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Kommentare zu:
Hass in Zeiten von Grindr


#1 SebiAnonym
  • 06.10.2014, 09:22h
  • "Der Künstler war jedoch an keinem Punkt so arrogant, das nicht anzuerkennen das Opfer wohl aber zu verbittert, um Verhoevens Entschuldigung anzunehmen. "

    Was ist das denn für eine Sichtweise.

    Mal angenommen, ein User, der vielleicht nicht geoutet ist nutzt Grindr um irgendwie Kontakte zu finden und auf einmal wird dann sein Foto irgendwo von Kollegen, Freunden, Familie, o.ä.erkannt. Es haben sich schon Leute das Leben genommen, weil sie unfreiwillig geoutet wurden.

    Und in manchen Kulturkreisen kann es lebensgefährlich sein, wenn die Familie, Freunde oder andere Angehörige des Kulturkreises mitkriegen, dass man schwul ist.

    Und selbst wer offen schwul lebt, will vielleicht nicht, dass andere gerade erfahren, dass man momentan Sex sucht, o.ä.

    Und daran ändern auch in der Umgebung aufgehängte Handzettel nichts. Oder muss man jetzt bei der Nutzung von Grindr erst mal immer jeden Winkel der Umgebung absuchen ob irgendwo so ein Zettel hängt.

    Klar hat der Künstler das nicht beabsichtigt. Aber das macht es nicht besser und ein einfaches "Sorry" macht den Schaden nicht ungeschehen. Gut gemeint ist nicht automatisch gut gemacht.

    Klar muss das Thema Internet-Dating und damit verbundene soziale und kulturelle Veränderungen diskutiert werden. Aber nicht auf Kosten unbeteiligter Dritter, die gar nicht wissen, dass sie Teil eines Experiments sind. Das ist einfach unethisch.

    Ich bin froh, in einem Land zu leben, wo Datenschutz noch einen Wert hat und man nicht für jedermann ein gläserner Bürger ist. Und ganz ehrlich: wer Bilder von anderen einfach nur als Negativ veröffentlicht und meint, das würde genügen, ist einfach nur dumm.
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#2 m123Anonym
  • 06.10.2014, 09:45h
  • Es ist doch total bescheuert die schwule Sexdate-Suche öffentlich darzustellen. Das ist keine Kunst, das ist einfach nur dumm.

    Darüberhinaus trägt die Aktion dazu bei Menschen zu outen und das ist in Zeiten in denen immer noch ein beachtlicher Grad an Homosexuellenfeindlichkeit herrscht zu verurteilen. Jeder Homosexuelle, der keine Homosexuellen diskriminiert, sollte nicht zwangsgeoutet werden, sondern den Zeitpunkt selbst wählen können.

    Ein Aspekt von Grindr, Gayromeo und Co wird allerdings nun auch deutlich. Grindr, Gayromeo und Co sind eher keine privaten Räume, sondern öffentliche Räume im Internet. Alles was man auf Grindr und Gayromeo öffentlich angibt, kann potenziell jeder sehen, inklusive aller Bilder. Man sollte sich also immer darüber Gedanken machen was man von sich auf solchen vermeintlich nichtöffentlichen Plattformen preisgibt. Es gibt auch Fälle, in denen haben heterosexuelle Kollegen am Arbeitsplatz bei einem homosexuellen Kollegen vermutet, dass er schwul ist, haben sich, um das herauszufinden, auf Gayromeo angemeldet und sind dort fündig geworden, was schweres Mobbing am Arbeitsplatz zur Folge hatte, so dass der homosexuelle Kollege schließlich das Unternehmen gewechselt hat. Ganz zu schweigen von der gläsernen Decke für Schwule in Branchen der Wirtschaft, in denen es immer noch als Makel angesehen wird, wenn man schwul ist.
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#3 LedErich
  • 06.10.2014, 09:54h
  • Antwort auf #1 von Sebi

  • Wer anonym und ungeoutet sein möchte, sollte erkennen, dass er sich mit Grindr eben gerade offentlich macht. Das Internet ist kein Darkroom mit Aufpassern vor der Tür sondern ein öffentlicher Ort. Und mit Grindr & Co verpasst man sich genau das Umhängeschild "Schwul", dass man angeblich nicht tragen will. Diese Kunstaktion macht das sehr schön deutlich.
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#4 ueberlinProfil
  • 06.10.2014, 10:10hBerlin
  • Die Frage ist m.E. nicht ob ein Künstler, dessen professionelle Selbstinszenierung für ihn in jedem Fall effizient ist (egal ob Held oder Märtyrer), sondern ob man ein solches Medium einfach umgestalten kann oder sich nicht anderen Medien bedienen sollte.
    Schon gar nicht mit Mitteln, die zwar presseträchtig, aber sonst eher unlauter sind.
    Dabei bedient dieser Artikel leider nur die Ressentiments, statt die Problematik, wie eine solche gewachsene Szene zum Nachdenken zu bewegen ist, weiter zudenken.
    Ein ernstzunehmendes Medium würde, die Aktion als Chance nehmen und den Gedanken aufgreifen.

    Immerhin kannte ich diese Plattform gar nicht und wundere mich nur wie weit sich die Leute immer weiter in digitale Abhängigkeiten bewegen um Ihre Lust zu befriedigen.
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#5 dobrapivo
  • 06.10.2014, 10:14h
  • Egal was man für eine Bptschaft hat: Wenn man sie nur auf Kosten anderer vermitteln kann, ist man 'ne ziemliche Wurst.

    Er hat ein paar Männer einfach ziemlich schamlos gedemütigt und zum Objekt seiner Performance degradiert - dann auch noch vor Publikum. Ekelhaft.

    Wenn diese Männer nun sauer sind und andere Männer sich mit ihnen solidarisieren, dann entzweit das nicht etwa die Stadt von ihrer Kunstszene, sondern dann arbeitet einfach das Gerechtigkeitsempfinden auf normalen Touren.
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#6 kribAnonym
  • 06.10.2014, 10:54h

  • Der Künstler hat durch sein Projekt erst das geschaffen, was er anprangern wollte. Bizarr!

    Der Kommentar reiht sich logisch in das Projekt ein. Es zeigt sich, was Anmaßung, Arroganz im Umgang mit dem eigenen Intellekt und fehlende Empathie anrichten können.

