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Eine Woche vor Demo in Hannover

Homo-Gegner wollen in Dresden demonstrieren


Eine frühere Demo der "Besorgten Eltern" in Köln

Für den 15. November ist ein Protest der "Besorgten Eltern" vor der Semperoper geplant. Jürgen Elsässer vom "Compact"-Magazin will eine Rede halten.

Von Norbert Blech

Der Strom homophober Demos reißt nicht ab: Nachdem gestern bekannt wurde, dass die "Initiative Familienschutz" am 22. November in Hannover gegen Schulaufklärung über sexuelle Vielfalt demonstrieren will, hat sich nun für den Samstag zuvor ein ähnlicher Protest in Dresden angekündigt.

Die Initiative "Besorgte Eltern" will am 15. November ab 14 Uhr auf dem Theaterplatz vor der Semperoper gegen "Frühsexualisierung der Kinder an Grundschulen" demonstrieren. Ähnliche Proteste hatte die Gruppe bereits zweimal in Köln, einmal in Frankfurt am Main und kürzlich in Augsburg abgehalten (queer.de berichtete), auch war sie an den ersten Demos gegen den Bildungsplan in Stuttgart beteiligt.

Als Redner hat sich unter anderem der Chefredakteur des Magazins "Compact", Jürgen Elsässer, angekündigt. "Bringen Sie gerne Ihre Kinder mit!", schrieb er dazu am Donnerstag im Newsletter seines Magazins.

Homophobie und Putin-Propaganda


Jürgen Elsässer im letzten Jahr bei der "Compact"-Konferenz (Bild: nb)

Elsässer hatte im letzten Jahr die alljährliche "Compact"-Konferenz unter das das Thema Familie gestellt und dazu unter anderem russische Duma-Abgeordnete, die für das Gesetz gegen Homo-"Propaganda" verantwortlich sind, und Antreiber der französischen Bewegung gegen die Öffnung der Ehe für Schwule und Lesben," Manif pour tous", nach Leipzig geladen (Reportage von der Konferenz).

Auch sonst hatte Elsässer immer wieder homophobe Texte verfasst und anderen Homo-Gegnern Platz im Magazin eingeräumt (queer.de berichtete); zur diesjährigen Konferenz am 22. November in Berlin hat er den russischen Bahn-Chef Wladimir Jakunin eingeladen, der Anfang des Jahres in Berlin mit mehreren homophoben Aussagen für Aufsehen gesorgt hatte (queer.de berichtete). Inhalt der Konferenz ist diesmal allerdings allgemeine Propaganda für Putin in Zeiten des Ukraine-Konflikte.

Bereits die letzte Konferenz war in Zusammenarbeit mit einem russischen Think Tank finanziert worden; Elässer ist oft im Propagandasender RT zu sehen und spricht in letzter Zeit häufig zu den Themen auf Demos in Leipzig und Berlin, so will er auch am Sonntag in einer Kundgebung vor dem Bundeskanzleramt auftreten.

Mit Pseudo-Fakten und Sekten


Demos der "Besorgten Eltern" wurden immer vom russischen Staatsfernsehen begleitet – und von den Youtube-Kanälen der Sasek-Familie

Einen deutlichen Bezug zu Russland hat auch die Gruppe "Besorgte Eltern", die unabhängig von der Bewegung gegen den Bildungsplan entstanden war und sich noch deutlicher auch gegen den allgemeinen Sexualkundeunterricht und einem Teilnahmezwang daran ausspricht. Bereits bei der ersten Demo im Januar, als noch niemand die Bewegung auf dem Schirm hatte, war wie bei allen nachfolgenden das russische Staatsfernsehen dabei.

Verstreut über das Land sind es immer die gleichen Leute, die die "besorgten" Proteste organisieren. In einem Flyer werden dazu die wildesten Theorien über angebliche Sex-Koffer und Doktorspiele im Unterricht präsentiert. Es wird auch kritisiert, dass sich Grundschüler mit "allen sexuellen Neigungen" auseinandersetzen sollten, "um sich frühestmöglich für (eine) sexuelle Neigung zu entscheiden".

Videos der Demos werden vor allem von evangelikalen, sektenähnlichen Gruppen verbreitet; darunter eine, die in Kiew gegen den CSD demonstrierte, eine deutsch-russische Vereinigung mit Sitz in Augsburg sowie die Familiensekte um Ivo Sasek, die hinter den Portalen klagemauer.tv und jugend-tv.net steckt. Nach Videos, in denen Jugendliche etwa von jugendlichen Moderatoren vor homosexueller Propaganda im Unterricht gewarnt wurden (queer.de berichtete), haben sie inzwischen den deutschen Jugendschutz am Hals. In anderen Videos streute die Sekte Propaganda im Sinne des Putin-Regimes, auch lud sie zu Konferenzen für Verschwörungstheoretiker, an denen unter anderem Jürgen Elsässer teilnahm.

