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  • 21.10.2014           110      Teilen:   |

Kinostart

"Coming In": Die gescheiterte Komödie

Artikelbild
Eine gar nicht mal schlechte Idee gegen identitäres Schubladendenken kommt über dumme Klischees nicht hinaus: Starfigaro Tom (Kostja Ullmann) verknallt sich in die Neuköllner Kiez-Friseuse Heidi (Aylin Tezel).

Überplump, ironiefrei und homophob: Marco Kreuzpaintners Film über einen schwulen Friseur, der sich in eine Frau verliebt, übertrifft die schlimmsten Befürchtungen.

Von Michael Thiele

Tom Herzner (Kostja Ullmann) ist Promi-Friseur mit weiträumigem Luxussalon am Gendarmenmarkt in Berlin, Robert (Ken Duken) sein Lebensgefährte und Geschäftspartner. Groß ist der Medienrummel, als Tom, der schon lange nicht mehr selbst schneidet, sein erstes Männershampoo präsentiert. Doch die beteiligte Kosmetikfirma will mehr – ein Shampoo für die Frau.

Zu Recherchezwecken begibt sich Tom inkognito in den abgefuckten Neuköllner Hinterhofsalon von Heidi (Aylin Tetzel). Hier soll er – mit straßenköterblonder Perücke und rotem Fußballtrikot und damit offensichtlich hetero – herausfinden, was Frauen wollen.

Auch weil Robert und er sich entfremdet haben, verliebt er sich dabei in Heidi – was in Toms "schriller" Clique um die alte Supertunte (August Zirner) und die junge Supertunte (Hanno Koffler) und den Macher von Deutschlands größtem Homo-Blatt "andersrum" zu einem entsetzten Aufschrei führt. Panisch versuchen sie, ihn zu kurieren, indem sie ihm einen Heten-Porno vorspielen. Und auch Heidis Freundinnen sind irritiert, als sie von ihren Gefühlen für Tom erfahren.

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"Coming In" reißt Gräben auf anstatt sie zu schließen

Kinoposter zur "romantischen Komödie" (Pressetext): "Coming In" startet am 23. Oktober im Verleih von Warner bundesweit im Kino
Kinoposter zur "romantischen Komödie" (Pressetext): "Coming In" startet am 23. Oktober im Verleih von Warner bundesweit im Kino

Wie kann so etwas passieren, möchte man Marco Kreuzpaintner schockiert zurufen. Wie kann ein vielversprechender, schwuler Autor und Regisseur so einen unglaublichen Unsinn produzieren? Wie kann es sein, dass an "Coming In" nichts stimmt? Wobei dieser Film es noch nicht mal wert ist, dass man sich kluge Gedanken über einen Verriss macht, weil er unter seiner plump konstruierten Story und mit seiner plastikhaft-biederen Ästhetik eines sogenannten Sat1-FilmFilms keinerlei intellektuelle Reibungsfläche bietet.

"Coming In" reißt Gräben auf zwischen Mann und Frau, Homo und Hetero, Arm und Reich, Jung und Alt, obwohl er vorgibt, sie zu schließen. "Coming In" ist dumm, weil er sich nach jeder noch so billigen Pointe bückt, die zu Recht schon am Boden liegt. "Coming In" ist homophob, weil er Schwulsein nicht ernst nimmt, sondern als einen "schrillen" Lebensentwurf darstellt, aus dem es nur zwei Auswegsmöglichkeiten gibt: Entweder man heiratet und gibt seiner Beziehung damit eine bürgerliche, heteronormative Legitimation (siehe die alte Tunte und ihr Partner), oder man merkt, dass man ja eigentlich hetero ist (siehe Tom). Dass man einfach nur schwul und frei und glücklich sein kann, ist im Drehbuch nicht vorgesehen.

Den Figuren in "Coming In" glaubt man nicht. Zwischen Robert und Tom etwa herrscht null Energie, als wären sie zwei Fremde, selbst in der gemeinsamen Duschszene. Mehr noch, sämtliche Figuren wirken wie grenzdebil ferngesteuert durch das Drehbuch, das vielleicht auf einer gar nicht mal so schlechten Idee basiert – nämlich dem identitären Schubladendenken und wie man es überwinden kann -, diese aber ins Lächerliche zieht. Entsetzlich sind die unzähligen Männer-sind-so-und Frauen-so-Dialoge, durch die sich Tom und Heidi völlig ironiefrei kämpfen.

Gut, Mavie Hörbiger hat als Heidis Busenfreundin ein, zwei deftige Szenen, Andreja Schneider glänzt als russisch-dralle Salonkundin. Und Katja Riemann spielt die sehr überschaubare Rolle der Salonchefin Berta angenehm dezent – beinahe so, als würde sie sich vom restlichen Film am liebsten distanzieren wollen. Aber sonst? Es gibt keinen Charakter, dem man eben diesen Charakter abnimmt.

