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  • 28.09.2014           16      Teilen:   |

Erste genehmigte "Parada" seit 2010

CSD in Belgrad von 6.000 Polizisten beschützt

Artikelbild
Die CSD-Demonstration wurde nur durch Kirchenglocken gestört

Bis zu 2.000 Menschen zogen durch eine weitläufig abgesperrte Innenstadt. Am Rande kam es zu kleineren Ausschreitungen und der Festnahme von über 50 Gegendemonstranten.

In Belgrad ist es am Sonntag zu einer vergleichsweise friedlichen CSD-Demo gekommen. Bis zu 2.000 Menschen zogen vom Sitz der Regierung zum Parlament und zum Rathaus der Stadt.

Die Demonstration erfolgte, nach den schweren Krawallen zum CSD vor vier Jahren, in einer weiträumig abgesperrten Innenstadt – CSD-Besucher mussten während eines Zeitkorridords eine von drei offiziellen Eingängen benutzen, in deutlicher Entfernung von der eigentlichen Demonstration. Die CSD-Demo selbst wurde nur durch Glockengeläut mehrerer orthodoxer Kirchen gestört.

Außerhalb der Sicherheitszone nahm die Polizei, die mit bis zu 6.000 Mann vertreten war, zwei Männer fest, die die Beamten mit einer Waffe bedroht hatten, und mehrere Jugendliche, die eigener Aussage nach die CSD-Teilnehmer verprügeln wollten. Insgesamt soll es über 50 Festnahmen gegeben haben; die meisten bei einer kleinen Gegendemonstration zum CSD. Ein Fotograf der Zeitung "Blic" wurde von einem Stein getroffen, Berichte über weitere Verletzte gibt es bislang nicht.

Bei einem der Eingänge zur Innenstadt kam es zudem zu einem Vorfall, bei dem die Polizei den Bruder des Regierungschefs und drei seiner Leibwächter verprügelt haben soll. Die Hintergründe sind noch unklar, die Männer wurden in ein Krankenhaus gebracht. Kurz nach der Parade gab es zudem Meldungen, bis zu 60 Hooligans hätten Rauchbomben auf den TV-Sender B92 geworfen. Für den Nachmittag haben Rechtsradikale noch zu einer Art "Familien-Parade" aufgerufen.

Insgesamt kam es zu weniger Ausschreitungen als befürchtet. Ein CSD-Organisator äußerte die Hoffnung, den CSD im nächsten Jahr mit weniger Polizisten abhalten zu können. Noch am Abend zuvor hatten bis zu 5.000 CSD-Gegner eine Demonstration in der Innenstadt abgehalten. An ihr beteiligten sich überwiegend Ultra-Gläubige und Fußball-Hooligans, auch waren einige Personen mit Russland-Flaggen aufgetaucht.

Youtube | Ein erstes Video der Demo
Fortsetzung nach Anzeige


Volker Beck auf der CSD-Demo mit der Europaabgeordneten Terry Reintke
Volker Beck auf der CSD-Demo mit der Europaabgeordneten Terry Reintke

Zu der Pride-Kundgebung am Sonntag kamen neben etlichen Oppositionspolitikern auch der Bürgermeister von Belgrad, der nach eigenen Worten ein Zeichen für die Vielfalt seiner Stadt zeigen wollte, und seitens der Regierung der stellvertretende Regierungschef und der Kulturminister sowie die Beauftragte für Verhandlungen mit der EU, Tanja Miscevic. Die EU hatte Beitrittskandidat Serbien immer wieder ermahnt, das Recht auf Versammlung durchzusetzen (queer.de berichtete).

Der Botschafter der EU in Serbien, der zuvor bereits des Gesandte Großbritanniens in Belgrad war, nahm ebenso teil wie der niederländische und der deutsche Botschafter. Angereist war auch der Menschenrechtsbeauftragte der deutschen Bundesregierung, Christoph Strässer. Er erklärte, dass die Regierung mit der Abhaltung der Parade ein "wichtiges Signal für die Beitrittsverhandlungen Serbiens mit der Europäischen Union" gesendet habe.

