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Andy Warhol Bridge in Pittsburgh: Auch eine der 446 Brücken ist nach dem berühmtesten schwulen Sohn der Stadt benannt (Bild: Jon Dawson / flickr / by-nd 2.0)

Die einst hässliche Stahlstadt hat sich zum Geheimtipp für queere Traveler gemausert – u.a. dank Andy Warhol Museum, wilden Partys und "Flashdance".

Von Robert Niedermeier

Die kultige Indie-Rock-Legende Lou Reed hat sie als "Smalltown" besungen und Disco-Pop-Papst Giorgio Moroder schrieb der Stadt am Ohio River mit "What a Feeling" gar eine Hymne. "In einer Welt, erschaffen aus Stahl und Stein", heißt es im Titelsong zum damals weltberühmten Kino-Musical. Die poetische Zeile beschreibt treffend, dass Steinkohle den Aufstieg Pittsburghs zur Stahlstadt befeuerte.

Doch noch vor dem Kinostart im Frühling 1983 schloss das letzte Stahlwerk am Ohio River. Die 300.000-Einwohnerstadt erlebt ihren Niedergang während Jennifer Beals, dank ihres glorreichen Hollywood-Debüts, zum leuchtenden Star der Filmbranche emporsteigt. Die späte Hauptrolle als Alpha-Lesbe Bette Porter in der Lesben-Serie "L-Word" inklusive.

Mittlerweile hat Pittsburgh den Strukturwandel bestens überstanden. Schwarzer Ruß schwängert die Luft schon lange nicht mehr. Vielmehr steigt der Duft von frisch gebackener Pizza in die Nasen der Strip-District-Anwohner, und die Auslagen der aus rotem Backstein gebauten Geschäfte entlang der Liberty- und Penn Avenue sind mit exotischen Früchten reichlich befüllt. Auch die Zentrale des weltbekannten Ketchup-Herstellers "Heinz" residiert hier mit Blick auf die Skyline der Downtown. Finanz- und Gesundheitsdienstleistungs-Unternehmen, Robotikfirmen, Software-Startups und nicht zuletzt die Film-Industrie haben die Luftverschmutzer als Wirtschaftsfaktor längst abgelöst.

Subventionen locken Hollywood-Produktionen nach Pittsburgh


Multimillionär und Mäzen von Pittsburghs Gay-Szene: Peter J. Karlovich (Bild: Robert Niedermeier)

Mehr als ein Dutzend Blockbuster sind hier entstanden. George A. Romero ließ bereits als Filmstudent seine Zombies durch Pittsburgh torkeln.

Seit 2004 lockt zudem ein niedriger Steuersatz immer mehr Hollywood-Produktionen in die kultivierte Stadt, die seitdem aus dem Schatten der großen Schwester Philadelphia an der Ostküste hervortreten konnte. So wurden auch "The Dark Knight Rises" oder Gus van Sants Fracking-Drama "Promised Land" im Talkessel am Zusammenfluss des Monongahela und des Allegheny Rivers gedreht.

"Nach dem wirtschaftlichen Niedergang der Stahlindustrie erinnerten sich die Stadtherren an ihren berühmten schwulen Sohn", erzählt der gesellige Pittsburgher Peter J. Karlovich mit zynischem Unterton. Erst im Jahre 1994 eröffnete in einem über hundert Jahre alten Industriegebäude auf der Sandusky Street das Andy Warhol Museum. Dem exzentrischen Popart-Meister, der 1928 in Armut auf der Orr Street zur Welt kam, wurde damit vor 20 Jahren ein Denkmal gesetzt. Für Warhol-Fans ist der Besuch ein Fest. Sie zeigen sich entzückt über das Sammelsurium an originalen Installationen, Kunstwerken und künstlerischen Meilensteinen, denen das Museum auf mehren Etagen Raum zur Entfaltung geschaffen hat.



Auch das bereits Mitte der 1970er Jahre im damals als Kriminellen-Hotspot verrufenen Stadtteil Central Northside errichtete Mattress Factory Art Museum lockt Besucher an. Es liegt in dem Quartier, wo in "Flashdance" Alex Owens Wohnhaus steht. Der als Arbeitersiedlung errichtete Stadtteil wandelte sich: Je mehr Arbeiter ihre Jobs in der Schwerindustrie verloren, desto billiger wurden die Mieten. "Danach haben sich junge Kreative dort angesiedelt", erklärt Peter J. Karlovich. "Viele von ihnen waren lesbisch oder schwul", weiß der Schatzmeister der Pride-Organisation "Delta Foundation of Pittsburgh", der durch den Verkauf seiner Software-Firma vor über 15 Jahren zum Multimillionär wurde.

