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  • 17.10.2014           38      Teilen:   |

LSU-Empfang in der Parteizentrale

Peter Tauber: Gleichstellung "nicht mit dem Kopf durch die Wand"

Artikelbild
CDU-Generalsekretär Peter Tauber (r.) bekam von LSU-Chef Alexander Vogt einen Regenbogen-Bären überreicht (Bild: Burghard Mannhöfer)

Erstmals lud ein CDU-Generalsekretär die Lesben und Schwulen in der Union ins Konrad-Adenauer-Haus.

Von Norbert Blech

Jahresempfänge der Lesben und Schwulen in der Union (LSU) hat es schon einige gegeben, aber dieser wurde im Vorfeld geradezu als historisch angekündigt: Erstmals würde er im Konrad-Adenauer-Haus stattfinden, auf Einladung des CDU-Generalsekretärs Peter Tauber, der auch selbst sprechen werde.

Es wurde letztlich ein freundlicher Empfang – aber weder historisch noch verbindlich. Ein Empfang mit einem Männer- und Anzugträgeranteil von vermutlich 95 Prozent, von der Fotowand grüßte dazu Konrad Adenauer in Leinwandgröße.

Unter anderem waren die schwulen CDU-Bundestagsabgeordneten Stefan Kaufmann und Jens Spahn gekommen, seitens der CSU der künftige Vorsitzende des Bundes der Vertriebenen, Bernd Fabritius, und die Abgeordnete Gudrun Zollner. Der Berliner Justizstaatssekretär Alexander Straßmeir. Und viele Gesichter, die man der "Titanic"-Rubrik "Unterschätzte Politiker" zuordnen würde, manche offensichtlich mit Partner.

Die gute Rede des Abends hielt nicht Tauber, sondern Alexander Vogt, der Bundesvorsitzende der LSU. Er sprach sich deutlich für die Öffnung der Ehe aus, für ein vollständiges Adoptionsrecht für Homo-Paare. Und – in einer langen, einfühlsamen Passage – für die Rehabilitierung der Veurteilten nach Paragraf 175.

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Seitenhieb auf die AfD

Alexander Vogt macht sich Sorgen um die Auswirkungen der Erfolge der AfD
Alexander Vogt macht sich Sorgen um die Auswirkungen der Erfolge der AfD

Viel Beifall brandete auf, als Vogt meinte, die CDU mache sich nicht mit Personen wie Beatrix von Storch, Gabriele Kuby oder Martin Lohmann gemein. Auch der Berliner LSU-Landesvorsitzende, der kürzlich gemeinsam mit diesen Personen auf die Straße gegangen war (queer.de berichtete), klatschte dazu. In der CDU lebt man Widersprüche, auch die inneren.

Ohenhin die AfD, sie schwebt wie ein Damokleschwert über der Union und der Frage der "Durchsetzbarkeit" der LSU-Forderungen innerhalb der Partei, wie Vogt besorgt feststellte. Er fragte gar: "Ist das Erreichte sicher?", um dann festzustellen: Mit Julia Klöckner, der stellvertretenden CDU-Vorsitzenden, deren Grußwort er verlesen hatte, und mit einer wachsenden Zahl von unterstützungsbereiten Abgeordneten werde es "kein Zurück" geben. "Die 'Wilden 13' wachsen stetig."

Allerdings gebe es immer wieder Rückschritte im Kleinen, etwa jene CDU-Politikerin aus Niedersachsen, die kürzlich meinte, dass man Schwule und Lesben nicht mit Schülern allein lassen sollte (queer.de berichtete). Leider sei Karin Bertholdes-Sandrock für die LSU nicht erreichbar gewesen und melde sich nach wie vor nicht. "Auch sexuelle Vielfalt gehört in den Lehrplan", so Vogt, und dass Schüler sich nicht öffnen würden, wenn ihr Lehrer dabei wäre, verstehe sich von selbst.

