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  • 26.10.2014           1      Teilen:   |

"Mein schwules Auge"

Schwule Freiheit Nummer elf

Artikelbild
Texte und Bilder zum Thema Freiheit: Dieses Foto für die neue Ausgabe von "Mein schwules Auge" steuerte der thailändische Fotograf Ohm Phanpiroj bei

Von der Text- und Foto-Anthologie "Mein schwules Auge" ist Mitte Oktober die elfte Ausgabe erschienen – ein wahres Lesevergnügen zum Thema Freiheit.

Von Angelo Algieri

Der Anthologie-Klassiker "Mein schwules Auge" ist in die elfte Runde gegangen. Nachdem die letztjährige Jubiläumsausgabe kein eigenes Motto hatte, präsentieren die bewährten Herausgeber Rinaldo Hopf und Axel Schock diesmal Texte und Fotos rund um das Thema Freiheit.

Vor allem die Autoren greifen das Thema gelungen auf, aber auch die Herausgeber setzen mit dem Zitieren von Homoparagrafen der Gegenwart aus unterschiedlichen Ländern und Vergangenheit im deutschsprachigen Raum ein Bewusstsein, dass die Gay-Freiheit nicht selbstverständlich ist. Und dass diese Freiheit eine zerbrechliche ist, selbst in Deutschland: Hopf und Schock verweisen etwa auf die Publizisten Pirinçci, Broder, Sarrazin und Matussek, die Hass gegen Homosexuelle schüren.

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Die Freiheit, der Freiheit den Rücken zu kehren

Die elfte Ausgabe von "Mein schwules Auge" gehört zu den besten der Serie
Die elfte Ausgabe von "Mein schwules Auge" gehört zu den besten der Serie

Die Autorentexten der Sammlung sind in diesem Jahr wirklich bemerkenswert gut. Etwa liefert Levi Frost mit "Fremdes Ufer" eine Erzählung über den schwulen Frank, der 1988 aus der DDR ausbricht. Eindrücklich wird die Enge, die Einsamkeit, die Hoffnungslosigkeit auf Rügen beschrieben. Die Flucht aus der DDR – trotz offizieller Nicht-Verfolgung Homosexueller seitens des Staates – empfindet Frank als Ausbruch aus der erdrückenden, spießigen Heteronormativität. Schafft er es, unerkannt bis nach Schweden über die BRD zu fliehen? Und werden seine fernen Reisewünsche wahr?

Hingegen schildert Meistererzähler Devin Sumarno in "Die Freiheit, der Freiheit den Rücken zu kehren" über das Dilemma, entweder frei und obdachlos zu bleiben oder geborgen und sich von der Homosexualität "heilen" zu lassen. Obwohl Nicky Eric liebt, setzt ihn das Leben auf der Straße arg zu. Ein Dilemma, das an griechische Tragödien erinnert – erneut hinterlässt uns Sumarno lobenderweise irritiert und verstört zurück. Ob er die längere Form ebenso gut hinbekommt, werden wir im kommenden Jahr erfahren: Im Incubus Verlag soll Sumarnos Debütroman erscheinen.



Jan Gympel, der bislang hintersinnige, humoristische Texte für frühere Ausgaben des "Schwulen Auges" beisteuerte, hat nun eine Satire eingereicht. In ihr geht es um die Freiheit der Kunst, die auch von LGBT-Seite bedroht zu sein scheint. Der Text spielt in naher Zukunft: Der Protagonist möchte einen Text schreiben und stolpert ständig auf problematische Formulierungen, die entweder kriminalisiert oder sozial unerwünscht sind. Gympel zieht die absurde Schraube der Political Correctness immer schneller und grotesker zu, so dass er am Ende des Textes selbst die Worte Mann oder Frau durch Sternchen ersetzt.

Nicht satirisch, dafür mit einer radikalen Lösung überrascht uns der drastische Text von Tim Bierbaum. In seiner diesjährigen Prosa "Notwehr" entschließt sich der Protagonist, das Gewehr zu nehmen – um sich von den sozio-ökonomischen Verhältnisse und seiner Umwelt mit Pärchenterror auf eine aggressive Art zu befreien. Ob Christiane Rösinger wohl Pate für diesen Text stand?