    Dann den/dem Leidtragenden mangelnde Versöhnungsbereitschaft vorzuhalten, ist das, was wir doch alle von ganz anderer Seite her kennen: Verdrehung von Opfer und Täter.
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#7 Robby69Ehemaliges Profil
#8 tapeAnonym
  • 06.10.2014, 11:11h
  • Antwort auf #6 von krib
  • " Der Künstler hat durch sein Projekt erst das geschaffen, was er anprangern wollte. Bizarr!"

    Das ist für mich auch der Kern der Debatte, den der Kommentator des Artikels hier übersieht.
    Die Kontroverse handelte so wenig wie die Installation selbst von der Frage, die Verhoeven zu stellen vorgegeben hat, sondern ausschließlich darum, dass er selbst Daten veröffentlicht hat, über die er nicht entscheiden durfte.
    Entsprechend ist das Projekt, egal wie nobel die Idee ursprünglich gedacht war, komplett fehlgeschlagen. Weder der Künstler noch das HAU verdienen das geringste Verständnis für ihre Unfähigkeit.
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#9 schwarzerkater
  • 06.10.2014, 11:12h
  • das projekt hie: "wanna play". das startet verhoeven auf der grindr-app-seite. - eindeutiger geht es ja wohl kaum.
    wie kommt der autor des artikels dann zur fragestellung: "was ist liebe im 21. jahrhundert?" ???
    hätte ich mit verhoeven gechattet, ich käme mir insoweit verarscht vor, als dass ich unwissend teil eines öffentlichen ("kunst"-)projekts geworden wäre, ohne meine zustimmung.
    eine durch und durch bonsai-intellektuelle veranstaltung.
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#10 michael_zgAnonym
  • 06.10.2014, 11:21h
  • Mit den Argumenten der Kritiker hätte man 30 Jahre schwul-lesbische Bewegung verbieten können - zum Glück sahen die Verfassungsgerichte in vielen Ländern der Welt das Anders ... auch gegen die Auffassung der überwältigenden Mehrheit der Bürger und verteidigten die Freiheit der Kunst und der Meinungsäusserung.

    Diese Aktion - und hier beschreibt der Kommentar auch sehr gut ihre Schwachstellen - stellt vor allem eins bloss: Der gewöhnliche und der "alternative" Homosexuelle ist als normaler Spießer in der perversen Gesellschaft angekommen, in der er lebt - und er fühlt sich da wohl.

    Und ausgerechnet Berlin ist zur Hauptstadt dieses Trends geworden.
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#11 saltgay
  • 06.10.2014, 11:28h
  • Dieser um Verständnis flehende Kommentar soll was bewirken? Die Kunst retten? Den Eindruck verwischen, dass Dries Verhoeven kein "klootzak" ist? Ich denke, da hat jemand aus Überzeugung heraus der ultimative schwule Kunstkenner zu sein, sich zum Fürsprecher eines pathologischen narzisstischen Selbstdarstellers gemacht.

    Wir haben in der Kunstgeschichte es immer mit solchen Selbstinszenierungen sogenannter Möchtegernkünstler zu tun gehabt. Das abschreckendste Beispiel war wohl der Postkartenmaler aus Braunau am Inn, der sich zum Führer aufschwang und es dann leider auch wurde.

    Saturierte Luxusspießer schätzen solche Performance, weil es ihrem intellektuellem Niveau entspricht und sie sich nicht mit anspruchsvollen Kontexten auseinander setzen müssen, was sie überanstrengt. Ich erinnere da an den Kunstclown Spörrie, der bei einem "Event der Gabriele Henkel" eine gehäutete Robbe durch den Salon hetzte.

    Wenn aber Unbeteiligte, deren gutes Recht es ist über Grindr oder andere Foren Kontakte zu suchen öffentlich ausgestellt werden, also in ihrem Persönlichkeitsrecht verletzt werden, dann ist dies nicht mehr mit der Freiheit der Kunst zu erklären, sondern mit dem Staatsanwalt.

    Wer als Entschuldigung anführt, die Leute hätten es doch selbst in der Hand, weil sie ja wüssten, was passiert, wenn man sich in solche Foren begibt, denen wünsche ich folgendes: Beim nächsten Vögeln am Autobahnrastplatz oder an Baggerseen eine Horde von pubertierenden Jugendlichen, die das fotografieren und im Internet in den einschlägigen Foren zur Schau stellen.

    Wir werden dann ja sehen, ob dann nicht wieder das Gekreisch von "Schwulenjagd" anhebt, wo sie hier gerade noch den "Obercoolen" heraus hängen lassen.
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#12 GoimAnonym
  • 06.10.2014, 11:33h
  • "Scheinbar ist die Frage, die Dries Verhoeven stellte, so aufregend, so antreibend, so wichtig, dass eine ganze Schar von Männern ausrastet, sich persönlich betroffen fühlt und das intelligente Argumentieren vergisst."

    Ich habe noch von niemandem gelesen, der sich angegriffen gefühlt hat von der Fragestellung, was mit der Liebe in Zeiten Grindrs sei oO

    Schlecht recherchiert, wenn der ganze Artikel daran vorbeigeht, dass Verhoeven irgendwie gehofft hat, irgendeine Form der Erstintimität in der Öffentlichkeit zu erforschen und dabei bereit war, sein scheinbares exhibitionistisches Bedürfnis der Privatssphäre und den Persönlichkeitsrechten anderer überzuordnen.