Schwule sind schick, Heteros lieben Fußball

Immer eines passt im Film: Toms "schrille" Freunde sind so geschockt wie der schwule Zuschauer
Immer eines passt im Film: Toms "schrille" Freunde sind so geschockt wie der schwule Zuschauer
Bild: Warner

Man könnte argumentieren, dass es sich bei "Coming In" um eine Komödie handelt. Ein Genre also, in dem Figuren übertrieben und Handlungsstränge zugespitzt werden. Aber wenn diese Zuspitzung darin besteht, dass man als Mann – siehe Filmplakat – nur hetero, hässlich und Fußballfan sein kann oder homo, schick und Friseur, dann ist das weder reflektiert noch lustig. Eine gute Komödie zeichnet aber genau das aus. Mit anderen Worten: Wie realistisch oder gar witzig ist es, dass sich ein – Pardon! – stockschwuler Friseur, der sich in einer der ersten Szenen des Films noch nicht mal gemeinsam mit vier Frauen auf eine Bühne traut, am Ende sein Coming-out als Hete hat?

Genauso furchtbar wie der Film ist übrigens das Szenario, das sich nach seinem Kinostart mit großer Wahrscheinlichkeit abspielen wird: Die Hetero-Medien werden "Coming In" mehrheitlich loben, das Hetero-Publikum wird in den Film rennen und sich herrlich amüsieren, ungefähr so wie damals bei "(T)Raumschiff Surprise: Periode 1", in welchem bekanntermaßen nicht mit Schwulen, sondern über Schwule gelacht wurde.

Beide werden nicht verstehen (wollen), warum viele Schwule diesen Film nicht toll finden und sowieso immer was zu meckern haben, anstatt dass wir uns freuen, dass es mal einen so schönen Film über uns gibt. Und am Ende bekommt Kostja Ullmann noch irgendeinen deutschen Filmpreis zugesprochen, weil er ja so mutig war, diese vermeintlich schwierige, progressive Rolle zu übernehmen…

Video: (Direktlink)
Offizieller Trailer zum Film
  Infos zum Film
Coming In. Komödie. Deutschland 2014. Regie: Marco Kreuzpaintner. Darsteller: Kostja Ullmann, Ailen Tezel, Ken Duken, Katja Riemann, August Zirner. Laufzeit: 104 Minuten. Sprache: Deutsch. Verleih: Warner. Bundesweiter Kinostart: 23. Oktober 2014.
Links zum Thema:
» Fanpage zum Film auf Facebook
» Der Soundtrack zum Film von Peter Plate und Ulf Leo Sommer auf Amazon
Mehr zum Thema:
» Coming In": Ein Schwuler wird hetero (08.10.2013)
» Erster Trailer zu "Coming In" veröffentlicht (18.06.2014)
Galerie
Coming In

8 Bilder
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Service: | pdf | mailen
Tags: coming in, kostja ullmann, aylin tezel, ken duken, katja riemann, paula riemann, klaas heufer-umlauf, mavie hörbiger, hanno koffler, marco kreuzpaintner
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Reaktionen zu ""Coming In": Die gescheiterte Komödie"


 110 User-Kommentare
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Die ersten:   
#1
21.10.2014
07:41:06


(+17, 19 Votes)

Von Fran Ziska


Danke für diesen wirklich guten Kommentar! Kaum zu glauben, dass da ein schwuler Regisseur hinter steckt. Würde mich nicht wundern, wenn homophobe Organisationen ihn als Vorlage und Beweis für Homoheilung anpreisen - er würde sich dafür doch sehr gut eignen! Diesem Herrn Kreuzpainter ist dieser Gedanke wohl beim Dreh nicht in den Sinn gekommen. Mir scheint, dass er es vor allem auf die schnelle Kohle durch Mario Barth Fans und Co. abgesehen hat.


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#2
21.10.2014
08:20:04


(+3, 9 Votes)

Von sach ma so


Ab 54:00

Link zu www1.wdr.de

Entschädigung mit straßenköterschwarzen Perücken, Superteufel und plastikhaft-quietschbunter Ästhetik...

Youtube-Video:


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#3
21.10.2014
08:56:18


(-14, 20 Votes)

Von StefanL


Liebe Redaktion,

gerade von euch könnte man etwas mehr Weltoffenheit erwarten, allerdings macht es den Anschein als gäbe es, in Bezug auf das männliche Geschlecht, nur die Variante Schwul oder Hetero.

Der Film spielt mit Klischees auf beiden Seiten: Den offensichtlichen Homosexuellen und den Heterosexuellen, das ist aber bei einer Komödie auch erlaubt und empfinde ich als schwuler Mann auch nicht verwerflich. Abgesehen davon verhalten sich die einzelnen Figuren noch im realistischen Bereich.

