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  • 02.10.2014, Autor: Norbert Blech           39      Teilen:   |

Gescheiterte Sendung

ZDFinfo: Ein "Log in" für rechte Thesen

Eine wirr und belanglos geratene Talkshow zu Familie und Homo-Ehe zeigte vor allem das Desinteresse ihrer Macher an Homophobie und Aufklärung.


Michael Kauch musste in der Sendung seine Regenbogenfamilie selbst verteidigen


"Gott bewahre: Hat die klassische Familie ausgedient?" – Man hatte bei dieser Sendung nach diesem Titel und zahlreichen reißerischen Vorankündigungen in sozialen Netzwerken Krawall erwartet und üble homophobe Ausfälle. Stattdessen bekam man leider nur größtenteils Langeweile geboten – und einen vermeintlich tolerant wirkenden AfD-Haudegen.

Die Talkshow "log in", die gestern von ZDFinfo ausgestrahlt wurde, war über weite Strecken arg ungeordnet, mal ging es um Krippen, dann mal kurz um die Homo-Ehe, dann wieder um Krippen. Ging es ins Detail, wurde vom Moderator schnell abgewürgt, und das vor allem, um unnütze Statements von Zuschauern aus dem Netz zu verlesen.

Man kennt das ja bereits seit ihrem Bestehen aus den Nachrichten der öffentlich-rechtlichen Sender: Da werden Leute auf der Straße befragt, in der Regel nimmt man dann ein, zwei moderate Töne von beiden Seiten, und fertig ist die Nicht-Meinungsbildung.

Bei "log in" ist das Prinzip das gleiche, nur bekommt man die virtuelle Vox Pop im Minutentakt präsentiert – und die sind deutlich weniger moderat. Mehrfach stellte Moderatorin Sandra Rieß im betroffenen Ton fest, dass sie homophobe Kommentare erhalten habe, um dann einige von ihnen vorzulesen. Weder sie noch die Gäste gingen dann allerdings großartig auf diese Kommentare ein – oder auf die Frage, warum diese homophob sein könnten, wo die Grenzen liegen.



Fakten? Bitte nicht!

Hier hätte die Redaktion Aufklärung betreiben können, aber um diese ging es offenbar gar nicht. Man merkte das schon daran, dass Moderator Wolf-Christian Ulrich in keinster Weise auf so etwas wie Fakten vorbereitet war: Gab es mal Streit um welche, lenkte er oft einfach schnell auf andere Themen ab, anstatt Aufklärung zu betreiben. Wurde dem AfD-Vorsitzenden Konrad Adam Vorgestrigkeit vorgeworfen, etwa wegen der These, Frauen hätten drei Kinder zu zeugen, konterte der einfach, das sei nicht ja nicht verbindlich und die Partei daher durchaus liberal. Das ließ der Moderator dann, wie so vieles, einfach im Raum stehen.

Es ist nicht mangelnde Haltung, die man dem ZDF zum Vorwurf machen muss. Es ist das komplette Desinteresse am Thema. Das zeigte sich schon bei einem Einspieler der Redaktion zum Thema Homo-Ehe: Da gab es viele emotionale O-Töne, sprich hauptsächlich homophobes Zeugs, aber die Fakten waren rar oder gar falsch (zum Beispiel, dass es die Homo-Ehe seit 15 Jahren gebe).

Dieses Desinteresse zeigte sich dann auch bei der Debatte um die Lebenspartnerschaft, die nur wenige Minuten ausmachte, obwohl sie in der Sendung nochmal krawallig mit "Gleich: Homo-Ehe, Gefahr für die Familie?" vorangekündigt worden war. Man hatte zwar mit AfD-Bundesvorstand Konrad Adam den Vertreter einer homophoben Partei eingeladen, der sich in der Vergangenheit selbst homophob geäußert hatte, man ließ diesen dann aber zum Thema kaum zu Wort kommen. Und mit einer homophoben Äußerung seines Parteichefs Lucke aus dem Einspieler wurde er auch nicht konfrontiert; der Einspieler diente wohl nur zur billigen Unterhaltung und Einstimmung auf eine möglichst krawallige Diskussion, zu der es aber nicht mal kommen sollte.


Konrad Adam grummelte sich durch die Sendung


AfD-Einladung? Kein Thema!

Das lag vielleicht auch daran, dass man sich einer Diskussion nicht stellte: Zwar hatte es wie auf queer.de auch in den Facebook-Foren der Sendung und auf Twitter zahlreiche Kritik an der Einladung eines AfD-Politikers durch das ZDF gegeben wie auch an der Art, wie die Sendung regelrecht mit AfD-Thesen beworben wurde. Doch die Talkshow, bei der es laut Homepage "um eure Meinung" geht, thematisierte diesen Aspekt überhaupt nicht.

