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  • 30.10.2014           23      Teilen:   |

Interview

Bruce LaBruce: "Fühlen, was man fühlt"

Artikelbild
Schwuler Meister des subversiven Films: Bruce LaBruce bei der Vorpremiere seines neuesten Werks "Geron" Ende September im Berliner Kino International (Bild: Robert Niedermeier)

Der kanadische Filmemacher im Interview über seinen neuen Film "Geron", die Lust am Tabubruch und politisch-korrekte Homo-Spießer.

Von Robert Niedermeier

queer.de: Bruce, ich erinnere mich an eine Szene aus Duisburg. Dort wurde im linksalternativen Umfeld dein Film "Hustler White" abgebrochen, weil darin der Stricher Monti mit einem Baby badet. Hattest du diese Szene eingebaut, um zu provozieren?

Bruce LaBruce: Diese Szene entstand aus der Improvisation heraus, weil der Schauspieler Tony Ward damals mit einer Frau zusammenlebte, die ein Baby hatte. Tony ist nicht schwul, sondern bisexuell. Zu dieser Zeit war er also so etwas wie der Vater für das Kind. Für uns war das in keiner Weise verwirrend oder seltsam. Für den Film war der Umstand einfach sehr wertvoll. Schließlich stellt Tony einen Stricher dar, und viele Stricher sind nicht schwul, sondern hetero oder bisexuell. Es ist also nicht ungewöhnlich, wenn ein Stricher eine Beziehung zu einer Frau führt und sie zusammen ein Kind aufziehen. Und weshalb sollte es provozieren, einen Vater zu zeigen, der zärtlich mit seinem Baby umgeht? Es war eine sehr süße Szene.

Der Aufschrei fand ausgerechnet in einem eigentlich aufgeklärten queeren Umfeld statt. Bist du enttäuscht darüber, wie langweilig und spießig die schwule Szene in Wahrheit ist?

Hahaha – schon immer. Ich hatte selbst schon viele Probleme mit den politisch korrekten Spießern. Bereits als Student mit Professoren. Und ich musste feststellen, es geht ihnen um Zensur. Manche meinen, sich als Gesinnungspolizisten aufzuspielen zu müssen.

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Poster zum neuesten Film, in dem sich ein 18-Jähriger in einen 80-Jährigen verliebt: "Geron" startet am 30. Oktober 2014 bundesweit im Kino
Poster zum neuesten Film, in dem sich ein 18-Jähriger in einen 80-Jährigen verliebt: "Geron" startet am 30. Oktober 2014 bundesweit im Kino

Zensieren sich schwule Bürger also selbst, wer oder was zwingt sie dazu – in einer Demokratie?

Ja, es ist eine Art der Selbstzensur. Heute ist es so, dass die Sprachpolizisten Hochkonjunktur haben. Du darfst das Wort "tranny" nicht mehr benutzen oder andere Szene- und Slangworte. Ich finde das mehr als lächerlich. Denn viele Transgender nutzen das Wort selbst, nicht als Schimpfwort, sondern als Selbstbezeichnung. Ich selbst benutze das Wort "faggot" – für mich ist das in bestimmten Fällen ein perfektes Wort. Aber jeder hat das Recht, die Benutzung des Wortes zu vermeiden. Ich nehme mir aber das Recht, dieses Wort zu benutzen. Es geht immer darum, mit welcher Intention eine Person ein Wort wie "tranny" oder "faggot" benutzt.

Überhaupt wirft man mir oft vor, ich schädige der Sache, weil ich die Gay-Szene in einem schlechten Licht präsentieren würde. Ich glaube z.B. nicht an das Dogma, dass Schwule schwul geboren sind. Es ist eine Kombination aus biologischer Veranlagung und gesellschaftlichem Umfeld. Doch das kommt nicht gut an.

