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Eine "dritte Option" fordern Inter-Aktivisten - und wollen notfalls bis zum Bundesverfassungsgericht ziehen

"Vanja" wollte die Geschlechtsangaben auf eigenen offiziellen Dokumenten von "weiblich" auf "inter/divers" ändern – ein Gericht in Niedersachsen macht dem einen Strich durch die Rechnung.

Das Amtsgericht Hannover hat in einem schriftlichen Verfahren den Antrag einer intersexuellen Person auf Änderung des Personenstandes zu "inter" oder "divers" abgelehnt. Zuvor hatte "Vanja" (25) mit Unterstützern der Kampagne "Für eine dritte Option beim Geschlechtseintrag" beim Standesamt der Kleinstadt Gehrden bei Hannover diese Änderung beantragt, was die Behörde ablehnte.

Richterin Gudrun Eichloff-Burbließ begründete die Ablehnung des Antrags mit der aktuellen Gesetzeslage. Die Angabe des Geschlechts mit "inter" oder "divers" sei gesetzlich nicht vorgesehen und deshalb nicht möglich. Sie erklärte außerdem, dass nicht zu erkennen sei, dass die augenblickliche Situation gegen das Grundgesetz verstoße. Deshalb sei eine Vorlage an das Bundesverfassungsgericht nicht notwendig.

Einspruch geplant

"Wir haben mit der Entscheidung gerechnet und werden auf jeden Fall Rechtsmittel einlegen", kündigte ein Sprecher der Kampagne bereits an. Zur Not wolle man bis vor das Bundesverfassungsgericht ziehen.

Bis vergangenes Jahr mussten sich Eltern von intersexuellen Kindern stets entscheiden, welches Geschlecht ihrem Kind zugeordnet wird. Erst Anfang 2013 änderte die Bundesregierung diese Praxis – und lässt zu, dass im Geburtenregister das Merkmal "Geschlecht" bei Intersexuellen freigelassen werden darf (queer.de berichtete).

Im März gab es bereits eine Gerichtsentscheidung gegen Intersexuelle: Das Bundessozialgericht in Kassel hat entschieden, dass Intersexuelle keinen Anspruch darauf haben, sich auf Kosten der Krankenkasse einen als zu klein empfundenen Busen vergrößern zu lassen (queer.de berichtete).

Es wird geschätzt, dass in Deutschland zirka 80.000 Intersexuelle leben. Intersexuelle sind Menschen, die nicht eindeutig dem männlichen oder weiblichen Geschlecht zugeordnet werden können. (dk)



#1 JadugharProfil
  • 22.10.2014, 17:06hHamburg
  • Die Mehrheit hat immer Recht. Da Intersexuelle eine verschwindende Minderheit darstellen, wird natürlich besonders und sehr schmerzhaft auf diese Menschen reingehackt und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Sie werden früh verstümmelt, damit in Dokumenten ein Kreuzchen an die richtige Stelle erfolgen kann!
    Sie werden auch genötigt, falls sie noch nicht vertümmelt sind, sich verstümmeln zu lassen, also zu entscheiden, damit das Kreuzchen unter w oder unter m kommt. Das Alles verstößt nicht gegen das Grundgesetz oder doch? Nun ja, wir haben ein Recht auf körperliche Unversehrtheit, aber die Ärzte sehen das anders wegen dieser Gesetze, die vorschreiben nur männlich oder weiblich zu sein! Diese Vorschriften zwängen uns die Religioten auf, da der zwitterhafte Gott angeblich den Menschen als Mann und Frau erschaffen hat. Doch wenn Gott ein Ebenbild von uns ist, und wir verschiedene Geschlechter haben, so muß folglich Gott auch intersexuell sein und darf nicht als Herr oder Vater angeredet werden!
    www.queer.de/gfx/Angry.gifhttps://www.queer.de/gfx/EvilGrin.
    gif
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#2 FoXXXynessEhemaliges Profil
  • 22.10.2014, 17:30h
  • Gut, daß die Person Einspruch gegen dieses "Urteil der Schande" einlegen will! Viel Erfolg dabei!
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#3 Petrillo
  • 22.10.2014, 19:25h
  • Ich könnte mir vorstellen, dass es bei vielen Entscheidern keine Feindseligkeit gegenüber Trans- und Inter-Leuten ist, sondern schlicht das Problem, dass Millionen Formulare geändert werden müssten, ebenso -zig Programme, die kein drittes Geschlecht vorsehen - das kostet Unsummen...

