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  • 12.10.2014           15      Teilen:   |

"Lavat – Gefährliche Liebe"

Coming-out in Teheran

Drastisches Cover: Stephan Klemann hat seinen Roman zwei jungen Iranern gewidmet, die aufgrund ihrer Homosexualität gehängt wurden
Drastisches Cover: Stephan Klemann hat seinen Roman zwei jungen Iranern gewidmet, die aufgrund ihrer Homosexualität gehängt wurden

Stephan Klemanns Roman "Lavat" ist ein bewegendes Buch über eine verbotene Liebe, einen tragischen Verlust und einen Neuanfang.

Von Frank Hebenstreit

Was wäre, wenn unser Coming-out nicht in unserer westlichen Welt stattgefunden hätte? Wenn wir in einem "Gottesstaat" von fundamentalistischen Muezzins und Religionswächtern umgeben gewesen wären? Wenn unsere Familien nicht nur ein paar Verständnisprobleme mit unserem Interesse am gleichen Geschlecht gehabt hätten? Wenn in unserem gesamten Umfeld eigentlich höchste Geheimhaltungsstufe für einen wichtigen Teil unserer Persönlichkeit gegolten hätte?

Stephan Klemann hat mit seinem Buch "Lavat", kürzlich erschienen im kleinen österreichischen Homo Littera Verla, ein beeindruckendes und beklemmendes Bild genau dieser Vision gezeichnet.

Zwei Männer, ein Park und mehrere Geständnisse

An einem Nachmittag in einem Park in Teheran gestehen sich die Studenten Rashno und Hamid ihr Interesse am eigenen Geschlecht. Hamid geht noch ein bisschen weiter. Er eröffnet Rashno, dass das Liebesgedicht, welches er ihm zum Lesen gab, seinen Weg nicht nur mit der Bitte um Korrektur zu ihm gefunden hat.

Zwar tief berührt, reagiert dieser aber nicht ganz so wie von dem Liebenden erwartet. Zwar wird Hamid damit belohnt, das Rashno nicht sofort aufspringt und wegrennt, wie man das von einem Hetero erwartet hätte, aber schnell setzt eine kleine Enttäuschung darüber ein, dass der begehrte schwule Mann eben nicht die gleichen Gefühle empfindet wie er selbst.

Trotzdem tut dieses Doppel-Coming-out beider Freundschaft keinen Abbruch. Es schweißt die beiden jungen Männer eher zusammen, die wissen, dass in ihrem Land, dem Iran, allein auf ihre Empfindungen bereits die Todesstrafe steht. So leben sie ihr Leben im Geheimen – bis Rashno eine Frau heiraten soll.

Fortsetzung nach Anzeige


Die unbekannte Braut bringt alles in Rollen

Stephan Klemann., Jahrgang 1962, hatte sein Coming-out erst im Alter von 32 Jahren. "Lavat" ist sein zweiter Roman - Quelle: privat
Stephan Klemann., Jahrgang 1962, hatte sein Coming-out erst im Alter von 32 Jahren. "Lavat" ist sein zweiter Roman (Bild: privat)

Auf einer Familienfeier wird Rashno seiner zukünftigen Braut vorgestellt. Das entsetzt ihn so sehr, dass er das Tabu seiner Gesellschaft bricht. Er rennt weg und flieht zu Hamid – in der Hoffnung, dass dieser das Chaos in seinem Leben lösen kann. Schnell wird Hamid zu einem festen Bestandteil in seinem Leben, der so sehr in seinen Mittelpunkt rückt, dass aus Freundschaft endlich Liebe wird.

Eine Zeit lang ist beiden sogar ein gemeinsames Leben in einer kleinen Studentenwohnung vergönnt. Bis zu dem Tag, an dem Rashnos Familie beschließt, dass der verlorene Sohn seinen Weg zurück in die Gesellschaft finden – oder er dem Schicksal überlassen werden muss, das auf schwule Männer im Iran wartet.

Schlussendlich beginnt eine Hetzjagd, an deren Ende es Sieger, Besiegte und Verlierer gibt. Jeder Sieg ist jedoch gleichzeitig eine Niederlage.

An manchen Stellen des Romans kann man das Gefühl bekommen, dass der Autor zu stark auf Klischees setzt, doch das relativiert sich und die Geschichte nimmt ihren Lauf. Stephan Klemann führt seine Leser durch die Höhen und Tiefen einer jungen Liebe in einer feindlichen Umgebung, schürt die Verlustängste und stülpt die Verzweiflung geradezu über seinen Leser in Momenten des Verlustes.

"Lavat" zeigt eindrucksvoll, was passieren kann, wenn man sein Coming-out nicht in der Sicherheit der westlichen Welt hinter sich bringt. In klaren und deutlichen Worten beschreibt Klemann die furchtbare Situation im Iran, in der Menschenrechte mit Füßen getreten werden, und nimmt den Leser mit auf die Reise in eine fremde, bedrohliche Kultur, in der sich wohlbekannte eigene Empfindungen Platz und Raum suchen.

Bei all der Wut, die dieser Roman streckenweise auslöst, zeigt er auch: Liebe ist universal!

