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  • 17.08.2014               Teilen:   |

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"Masters of Sex": Die Orgasmus-Forscher

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Barton Scully (Beau Bridges, li.) ist Chef der medizinischen Fakultät der Washington University und der Vorgesetzte und Förderer von Dr. Masters. Er ist verheiratet und hat eine Tochter, trifft sich aber heimlich mit dem Stricher Dale (Finn Wittrock) (Bild: Showtime)

Die US-Serie über beiden Sexualwissenschaftler Masters & Johnson, im schicken Fifties-Stil von "Mad Men" gefilmt, fesselt nicht nur wegen der schwulen Nebenhandlungen.

Von Kevin Clarke

Das ist mir schon eine Weile nicht passiert, dass ich eine ganze Serienstaffel in einem Schwung hintereinander weg geschaut habe. Aber die zwölf Folgen von Showtimes "Masters of Sex" über das 1950er-Jahre-Sexforscherteam Masters & Johnson ist einfach zu gut und zu spannend (und zu unterhaltend), um nicht gleich nach den ersten 60 Minuten süchtig nach mehr zu werden.

Gründe gibt es viele: Um mehr zu erfahren über die unfassbar verklemmte Sexualmoral in den USA in den 1950er Jahren. Mehr über das Hauptpaar Michael Sheen als emotional gestörter William H. Masters und Lizzy Caplan als emanzipierte Virginia Johnson, zwischen denen eine ganz besondere Chemie herrscht, die alles zusammenhält. Mehr über den heimlich schwulen Verwaltungsschef des Universitätskrankenhauses (Beau Bridges), der ihnen hilft, ihr Projekt zu finanzieren. Mehr über die vielen Teilnehmer der anonymen Sexstudie, die verkabelt und im Krankenhaus nicht nur oft sehr komisch beim Masturbieren und Kopulieren aussehen, sondern teils auch sehr sexy, besonders der blonde Teddy Sears als Dr. Austin Langham und seine Lieblingsprobandin Heléne Yorke als Sekretärin-im-Dienst-der-Wissenschaft Jane Martin.

Und dann ist da noch der smarte Nicholas D'Agosto als junger Assistenzarzt Dr. Ethan Haas, dem Johnson die Augen öffnet, was befreiten und gleichberechtigten Sex angeht. Und da ist als weiteres "Must See" die phänomenale Allison Janney als Margaret Scully, Ehefrau des Verwaltungschefs, die damit umgehen muss, dass ihr Mann sie nicht körperlich begehrt.

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Masters & Johnson studieren die Abläufe bei sexueller Erregung

Der Gynäkologe William Howell Masters (1915-2001) und die Wissenschaftlerin Virginia Johnson (1925-2013) gelten als Pioniere der modernen Sexualwissenschaft. Auch privat waren sie zeitweise ein Paar
Der Gynäkologe William Howell Masters (1915-2001) und die Wissenschaftlerin Virginia Johnson (1925-2013) gelten als Pioniere der modernen Sexualwissenschaft. Auch privat waren sie zeitweise ein Paar

Doch der Reihe nach: Der erfolgreiche Gynäkologe William H. Masters startete zusammen mit der medizinisch nicht weiter vorbelasteten Virginia Johnson, einer ehemaligen Nachtclubsängerin, 1956 ein Projekt zur wissenschaftlichen Erforschung menschlichen Sexualverhaltens. Das Ziel ist es, lange gehegte Mythen zu entkräften und durch wissenschaftliche Statistiken und Daten zu ersetzen.

Dabei geht es in Staffel 1, die 1956/57 spielt, um alle möglichen Themen: Selbstbefriedigung, Penisgröße ("Bigger is better?"), den Unterschied zwischen Vaginal- und Klitoral-Orgasmus, von denen der eine laut Siegmund Freud "gut" sein soll, weil "reifen und verheirateten" Frauen zugeordnet, die vom Ehemann penetriert werden, während der andere "schlecht" sei, weil mit unreifen Teenagern und Masturbation assoziiert. Es geht grundsätzlich um die Abläufe bei sexueller Erregung und was dabei mit dem Körper geschieht.

Masters & Johnson veröffentlichten ihre Erkenntnisse in zwei Bestsellern, "Human Sexual Response" 1966 und "Human Sexual Inadequacy" 1970. Durch viele Fernsehauftritte und Interviews, u.a. im "Playboy", wurden die beiden Forscher zu einem household name nicht nur in Amerika; sie arbeiteten als Team weiter an einem eigenen Institut und veröffentlichten weitere Bücher. Mr. Masters starb 2001, Virginia Johnson erst 2013. Die TV-Serie basiert auf der Biografie der beiden, die Thomas Maier unter dem Titel "Masters of Sex: The Life and Times of William Masters and Virginia Johnson, the Couple Who Taught America How to Love" im vergangenen Jahr veröffentlichte.



In den USA läuft bereits die zweite Staffel im TV

Die ersten Folgen waren in den USA so erfolgreich, dass Showtime sofort eine zweite Staffel in Auftrag gab, die momentan in Amerika läuft. Staffel 1 gab's in Deutschland bei Sky zu sehen, soeben ist die Serie im Free-TV bei ZDFneo gestartet. Als DVD-Box ist Staffel 1 bei uns aber auch erhältlich, was ideal für alle ist, die nicht immer eine Woche zwischen den Folgen warten wollen.

