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  • 03.10.2014           2      Teilen:   |

"Praia do Futuro"

Zwei schwule Männer auf der Suche nach der Zukunft

Artikelbild
Der Deutsche Konrad (Clemens Schick, li.) und der Brasilianer Donato (Wagner Moura) lernen sich in Fortaleza kennen und ziehen gemeinsam nach Berlin (Bild: Real Fiction Filmverleih)

Jetzt im Kino: "Praia do Futuro" zeigt Clemens Schick und Wagner Moura in einem Meer aus schönen Bildern. Ein echter Männer-Film mit viel Gefühl und wenig Worten.

Von Robert Niedermeier

Am Anfang steht der Tod. Unerwartet, inmitten der Urlaubs-Reise nach Brasilien, zieht es den Afghanistan-Kriegsveteranen Heiko in die Tiefe des Meeres. Trauernd zurück bleibt sein deutscher Freund Konrad (Clemens Schick). Der Rettungsschwimmer Donato (Wagner Moura) konnte nicht mehr helfen, muss dem Motorcross-Fahrer aus Berlin mitteilen, dass es wohl zehn Tage dauert, bis das Meer den Ertrunkenen wieder an den Strand von "Praia do Futuro" zurück spült. So plötzlich wie Heikos Tod tritt mit Donato ein neuer Mann in das Leben von Konrad. Eine intensive und gefühlvoll inszenierte Liebesbeziehung nimmt ihren Lauf.

Den "Strand der Zukunft" gibt es tatsächlich. Es ist einer der vielen angesagten Strände der Stadt Fortaleza im Nordosten des südamerikanischen Riesenstaates. Der Realität entsprungen wirkt auch der deutsch-brasilianische Spielfilm des Regisseurs Karim Aïnouz. Statt eines Strandparadieses zeichnet der Filmemacher eine trostlose, industriell geprägte Landschaft voller Container, Windräder und Baukräne.

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Trauer und Sex in Fortaleza

Clemens Schick spielt den Deutschen Konrad. Der Schauspieler hatte sich erst Ende September als schwul geoutet (queer.de berichtete)
Clemens Schick spielt den Deutschen Konrad. Der Schauspieler hatte sich erst Ende September als schwul geoutet (queer.de berichtete)

Nachdem der 24 Jahre alte Rettungsschwimmer nicht einmal eine Zigarette für Konrad übrig hat, bietet Donato ihm zumindest die Autofahrt ins Hotel an. Als das leuchtende Blau des sommerlichen Himmels sich ins Zwielicht der Nacht wandelt, vögelt Konrad den Mann, der seinen Freund nicht retten konnte. Sie sind fortan unzertrennlich. Donato geht mit Konrad nach Berlin.

Das zweite Kapitel des mit hervorragenden Schauspielern besetzten Films beginnt. Die sommerlichen Farben changieren ins Grau der Großstadt, als die beiden Verliebten auf der Berliner Oberbaumbrücke oberhalb der Spree beisammen stehen. Für Konrad ist das Leben in der deutschen Hauptstadt eine Rückkehr in den Alltag, für Donato eine Reise in ein neues Leben.

Oder nur eine Flucht? Zuhause in Brasilien ist Donato ein Held. Von seinen Kollegen respektiert, von seinem kleinen Bruder Ayrito vergöttert. Im kalten Berlin, wo der Winter auch im Neuköllner Park Hasenheide niemals zu enden scheint, ist Donato ein Fremder, kauft für Konrad mit spärlichen Deutschkenntnissen in einem Späti Zigaretten ein, läuft durch den karg wirkenden Schiller-Kiez, sucht vergebens in der Werkstatt und findet Konrad im Schlafzimmer.

Obwohl Donato trotz erfüllten Sexuallebens und angenehm sparsam in Szene gesetzten, nie zuvor erlebten Glückgefühlen, das Heimweh wie ein Fieber packt, kann er Konrad nicht verlassen. Im Paloma-Club am Kotti feiern die beiden ihre Zukunft, berühren sich innig, riechen aneinander, tanzen sich in Ekstase.



Die Clubmusik bekommt der Zuschauer jedoch nicht zu hören. Stattdessen ummantelt traurige Musik die Szenerie. Denn – ob man es als vom Rausch der Bilder gefesselter Betrachter nun will oder nicht – man ahnt es doch: Die Suche nach der Zukunft ist noch lange nicht am Ende.

