Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse Tagesbild TV Termine
© Queer Communications GmbH
http://queer.de/?22204

Andre Marschenko (Bild: privat)

Andre Marschenko droht eine Haftstrafe, nachdem ihm der FSB die Gründung eines "schwulen terroristischen Untergrunds" vorwirft.

Im östlichen Russland könnten einem schwulen Blogger Haftstrafen drohen. Neben LGBT-Themen hatte Andre Marschenko aus Chabarowsk auch die Ukraine-Politik des Landes kritisch aufgegriffen.

Kern der Ermittlungen ist ein entsprechender Eintrag vom 8. Juli, den der Blogger selbst als "nicht die Grenzen des Gesetzes und des Anstandes überschreitend" ansieht. Darin hatte er gefordert, die Ukraine "von den Nazis" zu befreien, womit er "russische Terroristen" meinte.

Der regionale FSB, der Marschenko am Freitag verhörte, sieht darin einen öffentlichen Aufruf zu extremistischer Aktivität, bestrafbar mit bis zu fünf Jahren Arbeitslager.

Die Ermittler hätten ihm zwei Möglichkeiten gegeben, so Marschenko. Entweder er akzeptiere eine niedrige Strafe: Bis zu 15.000 Rubel und eine öffentliche Schuldanerkennung, damit wäre er nicht vorbestraft. Oder aber er stelle sich einem Gerichtsprozess, bei dem laut Ermittlern eine Haftstrafe wahrscheinlich wäre.

Der Blogger hat über die Alternativen noch nicht entschieden, trotz Einschüchterung: "Sie sagten, sie würde Verwandte, Freunde und Bekannte aus sozialen Netzwerken befragen".

Aufwendige Hausdurchsuchung

Eine Woche zuvor hatten FSB-Beamte bereits den überraschten Blogger zu Hause besucht und die Wohnung durchsucht, dabei alle auffindbaren Computer, Telefone, USB-Sticks und sogar den W-Lan-Router beschlagnahmt. "Die machten einen Aufwand, als hätten sie gedacht, Millionen Dollar, dutzende verbotene Bücher und einen Haufer junger Boys bei mir zu finden", so Marschenko.

Der Blogger berichtet, der Ermittler habe ihm Ausdrucke des Blogs vorgelegt und ihm vorgeworfen, zusammen mit dem LGBT-Aktivisten Alexander Ermoshkin einen "schwulen terroristischen Untergrund" erschaffen zu haben, der eine "orange Revolution" plane.

So wurden die Massenproteste in der Ukraine 2004 bezeichnet, die sich nach einem umstrittenen Wahlgang gegen einen von Russland unterstützten Präsidentschaftskandidaten richteten. Bei der Wahlwiederholung war er Wiktor Juschtschenko unterlegen.

Besonders strikte Behörden


Alexander Ermoshkin am 17. Mai

Chabarowsk, östlich von China gelegen und Hauptstadt der gleichnamigen Provinz, hatte bereits im letzten Jahr Schlagzeilen gemacht, als der Geographie-Lehrer Alexander Ermoshkin, der jetzt Teil des "schwulen Terror-Untergrunds" sein soll, in einem Interview gesagt hatte, dass Homosexualität etwas Normales ist.

Ermoshkin wurde danach zur Kündigung gezwungen, die er später vergeblich vor Gerichten rückgängig machen wollte. Der Chefredakteur der Zeitung, die das Interview abgedruckt hatte, wurde zudem wegen eines Verstoßes gegen das Gesetz gegen "Homo-Propaganda" zu einer Geldstrafe in Höhe von 50.000 Rubel (knapp 1.100 Euro) verurteilt (queer.de berichtete).

Der Aktivist hat sich von den besonders strikten Behörden seiner Stadt nicht einschüchtern lassen. So veranstaltete er dort am 17. Mai einen kleinen Protest zum Internationalen Tag gegen Homophobie (queer.de berichtete). (nb)

Youtube | Ermoshkin am 17. Mai. Bei der Aktion wurde er von Nationalisten angegriffen.


#1 FennekAnonym
#2 Homonklin44Profil
  • 31.08.2014, 18:43hTauroa Point
  • Das ist traurig für ein Land, das einmal für seine Dichter und Entdecker glänzte.

