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  • 05.09.2014           9      Teilen:   |

Berlin

Coming-out beim Charity-Dinner

Artikelbild
Katrin Müller-Hohenstein vom "aktuellen sportstudio" moderierte souverän durch die Gala und überreichte am Ende Ex-Telekom-Vorstand Thomas Sattelberger seinen Tombola-Preis (Bild: Sabine Hauf/Bundesstiftung Magnus Hirschfeld)

Fünf Stunden lang wurde im Berliner Grand Hyatt Hotel für die Hirschfeld-Stiftung gefuttert – zum krönenden Abschluss outete sich indirekt Ex-Telekom-Vorstand Thomas Sattelberger.

Von Micha Schulze

Es war keine gewöhnliche schwul-lesbische Soli-Fete am Donnerstagabend in Berlin. Die Bundesstiftung Magnus Hirschfeld hatte zu ihrem zweiten Charity-Dinner ins edle Hotel Grand Hyatt am Potsdamer Platz geladen. 250 Euro kostete eine Eintrittskarte, "festliche Abendgarderobe" war Pflicht.

Das High-Society-Event, über das sich einige Altaktivisten und Blogger im Vorfeld echauffiert hatten, lockte genau 176 Menschen an – darunter zahlreiche bekannte Nasen aus Politik, Wirtschaft, Sport und Kultur. So gehörten zu den Gästen etwa Justizminister Heiko Maas und seine Vorgängerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, die als Gründerin der Stiftung und Vorsitzende des neuen Förderkreises viel Beifall erhielt.

Ex-Fußballnationalspieler Thomas Hitzlsperger lief ebenso über den roten Teppich wie DFB-Präsident Wolfgang Niersbach und Liga-Chef Reinhard Rauball. Rosa von Praunheim war natürlich dabei sowie Judy Winter, Romy Haag und Isa Gräfin von Hardenberg. Erwartet hatte die Bundesstiftung Magnus Hirschfeld allerdings 250 Gäste, einige sagten kurzfristig ab. Auch Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit konnte nicht kommen – er musste parallel die Internationale Funkausstellung eröffnen.

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Ein Dauer-Dinner mit Multimedia-Show

Der Deutsche Fußball-Bund und die Deutsche Fußball-Liga unterstützen die Stiftungsinitiative "Fußball für Vielfalt" mit 20.000 Euro - Quelle: Sabine Hauf / Bundesstiftung Magnus Hirschfeld
Der Deutsche Fußball-Bund und die Deutsche Fußball-Liga unterstützen die Stiftungsinitiative "Fußball für Vielfalt" mit 20.000 Euro (Bild: Sabine Hauf / Bundesstiftung Magnus Hirschfeld)

Dabei ging es im Grand Hyatt nicht nur ums Sehen und Gesehenwerden. Selbst die Bezeichnung "Charity-Dinner" ist eigentlich deutlich untertrieben für die gelungene Mischung aus Geschichtsunterricht, Redebeiträgen, Video-Einspielern, Talkrunden und Kulturdarbietungen, darunter die grandiose Opern- und Musicalsängerin Anna Maria Kaufmann. Bis der Hauptgang – das 24 Stunden in Madeira gegarte (und dennoch leider recht trockene) "Bürgermeisterstück vom Jungbullen" serviert wurde, waren bereits über vier Stunden vergangen.

Zwei Projekte der Hirschfeld-Stiftung standen im Vordergrund der Benefiz-Gala: die Initiative "Fußball für Vielfalt", die mit Bildungsmodulen gegen Homophobie im Stadion vorgeht, sowie das Zeitzeugenprojekt "Archiv der anderen Erinnerungen", das die Verfolgung von LGBT nach 1945 thematisiert und Videointerviews mit Betroffenen führt.

Klaus Born, Opfer des Paragrafen 175, ist Ehrengast

Der erste Interviewpartner Klaus Born, der wegen schwulem Sex im Knast saß, wurde von Justizminister Heiko Maas persönlich als Ehrengast begrüßt. "Geschichten, wie die von Herrn Klaus Born zeigen, wie der berüchtigte Paragraf 175 des Strafgesetzbuches Leben zerstören konnte", sagte Maas, der auch Kuratoriumsvorsitzender der Hirschfeld-Stiftung ist. "Die große Ungerechtigkeit, die Ihnen widerfahren ist, wird durch die Aufzeichnungen endlich offenbar."

