Service   Gewinne   Jobs   Newsletter   Bild des Tages   Presseschau   Partner   Gay Hotels
Queer.de - das schwul-lesbische Magazin
 Community | CSD-Termine
Suche:  (News-Übersicht)
 
Login (Nick / Passw.):  (Registrieren)
  Autologin  
 Home || Politik | Szene | Boulevard | Blog | Meinung | Glaube | Lifestyle | Reise | Kultur | Buch | CD | DVD | Liebe | TV-Tipps || Galerie
  • 07.09.2014           71      Teilen:   |

Köln

Rechtsextreme Partei "Pro Köln" wählt schwulen Vorsitzenden

Artikelbild
Michael Gabel, der neue Vorsitzende von "Pro Köln", spielt LGBT und Migranten gegeneinander aus: "Wollen wir die Muslime oder wollen wir die Homosexuellen bei uns haben? Beides zusammen, das wird nicht funktionieren." (Bild: Christian Scheuß)

In einer Kampfabstimmung setzte sich Michael Gabel als neuer Parteichef durch. Mit Ausfällen gegen Volker Beck und die "Homo-Lobby" sorgte er in der Domstadt für Schlagzeilen.

Die rechtsextreme Wählervereinigung "Pro Köln" hat am Samstag einen neuen Vorstand gewählt. Als neuer Vorsitzender konnte sich der schwule Nippeser Bezirksvertreter Michael Gabel in einer Kampfabstimmung gegen den Kalker Bezirksvertreter Tony-Xaver Fiedler und den Ehrenfelder Seniorenvertreter Walter Staudenherz durchsetzen.

Der neue Vorstand wurde bei der Versammlung im Kölner Stadtteil Chorweiler für die Dauer eines Jahres gewählt. Der alte Vorstand hatte wegen eines laufenden Strafverfahrens auf eine erneute Kandidatur verzichtet: Vier "Pro Köln"-Politiker, darunter die beiden bisherigen Vizechefs Judith Wolter und Markus Wiener, müssen sich derzeit wegen "bandenmäßigen Betrugs" vor Gericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen vor, interne Sitzungen der früheren Ratsfraktion fingiert und dafür öffentliche Gelder kassiert zu haben.

Fortsetzung nach Anzeige


Ein "rechtes U-Boot" in der Stadt-AG Lesben, Schwule und Transgender

Im Jahr 2013 scheiterte "Pro Köln" mit dem Versuch, den CSD zu unterwandern
Im Jahr 2013 scheiterte "Pro Köln" mit dem Versuch, den CSD zu unterwandern

Michael Gabels Homosexualität ist der Partei seit vielen Jahren bekannt. So sitzt der 53-jährige Schauspieler, der zuletzt an der Burghofbühne Dinslaken beschäftigt war, seit 2009 für "Pro Köln" in der Stadtarbeitsgemeinschaft Lesben, Schwule und Transgender – allerdings ohne sich dort tatsächlich einzubringen. Das Portal inqueery.de nannte ihn ein "rechtes U-Boot". Bei einer Demonstration im Jahr 2012 gegen das Autonome Zentrum in Köln-Kalk brüllte Gabel: "Im Referat für Schwule und Lesben hat man sich ausdrücklich von mir distanziert. Man darf anscheinend unter Schwulen und Lesben nicht anders sein. Das wollen wir ändern."

Mit dem Einsatz für LGBT-Rechte oder für die Community ist "Pro Köln" bislang nicht aufgefallen – im Gegenteil. So fordern die Rechtsextremen, dass "für unsinnige Projekte" sowie "Randgruppen" keine Steuergelder mehr gezahlt werden sollen. "Wir machen keinen Hehl daraus: Wir sind als Partei gegen die völlige Gleichstellung von Ehe und Lebenspartnerschaft", sagte der Ratsherr Markus Wiener 2013 auf einer Pressekonferenz (queer.de berichtete). Die Gleichstellung von Schwulen und Lesben hat die Wählergruppe auch kritisiert, weil es dann zu "'taktischen' gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaften" kommen könne.