Und auch die Homophobie der AfD und ihrer Politiker wurde seitens des Moderators nicht hinterfragt. Eingeführt wurde das Thema mit Michael Kauch; der ehemalige FDP-Bundestagsabgeordnete sprach von seiner Regenbogenfamilie, während Adam in Grund und Boden starrte, als wäre ihm das Thema unangenehm.

Wegen einer ungeschickten Überleitung konnte sich der Politiker, der die Gleichstellung von Ehe und Lebenspartnerschaft einst als "grotesk" bezeichnet hatte, dennoch zunächst als vermeintlich liberal darstellen: Eine Adoption durch Homo-Paare sei besser als durch Alkoholiker, sagte er (auch wenn es unter Schwulen und Lesben ebenfalls Alkoholiker geben könnte).

Allgemeiner berief er sich später, als die Linken-Vorsitzende Katja Kipping die Intoleranz seiner Partei herausstellen wollte, noch auf einen Artikel des Grundgesetzes, der Ehe und Familie unter den besonderen Schutz der Verfassung stellt. Dass das Bundesverfassungsgericht inzwischen mehrfach klargestellt hat, dass eine vollständig gleichgestellte Lebenspartnerschaft nicht nur nicht gegen den Artikel verstößt, sondern mit Kindern selbst eine nach dem Artikel geschützte Familie darstellt, erfuhr man freilich nicht. Das wäre eine zwingende Nachfrage für den Moderator gewesen – wer weiß, was Adam dann noch gesagt hätte. Stattdessen würgte er an genau dieser Stelle die Diskussion ab.

Die Sendung bemühte sich nicht, Homophobie konkret auf den Punkt zu bringen und damit bloßzustellen, auch bei der Theologin Michaela F. Heereman nicht. Die gab sich in vielen Bereichen tolerant, die Grenzen dieser Toleranz wurden aber nicht befriedigend ausgeleuchtet. So konterte sie eine Studie des Bundesjustizministeriums zu Kindern aus Regenbogenfamilien einfach mit einer Studie aus den USA, und die Moderation beließ es dabei, wieder einmal.

Vergebene Chancen

Zum Schluss der Sendung ging es noch um den Bildungsplan in Baden-Württemberg. Die AfD ist inzwischen, über die Europaabgeordnete Beatrix von Storch und gemeinsam mit ihrem Mann betriebene Portale und Initiativen, Hauptantreiber der homophoben Proteste. Nachdem sich die Diskussion zunächst im Gespräch zwischen Kipping und Heereman in Details über einzelne Schulbücher zu verlieren drohte, begann der Moderator, eine Grundfrage zu formulieren: Ob es nicht wichtig ist, Kinder einfach über Schwule und Lesben aufzuklären.

Doch dann fehlte die Zeit dafür, ausgerechnet Adam kam dazu nicht mehr zu Wort. Zeit war dann aber noch für die Stimme des Volkes aus dem Internet. Als wäre diese verpasste Gelegenheit zur Konfrontation nicht schon ärgerlich genug, folgte noch Realsatire: Eine der eingeblendeten Facebook-Nachrichten stammte von Thorsten Ilg, dem in diesem Forum gut bekannten schwulen AfDler, der sich positiv zur Homo-Ehe äußerte. Im Blog der Sendung schrieb er dazu noch mehr – im Sinne von: Seht her, wie tolerant die AfD doch ist.



Das wird auch von der Sendung hängen bleiben: Dass die AfD irgendwie konservativ, aber auch irgendwie tolerant ist. Dass Schwule und Lesben vielleicht gute Eltern sein können (Kauch und Kipping, das nebenbei, waren durchaus überzeugende Vertreter ihrer Positionen). Aber dass es vielleicht auch okay und kein Drama und vielleicht auch keine Homophobie ist, wenn das Einzelfälle bleiben.

Es war eine Sendung, nach der sich alle Seiten bestätigt fühlen können, es ging ohnehin mehr um Bauchgefühle als um Argumente und Fakten, und das bei zu vielen Fragen gleichzeitig. Und eine Sendung, die klar mithilft, die AfD und ihre Thesen hoffähig zu machen. Das ist aus journalistischer Perspektive eine absolute Nicht-Leistung.

Links zum Thema:
» Die Sendung in der ZDF-Mediathek (ab 24:30 gehts um die Homo-Ehe)
Mehr zum Thema:
» ZDF lädt AfD-Politiker zu Talk über Homo-Ehe (30.09.2014)
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Tags: zdf, log in, afd, konrad adam, talkshow, michael kauch
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Reaktionen zu "ZDFinfo: Ein "Log in" für rechte Thesen"


 39 User-Kommentare
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Die ersten:   
#1
02.10.2014
12:42:34


(+5, 9 Votes)

Von Finn


Ein Meidenskandal erster Güte.