Der Justizminister kündigte an, sich noch im September mit Opfern des Paragrafen 175 zusammensetzen zu wollen, um sich "ein persönliches Bild" zu machen. Zur Frage der Rehabilitierung, die er seit Monaten "prüft", verlor Maas indes kein Wort, was an einigen der runden Gästetische für Enttäuschung sorgte.



Die beliebte Frage, wann sich der erste aktive deutsche Profi-Fußballer als schwul outet, stand im Mittelpunkt einer kleinen Talkrunde auf der Galabühne. Seit Hitzlspergers Coming-out bereite er sich für diesen Fall vor, verriet etwa Liga-Präsident Reinhard Rauball. Er würde dem Spieler raten, im Verein vertrauliche Gespräche mit Trainern, Teamkollegen und Managern zu führen, "damit er frei ist in seiner beruflichen Ausübung", so Rauball: "Das wird in einer intakten Bundesligamannschaft möglich sein."

Hitzlsperger: Mit dem Coming-out eines Nationalspielers ist es nicht getan

Die beiden Botschafter der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld: Ex-Profifußballer Thomas Hitzlsperger und Zeitzeuge Klaus Born
Die beiden Botschafter der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld: Ex-Profifußballer Thomas Hitzlsperger und Zeitzeuge Klaus Born (Bild: Lars Deike)

Auf das nicht enden wollende Lob für sein eigenes Coming-out reagierte Thomas Hitzlsperger in der Runde bescheiden: "Der wahre Held bin nicht ich, sondern der mutige Zeitzeuge Klaus Born". Darüber hinaus mahnte er an, die Diskussion nicht auf die erste Liga zu begrenzen: "Es ist nicht so, dass wir am Ziel sind, wenn sich der erste aktuelle Nationalspieler outet. Ein prominenter Spieler reicht da nicht", sagte der frühere Nationalspieler, der sich als Botschafter von "Fußball für Vielfalt" engagiert. "Wichtiger ist, was in der Breite in den kleineren Vereinen passiert". Um dies zu ermöglichen, überreichte Rauball zusammen mit DFB-Präsident Wolfgang Niersbach einen Scheck über 20.000 Euro für die Hirschfeld-Stiftung.

Für die Fotografen war auch eine Tafel mit der von der Hirschfeld-Stiftung initiierten "Berliner Erklärung" gegen Homophobie im Sport aufgebaut. Christian Kranich, Patient Relations Manager bei AbbVie Deutschland, unterschrieb sie im Namen des Pharmakonzerns auf der Bühne. "Wir sind durch unsere Tätigkeit im Bereich HIV seit Jahren eng mit der schwulen Community verbunden", sagte Kranich in einer kurzen Ansprache. "In unserer Initiative 'Sportler gegen Stigma' nutzen wir die verbindende Kraft des Sports, mit der wir uns gegen Diskriminierung und Stigmatisierung einsetzen." AbbVie Deutschland ist nach dem Sportartikelhersteller Adidas das größte Unternehmen, das die Berliner Erklärung unterzeichnet hat.



Das Thema Coming-out spielte dann am Ende der Gala doch noch eine Rolle, nämlich als die Tombola-Gewinner ermittelt wurden – Lose zum Preis von 50 Euro pro Stück waren beim Nachschenken des Rieslings oder Grünen Veltliners an den Tischen verkauft worden. Den zweiten Preis – zwei Karten zum DFB-Länderspiel und zur DFB-Gala in Nürnberg – gewann der Diversity-Experte und Ex-Personalvorstand der Deutschen Telekom, Thomas Sattelberger, der auch zu den zwölf Gründern des Förderkreises der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld gehört.

Bravo-Rufe für Thomas Sattelberger

Der Manager, der als Initiator der 30-Prozent-Frauenquote im Telekom-Vorstand gilt und von der Fachzeitschrift "Personalmagazin" fünfmal in die Liste der "40 führenden Köpfe im Personalwesen" aufgenommen wurde, überraschte die Gäste mit einem indirekten Coming-out. Er griff zum Mikro und sagte, er sei heute mit seinem Lebenspartner zum Charity-Dinner gekommen und werde sich gerne im Förderkreis der Stiftung engagieren. Darauf gab es tobenden Applaus und Bravo-Rufe. Zuvor hatte Sattelberger nie öffentlich über seine sexuelle Orientierung gesprochen.

Dass Thomas Hitzlsperger auf der Bühne schmunzeln musste, hatte jedoch einen anderen Grund: Sattelberger outete sich nämlich auch als Ballsport-Muffel und sagte, dass er sich "eigentlich nicht für Fußball interessiere". Selbst das WM-Endspiel habe er sich nicht angeschaut. Er wolle die gewonnenen Tickets aber nutzen und zum Spiel nach Nürnberg fahren.