Im vergangenen Jahr war Michael Gabel maßgeblich an der provokativen CSD-Anmeldung von "Pro Köln" beteiligt. Die rechtsextreme Wählervereinigung wollte ihre Teilnahme am Cologne Pride sogar gerichtlich erzwingen (queer.de berichtete). Die CSD-Veranstalter änderten daraufhin ihre Richtlinien (queer.de berichtete), worauf die Rechtsextremen dann doch nicht mehr mit einem Wagen bei der Parade dabei sein wollten.

Gabels Parteifreund, der ehemalige Ratsherr Jörg Uckermann, wurde im vergangenen Jahr wegen Beleidung des grünen Politikers Volker Beck zu einer Geldstrafe von 2.500 Euro verurteilt. Uckermann hatte Beck als "warmen Bundestagsabgeordneten" diffamiert und weitere Anspielungen auf seine Homosexualität gemacht. So wisse Beck, "wie man sich von hinten nach vorne durcharbeitet".

Youtube | Michael Gabel in Aktion: Rede bei einer "Pro Köln"-Demo gegen das Autonome Zentrum in Köln-Kalk

Parteichef Gabel: "Ich ficke jeden Tag"

"Pro Hirn statt Pro Köln": Protestaktion gegen einen "Anti-Islamisierungskongress" der Partei im September 2008
"Pro Hirn statt Pro Köln": Protestaktion gegen einen "Anti-Islamisierungskongress" der Partei im September 2008 (Bild: Wiki Commons / Jasper Goslicki / CC-BY-SA-3.0)

In erster Instanz war auch Gabel wegen einer Beleidigung Becks zu einer Geldstrafe von 750 Euro verurteilt worden. Bei einer Demo gegen Flüchtlingsheime hatte er den grünen Abgeordneten "pervers" genannt und ihm ein verkümmertes Sexualleben unterstellt. Wörtlich sagte Gabel: "Wann haben Sie zuletzt gefickt? Ich ficke jeden Tag. Sie sind ja nur schwul auf dem Papier und wollen die Homo-Ehe wegen des Ehegatten-Splittings." Das Landgericht stellte das Verfahren jedoch in zweiter Instanz ein – nach Informationen des Blogs "Bergische Stimme" nach Zahlung einer Geldbuße in Höhe von 500 Euro.

Auf die Frage, warum er sich als Schwuler bei Pro Köln gut aufgehoben fühlt, sagte Michael Gabel gegenüber dem rechtsextremen Blog "Politically Incorrect": "In erster Linie bin ich Deutscher, dann eine Laune der Natur und bei Pro, weil ich nicht im globalen Nirwana landen will." Zudem gebe es bei "Pro Köln" "Wichtigeres als den Austausch von Körperflüssigkeiten". Den politischen Einsatz für Gleichberechtigung denunzierte Gabel in dem Interview als Kampf einer "Homo-Lobby" um "Sonderrechte", auch mit den Forderungen nach Öffnung der Ehe und einem Adoptionsrecht für Lesben und Schwule kann er sich nicht identifizieren: "Die Homoehe ist eh was für gelangweiltes, gehobenes Bürgertum mit BAT12".

"Pro Köln" wurde 1996 als Ableger der Deutschen Liga für Volk und Heimat (DLVH) mit Verbindungen in die Neonazi-Szene gegründet. 2009 konnte die sogenannte Bürgerbewegung mit einem ausländer- und islamfeindlichen Wahlkampf 5,4 Prozent der Stimmen erobern und erzielte fünf Sitze im Stadtrat. Bei der Kommunalwahl 2014 erreichte "Pro Köln" nur noch 2,6 Prozent und verlor damit den Fraktionsstatus. Derzeit stellen die Rechtsextremen zwei Mitglieder im Stadtrat und insgesamt fünf Bezirksverordnete in den Stadtbezirken Nippes, Chorweiler, Mülheim, Kalk und Porz.

"Pro Köln" wird vom nordrhein-westfälischen Verfassungsschutz beobachtet

Nordrhein Westfalens Innenminister Ralf Jäger (SPD) bezeichnete "Pro Köln" als "skrupellose Rechtsextremisten", die sich den demokratischen Rechtsstaat zur Beute machen wollen. Im jüngsten NRW-Verfassungsschutzbericht werden auf 13 Seiten die extremistischen Tendenzen von "Pro Köln" und "Pro NRW" besprochen. Die Kleinpartei spiele nicht nur mit den "Überfremdungsängsten" der Bevölkerung, indem sie Muslime pauschal abwertet, sondern gehe auch energisch gegen andere Minderheiten vor, heißt es in dem Jahresbericht. Dabei wird auch ausdrücklich auf "abwertende Äußerungen" über "sexuelle Minderheiten" hingewiesen: "Homosexuelle werden subtil verächtlich gemacht und durch diffamierende Formulierungen herabgesetzt."

