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  • 09.11.2014           87      Teilen:   |

Prostitution

Studie: Fast jeder zehnte Stricher hat Syphilis

Artikelbild
Männliche Sexarbeiter haben ein erhöhtes Risiko, sich mit sexuell übertragbaren Krankheiten zu infizieren: Szenenfoto aus Rosa von Praunheims preisgekrönter Doku "Die Jungs vom Bahnhof Zoo"

Eine Situationsanalyse der BZgA und eine Studie aus Köln liefern erstmals verwertbare Daten zur männlichen Sexarbeit in Deutschland – nun ist die Politik am Zug.

Von Dr. Marcus Mau

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) gab im Oktober 2013 eine Situationsanalyse in Auftrag, um erste verlässliche Daten zur männlichen Prostitution in Deutschland zu erheben. Ein Team aus Politik, Wissenschaft, Aids-Hilfen und Stricherprojekten recherchierte im Internet und auf der Straße, um die Lebenssituation männlicher Sexarbeiter besser erfassen und Präventionsmaßnahmen in diesem Feld besser planen zu können.

Zählungen und Schätzungen aus dem Jahr 2012 zufolge leben in den größten deutschen Städten etwa 250 (Essen) bis 1.000 (Köln) oder sogar 3.000 (Berlin) männliche Sexarbeiter. Dazu gehören keineswegs nur die Stricher, sondern eben auch die Callboys und Escorts auf einschlägigen Portalen wie zum Beispiel Gayromeo. Der Studie zufolge ist der typische Sexarbeiter in der Regel unter 30 Jahre alt, meist sogar unter 25. Das größte Problem stellt die Armutsprostitution dar, welche sich auffällig häufig in der Gruppe der Stricher findet.

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Lebenslage der Stricher und mangelnde Hilfe

Dein Stricher, das unbekannte Wesen: Sequenz aus einer animierten Grafik auf der Homepage von Looks e.V. aus Köln
Dein Stricher, das unbekannte Wesen: Sequenz aus einer animierten Grafik auf der Homepage von Looks e.V. aus Köln

Junge Stricher sind in der Mehrzahl arm, verschuldet und ohne festen Wohnsitz. Sie haben zudem keine Schulbildung, oft nur unzureichende Deutschkenntnisse und keine Berufsausbildung. Aufgrund von Gewalt- und Missbrauchserfahrungen ist ihre sexuelle Orientierung häufig unklar. Aufgrund ihres hohen Suchtmittelkonsums können die jungen Sexarbeiter bereits sehr früh straffällig werden, um an neuen Stoff zu gelangen. Krankheiten wie z.B. Tuberkulose oder psychische Störungen sind ebenfalls nicht selten.

Eine wirkliche Bereitschaft, an Präventions- und Behandlungsangeboten teilzunehmen, besteht viel zu selten. Auf der anderen Seite gibt es allerdings auch deutlich zu wenig Angebote seitens des Staates. Darüber hinaus werden bestehende Initiativen und Hilfsmaßnahmen oft nur unzureichend und ohne die notwendige finanzielle Sicherheit realisiert. Ein weiteres Problem ist, dass gerade die Stricher aufgrund ihres schwebenden Status in unserer Gesellschaft in der Regel keine Krankenversicherung haben.

Wie also männliche Sexarbeiter untersuchen und behandeln? Hier kommen zukünftig die – meist ehrenamtlich unterstützten – Stricheranlaufstellen, Aids-Hilfen und Streetwork-Programme, aber eben auch die Gesundheitsämter ins Spiel. Sie bieten unterschiedlichste Hilfe an und können auch die besonders wichtigen Tests auf HIV und andere Geschlechtskrankheiten veranlassen bzw. durchführen. Dass solche Tests wirklich Sinn machen, zeigen erste Daten aus Köln.