Der Handlungsbogen der ersten Staffel reicht vom Beginn der Studie bis zur ersten öffentlichen Präsentation der Ergebnisse im Jahr 1957. Diese wird zum Desaster, weil vor allem die Männer nicht hören wollen, dass Frauen auch ohne sie Befriedigung erleben können und das Freuds patriarchale These zu weiblichen Orgasmen Bullshit ist. Dass Masters auf all diese Untersuchungspunkte kommt, verdankt er dem unverstellten Blick seiner sexuell erfahrenen Assistentin, die – wie sich schnell herausstellt – auch essentiell ist, um Studienteilnehmer zu finden und bei Laune zu halten. Dinge, die der menschlich schwierige Mr. Masters nicht hinbekommt, auch nicht mit seiner Ehefrau Libby (Caitlin Fitzgerald).

Natürlich verliebt sich Masters hoffnungslos in die freigeistige Johnson, kann diese Liebe aber nur beim "gefühlsneutralen" Geschlechtsverkehr als Proband innerhalb der Studie ausleben – anonym! Das führt zu einer ganz eigenwilligen Spannung zwischen den beiden Hauptcharakteren, die Michael Sheen und Lizzy Caplan zu einem der eindrucksvollsten Liebes- (bzw. Nicht-)Liebespaare der Fernsehgeschichte machen. Was sicher erheblich zum Erfolg der Serie beigetragen hat.

Youtube | Der deutsche Trailer zur ersten Staffel auf Sky

Erkenntnis: Schwule haben die gleichen Erregungskurven wie Hetero-Männer

Die Nöte des versteckten Homosexuellen: Als Dr. Masters herausfindet, dass Barton Scully schwul ist, stellt er ihn zur Rede. Widerwillig stimmt der Verwaltungschef der Fortführung von dessen Studie zu
Die Nöte des versteckten Homosexuellen: Als Dr. Masters herausfindet, dass Barton Scully schwul ist, stellt er ihn zur Rede. Widerwillig stimmt der Verwaltungschef der Fortführung von dessen Studie zu (Bild: Showtime)

Im Rahmen der allgemeinen Prüderie der Zeit – die vielen aus "Mad Men" bekannt ist – wird auch Homosexualität immer wieder angesprochen. Einige der ersten männlichen Testpersonen der Studie sind Schwule, die Mr. Masters zeigen, wie zwei Männer miteinander Sex haben können und wie das ganz "normal" ist: ein Akt wie jeder andere auch, der die gleichen Erregungskurven auslöst, die bei Heteros gemessen werden.

Dann ist da noch die Geschichte rund um Masters Mentor Barton Scully, Verwaltungschef des Universitätskrankenhauses, ein ungeouteter Schwuler mit Ehefrau, die sexuell frustriert ist und ihrem Mann, per Zufall, auf die Schliche kommt. Wie Beau Bridges und Allison Janney dieses Ehepaar spielen, ist bemerkenswert. Janneys Szene bei Masters Sextest – an dem sie freiwillig mitmachen möchte – ist geradezu erschütternd, als sie gestehen muss, dass sie noch niemals einen Orgasmus hatte.

Janney hat dann später als Mrs. Scully noch weitere erschütternde Szenen, die hier nicht verraten werden sollen. Allerdings zeigt sie eine verblüffende Einstellung zur Frage, wie man Homosexualität medizinisch "heilen" sollte – die damalige Standard-"Behandlung" war Elektroschock. Auch Masters und Johnson versuchten, Homosexualität mittels sogenannter Konversionstherapien zu "therapieren". Die aus heutiger Sicht sehr ärgerlichen wie verstörenden Ansätze der sonst so modernen Sexualforscher.

Dennoch: In die 1950er-Jahre-Welt in der US-Provinz abzutauchen – ohne das schicke "Mad Men"-Design und Reklamewelt-Flair -, ist aufregend. Man merkt noch heute, wie bahnbrechend es war, als Masters & Johnson einer Frau den Vibrator "Ulysses" mit einer eingebauten Lampe und Kamera einführen, um das Innere einer Vagina beim Orgasmus zu filmen.

Viele der Erkenntnisse der beiden haben gesellschaftlichen Sprengstoff. Und die Art, wie "Masters of Sex" uns daran erinnert, wie wichtig es ist, offen über Sex und Sexualität(en) zu sprechen, sachlich und ohne moralische Vorurteile, ist besonders in Zeiten von Selbstzensur bei Sozialen Netzwerken und ähnlichem hochaktuell. Denn in die Prüderie des Jahres 1956 will sicher niemand bei klarem Verstand zurückfallen.

Youtube | Entlarvende Szene im englischen Original: Bartons Ehefrau Janney hatte noch nie einen Orgasmus
  Infos zur DVD
Masters of Sex. Die komplette erste Season. TV-Serie. USA 2013. Darsteller: Lizzy Caplan, Michael Sheen, Nicholas D'Agosto, Caitlin FitzGerald. Laufzeit: 649 Minuten. Sprachen: englische Originalfassung, deutsche und französische Synchronfassung. Untertitel: Französisch, Arabisch, Schwedisch, Finnisch, Dänisch, Hindi, Englisch, Norwegisch, Türkisch, Deutsch (optional). FSK 16. Sony Pictures Home Entertainment
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Tags: masters of sex, masters und johnson, sexualforscher, 1950er jahre, orgasmus
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