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  • 04.11.2014           9      Teilen:   |

Kampagne "Compete for Equality"

Aserbaidschan: Community will Europaspiele nutzen

Artikelbild
Das im Bau befindliche Nationalstadion in Baku. Zur Grundsteinlegung 2011 waren die Präsidenten von FIFA und UEFA, Sepp Blatter und Michel Platini, angereist - zu dem Zeitpunkt war noch kein Event nach Aserbaidschan vergeben.

Die erste Europa-Olympiade findet nächstes Jahr in Baku statt. Für LGBT-Aktivisten stellt sich die Frage, wie sie damit umgehen sollen.

Von Norbert Blech

Im nächsten Jahr wird erneut ein sportliches Großereignis in einem Land stattfinden, das in Fragen von Menschenrechten, Demokratie und Pressefreiheit umstritten ist. Die Hauptstadt Aserbaidschans, Baku, lädt vom 12. bis 28. Juni 2015 zu den ersten Olympischen Europaspielen.

Auch die Lage von LGBT ist nicht rosig: Zwar steht Homosexualität seit 2000 nicht mehr unter Strafe, das Thema wird aber größtenteils noch tabuisiert oder zur Denunziation genutzt. Es gibt Berichte über Schikane durch die Polizei und über etliche homophob motivierte Gewalttaten; in einer Fortschrittsliste von ILGA Europe, der Rainbow Map, steht das Land – nach Russland und vor Weißrussland – auf dem vorletzten Platz.

Anfang des Jahres hatte sich in Baku der erst 20-jährige Vorsitzende der Organisation "Free LGBT Azerbaijan" das Leben genommen (queer.de berichtete). Er galt zuvor, mit einem offenen und fordernden Umgang mit seiner Homosexualität in den Medien, als Hoffnungsschimmer und Zeichen des Aufbruchs. Noch 2012, als mit dem Eurovision Song Contest erstmals ein Großevent in dem Land stattfand, waren die wenigen Szeneorganisationen mit arg zurückhaltenden Äußerungen aufgefallen – ein Hinweis auf ein repressives Klima.

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Hoffnung auf Unterstützung

Der Internationale Tag gegen Homophobie 2014 wurde auch in Aserbaidschan begangen
Der Internationale Tag gegen Homophobie 2014 wurde auch in Aserbaidschan begangen

Inzwischen gibt es Veranstaltungen zum Internationalen Tag gegen Homophobie oder neuere LGBT-Organisationen wie Nefes, die den Status Quo herausfordern. Nefes hatte etwa im Sommer in einer viel beachteten Pressemitteilung Präsident Ilham Alijew öffentlich der Lüge bezichtigt, nachdem dieser gesagt hatte, das es in seinem Land keine Probleme für Schwule und Lesben gebe.

Für Nefes, das EU-Institutionen und -Botschaften in seinen Kampf einbindet, stellt sich nun die Frage, wie man mit dem Sportereignis umgehen soll, das einerseits dem Präsidenten und seiner Darstellung nützt, andererseits das Land und seine Bewohner bekannter macht und auch ein Schlaglicht auf die politische Situation lenken wird.

"Das Ziel ist es, die Aufmerksamkeit von Europa und der Welt auf die derzeitige Situation in Aserbaidschan zu lenken, was Homophobie und grundlegende Menschen- und LGBT-Rechte in Aserbaidschan betrifft", so Nefes am Montag in einer Pressemitteilung, in der die Aktion "Compete for Equality" angekündigt wurde.

Während der European Games werde man unter diesem Slogan und mit einem leicht veränderten Spiele-Logo, das so in den Farben des Regenbogens erscheint, eine Kampagne starten, in der Hoffnung auf Unterstützung des Europäischen Parlaments, des IOC, europäischer LGBT-Organisationen und den Botschaften der Länder. Im Gespräch sind Konferenzen, Info-Abende und ein Kulturprogramm.

Gemischte Erfahrungen

Links das Originalogo der Spiele, rechts die Kampagne von Nefes
Links das Originalogo der Spiele, rechts die Kampagne von Nefes

Wie bei der russischen Szene, die vor den Olympischen Winterspielen in Sotschi in diesem Jahr vor ähnlichen Fragen stand, versucht man also, die Situation zu nutzen, anstatt eine eventuell zu spät beginnende Boykott-Diskussion zu führen. Die Erfahrungen aus Russland sind allerdings gemischt: Einerseits war das Thema in den internationalen Medien präsent und es gab weltweite Solidaritätsdemos. Andererseits hatte sich die politische Lage ebenso wenig verbessert wie das Engagement der internationalen Sport-Organisationen, die sich extrem zurückhielten.

Auch Erfahrungen aus Baku selbst sind zwiespältig: Bereits zum Song Contest hatten Menschenrechtsaktivisten zahlreiche Veranstaltungen durchgeführt, konnten sich international vernetzen und fanden viel Platz in der weltweiten Berichterstattung. Danach hatte sich ihre Lage allerdings verschlechtert, viele Oppositionelle landeten im Gefängnis.

