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Revolution, Familientragödien, HIV und staatliche Verfolgung: Der Beziehung zwischen Alex und Ali blieb wirklich nichts erspart. Malachi Leopolds berührende Doku läuft beim homochrom-Filmfestival in Köln und Dortmund sowie bei den Lesbisch Schwulen Filmtagen Hamburg. Ob sie regulär ins Kino kommt, ist noch unklar

Die islamische Revolution reißt den Iraner Ali und den Amerikaner Alex 1977 auseinander – 35 Jahre später treffen sie sich wieder, begleitet von einer Kamera.

Von Bernd Rosenbaum

Die Story ist fast zu unwahrscheinlich, um sie zu glauben: Zwei junge Männer lernen sich 1967 im Iran, dem damaligen Persien, kennen und verlieben sich auf Anhieb ineinander. Fast ein Jahrzehnt leben Alex und Ali in einer heimlichen Beziehung, bis die islamische Revolution sie 1977 auseinanderreißt.

Alex muss das Land verlassen, in das er als Mitglied einer Friedenstruppe gekommen war und in dem er nun als US-Bürger um sein Leben fürchten muss. Erst im Mai 2012, 35 Jahre nach ihrer letzten Begegnung, bringt der Dokumentarfilmer Malachi Leopold, ein Neffe von Alex, diese Bewohner zweier Welten wieder zusammen.

Finanziert wurde die Doku über Crowdfunding


Zehn glückliche Jahre in Persien: Von 1967 bis 1977 führten Ali und Alex eine heimliche Beziehung

Crowdfunding macht es möglich: Über Kickstarter schildert Leopold 2011 die Geschichte dieser vermutlich einzigartigen Liebesgeschichte seines Onkels und bittet im Internet um Unterstützung für die Finanzierung eines Films über die Wiedervereinigung von Alex, der in Charlotte, North Carolina, lebt, und Ali aus dem Iran. Das Projekt findet ausreichend Geldgeber und der Dokumentarfilm entsteht.

Leopold lässt darin seinen Onkel Alex erzählen, wie er 1967 erstmals Ali begegnete. Kurz zuvor war er im persischen Shiraz als Freiwilliger einer Friedenstruppe eingetroffen, um als Lehrer Englisch zu unterrichten.

Anhand alter Fotos blickt Alex auf die gemeinsame Zeit zurück, von der auch Ali in späteren Briefen immer wieder schreiben wird, es sei die glücklichste Zeit seines Lebens gewesen. Als 1977 politische Unruhen ausbrechen und eine Guerillabewegung das Land mit einem bewaffneten Kampf verändern will, muss Alex aus dem Iran fliehen.



Jahrelang herrscht erzwungene Funkstille zwischen den beiden. Erst 1983 gelingt es ihnen, wieder einen regelmäßigen Kontakt zueinander herzustellen. Telefonieren ist zu dieser Zeit noch unbezahlbar und ein Briefwechsel für Ali zu gefährlich. Denn fast die gesamte Post wurde zensiert. Damals wie heute ist Homosexualität laut iranischer Rechtsprechung verboten. Auf sexuelle Handlungen unter Männern steht die Todesstrafe. Nur ganz wenige unverfängliche Briefe erreichen überhaupt ihr Ziel. Erst langsam etabliert sich eine rege Korrespondenz zwischen Alex und Ali.

Zwar fassen sie im Laufe der folgenden Jahre immer wieder den Entschluss, sich gegenseitig zu besuchen. Doch 1986 wird bei Alex HIV diagnostiziert, eine Ausreise aus den USA wird aufgrund der notwendigen Medikamenteneinnahme für ihn dadurch vorerst unmöglich.

Trotz vieler Schwierigkeiten versucht daraufhin Ali, seine Heimat zu verlassen. Doch eine Reihe von Familientragödien halten ihn zuhause fest: Zwei seiner Brüder sterben kurz nacheinander überraschend an Krebs, Ali übernimmt die Verantwortung für seine Schwägerinnen und deren fünf Kinder.