    Wenn man die Wahrheit ausspricht ( schwul = normal ) und dafür von gesetzlich gestützten Extremisten, bei denen es im Hirnkasterl drin schon modert, als Terrorist denunziert wird ... mit ihrer Idee von Propaganda nehmen die das verzerrt ernst. Den eigenen Extremismus und Terror, der sich gegen Andersempfindende richtet, sehen sie nicht.
    Klarer Fall von Splitter & Balken im Auge.

    Wenn sich in Russland wegen Nazi-Vergleichen das Gesetz aufregt, müsste Putin doch selbst 5 Jahre ins Arbeitslager. Auch der sprach von Nazis ... oder ist es davon abhängig, auf welcher Seite einer steht?

    Dass jetzt in Russland eine neue Schwulen-Hatz begonnen hat, sollte uns nicht kalt lassen. Man sieht daran, wie schnell es gehen kann, wenn aus latent gefährlich leben eine Bedrohung von Staatsseiten wird.
  • Antworten » | Direktlink »
#3 David77Anonym
  • 31.08.2014, 18:46h

  • Soviel dazu, dass der begriff "russische gestapo" übertrieben sei. Schwule terrororganisation?! Es sollte wirklich mal eine geben, um den hassern das maul zu stopfen.
  • Antworten » | Direktlink »
#4 Robby69
  • 31.08.2014, 19:14h
  • Ich wünsche Andre Marschenko viel Kraft und Durchhaltevermögen! Diese durchgeknallte Anklage gegen ihn zeigt wieder mal deutlich, wie die Henkersknechte von Zar Putin wirklich ticken und handeln.
  • Antworten » | Direktlink »
#5 Harry1972Profil
  • 31.08.2014, 21:19hBad Oeynhausen
  • Schlimm.
    Was sagt denn das Bauchgefühl? Grummelt es angesichts solcher Meldungen nicht doch manchmal?
  • Antworten » | Direktlink »
#6 Baer2014Anonym
  • 01.09.2014, 01:22h

  • Die russische Regierung tut sich damit selbst keinen Gefallen, ich glaube nicht, daß sie es schafft auch nur auf mittlere Sicht (10-15 Jahre) die Schwulen wieder "ins Dunkel zu treiben". Man produziert sich dort seine Staatsfeinde letztlich selbst und hat absolut aus dem Kalten Krieg nichts gelernt.

    Großbritannien hingegen hat gelernt (wenn auch sehr spät m.E.) nachdem dort in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts reihenweise schwule Männer aus der Oberschicht (Stichwort "Cambridge 5") zu Topspionen für die Gegenseite wurden geht man dort heute sehr locker mit schwulen Männern um.
    Hinter allem stehen auch mal wieder sogenannte christliche Kirchen, in UK haben sie den Kampf gegen unsere Gleichberechtigung zum Glück verloren und liefern sich höchstens noch kleine Rückzugsgefechte. In Russland wähnt sich die orthodoxe Variante der Christen allerdings auf der Siegerstrasse...

    Es würde mich überhaupt nicht wundern, wenn Putin irgendwann selbst über einen schwulen Sexskandal stolpert (Gerüchte gibt es ja schon lange) und an dem Tag mach in ne Flasche Champagner auf.
  • Antworten » | Direktlink »
#7 schwarzerkater
  • 01.09.2014, 08:07h
  • hatte am sonntag mal wieder den "presseclub" der ard verfolgt. beim "presseclub nachgefragt" meldete sich ein zuschauer und fragte ernsthaft, warum der westen so ein problem dabei hat, wenn russland andere länder besetzt. - allein schon wegen der unterdrückung von presse- und meinungsfreiheit fiele mir dazu ein.
  • Antworten » | Direktlink »
#8 FoXXXynessEhemaliges Profil
#9 PetterAnonym
  • 01.09.2014, 10:32h
  • Das wird ja schon immer schlimmer in Russland: jetzt darf man nicht mal mehr in einem Blog seine Meinung sagen.

    Und aufgrund seiner Macht wird dieses Land immer mehr zur Gefahr für den Weltfrieden.
  • Antworten » | Direktlink »
#10 SieberAnonym