    Und aus ehrlicher Unwissenheit heraus gefragt: wie spricht man eigentlich einen Intersexuellen Menschen in einem Brief an?
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#4 PuderBaer
#5 Just meAnonym
  • 22.10.2014, 20:30h
  • Mich würde interessieren, was mit Intersexuellen passiert, deren Geschlecht im Geburtenregister freigelassen wird. Das muss doch enorme bürokratische Probleme machen, wenn sie älter werden. Wie kann aufgrund der aktuelle Gesetzeslage 'inter' nicht vorgesehen sein, wenn gleichzeitig der Eintrag ins Geburtenregister freigelassen werden kann? Vermutlich kann sich die Person später selbst aussuchen, ob sie sich in 'männlich' oder 'weiblich' einordnet. Nur was ist mit denen, die es bewusst weiterhin freilassen möchten? Ist man ab einem gewissen Alter gezwungen, sich geschlechtlich festlegen zu lassen? Wenn diese reale Möglichkeit besteht, sollte es folglich doch auch gesetzlich vorgesehen sein, sich in offiziellen Dokumenten weder als 'männlich' noch als 'weiblich' kategorisieren lassen zu müssen. Kennt sich jemand hier damit aus?
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#6 Homonklin44Profil
  • 23.10.2014, 00:23hTauroa Point
  • Ja, das zeigt wohl, dass auch unsere hoch beehrte Rechtsphilosophie einen begrenzten Horizont bedient, wenn nicht vorgesehene Positionen Ignoranz finden, und die Intersexuellen quasi von Rechtswegen dazu beauftragt werden, in Dokumenten über ihr Geschlecht zu lügen.

    Ich möchte mal wissen, ob diese Wirklichkeitsverleugnung einer Vorstellung von Unveränderlichkeit entspringen, die ähnlich wie bei religiöser Erkenntnis-Verweigerung, mythologischen Dogmen entlehnt wird, oder ob Gesetzes-Macher insgesamt ein bisserl phlegmatisch denken.
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#7 sperlingAnonym
  • 23.10.2014, 13:30h
  • Antwort auf #5 von Just me
  • >"Wie kann aufgrund der aktuelle Gesetzeslage 'inter' nicht vorgesehen sein, wenn gleichzeitig der Eintrag ins Geburtenregister freigelassen werden kann?"

    genau da setzt meines wissens die kampagne rechtlich an. da der gesetzgeber endlich offiziell anerkennt, dass es menschen jenseits von männlich und weiblich GIBT, muss er auch die grundlagen für diese menschen schaffen, sobald sie erwachsen werden bzw. es schon jetzt sind.

    >"Vermutlich kann sich die Person später selbst aussuchen, ob sie sich in 'männlich' oder 'weiblich' einordnet."

    ja.

    >"Nur was ist mit denen, die es bewusst weiterhin freilassen möchten?"

    es gibt keine frist für eine festlegung.

    >"Ist man ab einem gewissen Alter gezwungen, sich geschlechtlich festlegen zu lassen?"

    nein.

    >"Wenn diese reale Möglichkeit besteht, sollte es folglich doch auch gesetzlich vorgesehen sein, sich in offiziellen Dokumenten weder als 'männlich' noch als 'weiblich' kategorisieren lassen zu müssen."

    exakt. das wird spätestens dann geschehen, wenn die ersten menschen, die jetzt ohne eintrag in der geburtsurkunde aufwachsen, irgendwelche weiteren dokumente benötigen. vernünftig wäre es also, diese sache jetzt schon zu regeln und nicht erst, wenn überall diese probleme in den verwaltungen auftreten und man dann hundert einzelfälle vor hundert gerichten hat.

    die kampagne kann übrigens noch spenden für die kosten der anwälte, gerichtsgebühren usw. gut gebrauchen. falls also jemand was übrig hat...

    und natürlich gibt es auch andere möglichkeiten, die aktion zu unterstützen:

    dritte-option.de/unterstutzen/
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#8 LawrenceAnonym
#10 LawrenceAnonym