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Auch unter Schwarz-Grün ganz der Alte geblieben: Hans-Jürgen Irmer schürt seit Jahren Ressentiments gegen Lesben und Schwule, Muslime sowie Roma und Sinti (Bild: Wiki Commons / Martin Rulsch / CC-BY-SA-4.0)

Im Koalitionsvertrag hatten sich Union und Grüne in Hessen darauf geeinigt, an den Schulen über sexuelle Vielfalt aufzuklären – doch Hans-Jürgen Irmer stellt sich quer.

Den vor einem knappen Jahr ausgehandelten schwarz-grünen Koalitionsvertrag hatten selbst die LGBT-Aktivisten von QueerNet Hessen gelobt (queer.de berichtete) – doch nun muss sich zeigen, ob er die Tinte, mit der er geschrieben wurde, auch tatsächlich wert ist. Von dem Vorhaben, an den Schulen über sexuelle Minderheiten aufzuklären, will zumindest der bildungspolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, Hans-Jürgen Irmer, nichts mehr wissen.

Nachdem Hessens schwuler Grünen-Chef Klose Ende vergangener Woche in einem Interview mit HR-online die Umsetzung anmahnte, trat Irmer in der "Frankfurter Neuen Presse" sofort auf die Bremse. "Gut Ding will Weile haben. Innerhalb der beiden Regierungsparteien gibt es dazu derart unterschiedliche Grundsätze, dass dabei noch viel Klärungsbedarf besteht", sagte der weit rechts stehende Abgeordnete, der auch stellvertretender CDU-Fraktionsvorsitzender ist. Er fügte hinzu: "Homosexualität ist nicht normal. Wäre sie es, hätte der Herrgott das mit der Fortpflanzung anders geregelt."

Irmer warb in der Vergangenheit auch für Homo-"Heilung"

In Hessen war Hans-Jürgen Irmer bereits mehrfach mit homophoben Tiraden aufgefallen. Queer.de hatte bereits 2004 berichtet, dass der CDU-Politiker in seiner eigenen Wahlkreiszeitung "Wetzlar Kurier" für eine Homo-"Heilung" wirbt – und das in seiner Partei geduldet wird (queer.de berichtete). In seinem Anzeigenblatt hatte der 62-jährige Ehemann und Vater zweier Kinder auch einmal die Entlassung eines Lehrers gefordert, weil dieser ein Profil in einem Homo-Dating-Portal angelegt hatte.

Von der hessischen Opposition wurde Irmer für seine neuen Ausfälle scharf kritisiert. Günter Rudolph, parlamentarischer Geschäftsführer der SPD-Fraktion, bezeichnete die "Hetzparolen" des CDU-Politikers gegenüber der "Frankfurter Rundschau" als "unerträglich". Es spreche Bände, dass ein Politiker wie Irmer auch unter der schwarz-grünen Koalition, die sich die Bekämpfung von Diskriminierung auf die Fahnen geschrieben habe, bildungspolitischer Sprecher der Union bleiben könne.

Homophobe Äußerungen hätten in der Bildungspolitik nichts zu suchen, sagte auch die Fraktionschefin der Linken, Janine Wissler. "Was 'normal' ist und was nicht, bestimmt zum Glück nicht Herr Irmer". Wissler forderte die Grünen auf, vom schwarzen Koalitionspartner "endlich Konsequenzen" einzufordern.

Die Grünen selbst bekräftigten den Willen der Landesregierung, "eine stärkere Sensibilisierung für unterschiedliche sexuelle Orientierungen anzustreben", so die parlamentarische Geschäftsführerin Angela Dorn. Wenn zwei Menschen, egal ob hetero- oder homosexuell, einander liebten, sei das "nicht nur normal, sondern auch gut so". Ohne Irmer namentlich zu erwähnen, meinte Dorn. "Nicht ganz so normal ist es, wenn einzelne das auch im Jahr 2014 immer noch nicht akzeptieren können."