    Empört weil gemutmaßt wird, dass Liebe vllt. so nicht existiert im momentanen Gay-Dating-System? Oder vielleicht doch weil man gegen den Willen Teil einer öffentlichen Show und Selbstinszenierung geworden ist?
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#13 reiserobbyEhemaliges Profil
  • 06.10.2014, 11:36h
  • Die Vehemenz mit der das Projekt attackiert worden ist, nährt sich aus einem Groll gegen kontroverse Kunst, die man sonst aus religiösen Fundi- oder neo-nazistischen Zirkeln kennt. Eine Reflexion war nicht erwünscht, stattdessen jagt der moderne reaktionäre schwule Mann den Nestbeschmutzer aus dem Dorf.
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#14 reiserobbyEhemaliges Profil
  • 06.10.2014, 11:47h
  • Antwort auf #11 von saltgay
  • Darauf können die schwulen Spießer und Subfaschisten* jetzt voll Pride sein. Gays against Art. Meine Fresse, was für eine miese Kampagne. Nazis, Islamisten und andere reaktionäre Fundis, auch diese Gruppen argumentieren, das gewisse Kunst "entwürdigte", entweder ihre Religion, ihre Kultur, ihr Land oder sonst was.
    Niemand wurde von Fremden oder könnte von Fremden durch die verfremdeten Fotos tatsächlich identifiziert werden. Ein Einzelner (Parker T.) hat sich daran gestört, sich selbst erkannt zu haben, nach dem er dem "Date zum Rasieren" mit dem Künstler Dries zusagte, erst danach brach durch auf Facebook verbreitete Hetze die totale Hysterie los, andere sprangen auf und erzählten "Entblößungs-Märchen". Peinlich.
    Bei Grindr sind alle Fotos tatsächlich öffentlich zu sehen, niemand muss selbst schwul sein, um sich dort herumzutreiben. Das und anderes hat der Künstler thematisiert und in der Tat einen relevanten Beitrag damit geleistet.
    Ich selbst nutze gerne, und stehe auch dazu, GrindR als Fick, na ja, mehr als Oral-Dating-Portal. Trotzdem ist es legitim, daraus Kunst zu machen. Kunst muss nicht gefallen, sie muss aber auch missfalllen dürfen. Zensur ist Mist.
    Im Kern geht es doch darum, dass es vom homosexuellen Spießer nicht gewünscht ist, dass öffentlich, GrindR und andere virtuelle Portale, mit Schwulsein in Verbindung gebracht werden. da er sich fürchtet, Homosexualität könnte vom Mehrheits-Spießer erneut in die reine Schmuddelecke gesteckt werden. Act up, but don't blame Art.
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#15 m123Anonym
  • 06.10.2014, 11:49h
  • Antwort auf #13 von reiserobby
  • Ach, weißt du, es gibt auch Grenzen und wenn du einer der Zwangsgeouteten wärst, die dann von ihrer sozialen Umgebung heftig gemobbt würden, dann würdest so einen Müll mit Sicherheit nicht von dir geben.

    Merke dir: Nur weil irgendetwas mit "schwul" zu tun hat, ist es nicht automatisch gut. Es gibt aber offensichtlich Menschen wie dich, die in allem was mit Schwulsein zu tun hat automatisch etwas Gutes sehen.

    Du tust mir einfach nur leid.
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#17 yomenAnonym
#18 2r9g9u393rAnonym
  • 06.10.2014, 11:57h
  • Als ich in der Schule im Kunstunterricht einen Klumpen Ton in die Hand nahm und den einfach nur ziellos durchknetete, weil ich nicht wusste was ich machen sollte, und meine Kunstlehrerin dann ankam und sagte "Oh, das ist aber kreativ, du arbeitest nicht additiv, das ist gut" und ich dann später für ein rumgematschtes Irgendwas eine Eins als Note bekam, wusste ich, dass man jeden Schrott zu Kunst erklären kann.

    Wer weiß, vielleicht kauf ich mir mal ne Leinwand und Farbe und spritz die Leinwand wild voll und verkauf das Bild dann für viele Tausend Euro, lol.
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#19 WeimarAnonym
#20 LorenProfil
  • 06.10.2014, 12:07hGreifswald
  • Antwort auf #13 von reiserobby
  • Ihr Eintreten für die Freiheit der Kunst ehrt Sie. Ihre nach meinen Empfinden maßlosen Angriffe auf Kritiker dieser Kunstaktion dürften allerdings ihrem Anliegen wenig nützlich sein, offenbaren aber ein diese Aktion durchaus berührendes Thema, nämlich den aggressiven Umgang miteinander in anonymisierten Foren des Internets und die Verrohung des Denkens und Handelns mancher Teilnehmer im fiktiven Schutzraum ihrer virtuellen Realität. Aus meiner Sicht hat der Künstler in diesem Fall ein wichtiges Thema bearbeitet, aber eine mangelhafte Konzeption und Durchführung angeboten, die ihm nun auf die Füße fällt (was bei Aktionskunst vorkommen soll).
    Dem Künstler ist zu wünschen, das er seine durchaus interessanten Ansätze auf der Basis seiner Berliner Erfahrungen in Zukunft noch reflektierter konzipiert und realisiert.
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#21 cinnamonProfil
  • 06.10.2014, 12:10hSpandau
  • Hallo!
    Als community sind wir noch ziemlich angreifbar. Wir müssen täglich um Akzeptanz kämpfen und sind oft Diskriminierung und Mobbing ausgesetzt.
    Da ist es vielleicht keine so gute Idee, chats und Bilder von schwulen Menschen auf belebten öffentlichen Plätzen an Containerwände zu projizieren, noch dazu, ohne die zu fragen.

    Es gibt auch heterosexuelle Dating-Apps. Ich hätte es ehrlich besser gefunden, wenn dieses Projekt von Heten gemacht worden wäre.
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#23 objectionAnonym
  • 06.10.2014, 12:33h
  • Bei allem Respekt aber die "Performance" ist kaum mehr als eine prätentiöse Version vermeintlicher Gesellschaftskritik, die in der Proll-Variante jeden Tag auf RTL2 laufen könnte.
    Und damit ist eigentlich auch schon alles gesagt.
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#24 GENDRIXAnonym
  • 06.10.2014, 12:35h
  • Schwule öffentlich ausgestellt wie Tiere im Zoo: "Schaut her, diese Homos, wie sie miteinander Chatten in diesen uns ach-so-übefordernden digitalen Medien, ist das nicht tragisch?" Eine Freak-Show für Passanten, erschreckend homophob, diskriminierend, fahrlässig: Die Verfremdung durch den Negativ-Effekt lässt sich mit jedem Smartphone durch einen Klick umkehren. Das Foto, das die Aktion bewirbt, ist nach wie vor überall präsent - darauf drei deutlich erkennbare Gesichter, überlebensgroß, mit Angaben von Alter, Größe, Gewicht, Entfernung. Schwule Männer, die einem Chat-Partner vertrauen, der dieses Vertrauen im Namen von "Kunst" missbraucht. (Ach ja, schwule Männer! Wäre es für die Veranstalter und Sponsoren dieser Aktion eigentlich denkbar gewesen, dass Verhoeven private Profile von Frauen öffentlich projiziert? Das würde mich mal interessieren.) Und dann noch ein Shit-Storm gegen die Mutigen, die dieses mit öffentlichen Geldern großzügig finanzierte "Projekt" kritisieren: sie seien "Spießer", "Nazis". Wie erbärmlich ist das alles! Die Verstöße gegen die Persönlichkeitsrechte Unbeteiligter sind so eindeutig, dass darüber nicht zu diskutieren ist. Wie naiv und fahrlässig es war, diese Verstöße für die Aktion in Kauf zu nehmen, haben mittlerweile auch der Künstler und die Veranstalter eingesehen.
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#25 Lupo__Profil
  • 06.10.2014, 12:39hBielefeld
  • Auch ich kann diesem Artikel "Hass in Zeiten von Grindr" nicht viel abgewinnen.
    Bei genauer Betrachtung stelle ich fest, daß dieser Artikel offenbar von Extern geschrieben wurde, und nicht von den Journalisten, die sonst für Queer.de schreiben.

