Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse Tagesbild TV Termine
© Queer Communications GmbH
http://queer.de/?22514

Plakat bei der Demo gegen den Bildungsplan am Sonntag in Stuttgart. Der absurde Vorwurf, Schüler sollten im Unterricht "sexualisiert" werden, wird immer mehr gesellschaftsfähig. (Bild: Guido Klein)

Bernd Saur, Chef des Philologenverbands in Baden-Württemberg, warnt vor einer "staatlich sanktionierten Vergewaltigung der Kinderseele".

Was für ein Einstieg! "Dildo, Taschenmuschi, Vibrator, Handschellen, Aktfotos, Vaginalkugeln" – das alles erwarte Schüler demnächst im Unterricht, behauptet Bernd Saur, der Vorsitzende des Philologenverbands Baden-Württemberg, in einem Gastbeitrag für den neuen "Focus".

Das effektheischerische und faktenfreie Bashing von Sexualpädagogen und -wissenschaftlern, das vor wenigen Jahren in rechten und fundamentalistischen Ecken begonnen hat, zieht also weitere Kreise. Es sei "unsäglich", was "Gender-Sexualpädagogen, neoemanzipatorische Sexualforscher und andere postmoderne Entgrenzer" in den Unterricht bringen wollen, so der Verteter der Gymnasiallehrer.

Belege für den Unsinn bietet Saur, der selbst in Ulm Englisch unterrichtet, nicht. Dafür fordert er, Kinder müssten geschützt werden vor solchen "entwicklungspsychologisch nicht vertretbaren Übergriffen durch entfesselte, offensichtlich komplett enttabuisierte Sexualpädadogen."

"Überstülpen von Neigungen"


Saurs Text im "Focus" vom Montag ist eine verschärfte Version einer früheren Stellungnahme seines Verbandes

Selbstverständlich sei in der Schule "Toleranz gegenüber nicht heterosexuellen Partnerschaften" zu vermitteln, so Saur. Aber die "Übersexualisierung, ja Pornografisierung der Schule" sei eine "staatlich sanktionierte Vergewaltigung der Kinderseele" und ein "Überstülpen von Neigungen und Fantasien Erwachsener.

"Überstülpen von Neigungen"? Da offenbart sich der homophobe Gedanke, Schüler könnten zur Homosexualität erzogen werden. Doch Saur ist schon längst bei der nächsten Keule: Mit diesen Plänen sollten sich Staatsanwaltschaften vorsorglich beschäftigen. Den Absatz beendet er ernsthaft mit: "Die Odenwaldschule lässt grüßen."

So schürt er mit den wildesten Fantasien wie viele Andere Panik vor dem Bildungsplan in Baden-Württemberg, der lediglich über sexuelle Vielfalt aufklären soll, sowie vor Sexualpädagogik. Der Zusammenhang zur aktuellen Bildungsplan-Debatte ist dabei allerdings gegeben: Die Polemik Saurs wurde von "Focus" kurz vor der fünften Demo gegen den Bildungsplan in Stuttgart am Sonntag veröffentlicht. Und sie entspricht in Teilen einer Stellungnahme, die der Verband bereits im Januar zu den Plänen der Landesregierung abgegeben hatte (PDF).

Wie im "Focus" findet sich übrigens bereits auch dort der Versuch Saurs, die eigenen reaktionär-fundamentalistischen Äußerungen anderen in die Schuhe zu schieben: "Unsere staatlichen Schulen müssen allen Kindern offen stehen, auch Kindern aus religiös geprägten, zum Beispiel muslimischen Elternhäusern", schreibt er in dem Magazin. "Eine Pornografisierung der Schule würde alle Integrationsbemühungen konterkarieren."

Kritik an FAS-Bericht

Mit dem Abdruck des Gastbeitrags nahm sich "Focus" offenbar auch die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" zum Vorbild, die in der Vorwoche mit dem Text "Unter dem Deckmantel der Vielfalt" eine populistische Abrechnung mit der Sexualpädagogik veröffentlicht hatte. Der Text ist seitdem von vielen Gruppen, die sich gegen den Bildungsplan wenden, in sozialen Netzwerken geteilt worden.

Auch die AfD stellte den Text online, mit Zitaten der neuen sächsischen Abgeordneten Frauke Petry ("Anleitung zum Kindesmissbrauch", ein Versuch, "klassische Familienmodelle und Heterosexualität zu marginalisieren"). Das ganze wirkt wie die seit Jahren nicht enden wollende Empörung über einen angeblichen "Sex-Koffer" für den Unterricht, nur auf größerer Ebene.

In einem viel verlinkten Blogbeitrag hat der Journalist Alexander von Beyme mittlerweile viele Fehler in dem Text bemängelt, der von "Manipulation, Einseitigkeit und Polemik durchsetzt" sei. Am Sonntag haben sich auch die im Text angesprochenen SchLAu-Verbände aus Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Niedersachsen und Hessen, die Aufklärung über sexuelle Vielfalt in Schulen betreiben, in einem gemeinsamen Leserbrief (PDF) über die "gezielte Desinformation" beschwert. (nb)



#1 olfwobAnonym
  • 19.10.2014, 23:39h
  • Jetzt mal ganz ehrlich, bin ich der einzige der findet, dass diese Leute viel üblere Gedanken im Umgang mit Ihren Kindern haben, als es die als so bedrohlich empfundenen Schwulen sich einfallen lassen könnten?
    Herr Saur sollte sich besser mal Sorgen über seine dreckigen Gedanken machen.
    Wenn ich mir so vorstelle, was für Gedanken dem Kerl durch den Kopf gehen wenn er vor einer Kasse steht, macht mir das Angst.
  • Antworten » | Direktlink »
#3 goddamn liberalAnonym
  • 19.10.2014, 23:42h
  • Tja.