Professor Jeffrey Weeks sagte im Herbst 2013 bei einem Vortrag in Berlin, wenn er das Schwulen-Gen innerhalb der US-amerikanischen Gay-Szene in Frage stellte, würden sie ihn lynchen…

Ja, das kann ich mir vorstellen, dabei hat Kinsey, der große Sexualwissenschaftler und Urvater der sexuellen Revolution, bereits die sechs fließenden Übergänge der sexuellen Orientierung erforscht und definiert: Manche sind eben hunderprozentig hetero oder homo, aber die Mehrheit der Menschen ist irgendwo dazwischen einzuordnen. Von daher ist die Argumentationslinie der postmodernen Schwulenbewegung, sie hätten keine Wahl, für mich nicht richtig. Mir ist es wichtiger, das Recht zu haben, eine Wahl treffen zu dürfen, wen und wie ich liebe.

Es geht also um die Freiheit, so sein zu dürfen, wie man es möchte. In deiner Heimatstadt Toronto stieß ich auf Grenzen der Freiheit. Ein Schwuler sagte mir, zwar dürfte er seinen Freund jetzt in einer Kirche heiraten, aber das Ficken im Club sei verboten.

Dafür darf ich aber jetzt bei der Trauung in der Kirche ficken?

Eher nein… Er beklagte sich darüber, dass der Staat Freiheiten zugesteht, sie aber an anderer Stelle repressiv reduzierte, und dass die Schwulen selbst daran mitbasteln würden, Meinungs- und Redefreiheit zu beschränken.

Dieses Phänomen schreitet bereits seit dem Ende der Achtzigerjahre rasant voran. Mich ermüdet die Gay-Bewegung bereits seit der Mitte der Achtziger. Anpassung statt Widerstand und die Verbürgerlichung haben mich zum Punk werden lassen. Dieses Sich-Unterordnen, die Bildung von konservativen Verbänden, all das nenne ich homonormativ. Das viele das Heil in bürgerlichen Konstrukten suchen, hat aber auch was mit der Aids-Epidemie zu tun, Da war abzusehen, dass der Moralismus nach dem Schock die Oberhand gewinnt. Ich bedauere das sehr, die Schwulen der postliberalen Gesellschaften haben ihren Willen zur Anpassung schlicht überkompensiert. Früher hieß es, wir brauchen uns für nichts zu entschuldigen, heute betteln sie um Respekt dafür, dass sie die besseren Konservativen sind und ihre Familienwerte hochhalten. Das ist langweilig.

In deinen Filmen stellst du die anderen vor, in "Geron", deinem neuesten Werk, fängt ein junger Mann ein Verhältnis mit einem Greis an. Sind das reine Fiktionen oder beobachtest du diese Nischen innerhalb des Mainstreams im echten Leben?

Weißt du, Schwulsein ist nicht genug. Für mich als Filmemacher ist es nicht einmal mehr interessant. Es gibt so vieles mehr. Mich faszinieren Fetische, sexuelle Veranlagungen, die sich jenseits des Mainstreams abspielen. Ich habe Leute getroffen, die gerontophil sind, eine Menge sogar. Ich kannte mal einen 17-Jährigen in San Fransisco, der hatte ein sexuelles Verhältnis mit Allen Ginsberg und William S. Burroughs, als die beiden schon weit über 70 gewesen sind. Ich war total begeistert davon. Es war ein Tabu, aber diese beiden alten Herren waren durchaus sexy, sie waren Ikonen der Bewegung und einfach coole Typen.

In den Neunzigern lernte ich einen sehr jungen schwarzen Mann kennen, er war einfach bildhübsch, hatte einen großen schönen Schwanz – und er stand ausschließlich auf dicke, fette Männer über 50 mit jüdischem Glauben. Ich finde solche Dinge spannend, weil niemand genau sagen kann, woher spezielle Fetische herrühren, aber sie sind sehr stark, kaum zu unterdrücken. Solche Konstellationen sprengen alle üblichen Vorstellungen davon, was sexy und begehrenswert ist.

