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  • 27.09.2014           202      Teilen:   |

Mit Holzkreuz gegen Abtreibung

LSU-Chef beim "Marsch für das Leben"

Artikelbild
"heute-show"-Außenreporter Lutz van der Horst (li.) trifft auf der "Lebensschützer"-Demo durch Zufall auf den Berliner LSU-Chef Jurgen Daenens

Jurgen Daenens, Landesvorsitzender der Lesben und Schwulen in der Union, beteiligte sich letzte Woche an der "Lebensschützer"-Demo in Berlin – und wurde dort von der "heute-show" gefilmt.

Von Micha Schulze

Zu Update springen: Vorstand der LSU Berlin distanziert sich von Daenens

Die beste Satire schreibt das wahre Leben, dagegen kommt auch Lutz van der Horst nicht an, der rasende Außenreporter der ZDF-"heute-show". In der letzten Sendung mischte er sich unter den "Marsch für das Leben" in Berlin – und traf bei der "gruseligen Allianz der Vor-Vorgestrigen" (Berliner Kurier) durch Zufall auf Jurgen Daenens, den Landeschef der Lesben und Schwulen in der Union.

"Wer hat denn eher Chancen, ins Paradies zu kommen: ich, eher unauffällig, oder Sie mit dem ganzen Tamtam?", fragte van der Horst den 36-Jährigen, der mit einem riesigen weißen Holzkreuz durch die Berliner Innenstadt zog. "Ich als Landesvorsitzender von den Lesben und Schwulen, ich habe die besten Karten", erklärte Daenens dem verdutzten Reporter. "Ich bin Landesvorsitzender der Lesben und Schwulen in der Union", fügte er hinzu. Lutz van der Horst fragte zurück: "Dann sind Sie wahrscheinlich einfach bei der falschen Demonstration, oder?"

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"Lebensschutz" statt sexuelle Selbstbestimmung

Jurgen Daenens (li.) am 20. September beim "Marsch für das Leben" in Berlin - Quelle: Facebook
Jurgen Daenens (li.) am 20. September beim "Marsch für das Leben" in Berlin (Bild: Facebook)

Doch der LSU-Chef hatte sich keineswegs verlaufen auf dem Weg zur parallelen Gegendemo für sexuelle Selbstbestimmung, zu der u.a. der Lesben- und Schwulenverband (LSVD) aufgerufen hatte (queer.de berichtete). Er habe für den Schutz des Lebens demonstriert, erklärte Daenens gegenüber queer.de, das betreffe nicht nur Abtreibung, sondern auch Fragen wie Euthanasie und PID.

Themen, mit denen sich seiner Meinung nach auch die LGBT-Community beschäftigen sollte: "Kommen wir irgendwann dazu, feststellen zu können, ob ein ungeborenes Kind später mal schwul oder lesbisch wird? Und wie werden die werdenden Eltern dann mit dieser Frage umgehen?", so der LSU-Chef.

Dass Daenens unter dem Slogan "Für ein Europa ohne Abtreibung und Euthanasie" Seite an Seite mit extrem homophoben Gruppierungen und ausgewiesenen Homo-Gegnern wie Beatrix von Storch marschierte, störte ihn nicht. "Zu den Aufrufern gehörten in erster Linie die Katholische und die Evangelische Kirche in Deutschland", erklärte er gegenüber queer.de. Auf der Homepage des "Marschs für das Leben" liest sich das allerdings ganz anders: "Der Marsch für das Leben wird getragen und unterstützt von den Mitgliedern des Bundesverbandes Lebensrecht" – die sich allesamt im Grenzbereich zwischen Konservatismus und Rechtsextremismus bewegen.

Demonstrationsrecht gilt auch für Homophobe

"Wir haben in Deutschland ein Demonstrationsrecht, das jeder Bürger wahrnehmen darf", verteidigte sich Daenens. "Hierbei ist niemals auszuschließen, dass sich auch Einzelne oder Gruppierungen wiederfinden, deren Meinung ich in keiner Weise vertrete, die aber gleichwohl diese Plattform nutzen, um ihr Anliegen in der Öffentlichkeit kund zu tun."

