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  • 09.10.2014           9      Teilen:   |

Die "grüne Inge" ist tot

Nürnberg: Trauer um Jürgen Wolff

Artikelbild
Nürnbergs schwul-lesbische Community hat Jürgen Wolff viel zu verdanken (Bild: gaycon.de)

Der langjährige schwule Stadtrat der Grünen ist am Mittwochabend im Alter von 73 Jahren im Nürnberger St. Johannis-Stift gestorben.

Bereits seit vielen Monaten konnte er wegen seines schlechten Gesundheitszustands das Nürnberger Seniorenwohnheim St. Johannis-Stift nicht mehr verlassen, nun hat sich Jürgen Wolff endgültig von seiner Stadt verabschiedet. Der langjährige Kommunalpolitiker und LGBT-Aktivist ist am Mittwochabend gestorben. Er wurde 73 Jahre alt.

Wolff, der 1960 als 19-Jähriger aus der DDR geflohen war, war 39 Jahre Mitglied des Nürnberger Stadtrats. 1972 wurde er erstmals für die Sozialdemokraten in das Kommunalparlament gewählt, trat jedoch 1981 aus der Partei aus. Zunächst engagierte er sich bei der Unabhängigen Alternativliste, seit Frühjahr 1983 dann bei den Grünen. Vor drei Jahren legte er sein Mandat aus gesundheitlichen Gründen nieder.

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In der schwulen Szene nannte man Jürgen Wolff die "grüne Inge"

Jürgen Wolff (re.) mit Oberbürgerneister Ulrich Maly und Dragqueen Ellen Lang beim Empfang zu seinem 70. Geburtstag - Quelle: Grüne Nürnberg
Jürgen Wolff (re.) mit Oberbürgerneister Ulrich Maly und Dragqueen Ellen Lang beim Empfang zu seinem 70. Geburtstag (Bild: Grüne Nürnberg)

Der gelernte Malermeister engagierte sich vor allem in der Kultur und war als Verleger und Galerist tätig. "Wolffs Markenzeichen waren die bunten Hosenträger und sein entwaffnendes Lächeln. Wo immer er auftrat, hatte der leidenschaftliche Fotograf auch seine Kamera dabei und dokumentierte das Geschehen in Nürnberg", schreibt nordbayern.de über den bekannten Kommunalpolitiker.

Nach seinem Coming-out im Jahr 1982 war Wolff der wichtigste Ansprechpartner im Stadtrat für die Nürnberger Lesben- und Schwulenprojekte. Er kämpfte für deren finanzielle Absicherung und Maßnahmen gegen Homophobie. In der Szene der Lebkuchenstadt fühlte sich Wolff zu Hause – dort kannte man ihn als die "grüne Inge".

"Männern wie Jürgen haben haben wir es zu verdanken, dass wir heute in weiten Bereichen gleichberechtigt schwul leben können", würdigte das Nürnberger Portal gaycon.de Wolff nach einem Hausbesuch im Seniorenwohnheim vor knapp drei Jahren. "Es war eine Epoche des Aufbruchs", erinnerte sich dort der Stadtrat an die 1980er Jahre. "Die Aids-Problematik brachte schlimme Vokabeln in die Sitzungen." So hatte damals etwa ein CSU-Vertreter die "Nürnberger Schwulenpost" mit RAF-Flyern verglichen.

Mittlerweile habe sich vieles zum Guten geändert, sagte Wolff gegenüber gaycon.de: "Diese kleinen Erfolge stimmen mich froh, die Schritte gewagt und dazu beigetragen zu haben, dass die 'Schwulen- und Lesbengala' heute ein gesellschaftlicher Höhepunkt ist und dass Homosexuelle mit oder ohne Partner in Nürnberg ganz selbstverständlich leben können." (cw)

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Tags: jürgen wolff, nürnberg
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Reaktionen zu "Nürnberg: Trauer um Jürgen Wolff"


 9 User-Kommentare
« zurück  1  vor »

Die ersten:   
#1
09.10.2014
13:06:10


(+1, 3 Votes)

Von Finn


Schade, dass er die Eheöffnung nicht mehr erlebt hat.

