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Marina Silva lehnt die Gleichbehandlung von Homosexuellen aus religiösen Gründen ab

Die sozialistische Kandidatin für das brasilianische Präsidentenamt ist auch eine evangelikale Christin – und vollzieht deshalb eine 180-Grad-Wende beim Thema Homo-Rechte.

Die nach Umfragen derzeit führende Präsidentschaftskandidatin in Brasilien hat ihre Unterstützung für die Gleichstellung von Schwulen und Lesben zurückgezogen. Marina Silva von der Sozialistischen Partei hatte am Freitag ihr Regierungsprogramm vorgestellt, in dem sie noch die Gleichbehandlung versprochen hatte. Keine 24 Stunden zog sie dieses Versprechen zurück und erklärte gegenüber Journalisten beim Wahlkampfbesuch in einer Favela in Rio de Janeiro: "Der zuerst publizierte Text war ein Fehler. Das war nicht, worauf wir uns geeinigt haben."

Ursprünglich hatte das Regierungsprogramm vorgesehen, die "Zivilehe" für alle zu verteidigen, auch für Schwule und Lesben. In der neuen Version wird nur noch das "Recht auf eine eingetragene Partnerschaft zwischen Menschen des gleichen Geschlechts" befürwortet. Auch das ausdrückliche Recht auf Adoption für gleichgeschlechtliche Paare wurde gestrichen, ebenso wie ein klares Bekenntnis zur Reform des Transsexuellengesetzes und eine Gesetzesverschärfung gegen homophobe Gewalt.

LGBT-Aktivisten beklagen homophobe Gewalt

Das Thema Ehe-Öffnung ist im größten Land Südamerikas äußerst umstritten: Zwar hat ein Gericht vergangenes Jahr angeordnet, dass Standesämter Schwulen und Lesben ebenso wie Heterosexuellen eine Ehe-Urkunde ausstellen müssen (queer.de berichtete). Das Parlament hat sich aber bislang geweigert, diese Anordnung in ein Gesetz zu gießen. LGBT-Aktivisten begrüßen zwar, dass Homosexuelle damit offiziell heiraten dürfen, wegen der hohen Zahl an aus Homophobie begründeten Übergriffen müsse die Regierung aber offensiv für Homo-Rechte eintreten. In den letzten Jahren beklagten Menschenrechtsorganisationen, dass pro Jahr mindestens 100 Menschen aus Homosexuellenfeindlichkeit getötet werden, die Dunkelziffer könnte aber weit höher liegen.

Auch die amtierende sozialdemokratische Präsidentschaftskandidatin Dilma Roussef hatte sich in ihrem Wahlkampf 2010 gegen die Ehe-Öffnung und nur für eingetragene Partnerschaften eingesetzt. Rousseff, die derzeit wegen der desolaten Wirtschaftslage in der Kritik steht, hatte sich zuletzt nicht mehr zum Thema Homo-Rechte geäußert.

Ex-Umweltministerin und Ex-Grüne

Marina Silva hat eine lange Karriere als Aktivistin und Politikerin hinter sich: Sie machte sich zunächst als Umweltschützerin einen Namen, die für die Erhaltung des Amazonas kämpft. Von 2003 bis 2008 war sie für die sozialdemokratische Partei Umweltministerin, wechselte aber 2009 zu den Grünen, die sie zwei Jahre später wieder verließ. Seit 2013 ist sie Mitglied der sozialistischen Partei. Eigentlich war sie als Vizepräsidentschaftskandidatin vorgesehen, allerdings starb der sozialistische Kandidat Eduardo Campos Mitte August bei einem Flugzeugunglück.

Insbesondere die radikalreligiöse Prägung der Sozialistin macht LGBT-Aktivisten Sorgen. So ist Silva, die in einer katholischen Schule von Nonnen unterrichtet worden ist, zur evangelikalen US-Kirche "Assemblies of God" übergetreten. Diese pflingstlerische Glaubensgemeinschaft lehnt Homosexuelle grundsätzlich als Sünder ab und verpflichtet die Anhänger zu einer Reihe weiterer politischer Ansichten, etwa beim Thema Abtreibung. So tritt Silva auch für ein Totalverbot des Schwangerschaftsabbruchs ein.

Laut aktuellen Umfragen liegen Rousseff und Silva deutlich vor den anderen Präsidentschaftskandidaten. Bei einer Stichwahl würden derzeit 50 Prozent Silva wählen und 40 Prozent Rousseff. Die Wahlen finden am 5. und 26. Oktober statt. (dk)



#1 userer
  • 01.09.2014, 16:00h
  • Es wird Zeit, Konsequenzen aus der Erkenntnis zu ziehen, dass wie auch immer geartete Religiosität und "Gläubigkeit" sich nicht mit der Übernahme staatlicher, weltlicher Ämter verträgt.