Gegenüber queer.de übte Daenens auch Kritik am LSVD Berlin-Brandenburg, der mit der Begründung, sexuelle Selbstbestimmung sei ein Menschenrecht, zur Gegendemo aufgerufen hatte. "Beim 'Marsch für das Leben' ging es ja im Kern um etwas anderes", meinte der LSU-Chef. "Natürlich geht es niemanden etwas an, was der Einzelne in seinem Schlafzimmer macht. Das ist Privatsache."

Seine Verbundenheit mit fundamentalistischen "Lebensschützern" hatte der Berliner LSU-Chef bereits Ende April unter Beweis gestellt: Gemeinsam mit den Christdemokraten für das Leben (CDL) lud er zur Podiumsdiskussion "Wieviel Staat vertragen Gott, Ehe und Familie?" (queer.de berichtete).

Youtube | Ausschnitt aus dem Beitrag der "heute-show" über den "Marsch für das Leben" (kompletter Beitrag in der ZDF-Mediathek ab 27:40)

 Update  28.09.2014: Vorstand der LSU Berlin distanziert sich von Daenens

Der Gesamt-Vorstand des Berliner Landesverbandes des Lesben- und Schwulen in der Union (LSU) hat sich von seinem ersten Vorsitzenden distanziert. Zur Teilnahme von Jurgen Daenens am "Marsch für das Leben" heißt es in einem Thread auf der offiziellen Facebook-Seite des Verbands: "Der Vorstand der LSU Berlin betont ganz deutlich an dieser Stelle, dass Herr Daenens dort privat teilgenommen hat." Der LSU-Vorstand habe "zu den Themen eine andere Meinung", heißt es weiter. Daenens muss sich nun wohl mindestens auf eine Kopfwäsche von seinen Kollegen einstellen: "Und warum er das in die Kamera gesagt hat, werden wir nun ausführlich im Vorstand klären."

Stellvertreter von Jurgen Daenens sind Stefan Evers, der für die CDU im Berliner Abgeordnetenhaus sitzt, sowie der Bankkaufmann Lars Meissner. Weitere Vorstandsmitglieder der LSU Berlin sind laut Homepage Geschäftsführer Marius Valentin, Schatzmeister Pascal Ribble und Beisitzer Olaf Schmidt.

 Update 2  Unterstützung für Daenens aus dem Bundestag

Der schwule CDU-Bundestagsabgeordnete Jens Spahn verteidigte dagegen Daenens: "Langsam nervt diese Dauerzensur von Meinungen", schrieb er auf Twitter. "Warum soll ein Schwuler nicht gegen Abtreibungen oder PID demonstrieren dürfen???"


Mehr zum Thema:
» Vor Europawahl: Der Berliner LSU-Vorstand im Faktencheck (22.05.2014)
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Reaktionen zu "LSU-Chef beim "Marsch für das Leben""


 202 User-Kommentare
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Die ersten:   
#1
27.09.2014
16:53:08


(+15, 21 Votes)

Von Zeitfenster


Ich frage mich, wie Daenens als LSU-Vorsitzender noch glaubwürdig Politik für Schwule und Lesben machen will, wenn er mit den größten Homo-Hassern wie Lohmann, Kuby und Konsorten gemeinsame Sache macht. Nach dieser Demo-Teilnahme bleibt eigentlich nur der Rücktritt!


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#2
27.09.2014
16:56:16


(+19, 21 Votes)

Von Fennek


Die LSU (Lesben und Schwulen in der Union) bleiben in erster Linie eines: Mitglieder der Union.

Und als solches sind sie genauso braun wie der Rest ihrer Partei. Auch bei AfD und NPD gibt es Schwule und Lesben...

Sie wollen so gerne von ihren Unions-Kollegen akzeptiert sein und biedern sich deshalb bis zur Selbstverleugnung an. Aber sie merken nicht, dass sie niemals von den anderen in der Union akzeptiert sein werden.

Sie sind gut, um Mitgliedbeiträge zu zahlen, im Wahlkampf auf der Straße zu arbeiten und vielleicht noch die ein oder andere Stimme bei Wahlen zu erlangen. Aber Einfluss werden sie in der Union niemals haben!


