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Seit 2010 haben es die Neon Trees sowohl immer wieder in die Charts als auch in die Klatschpresse geschafft: Alle vier Bandmitglieder sind Mormonen, und erst im April hatte sich Frontsänger Tyler Glenn als schwul geoutet (Bild: Mercury Records)

Schwule Lyrics allein reichen nicht: "Pop Psychology" ist ein überflüssiges Album einer überflüssigen Band.

Von Michael Thiele

Was für eine Enttäuschung! Das neue Album der Neon Trees – "Pop Psychology" – entpuppt sich als fader Alternative-Pop-Auswurf mit Möchtegern-Glam-Überzug, der, obwohl er sich stilistisch bei den großen Indie-Bands der Nullerjahre ausgiebig bedient, zudem völlig hitlos ist.

Produziert und mitgeschrieben wurde die dritte LP der US-amerikanischen New-Wave-Band von Tim Pagnotta, dem Lebensgefährten von Frontmann Tyler Glenn, der, das sei am Rande erwähnt, sein Schwulsein textlich maximal andeutet, etwa in "First Things First" und "Teenager in Love".

Infantile Songtitel und banale Lyrics


"Pop Psychology", das dritte Album der Neon Trees, erscheint am 22. August 2014 bei Island (Universal Music)

Dabei ist auf "Pop Psychology" nicht alles verkehrt. Manche Stücke sind vom Ansatz her ganz gut, etwa "Voices In The Halls". Bei diesem sorgt ein permanenter Synthie-Drone für einigermaßen Atmosphäre, kurz aufflirrende Samples und gehauchte Backing Vocals gesellen sich dazu, ohnehin sticht die Nummer heraus, weil sie die einzige Ballade auf der Platte ist. Doch nach zwei Minuten und 59 Sekunden ist plötzlich Schluss – der Song bricht ab, bevor er eine Entwicklung hätte nehmen können, die ihn von all den anderen Synthie-Balladen unterschieden hätte.

Auch werden solche zarten Ansätze geradezu bösartig zertrümmert durch die offensichtliche Devise der Band, nach welcher infantile Songtitel ("Text Me In The Morning", "I Love You (But I Hate Your Friends)") mit intellektuell nicht allzu fordernden Zeilen wie "I'll Be Your Angel", "Take Me To Heaven" und "Your Life Is Like A Rollercoaster" (alle aus "Teenager in Love") kombiniert werden, und das vollkommen ironiefrei. Autsch!

Nichts macht die Neon Trees besonders

Immer wieder fragt man sich beim Hören der zehn Songs, was genau die Neon Trees eigentlich ausmacht. Ist es ein charakteristischer Gesang? Ein außergewöhnliches Songwriting? Ein originärer Look? Doch ein Lied nach dem anderen verpufft, ohne dass diese Frage beantwortet würde. Und der Blick aufs Cover langweilt.

Am Ende stellt man ernüchtert fest: Da singt also ein junger schwuler Mann mit mittlerem Stimmumfang. Die mit Synthies und Gitarren üppig angereicherten Songs klingen, als wären sie Kopien von Demos von The Killers, Mika oder Maroon 5. Und das Albumcover versucht – wie derzeit gefühlt jedes zweite – der bunten Hippness der Achtziger nachzueifern. Es gibt absolut nichts, was die Neon Trees besonders machen könnte.

Das ist umso verheerender, als der Albumtitel "Pop Psychology" nicht geringe Erwartungen weckt. Man erwartet guten Pop, der im besten Fall hinter denselben blickt, dessen Mechanismen auf einer Metaebene aufdeckt, bricht oder parodiert. "Pop Psychology" bietet leider nichts davon.

Direktlink | Das offizielle Video zu "First Things First"


#1 ShaunAnonym
  • 21.08.2014, 21:16h
  • "Schwule Lyrics allein reichen nicht".
    Ach was reicht denn dann auf einer queeren Seite? Ach, stimmt ja dann lieber Alben ohne jeglichen queeren Bezug, die dafür den Autoren gefallen.

    Als ob man auf diese Seite geht um sich allgemeine Musikrezensionen durchzulesen. Gerade deswegen sollte ein Album doch besprochen werden wenn es, über queere Themen spricht, was ja noch immer nicht so oft vorkommt.
    Bei der Filmrubrik käme ja auch keiner auf die Idee irgendeinen Film zu besprechen in dem alles ganz heteronormativ ist. Korrigiert mich, wenn ich da falsch liege.
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#2 SofiaBerlinProfil
  • 22.08.2014, 21:11hBerlin
  • ich finde auch, dass das album schon wegen dem queeren bezug hörenswert ist!
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#3 FoXXXynessEhemaliges Profil