  Infos zum Buch
Stephan Klemann: Lavat – Gefährliche Liebe. Roman. 176 Seiten. Broschiert. Homo Littera Verlag. Gratkorn 2014. 12,90 € (Ebook 6,49 €). ISBN 978-3-902885-54-8
Links zum Thema:
» Mehr Infos zum Buch und Bestellmöglichkeit bei Amazon
» Interview mit Stephan Klemann zum Buch im Verlags-Blog
» Homepage von Stephan Klemann
Mehr zum Thema:
» Rezension von Klemanns erstem Roman "Endstation Sehnsucht" (31.08.2013)
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Tags: stephan klemann, lavat, iran, teheran, homo littera
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Reaktionen zu "Coming-out in Teheran"


 15 User-Kommentare
« zurück  12  vor »

Die ersten:   
#1
12.10.2014
13:39:31


(+8, 12 Votes)

Von plokijuhzt


Leider geht auch Europa mit seinen Erfolgen für rechtsextreme Parteien, religiösen Fanatikern und anderen Extremisten den falschen Weg.

Auch wenn es im Moment noch so scheint als wenn die Welt in Ordnung wäre; man sollte nicht die rechtsterroristisch-religiösfanatische Szene ignorieren.

Selbst wenn es nicht so extrem ist wie im Iran oder anderen Islamischen Staaten (Ich weiß nicht wieso nie über Saudi Arabien gesprochen wird) aber der Weg zurück ist bereits im Gange...


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#2
12.10.2014
15:18:19


(+6, 12 Votes)

Von einspruch
Antwort zu Kommentar #1 von plokijuhzt


" (Ich weiß nicht wieso nie über Saudi Arabien gesprochen wird) "

Bei queer.de aber schon.

Youtube-Video:


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#3
12.10.2014
16:10:08


(+7, 9 Votes)

Von pöoihzgt
Antwort zu Kommentar #2 von einspruch


Vielleicht liegt es daran das für die Bundesregierung ja die Saudis so wichtig sind, als Kunden für die deutsche Rüstungsindustrie.

SARKASMUS:
Hat ja auch Vorteile, so hat die IS wenigstens modernste deutsche Waffentechnik zur Verfügung, denn immerhin finanzieren die Saudis die ja. Und rüsten sie mit Technik, Waffen, Munition aus...
Sarkasmus Ende...


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#4
12.10.2014
16:26:48


(+3, 7 Votes)

Von Herkules


"Gerade bei Lavat ist mir bewusst, dass dieses Thema nicht ganz ungefährlich für mich ist. Steht auch jetzt noch zwischen dem Buch und dem kritisierten Regime die Sprachbarriere, so muss ich doch damit rechnen, dass eine Reise in den Iran für mich mit erheblichen Risiken verbunden, wenn nicht gar gefährlich sein würde. Das sind mir aber das Thema und seine Bedeutung wert. Wir Deutsche wissen nur zu gut, dass Schweigen aus Angst zu viel größeren Problemen führen kann."

Bild-Link:
Stephan_Klemann_small.png


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#5
12.10.2014
17:36:33


(+6, 8 Votes)
 
#6
12.10.2014
20:54:25


(+1, 7 Votes)
 
#7
12.10.2014
21:32:56


(-2, 8 Votes)

Von auch mal schön


Im Ersten läuft gerade Tatort als abendländischer Kultur-ISIS-Clip. Bisher ohne Enthauptung.


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#8
12.10.2014
23:02:38


(+6, 10 Votes)

Von Toeter
Antwort zu Kommentar #6 von Poeter


"Atmen unter Wasser"

Die EU reagiert auf die horrenden Zahlen ertrunkener Flüchtlinge im Mittelmeer, indem sie die Seenotrettung weitestgehend einstellt. Die europäischen Regierungen haben es abgelehnt, die italienische Seeüberwachungsmission Mare Nostrum unter eigener Regie fortzusetzen. Stattdessen wird nur eine abgespeckte Operation durchgeführt, die keine Seenotrettung beinhaltet. Die EU macht mit dieser Entscheidung deutlich, dass sie die Flüchtlinge lieber hilflos ertrinken lässt als sie aufzunehmen.

Link zu www.daserste.de


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#9
12.10.2014
23:10:18


(+6, 6 Votes)

Von AfD-Versteher
Antwort zu Kommentar #8 von Toeter


»Johanna Holmström: All diese Hetze gegen Immigranten. Als ob wir eine Invasion erleben würden! Obwohl Finnland jedes Jahr so wenige Flüchtlinge und Zuwanderer aufnimmt. Es wird eine Bedrohung herbeigeredet völlig dramatisiert.«

Holmström lebt in Ost-Helsinki. Dem einzigen Stadtteil, in dem man überhaupt Zuwanderer sieht. Nur 3% sind es in Finnland, so wenig wie fast nirgends in Europa Aber in der Euro-Krise, sagt Holmström, boomt der Rassismus. Die rechtspopulistischen "Basisfinnen" sind mit 20% drittstärkste Partei im Parlament - und wettern gegen Europa und alles Fremde.

Link zu www.daserste.de


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#10
12.10.2014
23:22:05


(+3, 9 Votes)
 
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