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Neues Album von Holly Johnson

Frankie Goes To Europa


Schwule Ikone der Achtziger und Neunziger: Holly Johnson wurde bekannt als Sänger der Popgruppe Frankie Goes to Hollywood. Sein erstes Soloalbum "Blast" schaffte es 1989 auf Platz eins der UK-Charts

  • 23. Oktober 2014, Noch kein Kommentar

Zurück in die Neunziger mit Holly Johnson: "Europa", das erste Album des Ex-Frankie-Goes-To-Hollywood-Frontmanns seit 15 Jahren, ist ehrlich und authentisch.

Von Michael Thiele

Genau 30 Jahre nach dem Meilenstein "Welcome To The Pleasuredome" und 15 nach seinem letzten Album "Soulstream" veröffentlicht der frühere Frankie-Goes-To-Hollywood-Frontmann Holly Johnson ein neues Album. Es heißt "Europa" und umfasst elf Songs bei einer Spieldauer von rund 48 Minuten.

Das Cover zeigt einen milchig zerlaufenen Union Jack, also die Flagge des Vereinigten Königreichs, was ein bisschen verwirrend ist angesichts des – immerhin deutschen – Titels, aber nicht weiter bedeutsam wirkt. Soviel zu den Formalitäten.

Der "Love Train" ist wieder unterwegs


Der britische Sänger wählte für sein fünftes Album einen deutschen Titel

Tatsächlich setzt "Europa" musikalisch genau dort an, wo Holly sich 1989 gewissermaßen musikalisch selbstständig gemacht hat – bei seiner allerersten Solo-Single "Love Train", die, damals ein größerer Hit, heute nicht zu Unrecht in Vergessenheit geraten ist. Denn die Songs auf seinem nunmehr fünften Soloalbum sind zwar neu, klingen aber so, als wären sie schon gute 20 Jahre alt. Sie sind überzogen von einer ordentlichen Schicht Europop-Patina.

Im Unterschied zu etlichen jüngeren Kolleginnen und Kollegen, die aus den 10er Jahren dieses Jahrhunderts in die 90er des vergangenen zurückreisen, um sich dort inspirieren zu lassen (manchmal auch, um schamlos zu klauen), verfolgt der 54-jährige Johnson einen anderen Ansatz: Er nähert sich dieser Dekade nicht durch Ironie oder Zitate an, sondern als Zeitzeuge, als Künstler, der sie miterlebt hat.

Die Stücke auf "Europa" sind ehrlich, authentisch, selbstverständlich. Sie haben keinen doppelten Boden, man muss musikhistorisch nicht sonderlich gebildet sein, um sie zu verstehen. Und genau das macht ihren Charme aus.

Es ist im Übrigen auch nicht selbstverständlich, dass es nach so langer Zeit wieder eine neue Holly-Johnson-Platte gibt. Der gebürtige Liverpooler hatte nach seinem HIV-positiven Testergebnis 1991 eigentlich die Lust an der Musik verloren. 1999 hatte er ein Kunststudium aufgenommen, er hat viel gemalt und war erst 2009 wieder richtig auf den Geschmack gekommen, beim Zusammenstellen einer der inzwischen vielen Best-ofs von Frankie Goes To Hollywood.

Also hat er angefangen, neue Stücke zu schreiben und sich prominente Unterstützung geholt, etwa in Form von Eric Kupper und Frankie Knuckles, die der Platte eine extrem glatte Hülle produziert haben.

Youtube | Hörprobe aus "Europa": Offizielles Video zu "In And Out Of Love"

Musik als Selbsttherapie

"Europa" beginnt mit dem sechseinhalbminütigen Europop-Heuler "Follow Your Heart", deren soulige, unverhohlen an die 90er erinnernde Backing Vocals die nostalgische Marschrichtung vorgeben. "Follow Your Heart" zur Lead-Single zu machen, war eine gute Wahl. Danach wird es reichlich schlagerhaft ("Heaven's Eyes", "Glorious") und es geht in Richtung House mit "Dancing With No Fear" und "Hold On Tight", sie sind die stärksten Songs auf "Europa".

Der Titelsong gibt einen guten Einblick in die Texte des Albums. In "Europa" heißt es: "The walls are down, the hope is new, see the light comes shining through". Auf ähnlichem Level bewegen sich die übrigen Songtexte, also alles relativ simpel. Thematisch behandeln die Songs unglückliche Liebe ("So Much It Hurts") oder Einsamkeit ("Lonesome Town"), bleiben aber insgesamt sehr lebensbejahend, um nicht zu sagen selbsttherapierend.

Geht es nach "Europa", scheint es Holly Johnson momentan ziemlich gut zu gehen.

Tourdaten

08.12.2014 Stuttgart, LKA Longhorn
09.12.2014 München, Tonhalle
11.12.2014 Berlin, Astra
13.12.2014 Köln, Live Music Hall