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  • 18.09.2014           77      Teilen:   |

AfD und Co. in Aktion

Niedersachsen: Aufklärungsgegner machen mobil

Artikelbild
Die Landtagsabgeordnete Karin Bertholdes-Sandrock hat bereits ausgetestet, wie homophob man als CDU-Politikerin argumentieren darf - der Chef des Landesschülerrats fordert bereits den Rücktritt der Politikerin
Bild: Wiki Commons / Ronald Becher / CC-BY-SA-3.0-DE

In Niedersachsen wollen AfD und Freie Wähler gegen die Aufklärung über sexuelle Vielfalt an Schulen demonstrieren. Derweil fordern Schüler den Rücktritt einer CDU-Politikerin.

Mehrere Organisationen planen Protestaktionen gegen die Pläne der rot-grünen Landesregierung in Hannover, Homo-, Bi-, Trans- und Intersexualität verbindlich an Schulen zu thematisieren. Insbesondere rechte Kleinparteien wollen mit Stimmungsmache gegen Schwule und Lesben ihren Bekanntheitsgrad erhöhen: So werben die Freien Wähler Niedersachsen für eine Demonstration vor dem Landtag am Freitagmittag, die unter dem Motto "Früh-Sexualisierung an Grundschulen – Nein, Danke" steht.

Parteimitglied Gerriet Kohls hatte bereits eine Online-Petition gegen die Schulaufklärung gestartet, sie wurde bislang von über 6.500 Menschen unterschrieben (queer.de berichtete).

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Auch AfD hetzt mit

Bei den Protesten gegen die Schulauflärung mit von der Partie ist wie in Baden-Württemberg auch die "Alternative für Deutschland": Die Jugendorganisation der Rechtspopulisten will am 29. September bei einer Veranstaltung in Lüneburg dafür werben, sexuelle Vielfalt aus dem Unterricht fernzuhalten. Unter dem Motto "Keine Indoktrinierung an Niedersachsens Schulen!" soll unter anderem ein Mitinitiator der homophoben "Demo für Alle" über seinen Kampf gegen Homosexuelle berichten.

Eckhard Kuhla vom Verein Agens hatte bereits auf dem Portal "Freie Welt", das vom Ehemann der Afd-Europaabgeordneten Beatrix von Storch betrieben wird, kritisiert, die Schulaufklärung führe zu einer "Verunsicherung der Identitätsfindung bei den Kindern" und zu einer "Zerstörung der klassischen Familie", denn: "Die Vielfalt sexueller Identitäten soll Normalität werden und damit auch die Homosexualität".

Die AfD-Jugendorganisation, die auch eine Facebook-Seite "Kein Bildungsplan 'sexuelle Vielfalt' in Niedersachsen" betreibt, kritisierte in einer Pressemitteilung zudem, die Schulaufklärung sei eine "Interessenpolitik für eine Minderheit, die auf Kosten der gesamten Jugend Niedersachsens gemacht wird", und eine "Beeinträchtigung" der Persönlichkeitsentwicklung der Schüler. Anders als die "übermäßige Befassung mit sexuellen Ausrichtungen" sei nur die "klassische Familie" in der Lage, das Überleben des Staates zu sichern.

Gegen diese AfD-Aktion ist bereits eine Gegenkundgebung geplant. Arne Zillmer, der stellvertretende Landesvorsitzende der Jusos Niedersachsen, hat eine Demo vor dem Lokal angemeldet, in dem sich die Rechtspopulisten treffen (29.9. um 18 Uhr vor dem "Adlerhorst", Schnellenberger Weg 21). "Gerade in der Schule herrscht oftmals ein Klima der Intoleranz, verschiedene Studien zeigen, dass mehr als die Hälfte aller Schüler homophob eingestellt ist", erklärte Zillmer seinen Einsatz für den Gesetzentwurf der Landesregierung. Dieser sehe lediglich eine "angemessene Berücksichtigung der verschiedenen Lebensweisen" vor und sei keine "Überbetonung einzelner Lebensentwürfe", wie Homo-Hasser oft behaupten.

Schülervertreter gegen Homo-Hasser

Die Schülervertretung engagiert sich unterdessen ebenfalls für die Reform. Helge Feußahrens, der Vorsitzende des Landesschülerrats Niedersachsen, kritisierte die CDU-Schulexpertin Karin Bertholdes-Sandrock, die davor gewarnt hatte, LGBT-Organisationen ohne Lehrer in Klassen gehen zu lassen (queer.de berichtete). "Dass Frau Bertholdes-Sandrock davon spricht, dass es unverantwortlich sei, Schüler mit Homosexuellen unbeaufsichtigt zu lassen, ist wirklich traurig und höchst diskriminierend. Es schockiert mich", sagte Feußahrens gegenüber "Spiegel Online".

