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LGBT-Protest in Moskau 2013 vor dem Organisationsbüro der Olympischen Winterspiele in Sotschi

Ausrichterstädte von Olympischen Spielen sollen sich gegen Diskriminierung verpflichten. Dass der Sport nur bedingt aus Sotschi gelernt hat, zeigt derweil die Fußball-EM-Vergabe u.a. nach St. Petersburg und Baku.

Von Norbert Blech

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) plant offenbar, schärfer gegen Diskriminierung vorzugehen. In einem vor wenigen Tagen versandten Schreiben an die Bewerberstädte für die Winterspiele 2022 wird erstmals ausdrücklich verlangt, dass sich diese gegen Diskriminierung einsetzen.

Während sich einige internationale Homo-Organisationen für den IOC-Entschluss selbst feiern (Allout spricht gar von einem "Sieg"), sollte allerdings zunächst Skepis walten. Das IOC bezieht sich in dem Schreiben Medienberichten zufolge ausschließlich auf "Principle 6" seiner aktuellen Charta. Demnach sei Diskriminierung von Staaten oder Personen wegen "ihrer Rasse, Religion, Politik, ihres Geschlechts oder anderer Gründe (otherwise)" nicht mit der Olympischen Bewegung vereinbar.

Von "sexueller Orientierung" spricht die Passage, die bereits zu den Winterspielen in diesem Jahr im russischen Sotschi in Kraft war, nicht ausdrücklich. Analog hatte es im letzten Jahr Streit um die Anti-Diskriminierungs-Formulierung im von der Generalversammlung der UN traditionell beschlossenen Olympischen Frieden gegeben (queer.de berichtete). Nachdem Russland zunächst formuliert hatte, "Menschen unterschiedlichen Alters, Geschlechts, physischer Möglichkeiten, Religion, Rasse und sozialen Status" in die Winterspiele in Sotschi einzubeziehen, und einige Diplomaten gefordert hatten, auch das Merkmal sexuelle Orientierung aufzuführen, einigte man sich schließlich auf die Formulierung, dass die Spiele "soziale Beteiligung" fördern sollen, "ohne Diskriminierung jeglicher Art".

Bereits Sotschi hatte Zusicherungen gemacht


Vladimir Luxuria vor ihrer Festnahme in Sotschi. Auch das IOC hatte das Tragen von Regenbogenkleidung und -flagge als Protest gewertet

Dieser Geist ist nicht wirklich das, was von Sotschi in Erinnerung geblieben ist. Ohnehin muss das IOC darauf achten, die Passage mit Leben zu füllen und nicht in Wirklichkeit eine Art bürokratischen Freibrief für sich selbst zu erstellen, bei dem Lippenbekenntnisse auf beiden Seiten ausreichend sind. So hatte sich der Verband vor den Winterspielen in Sotschi unter enormen Druck von Medien und Aktivisten auch Zusicherungen vom russischen Staat geben lassen, dass LGBT-Besucher und -Athleten keine Verfolgung zu befürchten hätten. IOC-Chef Thomas Bach und der Deutsche Olympische Sportbund trafen sich gar mit LGBT-Verbänden

Dennoch fand sich das IOC wohl mit der offiziellen Deutung Russlands ab, dass das Gesetz gegen "Homo-Propaganda" keine Diskriminierung sei, sondern eine Vorschrift für den Jugendschutz, die man zu akzeptieren habe. So gab es keine Kritik des IOC, als vor Beginn der Spiele LGBT-Aktivisten bei Protesten in St. Petersburg und Moskau festgenommen wurden.

Auch als während der Spiele die italienische Transgender-Aktivistin Vladimir Luxuria beim Besuch eines Eishockey-Spiels mit einer Regenbogenflagge festgenommen wurde, hatte es keine IOC-Kritik gegeben; die Organisation ließ stattdessen sogar verlauten, die Aktivistin habe einen illegalen Protest abhalten wollen (Berichte über alle genannten Vorfälle im Sotschi-Liveblog). Luxuria sei daher "friedlich" von den Spielstätten "eskortiert" worden, sagte IOC-Sprecher Mark Adams. Und: "Wir würden jeden bitten, ihr Thema woanders zu setzen".

In den Medien hatte der Vorfall kaum eine Rolle gespielt, während vor den Spielen auf Zusicherungen Russlands geachtet worden war. Auch von internationalen Organisationen hörte man nun wenig. Im Vorfeld hatte es von Aktivisten hauptsächlich eine Boykott-Diskussion gegeben, während russische LGBT sich dagegen aussprachen, weil dies zu diesem späten Zeitpunkt unrealistisch sei und ihre Situation erschwere. Aber sie hatten um Proteste und Aufmerksamkeit dafür gebeten. Einige Aktivisten hatten zudem gefordert, künftige Vergaben von Großereignissen mehr mit dem Einsatz für Menschenrechte zu verknüpfen.

