretieren, um die Gegenwart zu gestalten – das sind seine hehren Anliegen.

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"Gauweiler steht symbolisch für die Ausgrenzung von Minderheiten"

Die große Überraschung ist, dass dies dem unschuldig-schnuckelig wirkenden Künstler – trotz aller Ernsthaftigkeit – in unterhaltsamer Form gelingt. "Gauweiler steht symbolisch für die Ausgrenzung von Minderheiten, die noch immer stattfindet", erklärt der im Dorf Fischach bei Augsburg aufgewachsene Künstler. In den 1980er Jahren erklärte Peter Gauweiler, damals erst Kreisverwaltungsreferent in München, dann bayrischer Innenstaatssekretär, "Stricherecken" und "ganz bestimmte Saunaclubs" zu "offenen Seuchenquellen" sowie dem "massenhaften Analverkehr" im Zuge der Aids-Krise den Krieg.

Der studierte Foto-, Performance- und Video-Künstler, damals noch gar nicht geboren, reflektiert diese düstere Zeit künstlerisch eindrucksvoll. Mehr noch: Beim Lesen, Hören und Sehen bietet er den Besuchern seiner Ausstellung messerscharfe politische Analysen des queerpolitischen Willensbildungsprozesses. Die heute längst institutionalisierten Aids-Hilfen haben ironischerweise auch einem Gauweiler ihre Existenz zu verdanken. Die verbalen Entgleisungen des CSU-Politikers und seine Vorhaben zur soziokulturellen Auslöschung der Schwulenszene schreckten selbst das bürgerliche Lager auf und erzwangen effektiven politischen Widerstand.

Peter Gauweiler, ein Verehrer des schwulen Bayernkönigs Ludwig II. und im Rückblick selbst zu einer grotesken Anti-Ikone der Schwulenbewegung erstarkt, wird von Gufler zum Phänomen seiner Zeit degradiert. Ein Interesse an der Privat-Person Gauweiler, der erst kürzlich wieder als Spitzennebenverdiener des Bundestags für Schlagzeilen sorgte, hegt Gufler nicht: "Es wird der Krise nicht gerecht, ihn allein als Buhmann zu skizzieren. Gauweiler hatte viele Mitstreiter." Auch der bayerische Kultusminister Hans Zehetmair denunzierte etwa homosexuelle Handlungen als "krankhaftes Verhalten" und forderte offen: "Dieser Rand muss ausgedünnt werden."

"Ich beobachte eine zunehmende Angepasstheit"

Sequenz aus der Video-Installation: In seinem "Maßnahmenkatalog" gegen Aids forderte Gauweiler 1987 Zwangtests für schwule Männer und eine "Absonderung" von "uneinsichtigen" Infizierten
Sequenz aus der Video-Installation: In seinem "Maßnahmenkatalog" gegen Aids forderte Gauweiler 1987 Zwangtests für schwule Männer und eine "Absonderung" von "uneinsichtigen" Infizierten (Bild: Schwules Museum*)

Ikonisierte Gauweiler-Gemälde oder dämonisierende Zerrbilder fehlen deshalb komplett. Der Künstler, der intensiv die US-amerikanische Act-Up-Bewegung studierte, beschäftigt sich nur marginal mit dem Feindbild, stattdessen seziert er das mediale, künstlerische und literarische Umfeld. Das gelingt anhand transparenter Texttafeln, malereiähnlicher Quilts und Video-Loops. Mit unterschiedlichen Materialien und Techniken führt Gufler durch die Geschichte der deutschen Homo-Bewegung und entlarvt eine nach wie vor andauernde Ausgrenzung.

Laut Gufler beteiligen sich daran auch Strömungen innerhalb der Schwulenszene: "Ich beobachte eine zunehmende Angepasstheit und zugleich eine Form von Separatismus", sagt der Künstler im queer.de-Gespräch. Solidarität mit anderen ausgegrenzten Gruppen fehle.

Guflers "Gauweilerien" beleuchten nicht nur die Anfänge der Aids-Krise, sondern blicken viel weiter zurück. In Fotoarbeiten wird der Schriftsteller August von Platen (1796-1835) etwa posthum zur Schwulen-Ikone erklärt. Gufler möchte das Bewusstsein für die eigene Geschichte stärken und scheut sich als Künstler nicht, den Finger in offene Wunden zu legen. So plädiert er etwa dafür, den Pride-Begriff zu erweitern oder das Symbol der Regenbogenflagge neu zu besetzen, über sexuelle Merkmale hinweg: "Man will die maximale Öffentlichkeit, doch Schutzräume im Verborgenen, auch Darkrooms, die immer mehr verschwinden, sind ebenso wichtig", erläutert Gufler und hofft auf "eine Widerständigkeit, die sich bewusst außerhalb der Gesellschaft stellt".