Als Beispiel für die Homosexuellenfeindlichkeit der 1.000 Mitglieder zählenden Gruppe wird die Ablehnung von Fördermaßnahmen für Homosexuellen-Projekte genannt. Schwule und Lesben würden "durch eine entsprechende Wortwahl der Lächerlichkeit" preisgegeben. Dabei werden Zitate aus einem Artikel auf der Homepage von "Pro Köln" genannt, die geeignet seien, "Aversionen und Vorurteile zu schüren". So heißt es etwa: "[E]in besonderer Nutzen für das Fortbestehen des Gemeinwesens (Kindernachwuchs!) ist beim besten Willen nicht zu erkennen". In einem anderen Abschnitt wird Homosexuellen indirekt die Verführung von Minderjährigen vorgeworfen: "[Z]usätzliche 40.000 Euro müssen her, um nur ja viele Jugendliche auf den richtigen sexuellen Weg zu bringen".

Auch Verbindungen zum inzwischen abgeschalteten Hassportal "kreuz.net" sind im Bericht festgehalten. So habe eine "'pro Köln e.V.'/'pro NRW'-Aktivistin […] mehr als zehn Beiträge mit überwiegend homophoben Inhalten, davon alleine vier in 2012", veröffentlicht. Ein Artikel trage auch den Namen von Markus Beisicht – Gabels Vorgänger als Parteichef. (cw)

Kommentare: Selbst kommentieren | Bisher 71 Kommentare | FB-Debatte
Teilen: 284             5     
Service: | pdf | mailen
Tags: pro köln, michael gabel, rechtsextreme
Schwerpunkt:
Unterstützen:
  |   Überweisung / Abo / weitere Infos

Reaktionen zu "Rechtsextreme Partei "Pro Köln" wählt schwulen Vorsitzenden"


 71 User-Kommentare
« zurück  12345678  vor »

Die ersten:   
#1
07.09.2014
17:35:39
Via Handy


(-8, 10 Votes)
 
#2
07.09.2014
17:49:14


(+9, 13 Votes)

Von Finn


Rechtsextremisten bleiben Rechtsextremisten!

Auch wenn sie schwul sind...


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
#3
07.09.2014
17:50:33


(+9, 11 Votes)

Von nippes


Youtube-Video:


Link zu www.queer.de

Alberichs mit Narrenmützchen: "linksliberaler Islamkritiker....", "Linke Kirche...",....

Link zu www.duden.de


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
#4
07.09.2014
17:57:11


(+9, 13 Votes)

Von Pipopanz
Antwort zu Kommentar #1 von Propripronta


Bestimmt gibt es dort auch Homosexuelle. Sagen Sie mir: Wo nicht?


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
#5
07.09.2014
18:00:37
Via Handy


(+11, 13 Votes)

Von Baer2014


Gut Nacht Marie! Keine Ahnung aber was mir sofort durch den Kopf ging als ich den Artikel gelesen habe: kann es sein, daß er nur behauptet, schwul zu sein, um in der Hochburg der Gays maximalen Unfrieden zu stiften?

Sollter er tatsächlich schwul sein, dann reiht er sich ein bei den schwulen Nazis, die aus dem Röhm-Putsch und der Nacht der langen Messer 1934 nichts gelernt haben.

Wovon träumen solche Extremisten-Kerle? Eine neue SA? Mir wird schlecht.


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
#6
07.09.2014
18:13:37
Via Handy


(+10, 16 Votes)

Von daVinci6667
Profil nur für angemeldete User sichtbar


Wer als Schwuler in einer Partei aktiv ist die GEGEN unsere VÖLLIGE Gleichstellung Politik macht, hat ein gravierendes Selbstakzeptanzproblem und sollte schnellstens professionelle Hilfe erfahren.

Da spielt es gar keine Rolle ob es sich nun um CDUCSUAfDProKölnNPD oder BIG oder sonstwas handelt.