    Zur Installation selber (die Worte Projekt oder Kunst möchte ich in diesem Zusammenhang vermeiden) möchte ich sagen:
    -Die Anonymisierung der gezeigten Fotos war nicht ausreichend und damit stümperhaft.
    -Die Veröffentlichung der Chatinhalte dürften gegen die Persönlichkeitsrechte des Einzelnen verstoßen. Profilfotos generell sind von anderen usern einsehbar, Chatinhalte jedoch sind nur für den Adressaten gedacht.
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#26 64b ehAnonym
#27 LorenProfil
  • 06.10.2014, 13:05hGreifswald
  • Antwort auf #25 von Lupo__
  • Auf seiner Website kann man den ungekürzten Kommentar lesen. Ein Kommentar, der mehr Reflektion einfordert, aber bei seiner Identifizierung von Täter und Opfer aus Mangel an Differenzierung leider Selbige noch nicht hinreichend selbst leistet. Das in dieser Kunstaktion gewählte Glashaus zumindest erscheint als treffende Metapher für die Verortung von Kritikern beider Seiten, die diese Diskussion ideologisch aufladen und z.B. unausgegorene Faschismustheorien als (vermeintliches) Qualitätssiegel an ihr eigenes Glashäuschen heften.

    imgegenteil.de/blog/wanna-play-ein-kommentar/
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#28 reiserobbyEhemaliges Profil
#29 tapeAnonym
  • 06.10.2014, 13:40h
  • Antwort auf #13 von reiserobby
  • "Eine Reflexion war nicht erwünscht"
    schreibt jemand, der im Verlaufe der Kommentare niemals auf Argumente eingeht und immer den gleichen Müll per Copy & Paste in die Welt setzt, wider besseres Wissen und lediglich an der Kontroverse interessiert. Wie Verhoeven würde es auch dir gut tun, mal drüber nachzudenken, was du erreichen willst, außer berechtigte Gegenwehr zu generieren. Mit deinen ständigen dämlichen Nazivergleichen zeigst du im wesentlichen deine eigene Ahnungslosigkeit, gleichermaßen von Geschichte als auch von Kunst.
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#31 VioliusAnonym
  • 06.10.2014, 14:55h
  • Klang doch von Beginn an nach einem miserablen Konzept. "Alles, außer Sex" hätte stattfinden sollen. Wie inkonsequent.
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#32 PascalAnonym
  • 06.10.2014, 15:07h
  • Im Gegensatz zu einigen anderen: Nein: Grindr und Gayromeo sind KEINE öffentlichen Orte. insbesondere die privaten Chats sind es nicht.

    Auch, die recht einfache Missbrauchsmöglichkeit ändert daran nichts. Ein Brief wird nicht dadurch öffentlich, dass man ihn abfangen und veröffentlichen kann. Ein Darkroom wird nicht öffentlich, weil man drin filmen kann. Ein Cloud-Dienst, wo man seine Fotos hochlädt wird nicht öffentlich, weil man ihn hacken kann. Und eine Wohnung wird nicht öffentlich, weil man einbrechen und verwanzen kann.

    Der Missbrauch dieser Leute ohne ihr Einverständnis für ein öffentliches Kunstprojekt (an dem ja auch Leute verdienen) ist und bleibt ein Missbrauch. Dass sich Verhoeven und das HAU dafür nicht* entschuldigen wollten, sondern das Ganze mit Verweis auf die Missbrauchsmöglichkeit rechtfertigten und nur "bedauern", dass sich die Missbrauchten "missbraucht fühlen", was ja das eigentliche Problem sei. das setzt dem Ding die Krone auf.

    Das Projekt war schlecht umgesetzt, stellte viele Fragen falsch, stellte andere, notwendige Fragen gar nicht. Es war daher gut, dass es abgebrochen wurde.

    Und das vom Autoren bemängelte fehlende Zusammenkommen liegt genau darin begründet.

    *nach enormem Druck sind sie dann eingeknickt
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#33 stromboliProfil
  • 06.10.2014, 15:14hberlin
  • wie auch immer man dazu steht, eines ist bewiesen: es gibt keine "privatheit des privaten".

    Daraus schlußfolgert, wer in die öffentlichkeit hinein sich auf die suche nach anderen gleichgesinnten begibt, wird in ihr als suchender erkannt..
    ob das vormals der klappengänger war oder heute der grind-cruiser.
    Was am "suchenden" allerdings so verwerflich sein soll das ein erwachsener (?) meint den glaskasten stürmen zu müssen, ist mir unerfindlich..
    Schämt sich da wer seiner bedürfnisse. Dürfen die nur "privat" -eben anonym erfolgen, und hinter welcher entwicklung bleiben wir dann zwangsläufig zurück?

    Das es aktualisiert wurde mit dieser performance und dass sie den nerv genau dort trifft wo er treffen sollte, ist so eher ein verdienst..
    damit reiht sich die aktion würdig in die des praunheimfilmes von 1972 ein.
    Wir sind nun mal so wie wir sind..
    nicht der homosexuelle an sich ist pervers, sondern sein klein-spießbürgerliches alter ego.

    Sinnbild für den vollzogenen rollback in unseren eigenen wahrnehmungen dann die selbe "streitkultur" zum thema sichtbarkeit..
    Die macht mir mehr kopfzerbrechen.

    Deshalb:
    Als ersatz für den abbruch sollten wir wenigstens den post in form einer literaischen veröffentlichung lesen dürfen...
    Der unfreiwillige autor mag ja auf tantiemen verzichten und so in der anonymität des vergessens verschwinden
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#34 yomenAnonym
#35 Oliver43Anonym
  • 06.10.2014, 16:06h
  • Und während in Berlin irgendein beknacktes Kunstprojekt läuft, worüber echt sich nicht lohnt zu berichten, ausser das es nunmehr abegbrochen wurde, eröffnete gestern in Rom die ergebnisoffene Bischofssynode in Rom

    Erstmals beraten dort die katholische Kardinäle auch über das Thema homosexuelle Paarbeziehungen. Und allein die Tatsache, das dies in Rom als Thema von den Kardinälen diskutiert wird, ist schon einmal ein Fortschritt im Vatikan.