Der vielseitige Kunstaktivist fordert "Radikalität" ein wie sie bereits Jean Genet oder Hubert Fichte im 20. Jahrhundert propagierten. Kein Wunder, dass Guflers "Gauweilereien" den Besuchern etwas mitzuteilen haben: Kunst trifft auf Politik, sein Projekt funktioniert und erhellt. Eine konkrete Anleitung bietet die Ausstellung zwar nicht – aber jede Menge echte Inspiration für mehr Widerständigkeit.

  Infos zur Ausstellung
Philipp Gufler: Gauweilereien. Ausstellung vom 17. August bis 3. September 2014 im Schwulen Museum*, Lützowstraße 73, 10785 Berlin. Eröffnung am Samstag, den 16. August um 19 Uhr. Am 19. August findet um 19 Uhr ein Gespräch zwischen dem Künstler und der Kunsttheoretikerin Kerstin Stakemeier statt. Finissage ist am 3. September von 19 bis 22 Uhr mit DJ Problemi und Lisa Schairer. Das Buch zur Ausstellung ist für 14 Euro im Schwulen Museum* erhältlich oder kann direkt beim Verlag bestellt werden.
Links zum Thema:
» Mehr Infos zur Ausstellung im Schwulen Museum*
» Mehr Infos zum Buch "Projektionen auf die Krise – Gauweilereien in München"
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Tags: peter gauweiler, philipp gufler, schwules museum, aids-krise, gauweilereien
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Reaktionen zu ""Gauweilereien" im Schwulen Museum*"


 29 User-Kommentare
« zurück  123  vor »

Die ersten:   
#1
16.08.2014
17:48:23


(-4, 10 Votes)

Von e3z5zh5


Viele Schwule wissen nicht, dass Teile der Eichel und der Vorhaut perfekte Eintrittspforten für HIV sind, weswegen sich im Übrigen auch Schwule beim aktiven, ungeschützten Analverkehr mit HIV infizieren können, wenn der Passive HIV-positiv ist. Worauf ich hinaus will, ist, dass vielen Schwulen gar nicht bewusst ist, welchem Risiko sie sich aussetzen, wenn sie zwar mit Kondom vögeln, dann aber kurz vor der Ejakulation das Kondom abziehen und über den Penis des Sexpartners ejakulieren. Gelangt dabei Sperma auf Eichel oder Vorhaut des Sexpartners und ist man HIV-positiv, so besteht durchaus Infektionsgefahr, weil im Sperma eines HIV-Positiven Viren enthalten sind und weil Harnröhrenausgang, Innenseite der Vorhaut und Vorhautbändchen durchlässig für HI-Viren sind, insbesondere die Schleimhaut am Harnröhrenausgang.

Das möchte ich nur mal so gesagt haben. Also immer darauf achten, dass kein Sperma des Einen an Eichel oder Vorhaut des Anderen gelangt, wenn man nicht weiß ob der Andere HIV-positiv ist bzw. wenn man sich nicht vertraut.


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#2
16.08.2014
17:52:31


(-1, 5 Votes)

Von Gauleiter


Hoffentlichh gibt es bei der Ausstellung auch Aufnahmen vom Gauleiter inflagranti mit Buben.


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#3
16.08.2014
18:52:09


(+4, 6 Votes)

Von jhgk


Sagt das mal lieber Heten, die wissen Ihren HIV-Status &Co meistens nicht. MSM dagegen schon! Heteros wissen auch meistens nicht, dass SIE mit Chlamydien,Tripper oder HPV infiziert sind ...interessiert die gar nicht und wenn ,daan rennt die Frau zur Frauenärztin für einen Abstrich und das war's. Heterosexuelle Männer und Prävention ...?Fehlanzeige laut WHO,U.N., RKI &Co.

AAchso ich hab's ja vergessen.Es gibt ja momentan nichts wichtigeres als Religionskonflikte ,um abzulenken , dass LGBT's Gleichberechtigung wollen . Hat man wieder einen Ausredegrund mehr gefunden.


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#4
16.08.2014
19:12:40


(+5, 7 Votes)

Von Robby69
Profil nur für angemeldete User sichtbar


Super Projekt! Hoffentlich wird die Ausstellung auch mal in München irgendwo gezeigt...