Der Koalitionspartner versuchte unterdessen, den Streit etwas herunterzuspielen. Man werde das Thema Homosexualität im Schulunterricht "mit der notwendigen Sensibilität angehen und innerhalb der Legislaturperiode umsetzen", erklärte CDU-Geschäftsführer Holger Bellino gegenüber der "Frankfurter Rundschau". Die Umsetzung des vereinbarten Koalitionsvertrages werde auch Irmer mittragen, gab er sich optimistisch. (cw)

 Update  19:15 Uhr: LSU fordert Distanzierung der Gesamtpartei

Nach der Opposition haben auch die Lesben und Schwulen in der Union (LSU) scharfe Kritik an dem CDU-Landtagsabgeordneten geübt: "Herr Irmer hat immer noch nichts dazu gelernt und hetzt weiterhin gegen Schwule und Lesben", heißt es in einer gemeinsamen Pressemitteilung des Bundesvorsitzenden Alexander Vogt und des hessischen Landesvorsitzendem Rainer Zuber vom Montagabend. "Wir würden es sehr begrüßen, wenn die hessische CDU auch deutlich machte, dass sie die wiederholten Hassparolen ihres Abgeordneten missbilligt und dieser nicht für die Gesamtpartei spricht." Die Union sei "schon längst viel weiter", so die LSU. (cw)

Auszug aus dem schwarz-grünen Koalitionsvertrag

"Auf der Grundlage des bisher eingeschlagenen Weges und des 2014 erfolgenden Beitritts zur 'Koalition gegen Diskriminierung' werden wir zusammen mit den Selbstvertretungsorganisationen der Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Transgender und Intersexuellen einen 'Aktionsplan für Akzeptanz und Vielfalt' erarbeiten. Dazu gehört insbesondere eine bessere Begleitung von jungen Menschen in der immer noch oftmals schwierigen Phase des 'Coming Out' und die stärkere Sensibilisierung für das Thema in Schulen auf Basis der bereits vorhandenen SchLAu-Projekte. Eine gute Vernetzung in der Landesverwaltung wird ebenso angestrebt wie eine Zusammenarbeit mit benachbarten Ländern."


#1 goddamn liberalAnonym
  • 20.10.2014, 18:05h
  • Ewiggestrige Rechte brauchen im Land des rosa Winkels dringend Rechtsbelehrung:

    Irmer, Hans-Jürgen
    Oberstudienrat a. D.
    CDU, Wahlkreis: 17 - Lahn-Dill II

    Anschrift:
    Blankenfeld 47
    35578 Wetzlar

    Telefon: 06441/97170
    Telefax: 06441/76612


    E-Mail: hj.irmer@t-online.de
    Geburtsdatum: 20.02.1952
    Geburtsort: Limburg
    Konfession: Römisch-katholisch
    Familienstand: Verheiratet
    2 Kind(er)

    Wegen solcher Lehrer braucht dieses Land auch Projekte wie 'Schule ohne Homophobie'
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#2 domitzProfil
  • 20.10.2014, 18:08h kÖLN

  • Fassen wir zusammen:

    Dieser Mensch stellt die Realität in Frage und begründet dies mit Dingen, die er noch nie gesehen hat?
    Und der ist für Bildung zuständig???
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#3 RalfAnonym
  • 20.10.2014, 18:17h
  • Dass Herr Irmer seine Anschauungen daraus ableitet, was ein mythisches Geistwesen aus der grauen Vorzeit geregelt haben soll, sagt schon alles über seinen intellektuellen Hintergrund. Niemand, der Hirn im Kopf hat, macht im Mitteleuropa des 21. Jh.s Gesellschaftspolitik mit Zeus, Odin, Jahwe oder ähnlichen Gestalten frühhistorischer Sagenwelten. Heute sind Vernunft, Wissenschaft, Anstand, Menschenwürde und Grundrechte gefragt - Werte, die Herrn Irmer offenbar nichts bedeuten.
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#4 goddamn liberalAnonym
  • 20.10.2014, 18:25h
  • Antwort auf #3 von Ralf
  • "Heute sind Vernunft, Wissenschaft, Anstand, Menschenwürde und Grundrechte gefragt - Werte, die Herrn Irmer offenbar nichts bedeuten."