    Unter Polen-Paule und Ratzinger wurde dies konsequent unterbunden und verschwiegen.

    Franziskus hingegen setzte dies Thema wie auch das Thema wiederverheiratete Geschiedene auf die Tagesordnung des Vatikans.....dafür hat der Franziskus erstmal ein "kleines" Lob verdient.

    Den Rest erfahren wir dann wohl erst im kommenden Herbst, wenn es Ergebniss geben soll.
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#36 yomenAnonym
#37 Monster_BabyEhemaliges Profil
  • 06.10.2014, 17:33h
  • Antwort auf #21 von cinnamon
  • "...Wir müssen täglich um Akzeptanz kämpfen und sind oft Diskriminierung und Mobbing ausgesetzt..."

    Genau, aber das zumindest zeigt das Projekt überdeutlich: im Jahr 2014 ist homosexueller Sex außerhalb einer Paarbeziehung gesellschaftlich geächtet - kein großer Fortschritt zu den 50-iger Jahren des letzten Jahrhunderts. Anscheinend geht der Trend wieder hin zur Unsichtbarkeit und Scham. Aufgeklärtes Selbstbewusstsein sieht in meinen Augen anders aus. Jeder hat das Recht seine Sexualität so auszuleben wie er es für richtig hält - und das ist auch gut so, solange Sex einvernehmlich praktiziert wird. Keiner sollte sich heute für das Ausleben sexueller Wünsche schämen müssen.
  • Antworten » | Direktlink » | zu #21 springen »
#38 David77Anonym
  • 06.10.2014, 17:36h
  • Antwort auf #35 von Oliver43
  • "Und während in Berlin irgendein beknacktes Kunstprojekt läuft [Anmerkung: das war kein "schwules Projekt"?], worüber echt sich nicht lohnt zu berichten, ausser das es nunmehr abegbrochen wurde"

    Und während in Rom irgendeine beknackte Synode läuft um Antworten für rhetorische Fragen zu finden, deren Ausgang sowas von vorhersehbar ist,
    soll ein schwulenrelevantes und queer.de-relevante Meldung , die sogar in den Mainstreammedien zu finden ist, bitteschön nicht berichtet werden, weil es dem Herrn nicht passt...
    Glaubst du ERNSTFHAFT es ginge den Katholen darum, den anderen entgegenzukommen?Träum weiter!
    Sich NICHT anzupassen und weiter an alten, starren Ansichten festzuhalten, IST DAS Merkmal der Katholen...Wem es nicht passt, der kann ja übertreten...Sie WOLLEN ES NICHT einsehen, im Gegenteil, sie zeigten sich "überrascht", wie sehr ihre Schäfchen sich von den Ansichten distanzerit haben... noch weltfremder geht es wohl kaum.
    Sie werden sich jetzt überlegen, WIE man ihre weltfremden, starren Ansichten den Schäfchen näherbringen kann, nicht umgekehrt...
  • Antworten » | Direktlink » | zu #35 springen »
#39 FoXXXynessEhemaliges Profil
#40 MachoManAnonym
#41 Reto77
  • 06.10.2014, 18:18h
  • Antwort auf #14 von reiserobby
  • Ich kann es nachvollziehen, dass es schmerzt, wenn ein Kunstprojekt durchgefallen ist. Der Künstler und seine Helfer haben sich enthusiastisch dafür engagiert und sind trotzdem verrissen worden. Nun ist die Enttäuschung riesig. Doch das passierte schon vielen vorher. Wer es nicht glaubt, lese die Buch- und Filmkritiken hier auf queer.de durch.

    Den Artikel mit dem Wort Hass zu betiteln, ist schon heftig. Ich hasse den Künstler Dries Verhoeven nicht. Diejenigen hier, die alle Kritiker des Projekts (also z. B. mich) pauschal als spießbürgerliche, faschistische Klemmschwestern (oder ähnlich) abstempeln, verfügen offensichtlich über eine nicht ausreichend entwickelte Fähigkeit, Kritik zu ertragen.
  • Antworten » | Direktlink » | zu #14 springen »
#42 reiserobbyEhemaliges Profil
  • 06.10.2014, 18:36h
  • Wenn reaktionäre Kleingeister das Wording der Progressiven absorbieren, kommt im Prinzip stets Opfer-Mimikry und Hetze bei herum. NPD-Mitglieder fordern Meinungsfreiheit, homophobische Reli-Fundis fühlen sich diskriminiert, Rassisten wähnen sich ausgegrenzt im eigenen Land und ein Parker T., der sonst sehr vieles äußerst gerne tut, um sich öffentlich zu produzieren, der wurde eben "digital vergewaltigt" und öffentlich "bloßgestellt". Alle haben eins gemeinsam, sie gerieren sich als Opfer, um ihren Hass zu legitimieren. Gays against queer art. Es ist traurig.
  • Antworten » | Direktlink »
#43 LaurentProfil
#44 yomenAnonym
#45 Monster_BabyEhemaliges Profil
  • 06.10.2014, 20:00h
  • Antwort auf #43 von Laurent
  • Natürlich ist es "nur" meine Sicht auf diese Debatte. Zugegebenermaßen kenne ich Grindr nicht durch eigenen Gebrauch und gutes Essen ist mir (meistens) wichtiger als sexuelle Abenteuer... Aber dennoch habe ich das Gefühl, dass Sex außerhalb von Beziehungen und schwule Promiskuität wieder mehr in die Schmuddelecke gedrängt werden. Grindr ist sozusagen das virtuelle Bahnhofsklo des 21. Jahrhunderts.
  • Antworten » | Direktlink » | zu #43 springen »
#46 Bi-AthletAnonym
#47 schwarzerkater
  • 06.10.2014, 21:14h
  • Antwort auf #14 von reiserobby
  • "Gays against Art."

    nur weils ein schwuler künstler ist, heisst das nicht, dass alles was er macht, automatisch kunst ist oder zur kunst wird.
    auch das HAU in berlin ist nicht unfehlbar und nicht alles was das HAU (co-)produziert geht ohne diskussion in die kunstgeschichte ein.

    vielleicht "überarbeitet" verhoeven ja sein projekt und wir sehen es in veränderter form wieder. Oder verhoeven bringt dieser kleine fehlgriff persönlich und künstlerisch weiter. das mögliche scheitern gehört auch dazu, wenn man sich mit seiner kunst/arbeit in die öffentlichkeit begibt.
  • Antworten » | Direktlink » | zu #14 springen »
#48 Holger LiedtkeAnonym
#49 antos
#50 antos
#51 Homonklin44Profil
  • 07.10.2014, 00:24hTauroa Point
  • Hm, mein Kunst-Interesse bezieht sich in der Regel nicht auf diesen modernen Kram. Hier schaut es so aus, als wäre die Privatsphäre von Leuten auf unverantwortungsvolle Weise ausgebeutet worden. Hätte die Verfälschung fehlerlos funktioniert, hätte man ein Auge zudrücken können.

