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Auf den neuen Pressefotos des britischen Trios sind nur noch die beiden Brüder Johnny (Gitarre, Gesang) und Adam Blake (Keyboard) zu sehen - Produzent Stuart Price fehlt (Bild: Jon Furley)

  • 28. August 2014, Noch kein Kommentar

Auf dem verspäteten vierten Longplayer "Star Climbing" bieten die Electroclash-Helden einige sehr gute Eurodance- und Synthie-Pop-Tracks, bleiben aber hinter den Erwartungen zurück.

Von Michael Thiele

In gewisser Weise erscheint mit "Star Climbing" ein Geisteralbum. Bereits seit Ende 2012 fertig, hatten Zoot Woman mehr als drei Jahre unter anderem in Los Angeles und London daran gearbeitet. Das bedeutet, dass die ältesten Aufnahmen auf dem vierten Album des britischen Synthie-Pop-Trios fünf Jahre in irgendwelchen Schubladen schlummerten, und noch einmal über anderthalb Jahre vergehen sollten, ehe das fertige Werk nun veröffentlicht wird.

Eben dieses Geisterhafte durchzieht das Album, man kann es tatsächlich heraushören. Zum einen aus den Liedern, die einen für Zoot-Woman-Standards ungewohnten, blechern-hohlen Sound haben. Ob "Don't Tear Yourself Apart", "Silhouette" oder "Nothing In The World", die fiepsenden Samples und schrillen Höhen fallen unangenehm auf. Man fragt sich: Wo ist der Bass? Warum klingen diese neuen, lange erwarteten Stücke von Stuart Price, Adam und Johnny Blake über weite Strecken so billig? Zum anderen wirkt "Star Climbing" geisterhaft, weil es durch eben diese enttäuschende Produktion so weit entfernt von der Klasse und Eleganz der ersten beiden, wegweisenden Zoot-Woman-LPs ist. Mehr noch, irgendwie wirken Zoot Woman tot, erledigt.

Die Gründe dafür sind vielfältig: Am Anfang umgab ein Zauber, eine Art Geheimnis die Band. Zoot Woman waren ein audiovisuelles Gesamtkunstwerk, bestehend aus einer übertriebenen Eighties-Ästhetik, dem Debüt "Living In A Magazine" (2001), das als Konzeptalbum die Geschichte des fiktiven Models Jessie erzählte, und nicht zuletzt aus dem Bandnamen, der ja auch das künstliche, sehr lautmalerische Wort "Zoot" enthält. Mit "Zoot Woman" (2003) legten die Jungs perfekt nach.

Einst brachten uns Zoot Woman zum Weinen


"Star Climbing" wurde in vier verschiedenen Studios in Großbritannien und im Studio von Stuart Price in L.A. geschrieben und aufgenommen

Auf ihrem selbstbetitelten Zweitling brillierten sie mit melancholisch eleganten Liedern wie "Hope In The Mirror" und "Maybe Say", die einen mit ihrer Schönheit, ja Anmut zum Weinen brachten und deren poetisch-kyptische Texte wunderbare Rätsel aufgaben. Der Niedergang begann mit "Things Are What They Used To Be" (2009). Die Lyrics waren plötzlich verständlich, das Artwork beliebig, die Videos ebenso. Insofern entpuppte sich der Albumtitel als Lüge.

Dass Stuart Price parallel längst zum Haus- und Hofproduzenten und -komponisten unzähliger Künstler aufgestiegen war, mit Kylie Minogue, den Pet Shop Boys, den Scissor Sisters, Gwen Stefani oder Madonna arbeitete und seine Band zum stiefmütterlich behandelten Nebenprojekt verfallen ließ, gab ihr den Rest. Auf den Pressefotos im Jahr 2014 ist der 36-Jährige nicht mal mehr drauf.

Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: "Star Climbing" ist nicht das schlechteste Album des Jahres. Vielmehr handelt es sich um eine durchwachsene Platte, die mit "The Stars Are Bright", "Elusive", "Coming Up For Air" und "Waterfall Into The Fire" gute bis sehr gute Eurodance- und Synthie-Pop-Tracks enthält. Nur liegt "Star Climbing" weit unter dem Niveau von Zoot Woman.

Dieses Werk ist zu gewöhnlich, es deklariert die Band zu ihren eigenen Epigonen, was tragisch ist, denn in der ersten Hälfte der Nullerjahre galten die Briten als geradezu avantgardistisch – sie machten Synthie-Pop zu einer Zeit, als ihn kaum jemand hören wollte – gefühlte, unschuldige Jahrzehnte, bevor Lady Gaga mit ihrem bollerigen Eurotrash die Charts überrollte und heute selbst überrollt ist. Kurz: Das Zeitfenster, kommerziell erfolgreich zu werden und musikhistorisch relevant zu bleiben, hat sich für die Band mit diesem Album geschlossen.

Youtube | Offizielles Video zur ersten Singleauskopplung "Don't Tear Yourself Apart"
Tourdaten

05.09.2014 Berlin, First We Take Berlin Festival
06.09.2014 Berlin, Berlin Festival
16.10.2014 Amsterdam, Paradiso