Er hat sich schon zu Zeiten für Homorechte eingesetzt, als die Forderungen für viele nicht nur lächerlich waren, sondern als solch ein Engagement sogar gefährlich werden konnte und man nicht nur aus der Union beschimpft wurde.

Nürnberg, die Grünen und alle Schwulen und Lesben haben einen verdienstvollen, aufrichtigen und engagierten Menschen verloren.

Möge er in Frieden ruhen.


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#2
09.10.2014
14:22:44


(+3, 3 Votes)

Von Just me


Toller Mensch. Ich habe größten Respekt vor dem, was er für uns alle getan hat.

Trotzdem muss ich ihm in einem Punkt widersprechen. Er meint: "Diese kleinen Erfolge stimmen mich froh, die Schritte gewagt und dazu beigetragen zu haben, dass (...) Homosexuelle mit oder ohne Partner in Nürnberg ganz selbstverständlich leben können."

Das stimmt so leider nicht. Selbstvetrständlichkeit bedeutet auch Sichtbarkeit im öffentlichen Raum. Und die ist alles andere als vorhanden. Nicht in Nürnberg, nicht in Berlin, nicht in Hamburg etc. Verglichen mit den 1970ern hat sich sicher vieles zum Positiven geändert, aber von Selbstverständlichkeit können wir noch lange nicht reden...


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#3
09.10.2014
17:14:55


(+1, 1 Vote)

Von ehemaligem User FoXXXyness


Ri. I. P.


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#4
09.10.2014
22:41:52


(+2, 2 Votes)

Von herve64
Aus München (Bayern)
Mitglied seit 09.12.2008
Antwort zu Kommentar #2 von Just me


Nun ja: das ist jetzt eine philosophische Frage, möchte ich sprechen: verglichen in der Zeit vor 1969 kann man als Schwuler schon gut leben in Deutschland, auch wenn noch längst nicht alles in Ordnung ist und vieles noch im Argen liegt. Und ich denke, dass es das war, was Jürgen Wolff damit sagen wollte, so wie ich ihn als mehrmaligen Interviewpartner aus meiner "Fliederfunk"-Ära kannte.

In der Tat verliert Nürnberg wirklich einen Pionier für die Gleichberechtigung gleichgeschlechtlicher Lebensweisen, einen Verfechter der Alternativkultur sowie einen gleichermaßen streitbaren, stellenweise unbequemen aber auch sympathischen Zeitgenossen.

Jürgen, vielen Dank für alles, und mögest du in Frieden ruhen!!!


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#5
09.10.2014
23:25:49


(+2, 2 Votes)

Von Just me
Antwort zu Kommentar #4 von herve64


Ja, das was man unter 'Selbstverständlichkeit' versteht, hängt sicher davon ab, womit man den Jetzt-Zustand vergleicht. Was für einen Menschen wie Herrn Wolff selbstverständlich ist, ist nicht unbedingt das, was ich heute darunter verstehe. Schon interessant zu sehen, wie die Grenzen des Denkbaren unsere Auffassung von Selbstverständlichkeit prägen. Teilweise habe ich fast den Eindruck, je mehr sich unsere Auffassung von Selbstverständlichkeit der der heteronormativen Mehrheitsgesellschaft anpasst, das Gefühl von Unfreiheit/Ungleichberechtigung steigt, weil wir uns 'so nahe dran' aber eben doch nicht 'völlig gleichberechtigt' fühlen. Heute wollen die meisten nicht mehr nur 'nicht kriminalisiert' werden, sondern erheben (berechtigterweise) Anspruch auf den ganzen Anerkennungskuchen. Mit dem selbstverständlicher werden des eigenen So-seins, wächst vielleicht auch der Frust und das Unverständnis über die noch anhaltende Ungleichberechtigung. Aber das gehört eigentlich gar nicht hier rein. Darum belass ich es mal dabei, bevor ich hier total ins Philosophische abdrifte.