    Andererseits haben viele die Privatsphäre, was sie einst war, oder das Anrecht darauf, längst abgesäbelt und hinter die Mottenkiste geschleudert. Nicht alle wollen es so haben, aber auf die wird immer weniger geachtet. Einen Teil der Reaktionen kann man nachvollziehen.

    Wenn Kunst schon alles dürfen soll, könnte er vielleicht damit weiter machen, die ungewischten A-Löcher von Promis an die Siegessäule zu projizieren. Mal sehen, wer dann noch kunstinteressiert ist.
  • Antworten » | Direktlink »
#52 DENIALProfil
  • 07.10.2014, 01:11hBerlin
  • Lieber Reiserobby, als eine der Personen, die von Dir als Subfaschisten* bezeichnet werden, weil sie die ästhetische Praxis von Dries Verhoeven kritisieren, möchte ich Dich bitten, mir Deine Definition von "queer art" näher zu beschreiben. Was ist daran "queer", wenn ein schwuler Mann den ewiggleichen diffamierenden Diskurs, den es schon immer über Cruising und Promiskuität gibt, auf Dating-Apps bezogen neu aufwärmt und von "Tragik" spricht und die üblichen Vorbehalte gegenüber schwulem Beziehungsleben illustriert und zwar ausgerichtet auf den Blick eines Mehrheitspublikums, dem so ein Einblick in das traurige intime Leben einer immer noch marginalisierten Gruppe gegeben werden soll? Was ist queer an dieser Entsolidarisierung? Was ist queer daran, zu sagen "ich will hier keinen schmutzigen Sex machen sondern nur nett Kuchen backen", wobei Kuchen backen als irgendwas besseres, edleres dargestellt wird (warum eigentlich nicht backen UND Sex?) Seit wann ist das Zuschaustellen anderer Menschen als Beispiele für eine moralisierende These auf einem sauteuren LED-Display queer? Und gehört nicht ein bisschen Reflexion über die Geschichte der devianten Lüste und deren frühere und aktuelle staatliche Verfolgung, Kriminalisierung und Überwachung zur queeren Theorie und Praxis? Ein bisschen Sensibilität gegenüber Nutzern dieser Apps, die den Luxus nicht haben, die Anonymität als Problem reflektieren zu können, weil genau diese "kaltherzige" Anonymität sie vor Familie und Umfeld schützt? Diese Kunst operiert mit heterosexuellen Konzepten von romantischer Liebe und setzt sie dem "schnellen Sex" entgegen. Das alles ist eben genau aus queerer Perspektive kritisierenswert. UNd dabei rede ich gerade nur über seine Künstlerische Vorgehensweise. Was die Anonymisierung und den juristisch relevanten Teil der Vorwürfe angeht, bin ich weniger beschlagen, aber auch hier würde ich in die queere Floskelkiste greifen und sagen "consent is sexy, darling". Erstmal fragen ob jemand auch Lust hat, bei Deinem Spiel mitzuspielen. Gilt auch auf fortschrittlichen Sexparties. Es handelt sich nicht automatisch um radikale Kunst, wenn Leute von ihr verletzt werden. Und es ist richtig und notwendig, einen Künstler darauf hinzuweisen, dass er gerade eine Menge Mist baut. ich als Performancekünstler wünsche mir das von den Leuten, die meine Arbeit verfolgen und sehe es als meine Pflicht, auch meine Kolleginnen und Kollegen und die sie betreuenden Institutionen zu kritisieren und mit meiner Reaktion zu konfrontieren. Es gab leider sehr viel dumme, hässliche, banausenhafte generell Kunstfeindliche Kritik zu dieser Installation. Aber deshalb generell jeder Kritik daran das Recht abzusprechen, oder sie als "Hass" zu bezeichnen, wie es dieser Artikel hier tut, führt auch überhaupt nicht weiter. Freiheit der Kunst: über alles. Freiheit des Publikums, auf jede Mögliche Weise zu reagieren: noch ein Stückchen über der Freiheit der Kunst.
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#53 LorenProfil
  • 07.10.2014, 01:19hGreifswald
  • Antwort auf #42 von reiserobby
  • "Alle haben eins gemeinsam, sie gerieren sich als Opfer, um ihren Hass zu legitimieren."

    Ihre maßlosen Einwürfe lassen auch nicht gerade auf einen ausgeglichenen emotionalen Status schließen. Im von antos verlinkten Kommentar wird die Kritik schlüssig zusammengefasst:

    "Diese Performance ist ganz einfach schlechte oder zumindest nicht durchdachte Kunst. Denn sie prangert ein soziales Verhalten an, geht dabei selbst aber völlig asozial vor, indem sie tief in das Privatleben ihrer Opfer eingreift und es in die Öffentlichkeit zerrt. 'Kunst darf alles', heißt es, aber viele Performance-Künstler vertreten den Standpunkt, dass Kunst selbst eben nicht 'böse' sein darf, auch wenn sie auf 'Böses' hinweisen will. Sie verliert ihre Glaubwürdigkeit, wenn sie bedenkenlos ethische und moralische Standards überrennt, die sie von anderen einfordert."

    www.huffingtonpost.de/maenner/berliner-kunstprojekt-zerrt-sc
    hwule-in-die-oeffentlichkeit_b_5931248.html?utm_hp_ref=enter
    tainment


    Dogmatismus ist nicht nur im Bereich der Kunstrezeption ein Irrweg.

    Ich hoffe, Herr Verhoeven ist nicht auf Advokaten Ihres Schlages angewiesen um seine künstlerische Reputation zukünftig wieder herzustellen.
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#55 Simon HAnonym
  • 07.10.2014, 08:44h
  • Antwort auf #3 von LedErich
  • Es ist aber schon nochmal ein Unterschied, ob das eigene Foto nur für Leute sichtbar ist, die auch Grindr nutzen oder für jeden, der gerade über einen Platz in einer Stadt schlendert, groß projiziert wird.

