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Die Gay Community von Patong Beach sammelte bereits 6.000 Euro für die Opfer der Flutwelle. Der Gay Pride wurde auf April verschoben

Von Micha Schulze

Diese "Hauptsaison" wird in Patong Beach, dem Homo-Mekka auf der thailändischen Ferieninsel Phuket, niemand so schnell vergessen. Normalerweise sind Anfang Januar die Pensionen, Strände und Bars voller fröhlicher Touristen, doch zwei Wochen nach der Tsunami-Katastrophe ist der schwule Paradise Complex so trostlos wie sonst zur Regenzeit. Die Stimmung in der Szene ist gedrückt. Viele stehen nach wie vor unter Schock, andere möchten so schnell wie möglich zum Alltag zurückkehren.

Die Gay Community von Patong Beach selbst hat ein Todesopfer zu beklagen: Ein Angestellter des "Club One Seven" kam ums Leben, als die Flutwelle die Homo-Pension direkt am Strand überrollte. Darüber hinaus ist die Szene mit einem blauen Auge davon gekommen: Bis in den Paradise Complex, der Hochburg der Gay Community, drang die tödliche Welle nicht vor. Neben dem Club One Seven wurde als einzige weitere Szene-Adresse das Restaurant "Sea Hag" beschädigt, doch Inhaber Khun Kenya will Anfang Februar bereits wieder eröffnen. Daniel See, Manager des Club One Seven, rechnet hingegen mit einer Wiederaufbauzeit von mehreren Monaten.

Von Beginn an zeigte die Gay Community von Patong Beach Solidarität mit denen, die es viel härter getroffen hat. Das Organisationskomitee des Phuket Gay Festivals, indem sich die Szene organisiert hat, sammelte unter Einheimischen und den verbliebenen Touristen bislang Spenden über 300.000 Baht (knapp 6.000 Euro). Zwei Drittel des Betrages wurden am Freitag dem Patong Hospital zur Verfügung gestellt, in dem nach wie vor zahlreiche Betroffene der Flutkatastrophe behandelt werden. 50.000 Baht (knapp 1.000 Euro) gingen an den Tempel Wat Leam Phet, dessen Mönche die Leichen vieler Opfer aufbahrten und den Angehörigen Trost spendeten. Der selbe Betrag wurde dem Polizeichef von Patong Beach übergeben, um Familien von betroffenen Polizisten zu helfen. "Wir hatten immer eine ausgezeichnetes Verhältnis zur Polizei, die auch die Verkehrssicherheit während der Gay-Pride-Parade sicherstellt", begründete Festivalchef Khun Tang-Mo die Auswahl. Die Sammelaktion soll in den nächsten Wochen weitergehen.

"Wir brauchen keine Spenden aus Europa"

Wartet man in Patong Beach auf Hilfe aus Deutschland? "Wir selbst brauchen keine Spenden aus Europa, die sind bei den Menschen in Indonesien und Sri Lanka viel besser aufgehoben", sagte der schwedische Besitzer des Bistros Connect, Ulf Mikaelsson, gegenüber queer.de. "Das einzige, was wir brauchen, sind Urlauber!" Wenn die Feriengäste nicht nach Phuket zurückkehrten, stünden auf der Urlaubsinsel Tausende beruflicher Existenzen auf dem Spiel. Eine gedanklich zwar nachvollziehbare Argumentation, emotional werden sich jedoch viele dagegen sträuben, überhaupt nur an Urlaub in einer Region zu denken, wo noch Hunderte Deutsche vermisst werden. Selbst viele Thailand-Fans, die ihre Reise ins Land des Lächelns trotz der Katastrophe nicht storniert haben, sind nun auf Ziele wie Ko Samui oder Pattaya an der von den Flutwellen verschonten Ost-Küste ausgewichen.

Zwar sind die Aufräumarbeiten bereits weit vorangekommen und am Strand von Patong Beach werden, wie von manchen befürchtet, auch keine Leichen angespült, im Paradise Complex richtet man sich jedoch längst auf eine mehrmonatige Durststrecke ein. Sogar das Gay Pride Festival wurde diese Woche nach Kritik auch von queer.de-Usern von Februar auf April verschoben. In der Woche vor dem thailändischen Neujahrsfestival Songkran am 11. April hofft man, dass sich die ersten schwulen Touristen zurück nach Patong Beach trauen werden. "Wir sind hier in keiner Feierstimmung und brauchen einige Zeit, um uns physisch und psychisch zu erholen", heißt es in der Pressemitteilung von Festivalchef Khun Tang-Mo. Hinzu käme die dreimonatige Trauerperiode nach einem Todesfall in der königlichen Familie, ergänzt Ulf Mikaelsson: Bei der Katastrophe vom 26. Dezember war auch ein Enkel von Thailands König Bhumipol ums Leben gekommen.

Ob drei Monate bis zur ersehnten Rückkehr zur Normalität reichen, wird sich zeigen.

8. Januar 2005



Schwule Tsunami-Hilfe: Turning The Tide

In den USA sammeln Homo-Organisationen nach wie vor für die Opfer der Flutwelle. In Deutschland: Schweigen.
#1 MHKAnonym
  • 09.01.2005, 11:52h
  • Es zeichnet den Menschen aus, das er es immer wieder versucht und sich nicht zurückfallen lässt! Respekt vor diesen Menschen!
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#2 RüdigerAnonym
  • 09.01.2005, 12:25h
  • Herzlichen Dank für diesen informativen und ausgewogenen Bericht. Oft heißt es in Phuket gibt es nur herzlose Sextouristen und Bars, die trotz der Todesflut nur an den Umsatz denken. Aber das entspricht nicht der Wahrheit. Thailand ist anders als viele Zeitungen es darstellen. Alle Menschen brauchen unsere Solidarität, wir Gays sollten immer mit besten Beispiel voran gehen.
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#3 RoulAnonym
  • 09.01.2005, 18:06h
  • ein Lob an Michael Schulze dieser Artikel spricht Respekt ab und trifft die Sache treffender als der Erste! Sceint doch die Kritik der anderen User etwas bewegt zu haben. Da liest (man)n doch wieder gerne Queer
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#4 DieterAnonym
  • 10.01.2005, 12:12h
  • Ich habe auch 3 sehr gute Freunde in Thailand verlohren.Eine Familie mit Ihrem kleinen Sohn.2 Töchter haben es überlebt.Man will es einfach nicht glauben.Die Frau wollte Ihre Familie besuchen und danach noch einpaar Tage am Strand verleben.Sie waren noch auf dem Weg im Bus.Als die Flutwelle kam.
    Jeder sollte jetzt versuchen zu helfen.So gut er kann.Aber einpaar Euro hat doch jeder über.
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