Um die Winterspiele 2022 bewerben sich Oslo, das sich aber noch zurückziehen könnte,das in Menschenrechtsfragen schwierige Peking sowie Almaty, die größte Stadt Kasachstans. In dem Land wird aktuell über die Einführung eines Gesetzes gegen "Homo-Propaganda" debattiert. Während die Winterspiele 2018 in Seoul stattfinden, zieht es die Sommerspiele 2016 nach Rio und 2020 nach Tokio. Die Bewerbungsphase für 2024 beginnt im nächsten Jahr.

Fußball-EM in Russland und Aserbaidschan


In Baku hatte sich Anfang des Jahres ein junger LGBT-Aktivist das Leben genommen. Bislang scheitert der Sport daran, durch Turniere die Situation von Menschenrechten und Minderheiten zu verbessern

Dass sich der Sport weiterhin schwer tut, den Kampf gegen Diskriminierung und für Menschenrechte als konsequente Aufgabe zu begreifen und den Begriff "Wandel durch Annäherung" mit Leben zu erfüllen, wird die nächsten Jahre freilich vor allem der Fußball zeigen.

2018 steht die Fußball-WM in Russland an, für 2022 ist sie an Katar vergeben. Im Vergleich zur Fifa erscheint das IOC dabei noch geradezu sensibel: Nach der Doppel-Vergabe an beide Länder 2010 hatte Fifa-Chef Sepp Blatter auf eine Journalistenfrage, wie es Schwulen und Lesben in dem Emirat ergehen könnte, noch gescherzt, dass diese einfach keinen Sex haben sollten (queer.de berichtete).

Ein rechtes Aufwachen des Sports, auch durch die Erfahrungen mit Sotschi und mit der Ukraine-Krise, scheint so weiter nicht zu erkennen – und das in allen Verbänden: In der letzten Woche gab die Fifa die Ausrichterstädte für die Fußball-EM 2020 bekannt, die ausnahmsweise über Europa verteilt stattfinden soll. Mehrere Spiele, darunter auch jeweils ein Viertelfinale, werden in St. Petersburg und Baku ausgetragen.

Nach dem Eurovision Song Contest und den im nächsten Jahr erstmals ausgetragenen Europäischen Olympischen Spielen bekommt Aserbaidschans Hauptstadt also das dritte große, internationale Event. Von Kritik keine Spur, Aserbaidschans Fußball-Nationaltrainer Berti Vogts freute sich sogar öffentlich über die Vergabe: "Vor allem der Präsident hat es verdient, dass 2020 vier Spiele dort ausgetragen werden."



#1 SebiAnonym
  • 25.09.2014, 11:13h
  • "Auch das IOC hatte das Tragen von Regenbogenkleidung und -flagge als Protest gewertet."

    Weil es ein Haufen homophober, geldgeiler Säcke ist, denen Menschenrechte egal sind und die Sport nur als Vehikel zur Geldmaximierung nutzen.
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#2 MarekAnonym
#4 Robby69Ehemaliges Profil
  • 25.09.2014, 12:08h
  • Reines Blablabla. Vom "Reden" ändert sich überhaupt nichts - die müßten schon was TUN. Aber dazu sind sie wahrscheinlich zu feig. Nicht dass noch irgendein Homo-Hasser seinen Sponsoring-Vertrag kündigt... (Zynismus off)
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#5 sperlingAnonym
  • 25.09.2014, 14:04h
  • untertitel: homo-rechte - am arsch. wir haben aber jetzt begriffen, dass die unschöne kritik allmählich unser geschäftsmodell bedroht. deshalb werden wir nun gemeinsam mit unseren sponsoren an einer hübschen fassade arbeiten.
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#7 Baer2014Anonym
  • 25.09.2014, 20:22h

  • Das IOC würde nur tatsächlich was tun, wenn größere Sponsoren das erzwingen würden. Ben&Jerry sind dafür leider nicht mächtig genug.

    Ansonsten nur blah-blah und die üblichen Lippenbekenntnisse.
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#8 Simon HAnonym
  • 25.09.2014, 22:04h
  • Das IOC macht aus den olympischen Spielen und aus Sport ein reines Geschäft, wo es nicht mehr um Sportlichkeit, Offenheit, Toleranz und Völkerverständigung geht, sondern nur noch um Kommerz.

    Dafür nehmen die sogar die Verletzung von Menschenrechten, Unterdrückung und das Schüren von Hass in Kauf.
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#9 FoXXXynessEhemaliges Profil
  • 26.09.2014, 08:42h
  • Mit den Olympischen Sommerspielen 2016 in Rio, 2020 in Tokio und den Olympischen Winterspielen 2018 in Südkorea hat das IOC die Wettkämpfe auf jeden Fall an einen homophilen Staat und zwei homophile Städte vergeben!
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