Bruce LaBruce: "Mich faszinieren Fetische, sexuelle Veranlagungen, die sich jenseits des Mainstreams abspielen"
Bruce LaBruce: "Mich faszinieren Fetische, sexuelle Veranlagungen, die sich jenseits des Mainstreams abspielen" (Bild: Maria Fonfara)

"Geron" sei dein bester Film, schrieb mein queer.de-Kollege Torsten Bless, weil der Spielfilm eine Geschichte erzählte, während die Storys in deinen anderen Filmen lediglich dazu dienten, die krassen Szenen zu kitten. Ist das so?

Fakt ist, ich hatte einfach vor, auch mal einen Mainstream-Film zu machen. Und Leute, die auf Mainstream-Movies stehen, glauben nun mal, "Geron" sei halt mein bester Film. Ich habe bisher gerne experimentelle Filme gedreht, die waren aber bestimmt nicht schlechter, ich empfinde es sogar als Beleidigung zu behaupten, "Geron" sei mein bester Film. "Hustler White" finde ich fantastisch, da ist mir etwas wirklich Großartiges gelungen. Es ist ein einzigartiger Film, sehr fremdartig und bietet zugleich eine Menge Referenzen an große Hollywood-Klassiker. Übrigens sieht der Film fantastisch aus. Aber viele Leute finden eben nur stringent erzählende Filme gut.

Ich ordne dein Schaffen irgendwo zwischen "Harold und Maude" und "Deep Throat" ein, doch was ist dein Lieblings-Genre?

Ich liebe die alten Klassiker, ich habe einen Haufen alter Hollywood-Werke verschlungen. Auch zeitgenössische Filme, Dokumentationen, alles Mögliche halt. Leute suchen gerne Schubladen, wo sie einen Künstler einordnen können. Ich hoffe aber, ich passe in keine davon.

Ich las mal einen Artikel, da wurdest du in einer Reihe mit Luis Buñuel genannt. Der Autor beschrieb den "guten subversiven Film" anhand dreier Merkmale: Inhalt, Stil und Tabubruch. Denkst du beim Filmemachen darüber nach, diese drei Kriterien zu erfüllen?

Es ist ein bisschen mysteriös, aber manchmal weiß ich nicht, woher meine Ideen kommen. Es ist oft auch Zufall. Als ich Jürgen Brüning traf, drehte ich eine spezielle Form von Pornos, dann war ich der Porno-Filmer. Daraus entwickelten sich andere Projekte und Ideen innerhalb einer künstlerischen Entwicklung. Für manche Ideen gab mir niemand das Geld, weil man einem Porno-Filmer keinen Mainstream-Film zutraut. Es ist kompliziert, seinen Wunschfilm zu drehen, wenn man ein bestimmtes Image hat. Aber jetzt gibt es ja "Geron".

Der 80 Jahre alte Mr. Peabody wird im Film auf einem Bett fixiert, nachdem beobachtet wurde, wie er seinen Lover Lake küsst, er wird quasi für Sex bestraft. Hast du jemals darüber nachgedacht, warum Menschen so besessen darauf sind, Sex zu kriminalisieren?

Nein, aber im neuen Film geht es mir vor allem darum, aufzuzeigen, dass alte Menschen Sex haben wollen, doch das System kann damit nicht umgehen, Menschen werden lieber mit Medikamenten ruhig gestellt. Die Medien stellen Sex im Alter indes noch immer als etwas Groteskes dar. Ich wollte die Natürlichkeit und Romantik präsentieren, welcher dieser ungewöhnlichen Liebe innewohnt.

Du selbst hast Anfang des Jahres das 50. Lebensjahr erreicht…

Ja!

Was hoffst du, wird Sex im Alter besser oder nur anders?

Ich habe keine Ahnung. Ich bin in einer Langzeitbeziehung, wir führen zwar eine offene Beziehung… (überlegt) Bislang ist alles beim Alten.

Hast du bereits Erfahrung mit Altersdiskriminierung gemacht – fühlst du dich als "Älterer" ausgegrenzt?

