Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse Tagesbild TV Termine
© Queer Communications GmbH
http://queer.de/?2222

Seit neun Jahren kämpft die Amnesty-Gruppe MeRSI (Menschenrechte und sexuelle Identität) weltweit um Homorechte. Dennis Klein sprach mit Gruppensprecher Rupert Haag über seinen Ausblick für 2005.

Was macht MeRSI?

Wir organisieren Demonstrationen, klären die Öffentlichkeit über Menschenrechtsverletzungen an Lesben und Schwulen auf und machen Lobbyarbeit. Außerdem gibt es so genannte Eilaktionen: Wenn jemand wegen seiner Homosexualität verhaftet wird oder von der Todesstrafe bedroht ist, versuchen wir weltweit, mit Briefen, Faxen und eMails Druck auf die Regierungen auszuüben. Das ist oft erfolgreich.

Zum Beispiel?

Es gab im vorletzten Jahr den Fall des offen schwulen usbekischen Journalisten Ruslan Sharipov. Der wurde im August 2003 in einem Showprozess in allen Anklagepunkten schuldig gesprochen, darunter auch die Anklage wegen Homosexualität und wegen sexueller Kontakte zu Minderjährigen. Er war in der Haft gefoltert worden und hatte sich deswegen in allen Punkten schuldig bekannt. Dieses Vorgehen ist typisch für den Polizeistaat unter dem usbekischen Präsidenten. Aus der ganzen Welt haben Menschen protestiert, wir haben eine Demonstration in Berlin organisiert und bei einer anderen Aktion über 250 Protestbriefe gesammelt. Aufgrund des weltweiten Drucks wurde Sharipov schließlich freigelassen. Solche Erfolge bestärken uns darin, weiterzumachen.

Wird die Lage für Schwule und Lesben weltweit schlechter?

Allgemein kann man das nicht sagen. In den meisten Industrieländern, wie in Europa, haben sich das Klima und die öffentliche Meinung in den letzten Jahren stets verbessert. Dagegen hat sich in der östlichen Hemisphäre der Einfluss von Fundamentalisten erhöht, was die Lage für Schwule und Lesben schwieriger macht. Ein Beispiel ist Nepal: Dort sind im August 39 Männer verhaftet worden, die allesamt Mitglieder der so genannten "Blue Diamond Society" sind. Diese Organisation bietet Aufklärungs- und Gesundheitsprogramme sowie Hilfeleistung für HIV-positive Schwule und Transsexuelle. In der aufgeheizten Stimmung gibt es dort öffentliche Mordversuche an Schwulen, und die Polizei schreitet nicht ein. Aber wir registrieren auch Gegenbewegungen: So hat sich die Lage im Nahen Osten etwas verbessert. In Ägypten reagiert die Rechtsprechung vermehrt auf die internationalen Proteste bei der Verhaftung von Schwulen, und im Libanon formiert sich sogar die erste homosexuelle Gruppe, um diskriminierende Gesetze streichen zu lassen.

Werden die Fundamentalisten den Kulturkampf gewinnen?

Ich hoffe nicht. Die negative Entwicklung gibt es erst seit ungefähr drei Jahren, das fällt mit dem 11. September zusammen.

Empfinden viele in Entwicklungsländern die Arbeit von Amnesty nicht als Einmischung reicher Westler in ihre Angelegenheiten?

Viele fühlen sich vom Westen bevormundet, das ist richtig. Aber Amnesty wird positiv wahrgenommen, weil wir immer vorsichtig reagieren. In Jamaika beispielsweise - hier gibt es vermehrt Übergriffe gegen Schwule - haben einige ausländische schwul-lesbische Organisationen das Klima noch verschärft, weil sie mit Boykottaufrufen viele Jamaikaner vor den Kopf gestoßen haben. Wir könnten auch zum Boykott aufrufen, aber das wenden wir nur selten an, weil es oft kontraproduktiv ist. Wir versuchen es eher mit Lobbyarbeit. Das heißt, wir versuchen mit nationalen Regierungen zu reden und sie für die Probleme zu sensibilisieren, bevor es zu spät ist. Wir haben auch so genannte Researcher in vielen Ländern, die vor Ort mit Leuten reden und den Rest der Zeit ihr Wissen an die Gruppen weitergeben. So erfahren wir aus erster Hand, was wir wie tun können - und was nicht.

Wie viele MeRSI-Gruppen gibt es?

Wir haben Regionalgruppen in Berlin, Frankfurt, Köln, München, Hamburg, Hannover, Halle/Leipzig und Dresden, in anderen Regionen auch Einzelmitglieder. Bundesweit gibt es ungefähr 100 ehrenamtliche Mitarbeiter. (dk)

4. Januar 2005



#1 DavidAnonym
  • 04.01.2005, 20:27h
  • "If gay people are given human rights, everybody will have them"...
    Wenn, Wenn, Wenn...

    Immer wieder werden Ursache und Wirkung verdrecht:

    Wären "gay people" in der Vergangenheit (natürlich auch noch Gegenwart) nicht verfolgt, diskriminiert, benachteiligt worden, dann würde auch keiner die "human rights" einfordern!
    SO EINFACH IST DAS!
    ES würde keine "Homo-Lobby" geben!

    Wenn ein Mensch nicht aufgrund eines besonderen Merkmals auf das reduziert wird, kann er für sich auch keine Rechte - in Bezug auf dieses besondere Merkmal " fordern - er hätte sie von jeher gehabt!
    WIE DUMM MUSS MAN IM KOPF SEIN; UM DIESE LOGIK NICHT VERSTEHEN ZU KÖNNEN????????????????
  • Antworten » | Direktlink »