Vogt wertete es als Erfolg, dass man nach der autoritäten Kohl-Zeit nun eine Union habe, in der unterschiedliche Positionen zu Wort kommen können. Und in der es dem Generalsekretär ein "Herzensanliegen" sei, Schwule und Lesben in die Parteizentrale einzuladen.

Unverbindliche Worte des CDU-Generalsekretärs

Peter Tauber war herzlich, aber unverbindlich
Peter Tauber war herzlich, aber unverbindlich

Peter Tauber fand es dann auch "toll, dass die Einladung angenommen wurde". Der 40-Jährige hielt eine herzliche und warme, aber oberflächliche Rede, die kaum auf LGBT-Politik einging. Nur einmal sagte er, er verstehe nicht, warum aus der Gleichstellung von Homosexuellen und der Förderung von Familien immer ein Gegensatz gemacht werde. "Beides braucht Raum und ist Anspruch der Gesellschaftspolitik der Union." Die LSU sei Teil der Partei und habe auch in ihrer Zukunft Platz, müsse sich einbringen und die Menschen überzeugen.

Tauber selbst hatte kürzlich eine Art Überzeugungsvorstoß gewagt und im evangelikalen Magazin "Idea Spektrum" für ein gemeinschaftliches Adoptionsrecht geworben. Von queer.de nach der Rede zu seiner konkreten Haltung zur Gleichstellungspolitik befragt, blieb er allerdings unverbindlich: "Es gibt in der CDU dazu eine Debatte, und ich freue mich, dass sich die LSU engagiert einbringt. Ich habe da eine persönliche Meinung, aber es gibt eine Beschlusslage der CDU. Die kann man auf einem Parteitag immer wieder diskutieren."

"Persönlich habe ich beim Adoptionsrecht eine abweichende Meinung von der Beschlusslage der Partei, bei der Frage der Ehe deckt sich das eher", so Tauber weiter. "Ich habe mir heute die Argumente der LSU angehört – wir werden über dieses Thema sicher weiter diskutieren in der CDU."



Dass diese Debatte für die Mehrheit der Bevölkerung und des Bundestags längst geführt sei, ließ Tauber nicht gelten. Eine Freigabe der Abstimmung? "Das Thema ist keine Gewissensfrage." Immerhin habe man im Koalitionsvertrag einige Dinge vereinbart, die die Gleichstellung betreffen. "Die Union ist eine Volkspartei, der ihre konservativen Wurzeln sehr wichtig sind. Sie tut sich an machen Punkten vielleicht auch schwerer. Es gibt einige, denen die Debatte nicht schnell genug geht. Anderen geht sie zu schnell. Und damit muss man umgehen: Es geht nicht mit dem Kopf durch die Wand."

Zu der Frage, ob es okay sei, dass evangelische Arbeitskreise der CDU sich an den Protesten gegen den Bildungsplan in Baden-Württemberg beteiligen, wurde der Politiker ebenfalls nicht konkret. "Ich kenne den exakten Demoaufruf nicht und weiß nicht, wer mitläuft." Grundsätzlich gebe es in der CDU eine Riesenbandbreite der Meinungen. "Die LSU hat andere Positionen als andere innerhalb der CDU. Umso wichtiger, dass man miteinander spricht."

Aufklärung über "sexuelle Vielfalt" an der Schule sei allerdings "natürlich" wichtig, so Tauber. "Wahrscheinlich ist es aber immer auch eine Frage, wie man es vorträgt, ob es sozusagen zu einem ideologischen Kampf stilisiert wird oder ob man das sachlich und nüchtern diskutiert. Ich kenne die Debatte nicht gut genug, um das abschließend beurteilen zu können. Aber dass Schule die Vielfalt des Lebens abbilden soll und einen allgemeinen Bildungsauftrag hat, das wird niemand ernsthaft bestreiten." Allerdings dürfe "man dabei niemanden vor den Kopf stoßen, sondern muss auch die Argumente der anderen Seite ernst nehmen".

