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Anfang August war Kirill Kalugin bei einem Protest festgenommen worden. Seine Strafanzeige gegen die Beamten hatte nun offenbar ein Nachspiel.

Kirill Kalugin wurde von der politischen Polizei Russlands in ein Auto gezerrt und zu einem Verhör gebracht.

Der bekannte St. Petersburger LGBT-Aktivist Kirill Kalugin ist am Mittwoch auf brutale Art zu einem Verhör einbestellt worden. Beamte des "Zentrums für die Bekämpfung von Extremismus" zerrten ihn am Nachmittag auf offener Straße in ein Auto.

"Das 'Zentrum E' hat versucht, Kirril Kalugin zu entführen", schrieb Kalugins Mit-Aktivistin Natascha Tschimbalowa in einer ersten Mitteilung im sozialen Netzwerk vKontakte. "Sie haben versucht, ihn in ein Auto zu zerren (…) Kirill hat versucht, sich zu wehren, und hat sogar die Polizei gerufen."

Der Aktivist wurde auf eine Polizeistation gebracht und verhört, nach der Intervention eines von Freunden des Aktivisten eilig einberufenen Anwalts wurde er freigelassen. Offenbar hatten die Beamten zunächst versucht, Kalugin freiwillig zu einem Verhör zu bewegen. "Das hat er ohne richterliche Vorladung allerdings zurecht abgelehnt", so Tschimbalowa.

Verhör mit Drohungen


Kalugin nach einer früheren Festnahme zuammen mit Natascha Tschimbalowa auf der Polizeiwache

Die Beamten hätten Kalugin zu "unerlaubten Aktionen" wie seinem Protest am 2. August befragt, so die Aktivistin weiter. Wie im Vorjahr hatte Kalugin einen Protest zum Tag der Luftlandetruppen abgehalten (queer.de berichtete). Obwohl Einzelproteste nach russischem Recht keine Erlaubnis benötigen, war er von der Polizei kurzzeitig festgenommen worden. Der Aktivist hatte danach Strafanzeige gegen die Beamten gestellt.

Bei dem Verhör war Kalugin nach Angaben von Tschimbalowa mehrfach verbal bedroht worden. Zum Schluss habe er sich im Beisein des Anwalts geweigert, ein Protokoll des Verhörs zu unterschreiben.

Das dem Innenministerium unterstellte "Zentrum für die Bekämpfung von Extremismus" sind Spezialabteilungen der Polizei. Sie wurden 2008 als Nachfolger von Anti-Korruptions-Einheiten mit dem Ziel gegründet, extremistische Aktivitäten und Terrorismus zu bekämpfen. Sie werden auch zur Einschüchterung von Oppositionellen eingesetzt, bislang hatte es aber noch keinen Einsatz gegen LGBT-Aktivisten gegeben.

Dutzende Festnahmen


Kalugin engagiert sich nicht nur für LGBT-Rechte. So nahm er im Frühjahr an einem Protest gegen die Annexion der Krim teil.

Kalugin ist einer der bekanntesten LGBT-Aktivisten Russlands: Der 22-Jährige wurde bereits mehrfach bei Aktionen in seiner Heimatstadt St. Petersburg festgenommen, etwa beim Zeigen einer Regenbogenflagge beim Olympischen Fackellauf oder in zwei Folgejahren bei Protesten zum Tag der Luftlandetruppen; im letzten Jahr war er dabei von Soldaten umzingelt worden (queer.de berichtete).

Ein Bild, wie er sich bei einem letztjährigen Protest abführen ließ, während er einen Freund küsste, ging um die Welt – ebenso wie ein Kuss mit dem Aktivisten Pawel Lebedew bei der Aktion mehrerer Aktivisten, beim Standesamt Trauungen zu beantragen. Lebedew befindet sich inzwischen in Deutschland in einem Asylverfahren (queer.de berichtete). (nb)



#1 ProfilerAnonym
#2 m123Anonym
  • 20.08.2014, 18:27h
  • Wenn man sieht unter welchen Umständen die russischen Aktivisten in Russland für gleiche Rechte demonstrieren, dann muss man sich für die mangelnde politische Demonstrationsbereitschaft für gleiche Rechte in Deutschland schämen.

    Offenbar sind die deutschen LGBT-Menschen nicht in der Lage für die Öffnung der Ehe eine rein politische Massendemonstration zu organisieren. Angesichts der Demonstrationsfreiheit in Deutschland ist es beschämend, dass diese hier nicht genutzt wird.

    Dann viel Spaß noch beim Rumheulen über die rechtliche Diskriminierung gleichgeschlechtlicher Paare.
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#3 stephan
  • 20.08.2014, 18:32h
  • Ich bewundere Kirill Kalugin für seinen Mut, seine Gradlinigkeit und seine Ausdauer! Was kann, was sollte man tun, um ihn zu unterstützen?
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#4 EremitageAnonym
  • 20.08.2014, 19:25h
  • Sankt Petersburg und Hamburg führen seit 1957 die erste deutsch-sowjetische und erste deutsch-russische Städtepartnerschaft.
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#5 MarekAnonym
#7 buzzerAnonym
#8 genauAnonym
  • 20.08.2014, 21:30h
  • Antwort auf #4 von Eremitage
  • Die Städtepartnerschaften der deutschen Großstädte mit russischen Städten sind doch bekannt. Ebenso die Oberbürgermeister, ihre Parteizugehörigkeit und die stützenden Fraktionen.

    Wo sind die Resolutionen gegen Putins Homophobie-Diktate?
    Wo sind die Handlungen gegen diese Unkultur? Wo die Proteste gegen die Wissenschafts- und Aufklärungsfeindlichkeit?
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#9 reiserobbyEhemaliges Profil
  • 20.08.2014, 21:39h
  • #Offenbar recht renitent, der Bursche ;-) Was ich damit sagen möchte, man sollte den Vorgang mal von der Kampfrhetorik befreien und auf den Kern reduzieren. Dann käme heraus, dass er nicht einmal der "Homo-Propaganda" bezichtigt wird, sondern er wiederholt, staatliche Autoritäten wie Polizei und Armee attackiert. Im Vergleich zum Vorgehen der deutschen Polizei gegen ähnlich gelagerte Verdachtsmomente, etwa Störung eines Zapfenstreiches zur Vereidigung, eigentlich keine Meldung wert, oder?
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