    Man stelle sich mal vor, die Aktion wird von irgendwelchen Homohassern, Nazis, o.ä. gesehen. Die ärgern sich tierisch darüber, trauen sich aber nicht, da vor Ort was zu machen, weil da zu viele Leute sind.

    Dann ein paar menschenleere, dunkle Straßen weiter sehen die auf einmal jemanden, der da groß projiziert wurde (oder demjenigen auch nur ähnlich sieht) und schon lassen sie ihren Frust an dem aus, wo jetzt keiner in der Nähe ist.

    Natürlich wurden die Fotos mit einem Bildeffekt bearbeitet, der sie negativ darstellte. Aber das ändert ja nicht so viel und dass Leute wirklich identifiziert wurden, ist ja auch Fakt.
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#56 probondageProfil
  • 07.10.2014, 09:03hDortmund
  • Ich hätte mich zu ihm in den Glaskasten gehockt und Kuchen gebacken - und dann vielleicht in 14 Tagen, wenn er aus seinem selbstgewählten Glasgefängnis wieder herausgekommen wäre, ihn dann näher kennengelernt, grins.

    Hätte er die Kerle doch direkt am Anfang völlig aufgeklärt, laufen in Berlin genug Rampensäue rum, die beim Experiment mitspielen würden.

    Allerdings wäre das dann wohl eine schwule transparente Begegnungsstätte gewesen und nicht im Sinne es Künstlers, der wohl in erster Linie die Affinität zum virtuellen Cruisen hinterfragen wollte. Und er hat recht, für so einen zensierten Scheiß wie grindr (bin nach 2 tagen gesperrt worden) geben wir unsere wahren Möglichkeiten sich zu treffen auf, unsere Szene.

    Ich bin diese virtuellen Speisekarten ohne Liefergarantien so was von leid, gibt es keine realen Kerle mehr?

    Ortungsapps wie Grindr oder Scruff, das sollte jeden klar sein, reißen Menschen aus der Anonymität des Internets. JEDER kann sich diese App herunterladen und andere aus seiner Umgebung damit verfolgen. Eigentlich könnte man sich auch ein Schild um den Hals hängen und seine sexuellen Vorlieben und Vorstellungen durch die Gegend tragen, ist im Grunde das gleiche.

    Ist das nun Kunst oder kann das weg? Für mich war es weder das eine, noch das andere, sondern ein schon längst überfälliger Finger in der tief offenen Wunde im schwulen Wunderland. Und es hat wohl geschmerzt.
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#57 ChristineAnonym
  • 07.10.2014, 09:29h
  • Vielleicht hatten Hebel am Ufer und Dries Verhoeven eine Performance oder Aktionskunst geplant, die letztendlich alle freiwilligen wie unfreiwilligen Situationisten wie auch das Publikum lediglich mit der öffentlichen Zurschaustellung und Ver-ku(e)nst-lichung der Intimsphäre von Einzelnen konfrontieren und dabei karthatische Wirkung entfalten sollte. Sie haben dabei mit einem Tabu gebrochen, das für alle menschlichen Kulturen gilt (Verrat von Intimbeziehung und Sex in aller Öffentlichkeit). Kunst ist Kunst und Sex ist Sex aber Verrat von einzelnen Menschen ist böse!
    Christoph Schlingensief hatte vor Jahren mit einer wirkungsvoll gescheiterten Kunstaktion die Deutsche Bank auf andere Weise 'betrogen'. Er hat eine Institution, die sich mit Geld Kunst und Renommee einkaufen wollte, vorgeführt, ohne selbst zum Verräter seiner Kunst und Menschlichkeit zu werden.

    www.sueddeutsche.de/geld/schlingensief-und-die-deutsche-bank
    -schmeisst-das-geld-weg-1.991968
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#58 Robby69Ehemaliges Profil
#59 nischenfunkAnonym
#60 Robby69Ehemaliges Profil
  • 07.10.2014, 09:39h
  • Antwort auf #55 von Simon H

  • Das sehe ich anders. Denn um von Rechten fertig gemacht zu werden, brauchts kein Bild auf einer Großbildleinwand. Es reicht da schon, wenn diese rechten Schweine wissen, dass Du schwul bist, weil Du Dein Schwulsein nicht versteckst, sondern offen schwul lebst. Habe ich selbst bereits zweimal leidvoll erfahren. Das hält mich aber nicht davon ab, weiterhin offen schwul zu leben und gegen rechte Umtriebe zu kämpfen. Solange wir uns gegen Homo-Hasser wehren, haben die keine Chance, mit ihrer Einschüchterungsmasche durch zu kommen.
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#61 PascalAnonym
  • 07.10.2014, 10:04h
  • Fotos anderer Menschen (auch als Negativ) ohne deren Einverständnis zu veröffentlichen (ausgenommen Personen des öffentlichen Lebens), ist ein Unding und übrigens auch illegal.

    Aber noch schlimmer wird das ganze, wenn damit auch ein Zwangsouting verbunden ist.

    Und in dem Fall noch nicht mal als Einzelfall, sondern massenhaft.
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#62 MiepmiepAnonym
#63 LaurentProfil
  • 07.10.2014, 10:25hMetropolregion Rhein-Neckar
  • Antwort auf #60 von Robby69
  • Hoffentlich gilt das mit dem Scheitern der Einschüchterungsmasche auch bei dem vermutlich demnächst in den Vordergrund tretenden Thema "IS." Ich habe da erhebliche Zweifel.

    Bei vielen Kommentaren zum Bericht "Bayern will ... ausweisen" habe ich den Eindruck gewonnen, dass diese Gefahr nicht wahrgenommen, unterschätzt oder sogar heruntergespielt wird.

    Ich kann nur hoffen, mit meiner Einschätzung, dem Gespür bei diesem Thema falsch zu liegen.
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#64 reiserobbyEhemaliges Profil
  • 07.10.2014, 11:35h
  • Parker Tilghman bezeichnet seine kommerzialisierte Pansy-Clownerie als Kunst und zettelt in Berlin einen Pogrom gegen einen kontroversen schwulen Künstler an. Eine Nachbetrachtung... "Es war ein bisschen, wie im Besuch der alten Dame, dem bekannten Theaterstück von Dürrenmatt, wo eine ältere Frau in ihr Heimatdorf zurückkehrt und ihren alten Liebhaber systematisch denunziert, bis das gesamte Dorf den ehemaligen Liebhaber aus den eigenen Reihen sosehr hasst, dass sie ihn am Ende kollektiv ermorden."
    wolfauftausendplateaus.de/2014/10/subjekte-in-zeiten-von-gri
    ndr-wanna-play-nachtrag.html
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#65 PascalAnonym
  • 07.10.2014, 11:57h
  • Antwort auf #60 von Robby69
  • "Denn um von Rechten fertig gemacht zu werden, brauchts kein Bild auf einer Großbildleinwand."