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#6
11.10.2014
21:32:59


(+2, 2 Votes)

Von herve64
Aus München (Bayern)
Mitglied seit 09.12.2008
Antwort zu Kommentar #5 von Just me


Vor allem musst du eines bedenken: Jürgen Wolff hat noch die Zeiten erlebt, als man sich als Schwuler lieber mal eine Alibi-Ehe zugelegt hat, um über jeglichen Verdacht erhaben zu sein. Er selbst war auch einer davon bis eben dieser unsägliche § 175 entschärft wurde. Nach seiner Scheidung erst konnte er sich richtig ausleben und hat das auch getan; ein Umstand, der ihn mir äußerst sympathisch gemacht hat.

Was ich dir allerdings unterschreibe, ist dein Einwurf "Teilweise habe ich fast den Eindruck, je mehr sich unsere Auffassung von Selbstverständlichkeit der der heteronormativen Mehrheitsgesellschaft anpasst, das Gefühl von Unfreiheit/Ungleichberechtigung steigt, weil wir uns 'so nahe dran' aber eben doch nicht 'völlig gleichberechtigt' fühlen. Heute wollen die meisten nicht mehr nur 'nicht kriminalisiert' werden, sondern erheben (berechtigterweise) Anspruch auf den ganzen Anerkennungskuchen." Allerdings denke ich, dass uns eine Assimilation an die heterosexistisch geprägte Gesellschaft mehr schadet als nutzt: das merken jetzt schon z. B. die Lederkerle, die selbst innerhalb der eigenen Reihen als Quasi-"Schmuddelkinder" ausgegrenzt werden, da sie zur begehrten Assimilation und Angleichung als hinderlich erscheinen, und die Salon-Fummeltrinen werden es spätestens dann merken, wenn sich eben diese heterosexistische Gesellschaft durch sie in ihrer Funktion als Pausenclowns, als die sie weithin angesehen werden in diesen Kreisen, gelangweilt fühlt und nach einer neuen Sau sucht, die sie durch das Dorf treiben kann. Und diese Öffnung einstiger schwuler Kneipen für das heterosexistische Milieu beobachte ich ohnehin mit Argwohn: das läuft dann eher auf das Motto "Heute fahren wir Schwule schauen, das gibt ein Trara!" raus, sprich: man betrachtet Schwule lediglich als eine Art Zootiere, die man begaffen kann. Und dagegen gilt es sich zu wehren.


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#7
11.10.2014
23:49:23


(-1, 1 Vote)

Von TheDad
Profil nur für angemeldete User sichtbar
Antwort zu Kommentar #6 von herve64


Ich kenne/kannte ihn gar nicht..

Aber wenn ich das hier alles so lese, war er ein echter Kerl von Format, der sich und der Community immer treu geblieben ist, und sehr vieles bewegt hat..

Meinen tiefen Respekt, und seinen Angehörigen und Freunden ein tief empfundenes Beileid..


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#8
12.10.2014
15:31:58


(+2, 2 Votes)

Von herve64
Aus München (Bayern)
Mitglied seit 09.12.2008
Antwort zu Kommentar #7 von TheDad


Ist auch nicht weiter tragisch, TheDad: Jürgen Wolff war in erster Linie eine lokale Größe Nürnbergs, die dort wirklich viel für unsereins bewegt hat, und ich kannte ihn zufällig persönlich.


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#9
12.10.2014
15:36:48


(-1, 1 Vote)

Von TheDad
Profil nur für angemeldete User sichtbar
Antwort zu Kommentar #8 von herve64


Ich war Anfang der 80´er oft in Nürnberg unterwegs, weil ich in Erlangen Verwandte habe, die ich damals besuchte als ich in München bei der Bundeswehr stationiert war..

Eigentlich hätte ich ihn also kennen können..


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