Faßahrens forderte den Rücktritt der Politikerin. Tjark Melchert, weiteres Mitglied im Landesschülerrat, kritisierte zudem ihre Aussage, dass es falsch sei, Antworten zu Themen zu geben, "die die Kinder gar nicht beschäftigen": "Wir wollen Antworten auf diese Fragen. Schulaufklärungsprojekte sind immer super angekommen bei den Schülern".

Empörung über die homophobe Äußerung der CDU-Politikerin gab es auch in sozialen Netzwerken sowie bei Grünen und SPD. "Es ist unerhört, dass sich die CDU in Niedersachsen dazu hinreißen lässt, in der Diskussion um die notwendige Anpassung von Bildungsplänen auf rückwärtsgewandte Polemik zurückzugreifen", erklärte etwa Johannes Kahrs, der Beauftragte für die Belange von Lesben und Schwulen in der SPD-Bundestagsfraktion. Er verwies darauf, dass Bertholdes-Sandrock mit ihrer Aussage auch der klaren Linie der Bundesregierung widerspreche, die in der Antwort auf eine Kleine Anfrage die Maßnahmen zum Abbau von Diskriminierung an Schulen begrüßt hatte (queer.de berichtete). (dk)

 Update  18.05h: Karin Bertholdes-Sandrock erneuert Kritik

Die CDU-Landtagsabgeordnete Karin Bertholdes-Sandrock hat in einer Pressemitteilung die Pläne der Landesregierung weiter kritisiert: "Im Hinblick auf die Thematisierung von sexueller Vielfalt im Schulunterricht plädieren wir vor allem für außerordentliche Sensibilität und Altersangemessenheit." Es müsse Aufgabe der Lehrer bleiben, "die schulische Sexualerziehung so zu gestalten, dass sie die gesellschaftliche Realität widerspiegelt."

Die Politikerin kritisierte erneut, dass LGBT-Organisationen in Schulen eingeladen werden sollen. "Der Antrag legt nahe, dass SPD und Grüne dies auch in die Hände von Außenstehenden legen wollen. Das lehnen wir ab, weil Lehrerinnen und Lehrer ihre Verantwortung für ihre Unterrichtsstunden nie abgeben dürfen – und in der Regel auch nicht abgeben wollen." Es widerspreche dem CDU-Verständnis von Schule, "wenn der Lehrer bei sensiblen Themen den Raum verlässt und Interessenvertreter unkontrolliert Inhalte vermitteln, so wie es die in dem Antrag genannte Initiative 'SchLAu Niedersachsen' praktiziert", so Bertholdes-Sandrock weiter. Bei dem "sensiblen Thema" müssten zudem Eltern eingebunden werden.

Der LSVD hat indessen in einer Stellungnahme (PDF) die Pläne der Landesregierung begrüßt. Bei Facebook hat sich derweil eine Gruppe gegründet, die die Politikerin zum Rücktritt auffordert.

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Tags: schule, afd, freie wähler, karin bertholdes-sandrock, johannes kahrs
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Reaktionen zu "Niedersachsen: Aufklärungsgegner machen mobil"


 77 User-Kommentare
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Die ersten:   
#1
18.09.2014
14:47:35
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(+12, 16 Votes)

Von Alex


Wie immer:
Die CDU bereitet den braunen Boden, der faschistische Parteien wie die AfD erst möglich macht.


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#2
18.09.2014
14:52:08
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(+12, 12 Votes)

Von Nico


Der konservative Rollback ist in vollem Gange. Mittlerweile ist auch längst erreichtes nicht mehr sicher.

Gerade deshalb wäre es auch so wichtig gewesen, dass die SPD den Wählerwillen achtet und die Mehrheit links der Union nutzt. Stattdessen gibt die SPD sogar ihre Wahlversprechen auf, um CDU und CSU künstlich an der Macht zu halten.


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#3
18.09.2014
15:03:22
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(+4, 14 Votes)

Von David77
Antwort zu Kommentar #2 von Nico


Ach m123... In der tat ist es nötig das linke spektrum zu stärken. Das geht aber nicht ohne die spd. Und auch nicht, wenn die spd zuwenig stimmen bekommt, sodass sie nur noch als juniorpartner in frage kommt.