Obwohl es auch seitens der AfD-nahen "Initiative Familienschutz", die die Anti-Bildungsplandemos in Stuttgart organisiert, Verbindungen zu den "Besorgten Eltern" wie auch Elsässer gibt (etwa durch den letztjährigen Konferenzsprecher Bernhard Lassahn, der für das Online-Magazin "Freie Welt" des Ehepaars von Storch schreibt, oder durch die Demo-Teilnehmerin und "Compact"-Gastautorin Gabriele Kuby), arbeiten die beiden Initiativen getrennt voneinander.

Die "Initiative Familienschutz" hatte gestern zur nächsten "Demo für alle" nach Hannover eingeladen – am 22. November soll ab 14 Uhr dagegen protestiert werden, dass die "rot-grüne Regierung 'sexuelle Vielfalt' und ihre Gender-Agenda in den Unterrichtsalltag der Kinder integrieren" und "die Schulen zur Zusammenarbeit mit Homolobbygruppen" verpflichten wolle. Die übernächste Demo der "Besorgten Eltern" steht hingegen am 17. Januar in Augsburg an. (nb)

 Update  7.11., 22h: Aufruf zur Gegendemo
Der CSD Dresden und Gerede e.V. haben, zusammen mit einer Vielzahl weiterer Unterstützer, zu einer Gegendemonstration am nächsten Samstag ab 13 Uhr auf dem Theaterplatz aufgerufen. Man wolle "gemeinsam gegen Homophobie und Menschenfeindlichkeit demonstrieren", "Flagge zeigen und solche Thesen nicht unwidersprochen lassen", heißt es in dem Aufruf (Link zu Facebook-Eventseite).



#1 FranZiskaProfil
  • 06.11.2014, 23:02h Berlin

  • Das ist absolut beunruhigend. Drei Demos in drei deutschen Großstädten bis Januar. Diese Leute scheinen es ernst zu meinen und wissen zu mobilisieren. Sollten sie einmal direkten Einfluss auf die Gesetzgebung bekommen...man mag es sich gar nicht ausmalen, 1933 reloaded oder was ist deren Ziel? Wo bleibt der großangelegte Widerstand? Eine eigene, separate Demo gegen diese Hetzer, kein bloßer Gegenprotest, durch den sich diese Leute womöglich noch bestätigt fühlen. Ich wäre dabei, wer macht mit?
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#2 sperlingAnonym
  • 07.11.2014, 00:01h
  • Antwort auf #1 von FranZiska
  • >"Wo bleibt der großangelegte Widerstand?"

    ich hatte eigentlich erwartet, dass dieser spuk bald vorbei sein würde, aber leider hab ich mich getäuscht. du hast völlig recht, da muss jetzt was passieren.

    vielleicht machen diese gruseligen aufmärsche einigen leuten klar, dass alles bisher erreichte weder vom himmel gefallen noch von selbstverständlicher dauer ist, so dass mal wieder mehr leute den hintern hochkriegen, sich zusammentun und etwas bewegen.

    ich hoffe, da bin ich nicht schon wieder zu optimistisch...
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#3 Tonner66Ehemaliges Profil
#4 giliattAnonym
#5 stolzelesbeAnonym
#6 SignaleAnonym
#7 hate watchAnonym
#8 FoXXXynessEhemaliges Profil
  • 07.11.2014, 08:43h
  • Nochmals ein Anlaß, eine Gegendemonstration so schnell wie möglich auf die Beine zu stellen!
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#9 FindTheRightWayAnonym
  • 07.11.2014, 09:01h

  • Ich finde es so schlimm, dass Homosexuelle und Pädophile in eine Topf geschmissen werden. Ich stehe auf Frauen und zwar in meiner Altersklasse.
    Aber wäre es nicht fast wie ein Zugeständnis, wenn man einfach eine Gegendemonstration starten würde? Sie demonstieren immerhin auch gegen die Frühsexualisierung, die, wie ich ebenfalls finde, nicht in Ordnung ist. Wäre es da nicht klüger, wenn auch Schwule und Lesben gegen Frühsexualisierung demonstrieren? Damit distanzieren wir uns ganz klar von einer pädophilen Einstellung und nehmen ihnen den Wind aus den Segeln.
    So sehe ich das zumindest. Habe das ewig Gegeneinander nämlich satt. Im Endeffekt wollen wir doch alles das Selbe und zwar in Frieden leben.
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#10 Venice-89Anonym