    Richtig!

    Aber muss man es denen auch noch leichter machen?

    Nur weil auch so schon Schwule Opfer homophober Gewalt werden, heißt das doch nicht, dass man ihnen auch noch Tipps geben muss, welche Schwulen sich gerade in der Nähe befinden und wie die aussehen.

    Natürlich könnten die auch Grindr runterladen, aber auf die Idee kommen die wohl nicht oder wollen auch keine "schwule App" auf ihrem Handy haben.

    Aber unabhängig von der speziellen Situation bei Grindr: es gehört sich einfach nicht, von anderen Leuten einfach deren Bilder öffentlich zu machen. Und das ist auch gesetzlich verboten. Ausnahme sind natürlich (wie schon von anderen erwähnt) Personen des öffentlichen Lebens.
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#66 MiepmiepAnonym
  • 07.10.2014, 13:08h

  • Die Vorwürfe, das mißglückte Projekt fördere Homophobie oder sei gar selbst homophob, finde ich trotz Allem unzutreffend. Mich hat der Begriff der "digitalen Vergewaltigung" gestört, genau wie die andere überschäumende Polemik von beiden Seiten - Godwin's Law lässt grüßen. Ich denke, Dries V. hat in kürzester Zeit genug einstecken dürfen, ihn & seine Verfehlungen auch noch als Projektionsfläche für allgemeine Befindlichkeiten und kulturelles Mißbehagen zu behandeln, ist auch nicht sonderlich produktiv. Ja, er hat sich ganz klar selbst in die Schußlinie manövriert, wurde abgestraft. Urheberrechtsverletzung ja, Eingriff in die Persönlichkeitsrechte und das Recht der informationellen Selbstbestimmung ja, Verletzung der Intimssphäre ja. Kritik, Reflexion waren geboten, Konsequenzen sind erfolgt. Nur das rechtfertigt nicht, jemandem als Sündenbock zum Abschuß freizugeben. Täter-Opfer-Umkehr" ist ein heikles Thema, aber die nervöse Überreiztheit der ganzen Debatte ist schon symptomatisch für die "Conditio humana homosexualis" in der sogenannten Postmoderne.
    Mich interessiert das Problemfeld Grindr-Schwulenszene-Internet-Gesellschaft sehr, eigentlich ist es sehr wünschenswert, hier nun anzusetzen & voranzuschreiten, anstatt so zu tun, daß alles, was Dries V. thematisieren wollte oder unabsichtlich thematisiert hat, trivial, banal, überholt, überflüssig oder indiskutabel war.
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#67 sperlingAnonym
  • 07.10.2014, 14:34h
  • Antwort auf #61 von Pascal
  • >"Fotos anderer Menschen (auch als Negativ) ohne deren Einverständnis zu veröffentlichen (ausgenommen Personen des öffentlichen Lebens), ist ein Unding und übrigens auch illegal."

    es widerspricht außerdem den AGB von grindr. als grindr-nutzer hat man also keineswegs einer veröffentlichung in dieser form zugestimmt (im gegensatz zur behauptung von TheDad im nachbarthread; ich ziehe das einfach mal hier rüber):

    >"YOU UNDERSTAND AND HEREBY ACKNOWLEDGE AND AGREE THAT YOU WILL NOT ENGAGE IN THE PROHIBITED CONDUCT & USES LISTED BELOW:
    [...] 9. display the Grindr application or profile data on any external display or monitor or in any public setting"

    grindr.com/terms-of-service
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#68 sperlingAnonym
#69 Sabelmann
  • 07.10.2014, 15:57h
  • Man möge mir mein vielleicht nicht vorhandenes Kunstverständnis übel nehmen,aber kann mir jemand DIE KUNST an diesem Projekt erklären?So dass auch ich Dumpfbacke es verstehen kann?
    Ich hab schon kapiert was er da gemacht hat...aber was daran war die KUNST?
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#71 Sabelmann
#72 MiepmiepAnonym
  • 07.10.2014, 18:55h
  • Antwort auf #71 von Sabelmann

  • Wenn partielles Mißgefallen, Unverständnis und berechtigter(!!!) Widerspruch oder Empörung der Maßstab wären, Kunst den Kunststatus abzusprechen, gäbe es keine Kunst, keine moderne Kunst und erst recht keine postmoderne Kunst. Alles ist relativ, subjektiv - und Kunst darf, kann ne Zumutung sein. Manche sagen: muß ne Zumutung sein. Mal ein paar extreme Beispiele: DeSade, Breker, Thorak, H.Bosch, Dali, Warhol, Duchamp, Beuys, Nitsch, Stockhausen, Merzbow, David Lynch.
    Ich denke, es gab hier und anderswo genug Erklärungs- und Plausiblisierungsversuche. Man muß nix, aber man kann versuchen, sich wenigstens ein Stück weit darauf einzulassen.
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#73 tapeAnonym
  • 07.10.2014, 23:44h
  • Antwort auf #71 von Sabelmann
  • Auch misslungene Kunst ist Kunst. Versuchen ist an sich nichts schlechtes, aber wenn man so unüberlegt herumstochert, kommt nichts sinnvolles dabei heraus. Daher ist Verhoeven ja auch gescheitert. Inzwischen hat das HAU das auch vorbehaltlos eingestanden und sich endlich richtig entschuldigt.
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#74 reiserobbyEhemaliges Profil
  • 08.10.2014, 11:02h
  • Antwort auf #73 von tape
  • "Schwul bedeutet, bunt zu denken." (Hape Kerkeling) Gute Botschaft an Homosexuelle, die reaktionär gegen Kunst ätzen.

    Der Ex-Freund soll sich ja mittlerweile darüber empören, das Pogrom-Pansy gelogen habe, mit der Behauptung, der Ex hätte Pogrom-Pansy erkannt, Zwei Tage bevor Pogrom-Pansys Kampagne startete, veröffentlichte Parker zudem Grindr-Chatverläufe, um sich darüber lustig zu machen. Wie bigott.
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#75 Daily MirrorAnonym
#76 tapeAnonym

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