Aber Deutschland ist von Frau Merkel schon so sehr in die Bewusstlosigkeit regiert worden, dass das wohl kaum jemanden aufregt.


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#2
02.10.2014
14:15:33


(-2, 6 Votes)

Von GeorgFalkenhagen
Aus Bremen
Mitglied seit 21.05.2010


Im Mittepunkt. Ja, da standen wir auch mal:

Youtube-Video:


Verdammt lang her!


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#3
02.10.2014
14:26:04
Via Handy


(+3, 7 Votes)

Von Foxie
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Eine völlig überflüssige Show, eine PR-Maßnahme für dumpfes Gedankengut(als "Bauchgefühl" bezeichnet). Was man als "wir sind ja sooo tolerant" verkauft hat.


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#4
02.10.2014
17:12:43


(-9, 11 Votes)

Von Adami
Profil nur für angemeldete User sichtbar


"...Und eine Sendung, die klar mithilft, die AfD und ihre Thesen hoffähig zu machen. Das ist aus journalistischer Perspektive eine absolute Nicht-Leistung."

Also der ganze Bericht zur Sendung liest sich, als wäre es die vertane Chance gewesen der AfD einen reinzudonnern und es traurig ist, dass der AfD Sprecher sich nicht wie die Axt im Wald gegeben hat. Den aktuellen Verlauf der Sendung daher als absolute journalistische Nichtleistung zu deklarieren ist aber verkehrt. Denn jemanden vorzuführen ist kein Journalismus. Journalismus soll informieren und nicht manipulieren und vorgefasste Meinungen bedienen. Wenn einem die Diskussionspartner nicht passen oder das Sendekonzept nicht tiefgreifend genug ist, dann hat er ja immer noch die Wahl ab- oder umzuschalten.


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#5
02.10.2014
17:39:04


(+6, 10 Votes)

Von David77
Antwort zu Kommentar #4 von Adami


Natürlich. Und was die AFD dank Storch und Co macht, ist etwa keine Manipulation, Stichwort "Bildungsplan"?


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#6
02.10.2014
18:59:12


(-6, 6 Votes)

Von ehemaligem User FoXXXyness


Da hat es selbst der Grinsekatze wohl die Sprache verschlagen!


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#7
02.10.2014
19:31:30


(+4, 8 Votes)

Von goddamn liberal
Antwort zu Kommentar #4 von Adami


Die Kritik von queer.de ist fundiert und richtig informiert.

Sie versucheh hier eine gezielte Desinformation!

Frage 1: Hat Adam die Gleichstellung der Lebenspartnerschaft als 'grotesk' bezeichnet?

Frage 2: Hält das Verfassungsgericht die Gleichstellung für verfassungsrechtlich zwingend geboten?

Frage 3: Ist die Position Adams folglich verfassungswidrig?


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#8
02.10.2014
19:40:44


(-7, 9 Votes)

Von Adami
Profil nur für angemeldete User sichtbar
Antwort zu Kommentar #5 von David77


Beim Bildungsplan gibt es wohl nur wenige Beteiligte die ihre Meinung nicht manipulativ vertreten. Wenn du was konkretes besprechen möchtest, dann gib ruhig auch ein konkretes Beispiel.


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#9
02.10.2014
20:40:36
Via Handy


(+3, 7 Votes)

Von David77
Antwort zu Kommentar #8 von Adami


Sach mal, wo lebst du? Beispiele?! Pfff. Also dafür, dass das thema in den medien in den letzen 12 monaten hochgekocht wurde und auch hier über die homophobe hetze und die lügen von storch + co ausgiebig berichtet wurde, scheinst du dich ziemlich unwissend zu geben...


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#10
02.10.2014
21:30:39


(+3, 7 Votes)

Von TheDad
Profil nur für angemeldete User sichtbar
Antwort zu Kommentar #9 von David77


""scheinst du dich ziemlich unwissend zu geben""..

Der "gibt" sich nicht so, der ist so, denn er verweigert sich konsequent neuen Erkenntnissen, wie er dem "sperling" neulich in einem anderem Thread "gestanden" hat, denn bloß weil irgendjemand hier einige Wahrheiten erzählt, ist das für ihn noch lange kein Grund diese zu glauben..

So sind se halt..

Übrigens ebenso wie der Ilg, der de nSpruch der dort veröffentlicht wurde, hier auch schon einmal gepostet hat..
Copy&Paste ist hier keine Einzelbegabung..

Irgendwie freue ich mich mir die Sendung gar nicht erst angesehen zu haben..


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