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Wayne Yung – Ein Filmemacher aus Kanada entdeckt Köln. In Stricherläden fühlt er sich besonders wohl.

Von Christian Scheuß

"Lass uns in eine Arbeiterkneipe gehen. Gerne auch in einen Laden mit Strichern" schlägt Wayne Yung vor. Der Videokünstler aus Kanada überrascht mit seinem Wunsch nach einem etwas ungewöhnlichen Ort für ein Interview. Seit drei Monaten lebt der 33-Jährige in Köln, seine erste Entdeckungstour in der hiesigen Szene beginnt also in der Altstadt, im "Backbord". Hier gefällt es ihm auf Anhieb. Genügend Leute der "Working class" an der Theke und lustige deutsche Schlager von Nana Mouskouri und Co. aus der Musikbox.

"Weißt Du, in den schwulen Läden der Weißen in Kanada, habe ich mich immer als zweite Klasse gefühlt. Deshalb bin ich immer schon lieber in die Kneipen mit Arbeitern und Strichern gegangen." Seine Eltern stammen aus China, sind vor Jahrzehnten ausgewandert. Wayne wurde 1971 in Edmonton geboren, laut Pass ist er Kanadier. Zeit seines Lebens ist deshalb die Frage nach Identität und Herkunft für ihn immens wichtig. Dies wird ihn auch in den kommenden Jahren in Köln beschäftigen, während seines Studiums an der Kunsthochschule für Medien, Fachbereich TV und Film. Derzeit schreibt er am Skript für den Film, den er am Ende der zweijährigen Ausbildung abliefern muss. Die Story: Ein in Deutschland aufgewachsener Koreaner landet in Hongkong und verliebt sich dort in einen deutschen Handwerker, der gerade auf der Walz ist. "Im Moment entstehen täglich neue Bilder in meinem Kopf", erklärt er seine Arbeitsweise. Aus den Bildern werden niedergeschriebene Filmszenen. Als Vorlage dienen die Grundstrukturen seiner eigenen Lebensgeschichte. Wie er es schon immer in seinen bisher 16 Kurzfilmen gemacht hat.

Die Arbeiten zu seinem Kurzfilm "My German Boyfriend", die von der kanadischen Kulturförderung finanziell unterstützt wurden, brachten Wayne vor drei Jahren zunächst nach Berlin. Später lernte er seinen tatsächlichen und jetzigen "Boyfriend" in Hamburg kennen, mit dem er auch verpartnert ist. "Ich vermisse den Alltag mit ihm", gesteht der Filmstudent. Sonst aber nichts in der Hansestadt. "Ich will nie wieder zurück nach Hamburg", ruft er.

Inzwischen ist das Interview in den "Hühnerfranz" verlegt worden, mangels Stricher im "Backbord". "Ich liebe Berlin", gibt er zu, "wegen der Kulturszene", nimmt noch einen Schluck vom Kölsch, und beobachtet das Treiben in der kleinen Kneipe. Aber er ist offen genug, sich auch bald in die Rheinmetropole zu verlieben. Ein erster Schritt ist gemacht, wie seine eMail beweist, die spät in der Nacht nach dem Interview noch eintrudelt: "Als ich an der Haltestelle wartete, hat mich ein Schwuler angesprochen, und mich auf ein Kölsch eingeladen. Meine Güte, die Kölner sind aber gastfreundlich."

5. Januar 2005