Hoffentlich nimmt er seinen Freund auch dorthin mit, um gemeinsam ein Zeichen im Stadion zu setzen.

Links zum Thema:
» Homepage der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld
Mehr zum Thema:
» Förderkreis der Hirschfeld-Stiftung gegründet (05.09.2014)
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Tags: charity-dinner, bundesstiftung magnus hirschfeld, fundraising, berlin, grand hyatt, thomas hitzlsperger, heiko maas, thomas sattelberger, klaus born
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Reaktionen zu "Coming-out beim Charity-Dinner"


 9 User-Kommentare
« zurück  1  vor »

Die ersten:   
#1
05.09.2014
17:22:27


(+2, 4 Votes)

Von ehemaligem User FoXXXyness


Hitzlsperger sieht in dem Anzug mit Fliege richtig sexy aus! Hoffentlich kommen in diesem Jahr noch mehrere Coming-Oits!


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#2
05.09.2014
17:42:37
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(0, 4 Votes)

Von FOX-News
Antwort zu Kommentar #1 von FoXXXyness


Der Hitzi ist aber nicht deine Liga. Er war Nationalspieler, du bist höchstens Regionalliga.


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#3
06.09.2014
06:57:44
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(+4, 4 Votes)

Von LedErich
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Ich finde das nicht "indirekt" sondern ausgesprochen gradheraus. Super!


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#4
06.09.2014
08:34:46


(0, 2 Votes)

Von Enyyo


Dieses Charity-Dinner parallel zur Eröffnung der Funkausstellung anzusetzen, war ja auch ziemlich dämlich - außer Wowereit wären andernfalls sicher noch ein paar mehr Leute gekommen, um das Rampenlicht zu nutzen (das bei der IFA natürlich heller ist).


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#5
06.09.2014
08:46:04


(-3, 3 Votes)

Von Daydreamer


Wen er wohl mit Hause genommen hat...Oder wieviele..


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#6
08.09.2014
17:19:27


(+2, 4 Votes)

Von Lars3110
Profil nur für angemeldete User sichtbar


Lieber Micha Schulze,

"Nollendorfblog" hat sich nicht echauffiert, sondern sich gewundert, was man gut nachvollziehen kann.
Auch mir flatterte eine solche Einladung auf den Tisch und da ich Promi-avers bin, landete sie direkt im Reißwolf.
Ich konnte auch nicht auf Anhieb erkennen, wozu dieses Dinner gut sein sollte, außer, dass man dabei ist bei Leuten, mit denen man (ich) eigentlich nichts zu tun haben will.
Der Charity-Gedanke war mehr als zweitrangig und ich hatte auch keine Lust, dass man mich dazu zwingen wollte, mich näher zu informieren. (Die wollen ja schließlich was von mir).
Anscheinend gibt es aber Leute, denen es wichtig ist, im Rampenlicht zu stehen. Ich tue Gutes auf andere Art und brauche das nicht, dass ein Szene-Magazin mich dafür öffentlich lobt.
Wenn Sie meinen, dass Ihnen der abgefärbte Glamour gut getan hat, dann freut mich das für Sie, aber andere dafür zu kritisieren, dass man solchen Veranstaltungen skeptisch gegenüber steht, ist absolut fehl am Platz.


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#7
15.09.2014
13:35:50


(-1, 3 Votes)

Von Oliver43


Thomas Sattelberger ist aber sicherlich nicht der erste bedeutende LGBT-Manager, der sich geoutet hat. Da gab es schon mehr davon, insbesondere die vielen schwulen Modedesigner mit ihren eigenen international tätigen Modeunternehmen.

*
Link zu www.tampabay.com


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#8
15.09.2014
14:34:03
Via Handy


(0, 2 Votes)

Von David77
Antwort zu Kommentar #7 von Oliver43


Waaaas?!? Es gibt schwule modedesigner? Und die sind auch noch geoutet? Das hätte ich ja nie gedacht! Mein weltbild gerät ins wanken...


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#9
15.09.2014
21:55:38


(-1, 1 Vote)

Von TheDad
Profil nur für angemeldete User sichtbar
Antwort zu Kommentar #8 von David77


Nicht zu vergessen den ersten fast öffentlich augenscheinlich homo,-äh in einer besonderen Lebenssituation lebenden Vorsitzenden einer, nein, der einzigen liberalen, nennt man die derzeit eigentlich noch Partei (?), befindlichen Vorzeigeschwuchtel aus der Umgebung von Bonn..


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