Tauber war übrigens nicht der erste CDU-Generalsekretär, der den Kontakt zur LSU suchte. Eine Amtsvorgängerin hatte bereits vor über zehn Jahren eine LSU-Veranstaltung besucht, auch damals wurde das als wichtiges Zeichen gewertet. Die Frau hieß Angela Merkel – und sie wurde bei den Reden am Donnerstag kaum erwähnt.

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Tags: lsu, cdu, union, peter tauber, alexander vogt
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Reaktionen zu "Peter Tauber: Gleichstellung "nicht mit dem Kopf durch die Wand""


 38 User-Kommentare
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Die ersten:   
#1
17.10.2014
11:05:51


(+6, 10 Votes)

Von Pidiwutz
Profil nur für angemeldete User sichtbar


Die AdD... wenn sich die Union zu einem Wettbewerb um altkonservative Positionen hinreißen lässt, dann wars das wieder mit den Bemühungen der Gruppe der wilden 13.
Und SPD, Grüne und Linke stehen zahnlos am Rand und können scheinbar nichts tun.

Wenn ich lese, da werden Argumente ausgetauscht und angehört, dann kann ich nur lachen. Das ist für die Union wie eine Beschäftigungstherapie für die wilden 13, die sich auch noch so brav herumtreiben lässt.

Es fehlt einfach der politische Wille; Merkel wird nicht eines Morgens aufwachen und sich denken "Ach, jetzt haben mich deren Argumente doch überzeugt".


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#2
17.10.2014
11:47:19


(+8, 12 Votes)

Von Dennis
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". . . die CDU mache sich nicht mit Personen wie Beatrix von Storch, Gabriele Kuby oder Martin Lohmann gemein."

Braucht sie auch nicht. Kauder, Reiche und Frau Merkel die "dem Gnadauer Gemeinschaftsverband
der an eine Heilung von Homosexualität glaubt und ihm zu seinem 125-jährigen Bestehen gratuliert hat" reichen völlig aus.

Link zu www.queer.de


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#3
17.10.2014
12:09:41


(+9, 13 Votes)

Von jürgen wenke


lesben und schwule in der union, eine alibi-lachnummer, in gesellschaftlichen fragen ist die CDU CSU eine rückwartsgewandte, rückständige partei.
ein paar schwule kann man sich halten.
als alibi.

die dümmsten kälber wählen ihren schlächter selber. kauder, schäuble, und und und


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#4
17.10.2014
12:19:43


(+5, 9 Votes)

Von ehemaligem User timpa354


" Allerdings dürfe "man dabei niemanden vor den Kopf stoßen, sondern muss auch die Argumente der anderen Seite ernst nehmen".

Aha! So wird Politik gemacht? Mit niemand vor den Kopf stoßen? Ich war selten so verdutzt. Ich dachte Politik "gute Poltik" lebt von Auseinandersetzung und daraus resultierender Einigung, aber bestimmt nicht von "niemand vor den Kopf stoßen".

Jedermanns Freund ist niemandes Freund!


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#5
17.10.2014
12:23:34


(+8, 12 Votes)

Von m123


Richtig, mit dem Kopf die Wand der Dummheit zu durchbrechen ist für Unionspolitiker nicht möglich.

Gleiche Rechte im Sinne von Artikel 3 des Grundgesetzes sollte man nicht überstürzen, denn die Welt könnte ja untergehen, es könnte Sintfluten geben und Feuer würde vom Himmel herabregnen, wenn plötzlich alle Menschen die gleichen Rechte hätten. Wo kämen wir denn dann hin? Nein, also da sollte man mit Sicherheit nicht mit dem Kopf durch die Wand eines nulldimensionalen Weltbildes und auch nicht durch die festgemauerte Scheuklappenwand brechen. Das Wichtigste im Leben ist die christliche Norm zu wahren, d. h. sich Sündenbockgruppen herauszusuchen, die man rechtlich und gesellschaftlich diskriminieren kann. Es wäre ja ganz schön blöd, wenn die Union die Homosexuellenfeindlichkeit eines erheblichen Teils der deutschen Bevölkerung nicht ausnutzen würde um dies in Wählerstimmen umzuwandeln.