In dem Film wird gut gezeigt, dass man Gefühle selbst nicht steuern kann, sondern einfach so entstehen ganz nach dem Motto "wo die Liebe hinfällt". Es wird nicht mal ansatzweise gezeigt, dass man zum Hetero werden kann, wenn man die richtige Frau gefunden hat oder dass es entsprechende Mittel gibt um einen Homosexuellen Mann "umpolen" zu können. Dem Betrachter bleibt es hingegen vollkommen offen ob die Person "Tom Hetzner" nun Hetero oder seine Bi-Sexuelle Seite gefunden hat. Und einem gesunden Menschenverstand sollte es beim Betrachten des Filmes auch klar sein, dass genau mit dieser Geschichte eigentlich nur die BI-Sexualität in Frage kommen kann.

Schade, dass queer.de nur zwischen Schwul und Hetero unterscheiden kann und das obwohl genau so ein Magazin etwas offener gegenüber anderer Lebensweisen sein sollte. Schämt euch!

Ich als schwuler Mann finde den Film gelungen und keinesfalls mit Raumschiff Suprise zu vergleichen, der weitaus überspitzter ist und Klischees wirklich zum zentralen Mittelpunkt macht, was man bei ComingIn nicht behaupten kann.

Über den filmt lässt sich streiten und er spricht definitiv nicht jeden an, allerdings kann von Homophobie oder Ironiefreiheit keine Rede sein.


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#4
21.10.2014
08:56:42


(0, 8 Votes)

Von kaffeemangel
Antwort zu Kommentar #2 von sach ma so


jezzert stimmtz

Youtube-Video:


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#5
21.10.2014
09:08:57


(+8, 10 Votes)

Von tipp


Wie man das Thema deutlich klischeearmer und sensibler umsetzen kann, hat vor über zehn Jahren Russel T. Davies (Queer as Folk, Torchwood) gezeigt:

Link:
en.wikipedia.org/wiki/Bob_%26_Rose


Youtube-Video:


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#6
21.10.2014
09:12:21


(-19, 19 Votes)

Von ehemaligem User FoXXXyness


Gott sei Dank gibt es für diesen Film auch andere Kritiken:

Link zu www.kritiken.de

Link zu www.cinema.de

Link zu www.vienna.at

Deshalb: Daumen runter für Herrn Thieles Kritik!


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#7
21.10.2014
09:13:33


(+7, 9 Votes)

Von Nico


Ich habe den Film zwar nicht gesehen, aber wenn das wirklich so ist, ist das extrem schade.

Gerade von Marco Kreuzpaintner, der mit Sommersturm einen so tollen schwulen Film gemacht hat, hätte ich da mehr erwartet...


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#8
21.10.2014
09:45:27


(0, 8 Votes)

Von Stretchingmaster
Aus Essen / Holsterhausen (Nordrhein-Westfalen)
Mitglied seit 06.01.2012


Ich kenn diesen Film nicht. Aber wenn ich mir den Artikel so durch lese dann erinnert mich das ganze in eine bestimmte Person.
So ähnlich ging es doch diesem Komiker und Kabarettisten "Kay Ray" oder?

Ich könnte mir denken das der Herr Kreuzpaintner sich da etwas abgeguckt hat.

Ich weis jetzt nicht ob ich es sehen will wie ein schwuler seine Bi- oder Hetero- Seite entdeckt.
So lange er seine Schwule- Seite nicht verleugnet und der Film auch die Möglichkeit offen lässt das er sich vielleicht irgendwann wieder in einen Mann verlieben könnte ist doch alles in Butter.

Vielleicht schaue ich mir den Film mal an. Aber so interessant hört es sich nicht an als das ich dafür Zeit aufwenden würde.

Schönen Tag noch


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#9
21.10.2014
09:47:49


(+11, 11 Votes)

Von Roger


Allein die Inhaltsangabe! Ich muss im Strahl kotzen... Wer übrigens eine wirklich gute Komödie über Coming-Out, Coming-In und alles was dazwischen liegt sehen will, dem sei "Kreuz & Queer" (Bedrooms & Hallways) empfohlen. Der deutsche Titel ist zwar etwas dämlich, dafür ist die Story zeitlos, Kevin McKidd damals noch echt süß und einem genialen Tom Hollander und einer ebenso genialen Julie Graham. Klischees gibt es natürlich auch jede Menge, aber hier wird mit ihnen gespielt und sie werden nicht platt gewalzt.


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#10
21.10.2014
09:50:41


(+9, 11 Votes)

Von brent
Antwort zu Kommentar #6 von FoXXXyness


Hast du den Film gesehen, dass du diese Kritik hier so abwertest? Außerdem sind die von dir angeführten Kritiken ja auch nicht gerade positiv und bemängeln ebenfalls den falchen Humor und die ärgerlichen Klischees...


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