Karlovich lobt den Strukturwandel, den Pittsburgh in den letzten 30 Jahren bewältigen konnte. "Heute finden Studienabgänger aus New York oder Philadelphia Jobs im Kultursektor von Pittsburgh, das stärkt auch die Gay-Community meiner Heimatstadt", sagt er beim Dinner im Restaurant "Grand Councourse". Inmitten der historischen Bahnhofshalle der Square Station zeigt er auf genau den gepolsterten Restaurantstuhl, auf dem die unbedarfte Alex in einer "Flashdance"-Szene daran scheitert, einen Hummer zu verspeisen.



Das kann dem Besitzer des Sauna-Etablissements Club Pittsburgh und der angesagten Cruze Bar nicht passieren. Zusammen mit seinem Lebensgefährten Steven Herforth ist Karlovich der Mäzen der lokalen Gay-Szene – und Luxus ist beiden durchaus vertraut. Prüderie indes nicht: Weltweit sorgen die Techno-Partys des Musikers und DJs Aaron Clark im Disco-Raum seines Club Pittsburgh für mediales Aufsehen. Internationale Underground-Größen und lokale DJs lassen hier die Crowd einmal im Monat auf den "Honcho"-Events zappeln. Sex auf der kleinen Tanzfläche ist geduldet.

Das entspricht genau dem Geschmack des lebensfrohen Karlovich. Seine am Hang des Mount Washingtons für Millionen von Dollar hypermodern errichtete Villa bietet dank der ausladenden Glasfassade einen unverbauten Blick auf die filmreife Kulisse. Auch die privaten Partys im Luxus-Anwesen des Lebemannes sind berühmt berüchtigt, wo im Untergeschoss eine komplette Etage als Disko-Wohnzimmer ausgebaut worden ist.

Mit der Duquesne-Schienenseilbahn auf den Berg


So etwas wie das Maskottchen der Duquesne-Schienenseilbahn: Margarete Sommerer (Bild: Robert Niedermeier)

Unweit davon rattert schnurstracks die Duquesne-Schienenseilbahn den Berg hinauf. Natürlich ist auch diese Bahn im Hollywood-Erfolg "Flashdance" zu sehen.

Die betagte Lady Margarete Sommerer ist so etwas wie das Maskottchen der Duquesne-Schienenseilbahn am anderen Ufer des Monongahela Rivers. Wie Alex im Kinofilm, fahren Touristen mit der Schienenseilbahn, blicken staunend hinunter auf die Stadt, wo die beiden großen Flüsse den mächtigen Ohio River bilden.

Margarete arbeitet im Souvenirshop an der Bahnstation und zeigt Besuchern gerne die alten Fotografien aus den 1930er Jahren, die Pittsburgh als kohlenschwarzes Industrie-Moloch zeigen: "Je nach Windrichtung war es auch tagsüber stockfinster", erinnert sie sich und verrät ein "Flashdance"-Geheimnis. Eine Szene könne gar nicht auf der nördlichen Sixth Bridge gedreht worden sein, wie es der Filmausschnitt suggeriert. "Die Sonne geht schließlich im Osten auf, deshalb wurde hier unten am Monongahela auf der Smithfield Street Bridge gefilmt."

Margarete schwelgt in Erinnerungen. "Selbstverständlich", wirft Karlovich ein, "wird der 'Flashdance'-Titelsong auch auf meinen Partys gespielt. Wie Margarete ist das Lied schließlich ein Evergreen." Und schon ist er wieder da der Ohrwurm: "What a feeling – you can really have it all."



#1 Harry1972Profil
  • 21.09.2014, 17:23hBad Oeynhausen
  • Jetzt noch die passende Werbung für eine Reise nach Pittsburgh verlinkt und ich bin wech :D

    Scheint sich ja echt zu lohnen.
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#2 TheDadProfil
#3 FoXXXynessEhemaliges Profil
  • 22.09.2014, 09:13h
  • Wenn ich Pittsburgh lese muß ich unweigerlich an die Serie "Queer as folk" denken, die dort spielt!
  • Antworten » | Direktlink »
#4 reiserobbyEhemaliges Profil