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#6
17.10.2014
13:01:33


(+8, 12 Votes)

Von goddamn liberal


Wer will schon mit dem Kopf durch die Wand, wenn er einfach gleich behandelt werden will.

Merkel u. Co. sollten sich ein Beispiel am republikanischen Attorney General des viel belächelten Mormonenstaats Utah nehmen, der jahrelang für Ungleichheit kämpfte und jetzt die eheliche Gleichheit akzeptieren muss. Der sagt jetzt:

"We are all Utahns. I hope we will exercise a great deal of kindness, caring and understanding."

Das sind doch andere Töne als die von Kauder und die des geifernden Sarkozy.


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#7
17.10.2014
13:04:27


(+7, 11 Votes)

Von Felix


Peter Tauber: Gleichstellung "nicht mit dem Kopf durch die Wand"

Gilt das nur für Schwule und Lesben? Oder würde er das z.B. auch Schwarzen, Asiaten, Juden, Muslimen, etc. sagen?

Das ist unglaublich zynisch:
bei Gleichstellung gibt es kein bisschen Gleichstellung. Entweder ist man voll gleichgestellt oder nicht. Und solange die Gleichstellung nicht 100% vollzogen ist, gibt es halt noch Diskriminierung! Punkt.

Nur weil man volle Gleichstellung will, will man doch nicht "mit dem Kopf durch die Wand". Wir reden hier nicht von irgendwelchen Almosen, um die wir betteln, sondern um elementare Grundrechte! Das steht uns zu!


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#8
17.10.2014
13:08:02


(+8, 12 Votes)

Von Timon


"Seitenhieb auf die AfD: Viel Beifall brandete auf, als Vogt meinte, die CDU mache sich nicht mit Personen wie Beatrix von Storch, Gabriele Kuby oder Martin Lohmann gemein."

Braucht die Union auch nicht. Die haben Leute wie Angela Merkel, Erika Steinbach, Volker Kauder, Norbert Geis, etc.


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#9
17.10.2014
13:17:38


(+9, 13 Votes)

Von Heiner


Aha, nur weil wir nicht mehr rechtlich Menschen 2. Klasse sein wollen und endlich Gleichstellung wollen (was in einer Demokratie selbstverständlich sein sollte) wollen wir "mit dem Kopf durch die Wand"?

Oder wollen wir "mit dem Kopf durch die Wand", weil wir mehr Aufklärung an Schulen wollen, so dass es weniger Mobbing gibt und Schüler sich nicht mehr das Leben nehmen?

Wir müssen uns immer wieder anhören:
Nehmt doch auch mal Rücksicht auf die Leute, denen das alles zu schnell geht. Für die Homosexualität halt ein Problem ist.

NEIN:
Wenn jemand ein Problem mit Homosexualität hat, ist das SEIN Problem und von niemandem sonst!

(Sowas würde man auch nie einer anderen Minderheit als "Argument" nennen.)

Nicht wir müssen bis zum St.-Nimmerleins-Tag warten, bis es mal kleine Fortschritte gibt, sondern die Ewiggestrigen müssen halt akzeptieren, dass die Zeiten sich ändern.

Wenn man einmal erkannt hat, dass etwas falsch ist, muss man es schnellstmöglich ändern. Dann kann man doch nicht länger am Falschen festhalten, nur weil manche die Falschheit noch nicht erkennen oder nicht erkennen wollen!!


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#10
17.10.2014
13:17:42


(+8, 12 Votes)

Von Loren
Aus Greifswald (Mecklenburg-Vorpommern)
Mitglied seit 02.11.2013


Herr Tauber macht klar, dass er der Befindlichkeit seiner Partei einen höheren Rang einräumt als dem Geist und den Buchstaben des Grundgesetzes.

Frau Bertholdes-Sandrock (CDU Niedersachsen) macht der LSU klar, wie gering sie sie schätzt, indem sie den Kontakt mit ihr meidet. Mir hat sie auf eine Email geantwortet.


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