Baku war der einzige Bewerber für die Spiele gewesen; auch der Deutsche Olympische Sportbund hatte im Dezember 2012, also kurz nach den Erfahrungen mit dem Song Contest und seinen Folgen, für die Ausrichtung gestimmt. Trotz der sich verschlechternden Menschenrechtslage und einer stärkeren Debatte über die Verantwortung im Sport hatte die UEFA zudem in diesem September entschieden, mehrere Spiele der Fußball-EM 2020 nach Baku (sowie nach St. Petersburg) zu vergeben (queer.de berichtete). (nb)

 Update  14.30 Uhr: Volker Beck fordert Eingreifen von Außenminister Steinmeier
Der grüne Bundestagsabgeordnete Volker Beck hat Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) aufgefordert, sich mehr in Aserbaidschan zu engagieren: "Außenminister Steinmeier muss die massiven Menschenrechtsverletzungen in Aiserbaidschan offen und ehrlich ansprechen. Missstände wie das Wegsperren von Oppositionellen, die massive Einschränkung von Pressefreiheit und Diskriminierung von Homosexuellen dürfen nicht unkommentiert bleiben", erklärte Beck am Dienstag. Das sportliche Großevent dürfe nicht zur "Propagandaveranstaltung" verkommen. Daher müsse sich die deutsche Botschaft in Baku für Gruppen wie Nefes einsetzen, "um zu befürchtende Repressalien abzuwenden".

Links zum Thema:
» Nefes
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Tags: aserbaidschan, nefes, olympia, sport
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Reaktionen zu "Aserbaidschan: Community will Europaspiele nutzen"


 9 User-Kommentare
« zurück  1  vor »

Die ersten:   
#1
04.11.2014
13:57:08


(-5, 7 Votes)

Von GeorgG


"Danach hatte sich ihre Lage allerdings verschlechtert"

Wie sollte es auch anders sein? Man kann Toleranz nicht mit Gewalt und spektakulären Aktionen durchsetzen. Aserbaidschan ist ein islamisches Land, das müssen die Aktivisten respektieren. Wer als Schwuler zurückhaltend und unauffällig in Aserbaidschan lebt, wird keine Probleme haben. Wer als Szenequeen auf die Straße geht, wird nach den Europaspielen drangsaliert werden. Leider ist das so.


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#2
04.11.2014
13:59:22


(-5, 5 Votes)

Von ehemaligem User FoXXXyness


Richtig!


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#3
04.11.2014
16:50:51


(+3, 7 Votes)

Von sperling
Antwort zu Kommentar #1 von GeorgG


unsichtbarkeit ist keine lösung. und den aktivist_innen die schuld an ihrer eigenen verfolgung zuzuschieben ist eine unverschämtheit.

machst du die schranktür bitte wieder zu - von innen?


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#4
04.11.2014
18:00:51


(+3, 5 Votes)

Von ehemaligem User Defragmentierung
Antwort zu Kommentar #1 von GeorgG


Islam respektieren? Nö! Warum auch? Irrationalität zu fördern ist in jeder Hinsicht destruktiv.

"Man kann Toleranz nicht mit Gewalt und spektakulären Aktionen durchsetzen."

Wieder falsch. Die Gewalt geht von der Voodoo-Fraktion in Aserbaidschan aus, nicht von den Aktivisten. Ich wunder mich, wie man diesen einfachen Sachverhalt so missverstehen kann.


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#5
04.11.2014
18:36:22


(+5, 5 Votes)

Von Tacheles
Antwort zu Kommentar #1 von GeorgG


Respekt für Homophobie, Kritik an Aktivismus?
Sie sind Teil des Problems, nicht der Lösung.


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#6
04.11.2014
18:55:30


(+1, 5 Votes)

Von vulkansturm
Antwort zu Kommentar #1 von GeorgG


Warum sollte in Aserbaidschan nicht möglich sein, was man in den letzten Jahren im Bruderland Türkei erreicht hat. Wenn mittlerweile in Istanbul Zehntausende , auch Transvestiten und Transsexuelle , ungestört alljährlich ihre Pride-Paraden abhalten können, warum dürfen Ihrer Meinung nach dies die Aktivisten in Aserbaidschan nicht auch versuchen. Sprache und Kultur sind sich sehr ähnlich, also wieso bevormunden Sie die Aktivisten in Aserbaidschan? Ohne das mutige Engagement solcher Aktivisten hätte es die Erfolge in der Türkei nicht gegeben.


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#7
04.11.2014
19:06:31


(-1, 5 Votes)

Von GeorgG
Antwort zu Kommentar #4 von Defragmentierung


"Die Gewalt geht von der Voodoo-Fraktion in Aserbaidschan aus, nicht von den Aktivisten. "

Der Unterschied: Die "Voodoo-Fraktion" macht über 80 % der Bevölkerung aus, die schwulen Aktivisten ca. 0,0001 %.


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#8
04.11.2014
19:28:43
Via Handy


(+1, 5 Votes)

Von David77
Antwort zu Kommentar #7 von GeorgG


Sag mal, schämst du dich nicht rechte in anspruch zu nehmen, die in der vergangenheit 0,0001% bei uns auch für dich erkämpft haben?


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#9
04.11.2014
21:18:00


(0, 4 Votes)

Von TheDad
Profil nur für angemeldete User sichtbar
Antwort zu Kommentar #7 von GeorgG


Die Tatsache das so viele Dumme an ihre "Überlegenheit" glauben, bedeutet nicht, das sie es tatsächlich sind !

Scheiße wird nicht zur Delikatesse bloß weil Milliarden Fleigen darauf fliegen !


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