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Protest und Provokation seit 1997

Queer Africa – Filme gegen Verfolgung

  • 17. September 2014, noch kein Kommentar

Szene aus Zanele Muholis Film "Difficult Love" über die Lebensrealität lesbischer Frauen in Südafrika. Die Dokumentation wird in Anwesenheit der Regisseurin am 20. September in Köln gezeigt

Das Kölner Festival "Jenseits von Europa XIII – Neue Filme aus Afrika" vom 18. bis 28. September legt einen Schwerpunkt auf LGBT-Themen.

Der Spielfilm "Dakan" von Mohamed Camara aus Guinea beginnt mit einer langen Einstellung von zwei afrikanischen Männern, die sich in einem roten Sportwagen küssen. Er gilt als erster Film über Homosexuelle in Afrika. Als er 1997 beim Filmfestival FESPACO in Ougadougou vorgestellt wurde (in Köln lief er ein Jahr später), empfanden dies manche afrikanische Filmkritiker als "kaum erträgliche Provokation".

Selbst die ansonsten eher liberale Filmzeitschrift "Ecrans d'Afrique" versuchte in ihrer Kritik des Films, Homosexualität als West-Import mit Seltenheitswert in afrikanischen Großstädten zu diffamieren und verstieg sich zu dem Satz: "Nichts erlaubt uns den Schluss, dass Homosexualität als menschliches Verhalten existiert." Regisseur Camara sagte damals dazu: "Ich habe einen Film über eine einfache Liebesbeziehung gedreht. Das ist alles. Punkt."

Merklich mehr afrikanische Filme über LGBT in den letzten Jahren


Seltene Ausnahme: Im tunesisch-marokkanischen Spielfilm "Bedwin Hacker" von Nadia El Fani aus dem Jahr 2003 sind die Hauptakteurinnen zwei bisexuelle Frauen

Doch "einfach" ist es für afrikanische Regisseure bis heute nicht, andere als heterosexuelle Beziehungen in ihren Filmen darzustellen. Der Spielfilm "Bedwin Hacker" von Nadia El Fani aus dem Jahr 2003, in dem bisexuelle Frauen die Hauptakteurinnen sind, war eine ähnlich seltene Ausnahme von dieser Regel wie "Skoonheid" ("Beauty") aus dem Jahr 2011 über die im Verborgenen praktizierte Homosexualität von Männern in der von Macho-Pionier-Gehabe geprägten Gesellschaft der südafrikanischen Buren.

Erst in jüngster Zeit sind merklich mehr Filme über die Diskriminierung von LGBT in Afrika entstanden. Ein Grund dafür ist, dass sich die Verfolgung von Menschen, die nicht der heterosexuellen "Norm" entsprechen, in vielen Ländern des Kontinents aufgrund homophober Kampagnen religiöser Fanatiker verschiedener Couleur weiter verschärft hat.

Ein weiterer Grund ist, dass die Diskriminierung von LGBT in vielen afrikanischen Ländern zunehmend international wahrgenommen wird. So nahmen die Berichte darüber auch in europäischen Zeitungen, Rundfunk- und Fernsehsendungen im letzten Jahr deutlich zu. Das Kultur-Portal "africulture" publizierte Ende 2013 ein umfangreiches Buch mit dem Titel "Homosexualités en Afrique". NGOs organisierten Rundreisen mit Aktivisten. Und Amnesty International startete hierzulande die breit angelegte bundesweite Plakat-Kampagne "Fünf Jahre Haft für einen Kuss" und verlieh den Menschenrechtspreis 2014 demonstrativ an die Anwältin Alice Nkom, die sich in Kamerun für die Rechte von LGBT einsetzt.

Youtube | Trailer zu Abdellah Taïas Film "L'armée du salut" ("Salvation Army")

Abdellah Taïa, Zanele Muholi und Muhsin Hendricks kommen nach Köln


Plakat zu Abdellah Taïas Film "L'armée du salut" ("Salvation Army"). Er wird ebenfalls am 20. September in Anwesenheit des Regisseurs gezeigt

Da Filmschaffende in Afrika seit jeher zu den ersten gehören, die politisch tabuisierte Themen aufgreifen, entstand die Idee, ihr cineastisches Engagement gegen Homophobie beim diesjährigen Kölner Festival "Jenseits von Europa XIII – Neue Filme aus Afrika" in einem Programmschwerpunkt mit dem Titel "Queer Africa" zu würdigen. Die Veranstaltungsreihe von FilmInitiativ Köln e.V. findet vom 18. bis 28. September 2014 in Kooperation mit LSVD, baraka, Queeramnesty, Amnesty International und Feminale e.V. statt.

Darin präsentiert Abdellah Taïa, der erste offen homosexuelle marokkanische Schriftsteller und Filmemacher, seinen Spielfilm "L'armée du salut" ("Salvation Army"), der auf seinem autobiografischen Roman beruht. Zanele Muholi, Fotografin, Regisseurin und Menschenrechtsaktivistin, stellt ihre Dokumentation "Difficult Love" über die Lebensrealität lesbischer Frauen in Südafrika vor.

Muhsin Hendricks, der erste offen schwule Imam Südafrikas, stellt in Köln seinen Dokumentarfilm "Fitrah" über Homosexualität und Islam zur Diskussion. Kurzspielfilme und Dokumentationen aus Kamerun, Tunesien, Kenia und Südafrika vervollständigen den Fokus "Queer Africa". An der zentralen Podiumsdiskussion über "Afrikanische Initiativen gegen Homophobie" wird mit Yahia Zaidi auch ein algerischer Aktivist teilnehmen.

Einen literarischen Einstieg ins Thema erlaubt die von "Stimmen Afrikas" im Allerweltshaus angebotene Lesung mit dem südafrikanischen Autor Sonwabiso Ngcowa, der in seinem Roman "Nanas Liebe" die Geschichte eines schwarzen lesbischen Mädchens erzählt. Die Moderation übernimmt Lutz van Dijk. (cw)

Youtube | Offizieller Trailer zu Muhsin Hendricks Doku "Fitrah" über Homosexualität und Islam