Auch der deutsche Bundestagsabgeordnete Volker Beck nahm an der Parade teil. Er hatte sich in dieser Woche im Parlament für den CSD eingesetzt: Aus Sorge, die Demonstration könne erneut in letzter Sekunde abgesagt werden (unter anderem wegen eines angekündigten Polizeistreiks), müsse sich die Bundesregierung für dessen Durchführung einsetzen. Aus der (unter grüner Beteiligung im Bundesrat) kürzlich erfolgten Entscheidung, Serbien in Asylfragen als sicheres Herkunftsland anzuerkennen, erwachse Verantwortung, so Beck.

Nach dem CSD sprach der Abgeordnete von einem guten Tag "für Demokratie und Rechtsstaatlichkeit in Serbien", das Land habe sich auf die EU zubewegt. "Wir, Lesben, Schwule und Transsexuelle, brachten in einer friedlichen Demonstration Farbe und Freude auf die Straßen von Belgrad. Wir LGBTI verlangen nicht viel: Respekt und gleiche Rechte. Das nimmt niemand etwas weg", so Beck.

Der nationalkonservative Ministerpräsident Aleksandar Vučić lobte auf einer Pressekonferenz am Nachmittag die Polizei; der Staat habe gezeigt, dass er die Verfassung ernst nehme. Zugleich blieb er distanziert gegenüber dem CSD: Man habe die Veranstaltung nicht wegen der EU geschützt oder weil man die Gay Community wichtiger nehme als die Kirche. Man habe lediglich aufgrund von Verfassung und Menschenrechten gehandelt, egal, welche Meinung man persönlich habe, so der 44-Jährige.

Youtube | Belgrad wurde zur Hochsicherheitszone
Bereits am Vorabend hatte es Proteste gegen den CSD gegeben
Bereits am Vorabend hatte es Proteste gegen den CSD gegeben

Es war die erste erlaubte CSD-Demo in Belgrad seit 2010, als nationalistische und orthodoxe Gegendemonstranten sich Straßenschlachten mit der Polizei lieferten, die die rund 1.000 demonstrierenden LGBT vor ihnen schützte (queer.de berichtete). Danach hatten die Gegendemonstranten in der Innenstadt randaliert.

Bereits 2001 hatte es in Belgrad einen ersten, kleinen CSD gegeben; damals wurden auch einige Teilnehmer verprügelt. Weitere Pläne für einen CSD 2004, 2009 sowie in den letzten drei Jahren waren von den Behörden wegen Sicherheitsbedenken abgesagt worden – während Nationalisten und Religionsvertreter das als Erfolg werteten, sorgte das für Kritik der EU.

Im letzten Jahr marschierte die Szene dennoch, nach der Absage in letzter Sekunde gab es eine unangeküdigte friedliche Demonstration nachts zum Parlament (queer.de berichtete). Der diesjährige CSD war ursprünglich bereits für den Mai geplant, wurde aber von den Veranstaltern wegen der Flutkatastrophe auf dem Balkan abgesagt (queer.de berichtete).

In den letzten Tagen hatte es wieder viele homophobe Stimmen in der Öffentlichkeit gegeben, so hatte die serbisch-orthodoxe Kirche die Regierung gebeten, die "schamlose" Veranstaltung abzusagen (queer.de berichtete). Im Vorfeld des CSDs hatten sich auch die Übergriffe auf Homosexuelle in Serbien verschärft. Erst vor rund zwei Wochen wurde ein deutscher LGBT-Aktivist von Unbekannten lebensgefährlich verletzt (queer.de berichtete). (nb)

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Tags: serbien, belgrad, csd
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Reaktionen zu "CSD in Belgrad von 6.000 Polizisten beschützt"


 16 User-Kommentare
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Die ersten:   
#1
28.09.2014
15:29:15


(+2, 6 Votes)

Von schon schoen


"Bis zu 2.000 Menschen zogen durch eine weitläufig abgesperrte Innenstadt. Am Rande kam es zu kleineren Ausschreitungen und der Festnahme von über 50 Gegendemonstranten."

