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  • 15.10.2014           1      Teilen:   |

Lesung und Gespräch

Don Bachardy zu Gast in Berlin

Artikelbild
Don Bachardy am Dienstag im Roten Rathaus: Der US-Künstler machte sich mit Porträts zeitgenössischer Schriftsteller, Musiker, Schauspieler und Politiker einen Namen. Von 1953 bis 1986 war er mit dem britischen Schriftsteller Christopher Isherwood zusammen. Nach dessen Tod gründete er als Erbe die Christopher Isherwood Foundation (Bild: Angelo Algieri)

Der 80 Jahre alte schwule US-Künstler und langjährige Lebenspartner von Christopher Isherwood plauderte am Dienstagabend im Roten Rathaus aus seinem bewegten Leben.

Von Angelo Algieri

"Wir waren das einzig offen queere Paar auf den Movie-Star-Partys", erinnerte sich am Dienstagabend Don Bachardy, Jahrgang 1934, an die Anfangszeit der Beziehung mit dem berühmten Autor Christopher Isherwood, mit dem er 32 Jahre (von 1953 bis zu dessen Tod 1986) zusammen war.

Die Amerikanische Botschaft, die Berliner Senatskanzlei und der Hamburger Verlag Hoffmann und Campe hatten anlässlich der Neuübersetzungen von "Leb wohl, Berlin" und "A Single Man" in den verdunkelt-festlichen Wappensaal des Roten Rathaus in Berlin geladen (queer.de berichtete). Erschienen waren etwa 80 Personen, die meisten im mittleren Alter zwischen 40 und 60 Jahren. Leider war Hausherr Klaus Wowereit, der noch amtierende und schwule Regierende Bürgermeister, nicht unter den Gästen.

Umrahmt wurde das Gespräch zwischen Don Bachardy und Jörn Jacob Rohwer von Lesungen auf Englisch und Deutsch von Simon Callow und Denis Abrahams aus den beiden erwähnten Büchern – darüberhinaus wurden Liebesbriefe von Don Bachardy an Christopher Isherwood und andersherum vorgelesen, die bereits im Band "The Animals" veröffentlicht wurden.

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Als 18-Jähriger lernte Bachardy den 48-jährigen Isherwood kennen

32 Jahre lang ein offen schwules Paar: Don Bachardy (re.) und Christopher Isherwood - Quelle: Christopher Isherwood Foundation
32 Jahre lang ein offen schwules Paar: Don Bachardy (re.) und Christopher Isherwood (Bild: Christopher Isherwood Foundation)

Der 80-jährige Don Bachardy, selbst ein großartiger Porträtzeichner (von Salvator Dalí bis Angelina Jolie malte er sie alle!), gab sich im Gespräch humorvoll und anekdotenreich – ganz der nette Opa von nebenan. Schmale Statur, weiße Haare und Bart um die Lippen, enganliegendes Jackett und Hose. Dazu bequeme Birkenstocks – er gab sich trotz des hohen Alters jovial und modisch. Einzig beim Sprechen, leicht stotternd und nuschelnd, merkte man ihm seine 80 Jahre an.

Das Gespräch führte quer durch Bachardys Leben: Geboren in einem kleinen Bezirk in Los Angeles, fing er schon früh an zu zeichnen und liebte Filme – eine Leidenschaft, die er später mit Isherwood teilte. Don Bachardy sprach auch von den Trennungen – den gewollten und ungewollten – und wie es ihm am Ende doch nicht schwer fiel, wieder mit Isherwood zusammen zu kommen.

Auch auf den großen Altersunterschied von 30 Jahren sprach ihn Rohwer an, aber Bachardy wiegelte ab, dass dies in Santa Monica und in den Kreisen, in denen sie sich bewegten, kein Problem darstellte. Zumal, so Bachardy verschmitzt, er in der Anfangszeit auf Partys eh nur neben Isherwood stand und die Leute beobachtete – sein berühmter Freund konnte ja viel besser reden als er.

Wie ein roter Faden zog sich durch das Gespräch, dass Bachardy nach Isherwoods Tod immer wieder feststellen musste, dass er sich nun altersbedingt in Isherwoods Schuhen wiederfand und so ihm weiter näher kam und noch immer kommt. Ebenso die Erfahrung, einen jüngeren Partners zu haben, teilte Bachardy mit Isherwood: Zehn Jahre war er selbst mit einem 26 Jahre jüngeren Mann zusammen.

Exzellente Lesung aus Isherwoods Werken

Trotz des ehrenwerten, heiteren Gastes war die Veranstaltung arg steif und dröge. Das lag vor allem an Rohwers Gesprächsführung. Sie ging einfach zu lange. Er fragte einfach zu viele Details, die Bachardy noch zudem souverän gnorierte. Das Gespräch wurde letztlich von Daniel Kampa, Leiter von Hoffmann und Campe, krude abgebrochen. Als ob sich die Veranstalter nicht abgesprochen hätten – Isherwood hätte dies wohl gefallen und in einem neuen Berlin-Buch verwoben.

Einzig die Lesungen auf Deutsch und Englisch waren exzellent. Der Film- und Fernsehschauspieler Simon Callow – u.a. bekannt aus "Vier Hochzeiten und ein Todesfall" und 2007 aufgelistet unter den 30 einflussreichsten Schwulen und Lesben des Vereinigten Königreichs -, las meisterlich und sehr akzentuiert. Wirklich ein Hörgenuss!

Demgegenüber ergänzte sich der deutsche Vortrag von Denis Abrahams, bekannt u.a. als Sprecher in der Lettrétage sowie in der Szene als DJ im SchwuZ, Roses oder Golden Finish. Im Gegensatz zu Callow gab Abrahams dem Text mehr Raum. Auch dies bewundernswert! Es machte unglaublich viel Spaß, zwei sehr unterschiedliche Annäherungen an Isherwood-Texte zu erleben.

Auch Don Bachardy haben beide Vortragsweisen sichtlich gefallen.

Mehr zum Thema:
» Christopher Isherwood: Zurück in Berlin (13.10.2014)
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Tags: christopher isherwood, don bachardy, hoffmann und campe, a single man, leb wohl berlin
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Reaktionen zu "Don Bachardy zu Gast in Berlin"


 1 User-Kommentar
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Die ersten:   
#1
15.10.2014
15:17:50


(+1, 3 Votes)

Von Nico


Für 80 Jahre hat der sich aber echt gut gehalten...

Immer toll, solche Zeitzeugen zu erleben. Solche Menschen haben immer unglaublich viel zu erzählen und einen tollen Erfahrungsschatz.


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