Es kommt drauf an, wo man hingeht, in welchem Umfeld man verkehrt. Ich denke, die Fortschrittlichen innerhalb der jüngeren Generation identifizieren sich nicht mehr ausschließlich mit schwulen Leitbildern wie dem Jugendkult, es wird fließender… Es gibt Alterdiskriminierung, ja, aber pauschalieren kann man das nicht. Oder, anders ausgedrückt, wer hätte in den Achtzigern gedacht, dass fette, haarige Bären sich zu schwulen Sex-Ikonen entwickeln können.

Welche Botschaft möchtest du mit "Geron" vermitteln?

Der Film steht für jede tabuisierte Form von Beziehungen und für jeden Fetisch, den die Mehrheitsgesellschaft als eklig oder abstoßend empfindet. Mir ging es darum, die Geschichte glaubhaft zu inszenieren. Dennoch steht das Paar für viele gesellschaftliche Bereiche. Lake ist erst 18 Jahre jung, er ist eigentlich heterosexuell und er ist ein französischsprachiger, weißer Kanadier. Mr. Peabody ist schwarz, englischsprachig, schwul. Sie sind das Gegenteil voneinander, doch sie bekommen ihre Beziehung trotzdem hin. Es geht also um die Frage, ob man fühlt, was man fühlt, oder ob man das fühlen möchte, das man beabsichtigt zu fühlen.

Youtube | Offizieller deutscher Trailer zu "Geron"
  Infos zum Film
Geron (Originaltitel: Gerontophilia). Tragikomödie. Kanada 2013. Drehbuch: Bruce LaBruce, Daniel Allen Cox. Regie: Bruce LaBruce. Darsteller: Walter Borden, Pier-Gabriel Lajoie, Marie-Hélène Thibault, Katie Boland. Laufzeit: 83 Minuten. Sprache: Englisch. Untertitel: Deutsch. Verleih: Pro Fun Media. Bundesweiter Kinostart: 30. Oktober 2014
Links zum Thema:
» Mehr Infos zu "Geron" und alle Kino-Termine bei Pro-Fun
» Fanpage zum Film auf Facebook
» Homepage von Bruce LaBruce
Mehr zum Thema:
» Filmpremiere "Geron": Verliebt in einen "uralten Sack" (29.09.2014)
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Geron

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Tags: geron, bruce labruce, gerontophilia, kinostart, tabubruch, provokation, spießer, pro fun
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Reaktionen zu "Bruce LaBruce: "Fühlen, was man fühlt""


 23 User-Kommentare
« zurück  123  vor »

Die ersten:   
#1
30.10.2014
12:06:07


(+1, 9 Votes)

Von Heiner


Ich selbst mag auch vieles, was jenseits der Normen liegt und die Welt bunter macht. Und ich provoziere auch gerne.

Aber die Sichtweise von Bruce LaBruce finde ich dennoch falsch:
denn nur weil manche Schwulen vielleicht anders drauf sind und ein sehr bürgerliches Leben führen, sind sie keine "politisch-korrekten Homo-Spießer".

Wie können wir von anderen Akzeptanz für Vielfalt fordern, wenn wir nicht mal selbst unter uns gegenseitig Vielfalt tolerieren können?!

Solange wir uns gegenseitig bekämpfen, weil uns manche zu tuckig oder andere zu straight, manche zu angepasst und andere zu flippig sind, können sich die Homohasser entspannt zurücklehnen und freudestrahlend zusehen, wie wir deren Arbeit machen.

Nur weil jemand auf "Blümchensex" ohne SM, Fesselspiele, o.ä. steht ist er noch lange nicht bieder und langweilig.


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#2
30.10.2014
12:18:08


(+3, 9 Votes)

Von Just me


"Dieses Sich-Unterordnen, die Bildung von konservativen Verbänden, all das nenne ich homonormativ. "

Ich finde den Begriff 'homonormativ' ziemlich irreführend, weil er ausblendet, aus welcher Richtung der Anpassungsdruck eigentlich kommt - nämlich noch immer von einer heteronormativen Gesellschaft. Meiner Ansicht nach bleibt etwas auch dann noch heteronormativ, wenn es von Schwulen und Lesben reproduziert wird.


