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1969 überfielen drei Schwule ein Depot der Bundeswehr und töteten vier Soldaten. Den Film zum "Fall Lebach" strahlt Sat.1 am Donnerstag aus.

Von Thomas Schneider

Kaum ein Verbrechen hat die deutsche TV-Landschaft so beschäftigt wie der "Fall Lebach". Gleich drei Sender (ZDF, ARD und Sat.1) versuchten den Überfall dreier schwuler Männer auf ein Munitionsdepot der Bundeswehr im saarländischen Lebach 1969 zu verfilmen, bei dem vier Soldaten getötet und einer schwer verletzt wurde. Bis heute liegt das ZDF-Spiel "Der Soldatenmord von Lebach" von 1972 unter Verschluss. Am Donnerstag strahlt Sat.1 als Pilotfilm zur siebenteiligen Reihe "Verbrechen, die Geschichte machten" erstmals seinen Streifen "Der Fall Lebach" aus - gedreht wurde er bereits vor zehn Jahren.

Im Jahr 1969 überfielen zunächst unbekannte Täter ein Bundeswehr-Munitionsdepot in Lebach/Saarland. Vier junge Rekruten sterben im Kugelhagel, ein fünfter wird schwer verletzt. Die Polizei vermutet zunächst einen politischen Hintergrund. Die Bevölkerung ist geschockt wie nie zuvor. Der Generalbundesanwalt übernimmt das Ermittlungsverfahren. Als überraschend ein bekannter Münchner Millionär von den Tätern erpresst wird, glauben die Ermittler an ein international tätiges Verbrechersyndikat - atemberaubend und bedrohlich für die damalige Zeit. In einer der größten und dramatischsten Fahndungsaktionen der Nachkriegsgeschichte gehen die Täter schließlich der Polizei ins Netz: Drei frustrierte junge Schwule aus der Provinz, die sich mit dem blutigen Erpressergeld den versponnenen Traum von einem Leben in der Südsee erfüllen wollten.

Die allerersten Pläne des ZDF aus dem Jahr 1972, den realen Fall zu verfilmen, durchkreuzte einer der Straftäter, der wegen Beihilfe zu sechs Jahren Haft verurteilt worden war. Er zog bis vor das Bundesverfassungsgericht, weil er befürchtete, die Ausstrahlung des Films falle mit seiner Haftentlassung zusammen und könne ihm die Wiedereingliederung erschweren. Deutschlands oberste Richter entschieden sich für den Schutz des Täters. Zudem fachte das Thema Homosexualität die damalige öffentliche Debatte heftig an. Zum Tatzeitpunkt war der Paragraf 175, der schwule Beziehungen unter Strafe stellte, noch in Kraft.

Für die Reihe "Verbrechen, die Geschichte machten" wagte sich schließlich Sat.1 im Jahr 1996 an den Stoff - und kassierte ebenfalls ein Sendeverbot. Doch der Sender wehrte sich. Das Bundesverfassungsgericht entschied schließlich 1999 in einem neuen Urteil, dass der mittlerweile entlassene Straftäter es hinnehmen müsse, dass an seine Tat und Schuld erinnert werde. Sat.1 versprach zudem, Namen und Identität zu ändern, so dass der Täter nicht identifiziert werden könne. Zwischenzeitlich sendete die ARD im Jahr 2001 in der Reihe "Die großen Kriminalfälle" die Dokumentarfolge "Der Soldatenmord - Die Schüsse von Lebach".

Der acht Jahre alte Film "Fall Lebach" erinnert damit nicht nur an einen spektakulären Fall aus der Kriminalgeschichte, er ist selbst Dokument deutscher TV-Geschichte. Im Vergleich zu heutigen Produktionen der Privatsender kommt er äußerst unspektakulär daher. Im Mittelpunkt stehen die komplizierten Persönlichkeiten der drei schwulen Täter und die naturalistische Darstellung der polizeilichen Ermittlungen.

Sendetermin: Donnerstag, 13. Januar, 23.15 Uhr, Sat.1

12. Januar 2005