Viermal mehr Tripper-Fälle als in der Allgemeinbevölkerung

Zwischen 2008 und 2013 erhoben das Kölner Stricherprojekt Looks e.V. und das Gesundheitsamt der Domstadt Daten zur Häufigkeit bestimmter STI sowie HIV bei von ihnen betreuten Sexarbeitern. Im Durchschnitt wurden in den sechs Jahren insgesamt 200 Männer untersucht. Chlamydien traten bei 16 Prozent auf – im Bundesdurchschnitt liegt diese Infektion bei Männern und Frauen normalerweise bei etwa 6 bis 9 Prozent. Der Tripper schlug mit 13 Prozent zu Buche – etwa viermal so viel wie in der Allgemeinbevölkerung. Eine therapiebedürftige Syphilis fand sich in 9 Prozent der Fälle. Die Infektionen mit humanen Papillomviren machten 16 Prozent aus. Besonders häufig – und zudem überdurchschnittlich stark vertreten – waren HIV-Infektionen, die bei 14 Prozent der untersuchten Sexarbeiter in Köln festgestellt wurden.

Diese Zahlen belegen den großen Bedarf an Aufklärung und Präventionsarbeit bei männlichen Sexarbeitern und ebenso bei deren Kunden. Eine Herausforderung, der sich hoffentlich zukünftig Politik, Medizin und Sozialwissenschaften vereint annehmen werden, um den jungen Männern trotz ihrer schwierigen Lebensumstände eine Alternative zur Sexarbeit aufzeigen zu können. Eine Situationsanalyse bringt eben erst einmal nur eines: Daten. Eine wirkliche Hilfe ist sie, wenn ihr tatsächlich entsprechende Taten folgen.

Mehr zum Thema:
» 94 Prozent der Freier wollen keine Kondome (26.10.2014)
» Beistand für die Stricher (07.11.2010)
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Tags: prostitution, sexarbeit, stricher, bzga. looks e.v., situationsanalyse
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Reaktionen zu "Studie: Fast jeder zehnte Stricher hat Syphilis"


 87 User-Kommentare
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Die ersten:   
#1
09.11.2014
11:26:50


(-6, 12 Votes)

Von Laurent
Aus Heidelberg (Baden-Württemberg)
Mitglied seit 27.12.2015


"Das größte Problem stellt die Armutsprostitution dar."

Anscheinend bestehen auch hier bestimmte Zusammenhänge, die es offiziell nicht gibt bzw. nicht geben darf.


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#2
09.11.2014
11:39:24


(+8, 8 Votes)

Von Dennis
Profil nur für angemeldete User sichtbar


Wie also männliche Sexarbeiter untersuchen und behandeln? Hier kommen zukünftig die meist ehrenamtlich unterstützten Stricheranlaufstellen, Aids-Hilfen und Streetwork-Programme, aber eben auch die Gesundheitsämter ins Spiel.

Finanzielle Kürzungen von Länder und Kommunen - Städten und damit nicht selten ein einhergehender prozentualer Verzicht der Gehälter der MitarbeiterInnen von AH s machen es schlicht unmöglich Angebote in dem Maß aufrecht zu erhalten wie es lt dem Bericht notwendig wäre.

Selbst Angebote in niederschwelligen Bereich - Streetworkprogramme - wie sie von vielen Anlaufstellen in der Drogenarbeit geleistet wurden mußten z.t. an Caritative Organisationen "outgesorced" werden, da auch sie von Kürzungen betroffen sind oder waren.

Was bleibt sind Anlaufstellen bei den GA´s. Hier kann ich mir vorstellen das sich der Eine oder Andere schwer tut eine "solche Instituition" aufzusuchen, da ihnen der Nimbus von Staatlich <-> Städtisch <-> Offiziell anhaftet.

Letztendlich hat es sich die Politik selbst zuzuschreiben da die Kürzungen ja nicht wie Maria s Empfängis vom Himmel gefallen ist.


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#3
09.11.2014
12:29:22


(+7, 11 Votes)

Von Francois


Armutsprostitution? Ist das so wie Armutsarbeit? Arbeiten wir nicht alle für Kohle. Oder wieviele Hartzer gehen dennoch nicht auf den Strich?
Prostitution sollte endlich als Job anerkannt werden, der manchen Spaß macht, anderen nicht, es kann nicht sein, dass wir in 2014 immer noch so mit dieser wichtigen Dienstleistung umgehen. Kann man nicht auch mit Abi Nutte werden?? Oder warum sind die billigen Sexarbeiter tatsächlich verdrogt? Müllmann macht bestimmt auch nicht sooo viel Spaß. Nehmen die auch Crystal Meth?