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#3
30.10.2014
14:31:08


(+2, 6 Votes)

Von Corvin Snow


Na ja, es gibt halt eben extreme Spießer, die ihren Mitmenschen auch vieles vorschreiben wollen und andere (sexuelle) Lebensstile verurteilen:

Link zu www.queer.de

Dann gibt es viele Mitmenschen, die alles Spießige spießig ablehnen und verurteilen.

Leute, lasst auch die Spießer leben und die Nicht-Spießer genauso. Diskriminierung anderer Lebensstile, ob spießig oder nicht, bringt uns nicht weiter.


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#4
30.10.2014
14:45:36


(+6, 8 Votes)

Von TheDad
Profil nur für angemeldete User sichtbar
Antwort zu Kommentar #1 von Heiner


""Nur weil jemand auf "Blümchensex" ohne SM, Fesselspiele, o.ä. steht ist er noch lange nicht bieder und langweilig.""..

Stimmt..

Bieder und langweilig, und damit die Spießer, sind diejenigen, die nicht nur Blümchensex haben, sondern den auch noch im eigenem Reihenhaus mit Gartenzwerg, und von anderen ERWARTEN das dies für alle erstrebenswert sei..

Auch das ist eine Form von "gegenseitig bekämpfen"..

Zu erwarten das alle sich verpartnern, oder wenn es dann möglich ist, heiraten, Kinderchen in die Welt setzten, Bäume pflanzen und Häuser bauen, dieses Gefasel von "langfristigen Beziehungen", und wenn wer das nicht hinkriegt oder nicht will, sei er "beziehungsunfähig", diese Quatsch von "absoluter Treue" und der darin enthaltenen Absage nach offenen Beziehungen und gleichzeitig neuen Familienformen, das ist so kontraproduktiv für die Gleichstellung, weil es in sich "hononormativ" wirken soll, und letztlich heteronormativ wirkt..

Wenn Schwules Leben zu einem reinem Blueprint der Hetero-Gesellschaft wird, dann ist es nichts mehr wert..


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#5
30.10.2014
14:57:49


(+7, 9 Votes)

Von ehemaligem User FoXXXyness


Cooler Typ!


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#6
30.10.2014
16:34:44


(+3, 5 Votes)

Von Daniel Neuburg


Macht IWWIT nicht gerade eine Aufklärungskampagne über internalisierte Homophobie und die Ausgrenzung in der Community und die Folgen? "Tuntig, spießig oder derb - jeder wie er will. Für mehr Akzeptanz in der Szene?" Würde mich doch sehr interessieren was Bruce LaBruce davon hält. Würde vielleicht seine Sicht auf Spießer etwas differenzierter werden lassen.

Die Aufregung über die Szene mit den Stricher Monti, der mit einem Baby badet, lässt sich wohl wie folgt erklären:

"Es gibt Hinweise, dass proximaler Stress, z. B. Angst vor Diskriminierung, stärker in Zusammenhang mit psychischen Problemen steht als distaler, also tatsächlich erlebte Diskriminierung [77]. Wie einflussreich diese Befürchtungen, seien sie bewusst oder unbewusst, sein können, zeigte eine experimentelle Studie [78] in der schwule und heterosexuelle Männer bei der Interaktion mit Vorschulkindern beobachtet wurden.
In einer experimentellen Bedingung wurden die Männer vorher per Fragebogen nach ihrer sexuellen Orientierung befragt, in der anderen Bedingung nicht. Dies allein genügte, dass schwule Männer, die zuvor ihre sexuelle Orientierung angaben, beobachtbar unsicherer mit Kindern umgingen. In diesem Zusammenhang ist der Begriff der internalisierten Homophobie zu erwähnen. Damit ist die Übernahme von im sozialen Umfeld vorhandenen negativen Einstellungen zur Homosexualität gemeint. Es ist kaum verwunderlich, dass HBS-Menschen nicht vor einer negativen Einstellung zur eigenen HBS verschont bleiben, sind doch homophobe Äußerungen schon früh, z. B. in der Schule häufig, lange bevor die eigene HBS-Orientierung bewusst wird [72, 79, 80]."