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#5
16.08.2014
20:12:40


(+3, 15 Votes)

Von Ein Münchner


Mein Gott, wie einfach ist es als heutig 25-jähriger der Community politische Passivität vorzuwerfen. Junge, du hast keine Ahnung wie dramatisch die Aktionen von Gauweiler auf mich, der ich damals gerade begann, mich schwul zu emanzipieren, wirkten. Dieser gottverfluchte Idiot, dieser bigotte Emporkömmling hat mich Jahre meines Lebens, eine unbeschwerte Jugend und den unverkrampften Umgang mit meiner Sexualität gekostet. Pfui, Herr Gauweiler. Sie waren eine echte Bedrohung für Existenzen. Ihre Schwulenlisten, Ihre Drohung, z. B. die Beamtenlaufbahn für "unsereins" zu blockieren, all dieses Gedankengut war das Zerrbild einer anderen Zeit. Gott sei Dank ist das Vorbei und Geschichte. Seid froh, all Ihr 25-jährigen, dass Ihr das nicht miterleben musstet und seid lieber selbst politisch, als uns Passivität vorzuwerfen!


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#6
17.08.2014
03:24:36


(+2, 4 Votes)

Von Miguel53de
Aus Wuppertal (Nordrhein-Westfalen)
Mitglied seit 23.07.2012
Antwort zu Kommentar #1 von e3z5zh5


Und das gehoert ausgetechnet und hier erklaert, weil?


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#7
17.08.2014
04:29:36


(+9, 9 Votes)

Von Miguel53de
Aus Wuppertal (Nordrhein-Westfalen)
Mitglied seit 23.07.2012
Antwort zu Kommentar #5 von Ein Münchner


Ich fuehle mich gerade auch idiotisch. Wunderte mich, warum dieser Beitrag negativ bewertet wurde - und klicke versehentlich auch auf das -! Sorry.
Ja, ich kann Deine Erfahrung von damals nur bestaetigen. Dieser Gauweiler hat wirklich Angst ausgeloest. Unterstuetzt von "Spiegel", "Bild" und anderen Zeitungen erschuf er ein Zerrbild homosexueller Menschen. Und loeste damit eine Welle der Hysterie gegen sie aus.
Dieser ueble Mensch ist nach wie vor stellvertretendes Mitglied des CSU Vorstandes, sitzt im Bundestag und kassiert dickes Geld. Zudem verdient er ein nettes Zubrot durch Nebentaetigkeiten von fast 1 Millionen Euro pro Jahr!
Moeglich ist das, weil Gauweiler das MdB ist, das die meisten Sitzungen schwaenzt.
Man muss ihn gar nicht daemonisieren. Er IST fuer mich das Muster-Beispiel des Daemonen, der als Biedermeier daher kommt.


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#8
17.08.2014
09:31:40
Via Handy


(+1, 3 Votes)

Von Robby69
Profil nur für angemeldete User sichtbar
Antwort zu Kommentar #7 von Miguel53de


Da stimme ich Dir vollkommen zu. Und so lange Gauweiler lebt, wird er weiter massiv gegen uns Schwule hetzen und seine ewiggestrigen Ansichten verbreiten.


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#9
17.08.2014
09:38:22
Via Handy


(+1, 5 Votes)

Von Robby69
Profil nur für angemeldete User sichtbar
Antwort zu Kommentar #5 von Ein Münchner


Vollkommen richtig.


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#10
17.08.2014
09:44:23


(+8, 8 Votes)

Von ehemaligem User Monster_Baby
Antwort zu Kommentar #5 von Ein Münchner


Ich habe den Text anders verstanden. Der Künstler beobachtet doch - wenn ich das richtig verstanden habe - eine zunehmende Geschichtsvergessenheit, Angepasstheit und fehlende Solidarität. Das wirft er doch nicht explizit den Schwulen vor, die zu den Hochzeiten Gauweilers Schwulenhetze jung waren. Im Gegenteil, ich finde es toll, dass ein junger Mensch sich mit einer Krise beschäftigt, die durch die Gauweiler'sche Hetze hervorgerufen wurde aber auch in Teilen der Bevölkerung Widerhall fand. Er setzt sich mit der Aids-Hysterie der damaligen Zeit auseinander obwohl er noch gar nicht geboren war. Als ein Schwuler, der die Gauweiler-Hetze miterlebte, bin ich dem jungen Herrn Gufler dankbar, dass er sich dieser Zeit annimmt und politisch Position bezieht; das tun aktuell wenige - egal welchen Alters. Meinen Respekt an den Künstler. Danke.


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