    Wohl wahr.

    Auch der Stand der Fortpflanzungsmedizin ist dem inhumanen Oberstudienrat a. D. anscheinend nicht geläufig.
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#5 Foxie
  • 20.10.2014, 18:33h

  • Nun, liebe schwule CDU-Wähler. Habt ihr'gerafft?
    Dieser Typ spricht ja nur aus, welch rückständiger, religionsvernebelter Geist bei denen noch 'rumspukt!
    Glaubt noch irgendwer an wesentliche Verbesserungen unter schwarz/rot?!
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#6 David77Anonym
  • 20.10.2014, 19:40h
  • Antwort auf #1 von goddamn liberal

  • Verheiratet, 2 kinder... Da haben wir es ja wieder, die selbstverständliche zurschaustellung der sexuellen identität, die doch angeblich privatsache ist, keinem was angeht und wofür ein schwuler lehrer gefeuert werden soll, weil das ja als ungefragte, verwerfliche monstranz gelte... Tsss
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#7 TheDadProfil
  • 20.10.2014, 19:46hHannover
  • Antwort auf #4 von goddamn liberal
  • Wieso Fortpflanzungsmedizin ?

    Es ist und bleibt unerklärlich wieso solche Leute Sexualität grundsätzlich auf die Fortpflanzung reduzieren ?

    Mal abgesehen vom großem Geistwesen..

    Die Natur wird sich schon etwas dabei gedacht haben wenn sie neben der Heterosexualität zur Bestandserhaltung noch andere Sexuelle Identitäten geschaffen hat..
    Nämlich zur Gesellschaftlichen Entwicklung beizutragen, oder schlichtweg beim Ausfall der biologischen Eltern für die Aufzucht der Nachkommenschaft zu sorgen, da eigene Nachkommen nicht vorhanden sind..

    In sämtlichen Speies sind diese "Ammen" vorhanden und kümmern sich um Ausbildung und Aufwachsen des Nachwuchses gemensam mit den biologischen Erzeugern..

    Natur weiß was sie tut..
    Der Mensch der sich nur als Kreatur eines Gottes versteht sicher nicht..
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#8 MarekAnonym
  • 20.10.2014, 20:26h
  • Die CDU wird sich niemals ändern...

    Da können Jens Spahn, die LSU, etc. sich noch so sehr was selber vormachen: die CDU wird immer eine Partei der Intoleranz, der Ausgrenzung und des Hasses bleiben, wo das eigene Weltbild allen anderen aufoktroyiert werden soll.

    In der Nachkriegszeit war die Union das Sammelbecken für Altnazis die sogar richtig Karriere machen konnten (z.B. Filbinger, der es bis zum Ministerpräsidenten brachte) und auch heute noch weht dieser Wind in der CDU/CSU.
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#9 TimonAnonym
  • 20.10.2014, 20:31h

  • Wenn der nicht sein Amt verliert und aus der CDU ausgeschlossen wird, muss ich davon ausgehen, dass das die offizielle Meinung der CDU ist.

    Das ist ja nicht irgendein kleines Mitglied, sondern ausgerechnet deren schulpolitischer Sprecher, der uns da für anormal hält.
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#10 Tobi CologneAnonym
  • 20.10.2014, 20:34h
  • Wir wissen ja, dass die CDU es nicht so mit Bildung und Fakten hat. Aber wenn man keine Ahnung hat, sollte man auch einfach mal den Mund halten und auf die Wissenschaft hören. Aber religiös vernebelte haben es natürlich auch nicht so mit Wissenschaft.

    Dem ging es wohl auch nicht um Fakten, sondern er wollte wohl einfach hetzen und Hass schüren. Schön zündeln, wie die Biedermänner der CDU das so gerne tun...
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