Eine Umbewertung ist hier dringend notwendig, das würde das Verhalten gravierend verändern.

Tut was, Politiker! Überlasst das Thema nicht Alice Schwarzer. Zügig. Ich will mir kein Syphillis abholen! ;)


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#4
09.11.2014
12:32:27


(+9, 11 Votes)

Von Timon


Ein Aspekt ist auch, dass in den Schulen viel zu wenig aufgeklärt wird.

Umso verwerflicher, dass immer noch einige Ewiggestrige und auch Teile der Politik mehr Aufklärung an Schulen verhindern wollen...


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#5
09.11.2014
12:41:48


(-2, 6 Votes)

Von jhgk


Und wie sieht es hier aus?

Lustscout.de
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Freier-Forum
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Muss man wieder mit Männer die Sex mit Männer haben ablenken?


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#6
09.11.2014
13:36:15


(+9, 11 Votes)

Von Zeitfenster
Antwort zu Kommentar #5 von jhgk


Wieso ablenken? Ein Artikel, der über die Lebenswelten von Strichern und Callboys berichten will, kann nur über das Leben von Strichern und Callboys erzählen. Das finde ich für ein queeres Nachrichtenportal auch ganz in Ordnung. Ich würde hier jedenfalls nicht einen Bericht über weibliche Prostituierte erwarten und über heterosexuelle Freier. Darüber kann ich woanders etwas lesen.


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#7
09.11.2014
13:37:21


(-5, 9 Votes)

Von ehemaligem User LangsamLangsam
Antwort zu Kommentar #5 von jhgk


Du bekommst offenbar niemanden ab. Immer schön auf die Finanzen achten.


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#8
09.11.2014
14:12:35


(+8, 12 Votes)

Von stromboli
Aus berlin (Berlin)
Mitglied seit 01.05.2008
Antwort zu Kommentar #1 von Laurent


was will uns das sagen?
Es gibt doch das offizielle eingeständnis über armuts-prostitution...
es gibt nur nicht das offizielle eingeständnis der existenz von armut in der bevölkerung..
wolltest du dies uns sagen...


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#9
09.11.2014
14:57:40


(+8, 10 Votes)

Von edel escort
Antwort zu Kommentar #8 von stromboli


Ich glaube, er wollte auf Wolfgang Streeck hinweisen.

Wolfgang Streeck, seit knapp 20 Jahren Direktor am Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung in Köln: Möglich, dass der Kapitalismus an seinen Krisen verendet.

Die Vorstellung, eine Gesellschaftsform könne nur enden, indem sie durch eine bessere abgelöst werde, stamme noch aus dem fortschrittsgläubigen 19. Jahrhundert. Gegenwärtig seien wir indessen gut beraten, uns klarzumachen,
dass eine Gesellschaft, anstatt zugunsten einer besseren abgewickelt zu werden, auch enden kann, indem sie die Fähigkeit verliert, ihren Mitgliedern Erwartungssicherheit in einer berechenbaren, verlässlichen Ordnung zu bieten. Eine Gesellschaft ist keine mehr, wenn Unfälle in ihr zur Regel werden, wenn sie für ihren Fortbestand auf prekäre Improvisationen ihrer Mitglieder angewiesen ist ().

Vieles spreche dafür, dass die kapitalistische Gesellschaft der Gegenwart dabei ist, in diesem Sinne in ein Endstadium einzutreten.

Link:
denkraum.wordpress.com/


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#10
09.11.2014
15:26:47


(0, 8 Votes)

Von Dont_talk_about
Aus Frankfurt (Hessen)
Mitglied seit 14.01.2014


Also viermal mehr Geschlechtskrankheiten als in der "Allgemeinbevölkerung" erscheint mir jetzt unrealistisch wenig. In der Allgemeinbevölkerung gibt es doch viele, die Sex nur mit einem festen Partner oder gar nicht haben.

Interessant ist ja, dass Alice Schwarzer bei ihren Kreuzzügen gegen die Prostitution die mannmännliche Prostitution, auch auf intensives Nachfragen, bewusst ausnimmt. Das wäre ein "anderes Thema". Wieso eigentlich ? Sind für männliche Sexworker die Kunden nicht genauso eklig ?


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