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#3
27.09.2014
16:58:01


(+16, 18 Votes)

Von Thorben


Schön, dass die Alibi-Gruppe LSU sich immer selbst vorführt und zeigt, welch Geistes Kind sie sind.


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#4
27.09.2014
17:01:04


(+17, 21 Votes)

Von Sebi


Aha, der LSU-Chef marschiert mit einem Holzkreuz Seite an Seite mit Homohassern und anderen reaktionären Ewiggstrigen durch die Straßen.

Haben die abends noch einen Fackelmarsch gemacht?

Und hat er sich abends noch für seinen sündhaften Lebensstil selbst kasteit?

Ich kann gar nicht so viel essen, wie ich bei der LSU kotzen will.


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#5
27.09.2014
17:01:22


(+21, 23 Votes)

Von Jahrhundertfrage


Wieviel Gott, Ehe und Familie verträgt ein Staat?


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#6
27.09.2014
17:05:30


(+19, 21 Votes)

Von Nico


Die Kirche befiehlt "Springt!" und die LSU fragt "Wie hoch?"


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#7
27.09.2014
17:05:54


(+4, 14 Votes)

Von ehemaligem User reiserobby
Antwort zu Kommentar #1 von Zeitfenster


Als homosexueller Rechter legt Daenens seine Position ja recht deutlich dar: Homos sollen Kinder adoptieren dürfen, die sonst abgetrieben würden oder so ähnlich. Ob das "schwul" ist, bezweifele ich jedoch sehr stark.


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#8
27.09.2014
17:11:07


(+11, 17 Votes)

Von XDAS


"Wir haben in Deutschland ein Demonstrationsrecht, das jeder Bürger wahrnehmen darf", verteidigte sich Daenens.

Richtig! Aber man muss als Schwuler nicht unbedingt an einer Demo teilnehmen, zu der einige der größten deutschen Homohasser aufgerufen haben und wo auch entsprechende Gruppen und Einzelpersonen mitmarschieren.

Und wenn er das schon will, ist er definitiv nicht geeignet, noch die LSU zu führen. Ach, ich vergaß: ist ja eine CDU/CSU-Organisation. Da kommt sowas verlogenes, scheinheiliges ja gut an.


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#9
27.09.2014
17:13:27


(+13, 15 Votes)

Von Atton
Profil nur für angemeldete User sichtbar


Nur noch leicht überrascht hat mich der Opa, der meinte die Polizisten müssten die Dummheit aus den Gegendemonstranten prügeln.

Der LSU-Hansel Daenens:
Ist das vielleicht unser Timm Johannes?

Ne, mal ernsthaft:
Ein Schwuler, der da mitläuft, der beschmutzt das Andenken an die vielen Millionen LGBT die in den letzten Jahrtausenden durch Religioten und Menschenhasser ums Leben gekommen sind.

Schämen Sie sich, Daenens.


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#10
27.09.2014
17:18:17


(+8, 10 Votes)

Von Norisette
Aus Nürnberg (Bayern)
Mitglied seit 26.04.2013


Dieser Daenens scheint ein unbefriedigtes Geltungsbedürfnis zu haben. Er sollte sich mal besser in Heilung begeben. Vielleicht zu seinen Freunden, den Homo-Heilern, mit denen er da mitgelaufen ist? Er fühlt sich da ja offensichtlich wohl. Nun, wenn er ungefragt gleich Werbung für die LSU als Landesvorsitzender macht, spricht er für seinen gesamten Landesverband. Er ist da keine Privatperson. Und somit ist der Landesverband aufgefordert, dazu Stellung zu beziehen: Entweder man schickt ihn in die Wüste oder aber man macht sich dessen Ansichten zu eigen. Nun ist der LSU-Verband gefragt. Aber ich glaube denen eh nichts mehr, hatte man doch 2001 binnen 5 Jahren "blühende Landschaften" für LSBTIs bei CDU/CSU versprochen und bis zum heutigen Tag eine Merkel-Wüste erhalten. Und da glauben die auch noch, dass sie erfolgreich seien... *gröööööhl*


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