Beide Männer reden wenig, so wie Männer halt so sind, doch was sie sagen, hat Hand und Fuß. "Du bist ein Feigling", sagt Konrad zu Donato, weil er ihn nicht verlieren will. Weint jedoch heimlich beim Basteln an seinem Bike im schummrigen Werkstattlicht über seine eigene Unzugänglichkeit. Wo die Worte fehlen, übernehmen die Bilder das Kommando über die Poesie.

Die Szenen schwelgen in Metaphern, die in Sekunden alles über Trauer, Glück, Einsamkeit, Zweisamkeit, Leidenschaft und Wut erzählen und aus harten Kerlen zerbrechliche zarte Geschöpfe formen, die man einfach nur ganz fest an sich drücken und trösten möchte.

Der kleine Bruder sucht den "Aquaman"

Poster zum Film: "Praia do Futuro" läuft seit 2. Oktober bundesweit im Kino
Poster zum Film: "Praia do Futuro" läuft seit 2. Oktober bundesweit im Kino

Das letzte und dritte Kapitel des einfühlsamen, aber nie kitschigen Meisterwerks beginnt nach einem Zeitsprung von acht Jahren. Ayrito (Jesuita Barbosa), der zu einem jungen, hübschen Mann herangewachsene kleine Bruder von Donato, taucht in Berlin auf. Hat nach dem Tod der Mutter eineinhalb Jahre gespart, um sich den Flug nach Berlin leisten zu können.

"Hast du mich vermisst"", fragt er zornig seinen von ihm zum Superhelden "Aquaman" erhöhten großen Bruder, nennt ihn einen schwulen Egoisten, der an den "Nordpol" gefahren ist, um sich in den "Arsch ficken zu lassen", während daheim seine Familie auseinander gebrochen ist. Aus "Aquaman" wurde übrigens eine Reinigungskraft im Aquadom des Radisson Blu-Hotels in Berlin-Charlottenburg.

Doch wie im Märchen, kann es auch im echten Leben passieren – ein längst erhofftes Happy End zeichnet sich ab. Konrad übernimmt Verantwortung, nimmt sich des kleinen Bruders an, und obwohl Konrad und Donato längst getrennte Wege gingen, finden auch die beiden Männer erneut zueinander. Ausgerechnet am kalten Winterstrand von St. Peter Ording, mitten im Watt, passiert das Wunder der Versöhnung. In einem Land im Meer entsteht eine neue Familie.

"Praia do Futuro" ist ein leiser Film mit großen Bildern über drei Helden im wahren Leben. Sie stellen sich mutig ihren Ängsten, sie bekämpfen mit ausgelassener Albernheit ihre Trauer und zeigen wirkliche Stärke, als sie sich ihre Schwächen eingestehen. Als die Freunde Konrad und Donato zusammen mit Ayrto auf ihren Motorrädern im Nebel verschwinden, verabschiedet David Bowies Berlin-Hymne "Heroes" die Zuschauer ins Ungewisse.

Der Autor dieser Rezension musste weinen vor Rührung. Denn dieser Film ist so schön wie Männer halt sind.

Youtube | Offizieller Trailer zum Film
  Infos zum Film
Praia do Futuro. Spielfilm. Brasilien/Deutschland 2014. Regie: Karim Aïnouz. Darsteller: Clemens Schick, Wagner Moura, Jesuita Barbosa. Laufzeit: 109 Minuten. Sprache: Portugiesisch/Deutsch. Untertitel: Deutsch. Bundesweiter Kinostart: 2. Oktober 2014
Links zum Thema:
» Homepage zum Film mit allen Kinoterminen
» Fanpage auf Facebook
Mehr zum Thema:
» Clemens Schick outet sich als schwul (23.09.2014)
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Praia do Futuro

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Tags: praia do futuro, karim aïnouz, clemens schick, wagner moura, jesuita barbosa, brasilien, berlin
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Reaktionen zu "Zwei schwule Männer auf der Suche nach der Zukunft"


 2 User-Kommentare
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Die ersten:   
#1
03.10.2014
12:50:45


(-1, 5 Votes)

Von Gerhard


Hä?? Schwule Männer reden voll viel
:D


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#2
03.10.2014
14:41:24


(+2, 4 Votes)

Von Sabelmann
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Antwort zu Kommentar #1 von Gerhard


Sagt wer ?Ich kenne viele die keine Plaudertaschen sind!Gibt eben wie überall Solche und Solche!


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