Quelle:
Link zu www.kup.at (PDF)


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#7
30.10.2014
17:10:51


(+1, 3 Votes)

Von Lars
Antwort zu Kommentar #4 von TheDad


"Wenn Schwules Leben zu einem reinem Blueprint der Hetero-Gesellschaft wird, dann ist es nichts mehr wert.."

Für Dich nicht, akzeptiert. Aber gilt das für alle Schwulen und was verstehst Du unter Hetero-Welt? Reihenhäuschen und Gartenzwerg? Das ist doch auch ein Klischee und diskriminiert in gewisser Weise die Heteros, die ungewöhnlich leben und lieben.

Der Film Geron ist ja z.B. auch ein Blueprint von Harold und Maude ...


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#8
30.10.2014
17:43:13


(+8, 10 Votes)

Von stromboli
Aus berlin (Berlin)
Mitglied seit 01.05.2008
Antwort zu Kommentar #6 von Daniel Neuburg


na ja, dein einwurf erklärt über weite strecken den spießer, aber es entschuldigt ihn nicht.

Pschologiosche probleme der selbsteinordnung sollten bearbeitet werden, statt zum mainstream, zur "normalität" zu mutieren!

Zu dem link:
hatte nicht die zeit ihn ausführlich zu lesen, was ich aber nachhole..
Aber schon die auf den ersten zeilen erhobene unterstellung, dass homo-bisexualität zu depression oder suizid führe, ist in dieser form nicht hinnehmbar!

Was man sagen und schreiben sollte ist: durch die repressive ausgrenzung und stigmatisierung der von der hetero norm abweichenden sexualorientierungen können zu depression und erhöhter suizidgefährdung führen..

Zudem es keine untersuchungen darüber gibt wie hoch der anteil der unter ihrer normalität leidenden heteros ist..
Als gebe es das werther-syndrom nicht.
Seltsam, dass da immer nur in einer richtung "untersucht" - geforscht wird.

Nicht der homosexuelle ist krank-depressiv- suizidgefährdet, sondern die situation, die ihn in solche psychische irrwege führt.
Nennen wir also den verursacher weiterhin beim namen: hetero-norm!

Ansonsten ein wirklich gelungenes interview!
Kompliment an den fragenden und antwortenden...&
101% (!) auf seite seiner thesen und einsichten


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#9
30.10.2014
18:17:11


(+4, 6 Votes)

Von Daniel Neuburg
Antwort zu Kommentar #8 von stromboli


Bitte lesen Sie zu Ende. Die Autoren wenden sich ganz eindeutig gegen eine Pathologisierung von Homosexualität. Und warnen sogar davor, dass die Untersuchungen oftmals durch homophobe Kreise (bspw. Beatrix von Storch (AfD) und Bildungsplangegner) absichtlich fehlinterpretiert werden. Aber die Erkenntnis, dass ein diskriminierendes Umfeld Stress (Minoritätenstress) und Suizidalität fördert, ist wohl nicht verwunderlich. Deshalb ist es ja so wichtig, die irrsinnigen Forderungen der AfD, CDU/CSU und Bildungsplangegner vehement zurückzuweisen.


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#10
30.10.2014
18:27:51


(+4, 6 Votes)

Von Corvin Snow
Antwort zu Kommentar #8 von stromboli


Die meisten Bürger in diesem Land und auch die meisten Homosexuellen stammen nun mal aus kleinbürgerlichen/spießigen Verhältnissen. Von allen Seiten Akzeptanz und Toleranz zu erwarten ist wohl nicht zu viel verlangt. Solange der Spießer niemanden seinen Lebensstil (Homo-Ehe, Kinder, Monogamie) aufzwängen will, ist wohl nichts gegen Spießigkeit einzuwenden. Das gilt auch für die Nicht-Spießer, die wollen ja hoffentlich auch niemanden ihren nicht spießigen Lebensstil aufzwängen.


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