Hände weg vor diesen Parteien!


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
#7
07.09.2014
18:30:20


(+10, 12 Votes)

Von Julian S


"Rechtsextreme Partei 'Pro Köln' wählt schwulen Vorsitzenden"

Und?

Auch in der NPD sind Schwule.

Das macht die Pro-Parteien keinen Deut besser und kein bisschen wählbarer.


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
#8
07.09.2014
18:41:38


(-10, 18 Votes)

Von Oliver43
Antwort zu Kommentar #6 von daVinci6667


Mir wird schlecht... solche Typen brauchen wir echt nicht !


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
#9
07.09.2014
18:48:15


(-15, 21 Votes)

Von Oliver43
Antwort zu Kommentar #6 von daVinci6667


@daVinci6667
" Wer als Schwuler in einer Partei aktiv ist die GEGEN unsere VÖLLIGE Gleichstellung Politik macht, hat ein gravierendes Selbstakzeptanzprobl em und sollte schnellstens professionelle Hilfe erfahren. Da spielt es gar keine Rolle ob es sich nun um CDUCSUAfDProKölnNPD oder BIG oder sonstwas handelt. Hände weg vor diesen Parteien!"

Stimme Dir generell zu. In der AfD, ProNRW, NPD oder BIG haben homosexuelle Menschen NICHTS verloren.

Bei der CDU sehe ich dies aber ganz anders, denn bereits heute hat die CDU unter Merkel das Lebenspartnerschaftsinstitut akzeptiert.

Und mit CDU-Abgeordneten wie Stefan Kaufmann oder Jens Spahn hat sich die CDU zu einer durchaus homofreundlichen Partei gewandelt, was sie bis vor wenige Jahren nicht war. Gleichwohl wählbar ist die CDU noch lange nicht, wenn sie die Eheöffnung blockiert.

-----------

Aber auch wenn ich Dir in der Beurteilung bei der CDU nicht zustimme, so hast du meine volle Zustimmung, was NPD, BIG, ProNRW und AfD angeht.


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
#10
07.09.2014
19:20:24


(+5, 11 Votes)

Von TheDad
Profil nur für angemeldete User sichtbar
Antwort zu Kommentar #9 von Oliver43


""Bei der CDU sehe ich dies aber ganz anders, denn bereits heute hat die CDU unter Merkel das Lebenspartnerschaftsinstitut akzeptiert.""..

""denn bereits heute""..

Dein salbeien ist unerträglich..

Das ELP besteht seit 13 Jahren..

Aber trotz aller "Gewöhnung"..
Die rechtskonservativen in der Union, insbesondere in der CSU haben die ELP zähneknirschend als das akzeptiert, was sie für sie ist :
Es gibt sie, weil sie mit allen Betrebungen gescheitert sind, sie zu verhindern, und nach der Einführung wieder abzuschaffen..

Allen voran die Landesregierungen Bayern, Hessen und Thüringen haben dagegen geklagt, und der Herr "ich bin der erste offen im Schrank lebende Parteivorsitznde" hat in seiner Rede der ELP keinerlei Chance auf Bestand eingeräumt..

Von Akzeptanz kann daher keine Rede sein, weder in der Union, noch in der rechtskonservativen Stütze..

Übrigens "akzeptiert" auch die AFD den "Bestand" der ELP, und zwar in genau der Form die die Mutti so gerade eben noch mit Bauchschmerzen erträgt, nämlich ohne vollständige Gleichstellung und ohne Adoptionsrecht..

Da zeichnen sich Koalitionsmöglichkeiten für die Zukunft ab, die aus unserer Sicht keiner wirklich Denken will..

Aber Du denkst eh nur an Dein Portemaneai..


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
« zurück  12345678  vor »


 POLITIK - DEUTSCHLAND

Top-Links (Werbung)

 POLITIK



Anderswo
Bild des Tages
Aktuell auf queer.de
Niederlande: Kommission empfiehlt bis zu vier Eltern pro Kind Israel: Gleichstellung ausländischer Homo-Partner geplant Tag der Menschenrechte: EKD wirbt für LGBTI-Gleichbehandlung Die Poesie der ersten schwulen Liebe
 © Queer Communications GmbH 2016   Unternehmen | Team | Mediadaten | Logos | Impressum / AGB | Spenden | Kontakt