"Demo für alle" ist klar an gegenposition an "ehe für alle" in frankreich angelehnt, aber ein paradoxon. Denn sonst dürften auch befürworter wie herr kube teilnehmen, was ja offenbar von der polizei verhindert wird.

Und, ist das noch immer eine einzelmeinung, herr ilg?


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#4
18.09.2014
15:04:39


(-20, 24 Votes)

Von GeorgG


""Gerade in der Schule herrscht oftmals ein Klima der Intoleranz"

Das ist richtig. Aber diese Intoleranz wird noch größer werden, je mehr einige selbsternannte Schwulenaktivisten die Kinder über Genderfragen, Transidentität und Intersexualität aufklären wollen.
Schüler sollten grundsätzlich dahingehend erzogen werden, dass sie das Leben anderer Menschen respektieren, dann kommt Toleranz gegenüber Schwulen und Lesben ganz von selbst. Die Darstellung von Details muss nicht in den Schulen erfolgen.


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#5
18.09.2014
15:25:18


(+17, 19 Votes)

Von Andy


Ich finde, sie sollte sofort zurücktreten. Ich würde sie unverzüglich aus der Partei entlassen. Ich finde ihre Aussage menschenverachtend.


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#6
18.09.2014
16:32:09


(+11, 13 Votes)

Von goddamn liberal
Antwort zu Kommentar #4 von GeorgG


Schlussfolgerung also:

Aufklärung schafft Intoleranz.

Auslöschung und Tarnung machen tolerant.

Keine Verfassungswirklichkeit (Gleichheit und Würde für alle) und keine biologische und soziale Realität im Unterricht.

Es geht hier nicht um böse Aktivisten (was ist an denen eigentlich so böse?), sondern um Grundwerte und Grundrechte einer Demokratie.

PS Die Darstellung von Details, wie sie in den 70ern in Aufklärungsbüchern selbstverständlich waren, wird gerade von Herrn Maas verboten. Also da muss sich keiner Sorgen machen.


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#7
18.09.2014
16:36:36


(+11, 13 Votes)

Von Harkness
Antwort zu Kommentar #4 von GeorgG


Ich wäre froh gewesen, wenn ich damals in der Schule solche Themen gehabt hätte.
Dann hätte ich mich nicht Jahre meines Lebens quälen und sie vergeuden müssen, bis zur Erkenntnis, dass mein Geschlecht nicht das richtige ist. Dass ich Transgender bin. Und auch, dass es okay ist das zu sein, auch wenn es immer Leute gibt, die mich deswegen ablehnen werden.


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#8
18.09.2014
17:00:39
Via Handy


(+9, 13 Votes)

Von David77
Antwort zu Kommentar #4 von GeorgG


Ach, und du bist der selbsternannte experte in sachen aufklärung und weißt, was in schwulen schülern vorgeht? Und mit erziehung zu respekt, aber negation schwulen lebens ist bestens geholfen?!


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#9
18.09.2014
17:58:09


(+9, 13 Votes)

Von TheDad
Profil nur für angemeldete User sichtbar
Antwort zu Kommentar #4 von GeorgG


""Schüler sollten grundsätzlich dahingehend erzogen werden, dass sie das Leben anderer Menschen respektieren, dann kommt Toleranz gegenüber Schwulen und Lesben ganz von selbst.""..

Gar nichts kommt "von selbst"..

Nicht einmal Homophobismus und Rasissmus..

Die kommen durch die "Erziehung" aus dem Elternhaus, und dem muß Aufklärung entgegengesetzt werden !

Wer keine Informationen über Genderfragen, Transidentität, Intersex und Homosexualität erhält, entwickelt weder Toleranz, Akzeptanz, noch irgendein Gespür für die Normalität der Vielfalt !

Dein Gewäsch über "selbsternannte Schwulenaktivisten" hat die gleiche Qualität wie das Gefasel der CDU-Dame, die von Dingen redet, die sie ganz offensichtlich nicht versteht..

UNd wie immer und überall ein extra dummes "Argument" zum Schluß :
""Die Darstellung von Details muss nicht in den Schulen erfolgen.""..

Es geht um keine Darstellung von Details !

Es geht um GRUNDINFORMATIONEN !


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#10
18.09.2014
18:13:32


(+6, 8 Votes)

Von ehemaligem User FoXXXyness


Würde man Politiker wegen Volksverdummung vor Gericht bringen, dann müßte man noch zahlreiche Gefängnisse dafür bauen müssen!


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