Direktlink | Offizieller Trailer. Auf den Filmfestivals läuft die Doku mit deutschen Untertiteln

Bei Alis Ausreise beschlagnahmt der Zoll Fotos und Briefe


Wiedersehen nach 35 Jahren: Alex und Ali umarmen sich an einem Flughafen in der Türkei

Erst 35 Jahre nach ihrer letzten Umarmung treffen sich die beiden wieder – auf neutralem Boden in der Türkei, einem Land, in das Ali ohne ein Visum ausreisen darf. Doch die Wiedersehensfreude ist getrübt: Bei der Ausreise finden Zollbeamte bei Ali Fotos und Briefe, die ihn möglicherweise belasten können. Sie beschlagnahmen das Material. Nun muss er fürchten, bei seiner Rückkehr verhaftet, verhört und womöglich sogar gefoltert zu werden.

Seine einzige Rettung wäre ein Asylantrag, nach dem er aber bis zu zwei Jahre in der Türkei festsitzen würde – ohne gesicherte Aussicht auf Erfolg. Wie wird sich Ali entscheiden? Leopolds Kamera ist auch während dieses schwierigen Entscheidungsprozesses mit dabei und er dokumentiert die Konsequenzen, die sich daraus ergeben…

"Ich bin in einer sehr bibeltreuen Familie aufgewachsen und wurde in dem Bewusstsein erzogen, dass Schwulsein so ziemlich das Schlimmste für einen Menschen ist", sagt Regisseur Leopold. Entsprechend sei sein Onkel Alex auch wie ein Aussätziger behandelt worden. Erst durch sein Studium habe Leopold den strengen Familienzirkel verlassen und Kontakt zu Alex aufnehmen können.

Der erzählte schließlich von seiner tragischen Liebesbeziehung und von seiner Überzeugung, "nur deshalb noch am Leben zu sein, um Ali eines Tages noch einmal wiederzusehen." Kurz darauf reifte der Entschluss der beiden, ein Treffen in der Türkei zu ermöglichen.

Leopold sieht seinen herzergreifenden Film als einen Beitrag zur weltweiten Gleichberechtigungsbewegung.

Youtube | Regisseur Malachi Leopold über seinen Film
Infos zum Film

Alex & Ali. Dokumentation. USA 2014. Regie: Malachi Leopold. Laufzeit: 88 Minuten. Sprache: Englisch. Untertitel: Deutsch. Deutschlandpremiere am 17. Oktober in Köln (20:45 Uhr, Filmforum NRW). Weitere Aufführungen am 18. Oktober (15:15, Passage Kino 2) sowie am 24. Oktober in Dortmund (20:45 Uhr, Schauburg). Ein bundesweiter Kinostart steht mangels Verleih noch nicht fest.


#1 history channelAnonym
#2 LedErich
  • 16.10.2014, 07:36h

  • Das ist ja eine ungewöhnliche Geschichte, sowohl das Lebensschicksal der beiden als auch das Zustandekommen des Films. Der Film muss unbedingt auch zu uns nach Süddeutschland kommen und sollte auch außerhalb der Community wahrgenommen werden.
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#3 meediaAnonym
#4 FoXXXynessEhemaliges Profil
#5 schwarzerkater
#7 danalhallAnonym
#8 ergreifendAnonym
#9 HugoAnonym
  • 16.10.2014, 17:14h
  • Wenn ich von sollchen Schicksalen lese oder höre könnte ich die ganze Welt ztusammenschreien.
    Mit was für einem Recht, wollen Menschen anderen Menschen ihre Lebensweisen aufzwingen, dammit nicht genug werden diese Menschen gefoltert, misshandelt, sogar getötet, sagt mir, mit was für einem Recht?
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#10 FelixAnonym
  • 16.10.2014, 21:07h
  • Schlimm, dass eine große Liebe so unterdrückt wurde. Das macht einen richtig traurig.

    Ich würde den beiden so sehr wünschen, dass sie wenigstens nach so langer Zeit wieder zusammen kämen und den Rest ihres Lebens zusammen verbringen könnten.

    Das bringt die verlorenen Jahre nicht zurück, wäre aber wenigstens etwas.

    Wieso gibt es für Verfolgte aufgrund ihrer Sexualität kein Asylrecht? In allen zivilisierteren Staaten...
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