    Schwaben haben keinen Sex, schwäbische Philologen aber anscheinend einen Vorsitzenden mit überschäumender Fetisch-Fantasie.

    Sie sollten sich gut überlegen, ob sie von dieser Gestalt wirklich vertreten werden.

    Gleichgeschlechtliche Kultur und Geschichte lässt sich pornografiefrei über Pinguinbücher, Thomas Mann, KZ-Besuche,Rechtsbelehrung und hellenische Mythen vermitteln.

    Unerwünschte Teenagerschwangerschaften verhütet man so aber nicht.

    Und durch frömmelnde Verklemmtheit auch nicht.

    Was Not tut ist Widerstand von SchülerInnen, Eltern und LehrerInnen gegen eine unmenschliche sexualfeindliche Hysterie.
  • Antworten » | Direktlink »
#4 NeusprechAnonym
  • 20.10.2014, 00:35h
  • "Bei der Einschulung meiner Nichte wurde von den älteren Kindern ein Stück aufgeführt, das das Kennenlernen, den Nestbau und die Familiengründung eines heterosexuellen Vogelpaares erzählte. Am Ende wurde klargestellt, dass das Vogelküken natürlich später die heterosexuelle Tradition fortzuführen habe. Mit Ideologie hatte das angeblich nichts zu tun. Und erst recht an Sexualpraktiken hat dabei, trotz Betonung der Fortpflanzung, offenbar niemand gedacht. Sobald aber in einem Bilderbuch zwei Männer einander die Hand reichen, haben die beiden in der obsessiven Phantasie besorgter Eltern gleich Poposex, Peitschen und Dildos im Gepäck. Kinder würden einfach nur zwei Männer wahrnehmen, die einander lieb haben, doch zu dieser unhysterischen Betrachtung sind diese Eltern weder fähig noch willens. Über der gesamten Diskussion liegt eine irritierende Obsession für Sexualität. Das Ironische ist, dass die Bildungs-Gegner_innen ihre eigene Besessenheit, auch dort Sexualität zu wittern, wo es überhaupt nicht um Sexuelles geht, wiederum nicht bei sich selbst erkennen, sondern sie auf die andere Seite projizieren. Aus dem harmlosen Sprechen über verschiedene Beziehungs- und Familienformen wird so eine Frühsexualisierung"

    derzaunfink.wordpress.com/2014/10/02/ein-festival-des-neuspr
    ech-die-schuldebatte/
  • Antworten » | Direktlink »
#5 LorenProfil
  • 20.10.2014, 00:43hGreifswald
  • Die zuständige Dienstaufsichtsbehörde hätte durchaus die Möglichkeit, eine schriftliche und begründete Stellungnahme von diesem Herrn anzufordern, in der er seine "Argumente" stichhaltig begründet. Wäre ich Mitglied in diesem Verband, ich würde austreten. Man kann sich auch anderswo vertreten lassen.
  • Antworten » | Direktlink »
#6 EnyyoAnonym
  • 20.10.2014, 02:10h
  • Kann bitte mal jemand eine Dienstaufsichtsbeschwerde gegen den Mann einreichen?

    Dass solche »Viecher« von unseren Steuergeldern bezahlt werden, um dann ihre dümmlichen Vorurteile den Schutzbefohlenen einzutrichtern, sollte strafbar sein und entsprechend sanktioniert werden!
  • Antworten » | Direktlink »
#7 Fred i BKKAnonym
  • 20.10.2014, 02:44h
  • Vorsitzender warnt....

    Verlogen,bigot,heuchlerisch,verdummbibelt...

    wo war sein Protest, sein Endsetzen ,seine massiven Aktionen ....
    als die RKK Pfaffen die Kinder fickten...

    wo war der verlogene Sack da...

    nie was gehoert von einem Herrn Saur in Zusammenhang ,mit PROTESTEN vor den

    "Gotteshaeusern und Prunkpalaesten der Hochwuerden "
    Wo war er und seine "Freunde" ,etwa mit grossen Protestschildern auf dem Petersplatz ..

    Pfui Teufel ...so eine Falschheit
  • Antworten » | Direktlink »
#8 nix kommt nixAnonym
  • 20.10.2014, 07:20h
  • ich frage mich erstens: woher kennt der gute Herr Saur denn diese ganzen Sexspielzeuge? Und zweitens: kann sich das eh nicht jedes Schulkind schon die ganze Zeit auf Youtube oder sonst wo im Internet ansehen? Dazu braucht es keine Schule, die Kids wissen auch schon aus dem Fernsehen, das es Taschenmuschis gibt.

    Warum überlegt der Saur nicht mal, was gegen das sonstige Medienangebot zu tun? Zum Beispiel gegen unzählige Pornoseiten im Internet, wo die Kids ihre "Sexualbildung" nämlich her haben...ach nein, die kann er ja nicht abschaffen, nutzt er ja selber!!
  • Antworten » | Direktlink »
#9 schwarzerkater
#10 DragonWarrior*Anonym