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Spontandemo der Konferenzteilnehmer zum Belgrader Rathaus, darunter auch der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung Christoph Strässer (Mitte) (Bild: LSVD)

Der Teilnehmer einer LGBT-Konferenz in Belgrad wurde von Unbekannten überfallen. Menschenrechtsbeauftragter der Bundesregierung beteiligt sich an Spontandemo.

Zu Update springen: (14.10., 13:45 Uhr)

Die Belgrader Konferenz "The Future belongs to us: LGBT Rights on the Road to the European Union" wurde von einem mutmaßlichen Hassverbrechen überschattet. In der Nacht zum Samstag wurde nach Angaben des LSVD ein deutscher Teilnehmer Opfer einer brutalen Gewalttat. Der 27-Jährige wurde von Unbekannten in der Innenstadt lebensgefährlich am Kopf verletzt und befindet sich in intensiv-medizinischer Behandlung.

Die Tat scheint einen fremdenfeindlichen und homophoben Hintergrund zu haben. Eine Sprecherin der Bürgerrechtsorganisation Labris, die die Konferenz gemeinsam mit der Hirschfeld-Eddy-Stiftung des LSVD veranstaltete, sagte, der Deutsche sei am frühen Morgen von einer Gruppe junger Männer angegriffen worden. Diese hätten ihm mit einem gläsernen Aschenbecher auf den Kopf geschlagen und geschrien: "Wir wollen keine Fremden in Belgrad!" Die Polizei hat die Ermittlungen aufgenommen.

Demonstration zum Belgrader Rathaus

Die viertägige Konferenz wurde am Samstagmorgen unterbrochen. Es fand eine Pressekonferenz statt, an der auch der deutsche Botschafter Heinz Georg Wilhelm sowie ein Mitglied der serbischen Regierung teilnahmen. Der serbische Innenminister Nebojsa Stefanovic hat inzwischen den Botschafter angerufen und seine Erschütterung zum Ausdruck gebracht. Er sicherte zu, alle Anstrengungen zu unternehmen, die Täter zu ermitteln. "Wir werden nicht erlauben, dass solche Dinge unbestraft bleiben", sagte er.

Im Anschluss fand eine Demonstration statt. Mehrere hundert Konferenz-Teilnehmer und Aktivisten marschierten vom Konferenzort zum Belgrader Rathaus. Daran nahmen neben dem deutschen Botschafter auch der Beauftragte der Bundesregierung für Menschenrechte Christoph Strässer (SPD) und ein Mitglied der serbischen Regierung teil. Die Demonstration wurde von der Polizei begleitet und geschützt.

Die Konferenz, die am Sonntag endet, wird in Abwandlung zum geplanten Programm nun über Anti-Diskriminierungspolitik beraten und eine Resolution an die serbische Politik und Gesellschaft zur Bildung eine Bündnisses gegen Hass-Verbrechen erarbeiten, teilte die Hirschfeld-Eddy-Stiftung mit.

Homophobes Klima in Servien

Bereits mehrfach kam es in Serbien zu Übergriffen von Rechtsradikalen auf Lesben und Schwule. In zwei Wochen soll in der Hauptstadt Belgrad ein CSD stattfinden. Bei der letzten Pride-Demo wurden dort 2010 mehr als 150 Menschen verletzt, nachdem rechtsextreme Gegendemonstranten Krawalle provoziert hatten (queer.de berichtete). Seitdem wurden solche Märsche "aus Sicherheitsgründen" immer wieder verboten. Das Europaparlament hat das EU-Beitrittsland Serbien deshalb mehrfach kritisiert (queer.de berichtete). (cw)


 Update  14.09.2014, 13:45 Uhr: Mutmaßliche Täter festgenommen

Serbischen Medienberichte zufolge konnte die Polizei am Sonntag die drei mutmaßlichen Täter festnehmen. Nähere Angaben wurden bislang nicht gemacht. Eine Überwachungskamera hatte die Tat festgehalten.

Das offensichtlich aus Halle stammende Opfer ist nach einer Not-OP wieder bei Bewusstsein. "Der junge Mann aus Deutschland, der letzte Nacht in Belgrad zusammengeschlagen wurde, nimmt seine Umgebung war, kann seine Hände und Füße bewegen und ist in der Lage, zu sprechen", sagte der Direktor des Clinical Center of Serbia, Miljko Ristic, gegenüber der Agentur Tanjug.



#1 NicoAnonym
  • 13.09.2014, 16:17h
  • Schlimm, was da in Serbien abgeht.

    Wenn man überlegt, dass die in die EU wollen... Da muss sich aber erst noch einiges ändern...
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#2 Baer2014Anonym
  • 13.09.2014, 16:37h

  • Die Aufnahme von Ländern des ehemaligen Ostblocks und Jugoslawiens hat die EU massiv nach rechts verschoben.

    Gab es eine Alternative dazu? Fragt mich was leichteres!

    Sollte man Serbien in die EU aufnehmen? M.E. NEIN! Sollten die ethnischen Konflikte zwischen z.B. Kroatien und Serbien wieder aufflammen und beide sind in der EU, dann haben wir das, was die EU als "Friedensprojekt" ja verhindern sollte: Krieg in Europa...