    Wer als oberste Instanz nicht das säkulare Gesetze anerkennt, sondern nicht-existenten Einflüsterungen eines eingebildeteten Zauberwesens oberste Autorität beimisst, ist für die Ausübung eines Staatsamtes m. E. ungeeignet.
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#2 carolo
#3 laser pointerAnonym
  • 01.09.2014, 16:02h
  • Betreutes Lesen für Menschen mit Marietta-Kleber-Horizont:

    Sie war bis 2009 Mitglied der sog. Partei der Arbeiter und diente als Senatorin und Umweltministerin (20032008).

    Sie war die Präsidentschaftskandidatin für die Grüne Partei bei den Wahlen am 3. Oktober 2010.

    Marina Silva trat aus der grünen Partei Partido Verde aus und gründete im Februar 2013 das Nachhaltigkeits-Netzwerk.

    Nach dem Unfalltod des "sozialistischen" Präsidentschaftskandidaten Eduardo Campos tritt Marina Silva an seiner Stelle zur Wahl an.

    Als Herausforderin des Staatsoberhaupts Dilma Rousseff werde Silva den Weg der "sozialistischen" Partei [Schröder/Blair-style!!!!] weiter gehen, teilte PSB-Chef Roberto Amaral mit.

    Sozialistisch? Sozialdemokratisch?
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#4 m123Anonym
  • 01.09.2014, 16:02h
  • Naja, solange die Gerichte die Behörden dazu zwingen gleichgeschlechtlichen Paaren Eheurkunden mit gleichen Rechten auszustellen, ist es natürlich ärgerlich, wenn die neue Regierung kein Gesetz dazu beschließt, aber immerhin haben in Brasilien gleichgeschlechtliche Paare dann gleiche Rechte.

    Meiner Ansicht nach müsste das oberste Gericht Brasiliens die Regierung und das Parlament dazu zwingen auch ein entsprechendes Gesetz zu beschließen.

    Religion ist einfach nur der größte Scheiß auf dieser Welt.
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#5 MariposaAnonym
  • 01.09.2014, 16:34h
  • Antwort auf #2 von carolo
  • In Europa absolut undenkbar.....

    Es gibt zwar eine Reihe von gläubigen Politkern im sogenannten "linken Lager" (wie etwa Bodo Ramelow), diese liegen aber zum größten Teil auf einer Wellenlänge mit den LSBG-Aktivisten.

    Die Wahl von Silva wäre eine Katastrophe und ein deutlicher Rückschlag für fortschrittliche Gesetzgebungen in Südamerika.

    Selbst viele Katholiken befürworten mittlerweile die Öffnung der Ehe - siehe etwa die jüngste Umfrage in der Republik Irland. Das Volk selbst ist viel weiter als deren Obrigkeit.
    Die Evangelikalen dagegen sind auf dem besten Wege dazu (auch dank Gehirnwäsche und krankhafter Mission), homophobes Gedankengut wieder hoffähig zu machen. Wehret den Anfängen II
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#6 Baer2014Anonym
  • 01.09.2014, 16:37h

  • Es sollte Politikern verboten werden, Mitglied einer religiösen Organisation zu sein sobald sie sich um das höchste Staatsamt bewerben, sie müßten dann da sofort austreten und dürften auch öffentlich nicht mehr zu "Glaubens"fragen sprechen, bei Zuwiderhandlung sofortige Amtsenthebung.

    Ein Staatsoberhaupt repräsentiert das ganze Volk und nicht nur eine Kirche. Religion hat strikte Privatsache zu sein und gehört nicht in die Öffentlichkeit.

    Vor ca. 250 Jahren begann das Zeitalter der Aufklärung - momentan zeigt sich vielerorts wieder das Mittelalter.

    Hoffentlich verliert sie die Wahl.
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#7 jajajaAnonym
  • 01.09.2014, 16:44h
  • Na was sagt den unser Forenschreihals dazu?
    Der dichtet Brasilien doch immer Schlaraffenlandähnliche Zustände an.

    Komisch, seitdem für große Staudämme, Ureinwohner entrechtet und vertrieben werden und bei der Wm die Regierung sämtliche Proteste niederknüppeln lies hab ich irgendwie nen anderes Bild...
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#8 Martin28a
  • 01.09.2014, 17:07h

  • Brasilien gehört zu den Brics Staaten mit denen Putin mehr bändelt.
    Genauso wie in der Ukraine wird sich Putin wohl so oder so Brasilien aneignen, egal wie er das nennt

    Ob wir das gut finden oder nicht aber Putin wird gerade sehr viel mächtiger
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#9 David77Anonym
#10 Szu Pin ChanAnonym