Die Freiheit, in verschiedenen Beziehungen zu leben

Illustration von Ron Amato für "Das schwule Auge 11"
Illustration von Ron Amato für "Das schwule Auge 11"

Natürlich fehlen auch nicht jene Texte, die von Coming-out, sexueller Freiheit und Freiheit in der Beziehung handeln. So geht es etwa bei den wundervollen Erzählungen von Jannis Plastargias, André Huter und Björn Björnson um Heranwachsende, die ihre Homosexualität entdecken. Andere Texte beschäftigen sich mit der Freiheit, in verschiedenen Beziehungen zu leben. Besonders lesenswerte Texte sind hierzu: "Allein ist man weniger einsam" von Nino Delia, "Der Preis der Freiheit" von Dennis Stephan oder "Back to love" von Max Taubert.

Erfreulich, dass die Texte von Rolf Redlin und Jürgen Tiedtke Protagonisten mit Migrationshintergrund in den Mittelpunkt stellen und diese mal nicht als Lustobjekte herhalten müssen. Zwei Erzählungen, die sowohl sensibilisieren als auch unter die Haut gehen.

Bei den Non-Fiction-Texten kann ich das unglaublich spannende Interview von Uli Meyer mit einem Transmann, der eine Vagina hat, empfehlen. Er berichtet über seine Erfahrungen mit Schwulen bei Dating-Portalen und wenn es zum Sex kommt. Dazu unbedingt den heiteren Comic von Bill Roundy lesen! Während Johannes Kram mit seinem Appell uns wachrütteln möchte, Schwulenwitze oder (vermeintliche) Scherze auf Kosten von Schwulen nicht weiter zu tolerieren. Kämpferisch und leidenschaftlich!

Insgesamt sind alle Texte erstaunlicherweise handwerklich gut geschrieben und langweilen nicht. Einen arg kitschigen oder unbefriedigenden Beitrag habe ich in dieser Ausgabe nicht gelesen – das ist ein erfreuliches Novum. Chapeau an die akkurate Auslese von Axel Schock!



Wie in jeder Ausgabe wurden die Texte mit aufreizenden Bildern und Fotos passend ergänzt und kuratiert. Doch leider sind die meisten Abbildungen weit weniger breit aufgestellt, was das Thema Freiheit angeht. Allein die Freiheit, sich als schwuler Mann nackt oder kopulierend zu zeigen, ermüdet auf Dauer.

Klar gibt es Ausnahmen. Etwa die Werke des indischen Malers Balbir Krishan, der zudem von Herausgeber Hopf interviewt wird. Es geht u.a. über das schwule Leben nach dem unfassbaren Urteil des Verfassungsgerichts, mit dem das Homosexualitätsverbot wieder eingeführt wurde. Das Besondere an Krishans Bilder: Sie haben etwas Magisches und zeigen Einsamkeit, Abgewiesenheit oder Sehnsucht. Eine kongeniale Verbindung indischer und westlicher Mal- und Motivtradition.

Fazit: Nehmt euch unbedingt die liebevolle Gay-Freiheit, diesen neuen Band zu lesen. Viele der Texte werdet ihr nicht so schnell vergessen!

Die Buchpremiere findet am Freitag, den 28. November 2014 um 20.30 Uhr im Berliner Buchladen Prinz Eisenherz statt.

  Infos zum Buch
Rinaldo Hopf/Axel Schock (Hrsg.): Mein schwules Auge 11. Text/Foto-Anthologie. 320 Seiten. Konkursbuch Verlag Claudia Gehrke. Tübingen 2014. 16,80 €. ISBN: 978-3887699710.
Links zum Thema:
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Tags: mein schwules auge, freiheit, konkursbuch, axel schock, rinaldo hopf
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Reaktionen zu "Schwule Freiheit Nummer elf"


 1 User-Kommentar
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Die ersten:   
#1
27.10.2014
17:36:45


(+1, 1 Vote)

Von Robby69
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Hab ich mir gekauft und schon "angelesen". Ist echt super!


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