Link zu www.stadt-koeln.de

Link:
de.wikipedia.org/wiki/K%C3%B6ln#St.C3.A4dtepartner
schaften


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#2
28.09.2014
16:01:18


(+7, 7 Votes)

Von Sebi


Sehr gut!

Das darf jetzt allerdings kein einmaliges Ereignis bleiben, sondern jetzt muss jedes Jahr sichergestellt werden, dass der örtliche CSD problemlos stattfinden kann.


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#3
28.09.2014
16:08:55


(+6, 8 Votes)

Von Marek


"Volker Beck auf der CSD-Demo mit der Europaabgeordneten Terry Reinke"

Im Gegensatz zu manch anderen Politikern (z.B. der SPD und der FDP) die viel von Homorechten labern, aber dann das genaue Gegenteil tun, setzen die Grünen (und übrigens auch die Linke) sich nicht nur im Wahlkampf für uns ein, sondern immer und überall. Auch außerhalb Deutschlands und auch dort, wo es gefährlich werden kann.

DANKE für Euer Engagement!


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#4
28.09.2014
16:25:04


(+5, 5 Votes)

Von Carsten AC
Antwort zu Kommentar #2 von Sebi


Ja, und ich hoffe, dass es dann auch von Jahr zu Jahr mehr Teilnehmer werden...


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#5
28.09.2014
16:31:36
Via Handy


(+4, 4 Votes)

Von Nico


Diese ganzen Homohasser und religiösen Fanatiker müssen immer wieder gezeigt bekommen, dass nicht GLBTI außerhalb der Gesellschaft stehen, sondern dass sie selbst nicht mehr toleriert werden.


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#6
28.09.2014
16:33:54


(+5, 5 Votes)

Von Daniel 84


In dem zweiten Video sieht man auch wieder mal einige Pfaffen, die gegen Grundrechte und Demokratie demonstrieren und die anderen aufwiegeln.

Gefolgt von zahlreichen Idioten, die Kreuze hochhalten und meinen, ihre Sekte und ihr privater Wahnsinn stünden über Menschenrechten.


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#7
28.09.2014
16:59:15


(+3, 5 Votes)

Von Fennek


Das Video von der Demo wurde von den Homohassern stark negativ bewertet.

Bitte votet alle positiv für dieses Video. Wir müssen den Homohassern zeigen, dass SIE in der Minderheit sind und nicht wir.

Und leitet das Video auch an möglichst viele andere weiter, damit die auch positiv voten.

Hier nochmal der Link:

Youtube-Video:


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#8
28.09.2014
17:14:18


(+6, 6 Votes)

Von Unstoppable


Noch eine Idee für die nächste Demo:
mehr bunte Luftballons!

Und die kann man dann am Ende steigen lassen, so dass auch die weiter entfernten Leute, die die Demo nicht sehen wollen, dieses Zeichen mitkriegen!

Und vielleicht kann man da auch noch Karten dran befestigen mit Aufrufen Grundrechte auch für LGBTI zu achten (am besten serbisch und englisch), so dass sie dann wie bei einer Luftballon-Rallye im ganzen Land gefunden werden!


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#9
28.09.2014
17:22:53


(+3, 3 Votes)

Von kosmos
Antwort zu Kommentar #1 von schon schoen


Dort soll es einen Beitrag zur Kinder- und Jugendarbeit in der Partnerstadt Wolgograd gegeben haben, bei dem Fest in Köln.


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#10
28.09.2014
17:36:36


(+2, 4 Votes)

Von Hugo


"CSD in Belgrad von 6.000 Polizisten beschützt"

Ein Schandfleck für Europa und die ganze Welt (ich meine nicht den CSD sondern das die Polizei mit so einem großen Aufgebot die Demonstration schützen muß)


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