    Serbien ist tief-orthodox und vielleicht hängt dieses Hassverbrechen ja mit der orthodoxen Hetzveranstaltung in Moskau zusammen (Kyrill, FPÖ etc.) - die zeitliche Nähe legt das fast nahe!?
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#3 FoXXXynessEhemaliges Profil
#4 Carsten ACAnonym
  • 13.09.2014, 18:19h
  • Antwort auf #1 von Nico
  • Vor allem muss die EU denen klar machen, dass sie nicht in die EU kommen, wenn sich da nicht einiges ändert und aktiv gegen solche Homophobie vorgegangen wird (Sicherung von CSDs, Bildungsprogramme, im Ernstfall harte Bestrafung der Täter, etc.).

    Oder will die EU wieder mal dieses Thema ausklammern (wie schon bei anderen östlichen Staaten) und Serbien ohne jede Änderung bei Minderheitenrechten aufnehmen?? Das wäre allerdings früher oder später das Ende der EU! Denn man merkt ja jetzt schon die Probleme, die in der EU durch einige Staaten entstehen.
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#5 HinnerkAnonym
  • 13.09.2014, 18:31h
  • Vor der großen Ost-Erweiterung und den danach folgenden weiteren Erweiterungen war ich ein riesiger Fan der Idee einer Europäischen Union.

    Ich glaube, wenn mich damals jemand gefragt hätte, ob man die Nationalstaaten aufgeben sollte, hätte ich sofort Ja gesagt. Ich war wirklich begeistert von der Idee.

    Aber seit der Aufnahme zahlreicher Ostblock-Staaten und Staaten des ehemaligen Jugoslawiens geht es mit der EU bergab. Das betrifft nicht nur Menschenrechtsfragen, sondern auch die Unterschiede in Wirtschaft, Sozialem, Bildung, Demokratieverständnis, Trennung von Staat und Kirche, Kampf gegen Korruption, etc.

    Es ist ja auch nicht verwunderlich, dass diese Staaten in wenigen Jahren nicht die Entwicklung nachholen können, die andere Staaten in Jahrzehnten gemacht haben. Es können aber auch nicht die fortschrittlicheren Staaten jetzt jahrzehntelang in reaktionäre Sichtweisen verfallen, bis diese Staaten irgendwann auch mal vorankommen. Zumal niemand garantieren kann, dass das überhaupt passiert.

    Ich weiß nicht, ob die Eurokraten damals einfach zu blauäugig waren und dachten, diese Staaten ändern sich von alleine, wenn sie erst in der EU sind oder ob es schlicht egal war.

    Aber egal was der Grund war:
    das war ein historischer Fehler der EU und wenn die EU ihre eigenen Fehler nicht irgendwie korrigieren kann oder will, wird das irgendwann ihr Ende sein. Schade um die ursprünglich tolle Idee, aber bei dem, was daraus geworden ist, kein Verlust.
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#6 reiserobbyEhemaliges Profil
#7 Tobi CologneAnonym
  • 13.09.2014, 18:56h
  • Antwort auf #5 von Hinnerk
  • Ich möchte auch nochmal daran erinnern, dass damals vor dieser riesigen Ost-Erweiterung, als 10 Staaten auf einmal aufgenommen wurden, eigentlich mal eine EU-Verfassung geplant war.

    Gerade bei Grundrechts-Themen hätte diese EU-Verfassung enorme Fortschritte (auch für GLBTI) gebracht. Und die hätte dann für die gesamte EU gegolten. Dann hätte jeder neue Staat, der in die EU will, sich überlegen können, ob er diese Verfassung anerkennt oder nicht (und dann eben nicht in die EU gehört hätte).

    Dann wäre auch die momentan zu beobachtende Putinisierung Ungarns unmöglich gewesen.

    Aber statt wenigstens bis nach der Verabschiedung der EU-Verfassung zu warten, haben die verantwortlichen Politiker in ihrem euphorischen Taumel die Ost-Erweiterung noch schnell vorher gemacht und schon ist die Verfassung gescheitert...

    Was davon geblieben ist, ist die Grundrechte-Charta, die aber offensichtlich nicht verpflichtend ist, sonst könnten nicht so viele EU-Staaten permanent dagegen verstoßen, ohne dass die EU etwas dagegen unternimmt.
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#8 TimonAnonym
  • 13.09.2014, 19:05h

  • Die EU-Politiker und EU-Beamten sitzen so abgehoben und der Welt entrückt in ihren Elfenbeintürmen, dass sie wahrscheinlich nicht mal mitkriegen, wie die Zustimmung zur EU in allen Staaten rapide und massiv sinkt.
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#9 rememberAnonym
  • 13.09.2014, 19:40h
  • "Seitdem wurden solche Märsche "aus Sicherheitsgründen" immer wieder verboten. "

    Vor dem Preis-Boxer und dem Schokoladen-Oligarchen wurden sie in Kiew sogar von der Polizei geschützt.
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#10 Neues DeutschlandAnonym
  • 13.09.2014, 19:40h

  • Schwulenaktivist in Belgrad schwer verletzt. Grüner @Volker_Beck fordert klare Worte der Bundesregierung dasND.de/945829
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