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  • 12.11.2014           25      Teilen:   |

Einstimmiger Beschluss

Lübeck bekommt ein Homo-Mahnmal

Artikelbild
Gedenktafel für die homosexuellen Opfer des Nationalsozialismus am Berliner Nollendorfplatz: In ganz Deutschland gibt es bislang zehn entsprechende Denkmäler, in Lübeck soll das elfte entstehen (Bild: Wiki Commons / Michael F. Mehnert / CC-BY-SA-3.0-DE)

Die Hansestadt Lübeck will ein Denkmal für die homosexuellen Opfer des Nationalsozialismus errichten. Das hat der Kulturausschuss der Bürgerschaft am 10. November beschlossen.

Trotz Bedenken gab es am Ende einen einstimmigen Beschluss: Der Ausschuss für Kultur und Denkmalpflege der Hansestadt Lübeck sprach sich in seiner Sitzung am Montag dafür aus, ein Denkmal für die homosexuellen Opfer des Nationalsozialismus zu errichten.

Bis Januar 2015 soll die Verwaltung einen konkreten Vorschlag für das Homo-Mahnmal entwickeln, heißt es in dem Beschlussauftrag. Als möglicher Ort schwebt den Kulturausschuss-Mitgliedern das ehemalige Zeughaus vor, in dem sich im Dritten Reich die Gestapo-Zentrale befand und wo es bereits jetzt einen Gedenkstein gibt, der an die NS-Opfer erinnert, die "aus politischen, religiösen und rassischen Gründen" verfolgt wurden.

Eingebracht wurde der Antrag von den Grünen. Nach Angaben des schwulen Grünen-Politikers Rolf Klinkel wurden allein im Januar 1937 über 200 homo- und bisexuelle Männer in Lübeck verhaftet, im Zeughaus inhaftiert und gefoltert und anschließend teilweise ins Konzentrationslager verschleppt. Unterstützt wurde Klinkel vor allem von der linken Abgeordneten Katjana Zunft, die auch an die Verfolgung lesbischer Frauen erinnerte. "Viele wurden zwangsverheiratet", sagte sie laut einem Bericht der "Lübecker Zeitung".

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SPD-Abgeordneter warnt vor "Zersplitterung" der Gedenkstätten

Diese Gedenktafel neben dem Zeughaus erinnert bislang nur an die NS-Opfer, die "aus politischen, religiösen und rassischen Gründen" verfolgt wurden - Quelle: Grüne Lübeck
Diese Gedenktafel neben dem Zeughaus erinnert bislang nur an die NS-Opfer, die "aus politischen, religiösen und rassischen Gründen" verfolgt wurden (Bild: Grüne Lübeck)

In dem Antrag sprachen sich die Grünen außerdem dafür aus, der ebenfalls "vergessenen" Opfergruppe der Behinderten zu gedenken. "Von 1939 bis 1945 ermordeten die Nazis über 100.000 körperlich und geistig behinderte Menschen", heißt es in der Begründung. "Auch Patienten aus Lübecker Pflegeeinrichtungen wurden Opfer dieser nationalsozialistischen Mordaktion."

Politiker von SPD und CDU unterstützten den Antrag grundsätzlich, warnten aber vor zu vielen verschiedenen Gedenkstätten in Lübeck. "Wir wollen keine Zersplitterung", meinte etwa der SPD-Abgeordnete Peter Petereit. Katjana Zunft von der Linksfraktion konterte: "Wir wollen kein Allerwelttäfelchen, wir wollen die Opfergruppen konkret benennen."

Mit dem Beschluss des Kulturausschusses wird eine Forderung des Lübecker CSD e.V. erfüllt, die bestehende Gedenkstätte für die Opfer der Nationalsozialistischen Gewaltherrschaft neben dem Zeughaus zu ergänzen. "Wir setzen uns für eine Gedenktafel oder einen separaten Gedenkstein ein, damit die Gedenkstätte, die seit 1986 in dieser Form existiert, unverändert bleibt und in Zukunft auch daran erinnert, dass das Unrecht, das Lesben und Schwulen während der Nazi-Zeit angetan wurde, in der Nachkriegszeit nicht als Unrecht erkannt wurde", schrieb der CSD-Verein bereits vor einem Jahr auf seiner Homepage. "Auch das Vergessen oder Ignorieren von Opfergruppen ist deutsche Geschichte."

Der Lübecker CSD-Verein hat sich bereit erklärt, sich an der Finanzierung des Homo-Mahnmals zu beteiligen. (cw)

Links zum Thema:
» Wikipedia: Liste der Denkmäler für homosexuelle Opfer des Nationalsozialismus
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Tags: lübeck, denkmal, mahnmal, nationalsozialismus, gedenktafel, rolf klinkel, katjana zunft
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Reaktionen zu "Lübeck bekommt ein Homo-Mahnmal"


 25 User-Kommentare
« zurück  123  vor »

Die ersten:   
#1
12.11.2014
08:52:27


(+3, 5 Votes)

Von ehemaligem User FoXXXyness


Richtig und wichtig!


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#2
12.11.2014
10:16:17


(+7, 7 Votes)

Von Ralf


Zu viele Gedenkstätten/-orte/-tafeln? - Wenn man nicht von Anfang an bestimmte NS-Opfer ausgegrenzt und totgeschwiegen hätte, gäbe es dieses selbstgemachte "Problem" nicht. Vorbildlich ist die Installation am Münchner Platz der Opfer des Nationalsozialismus, die niemanden ausschließt und alle benennt. Wer Gedenken so handhabt, braucht hinterher keine Spezialtafeln für diejenigen, die er vorher ignoriert hat.


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#3
12.11.2014
10:38:28


(+5, 7 Votes)

Von Finn


Eine gute und wichtige Entscheidung!

Und ein wichtiges Zeichen in diesen Zeiten, wo Homohass wieder salonfähig gemacht werden soll.


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#4
12.11.2014
10:50:33


(+7, 7 Votes)

Von kuesschen11
Aus Darmstadt (Hessen)
Mitglied seit 26.08.2012
Antwort zu Kommentar #2 von Ralf


Danke, du sagst es.

Die Gewaltverbrechen gegenüber Homosexuellen nach so langer Zeit explizit zu erwähnen, ist schon ein Armutszeugnis in der BRD.

Fast genauso dramatisch ist die Jahrzehnte lange Fortsetzung des § 175 StGb., also die Kriminalisierung von Homosexualität und die massive Unterdrückung von gleichgeschlechtlicher Partnerschaft, die bis hin zu Suizid und ins soziale Aus führte. Das fand alles statt in der guten alten Bundesrepublik.

Nur gut, dass dieses Thema heute politisch angegangen wird.


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#5
12.11.2014
11:19:48


(-5, 9 Votes)

Von GeorgG


Soll jetzt jede Kleinstadt zwischen Flensburg und Garmisch ihr Homo-Mahnmal bekommen?


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#6
12.11.2014
11:28:25


(+3, 7 Votes)

Von goddamn liberal
Antwort zu Kommentar #5 von GeorgG


Verdrängungsbedarf?

Selbst Tel Aviv hat eins.

Und Amsterdam hatte eines der ersten.

Es ist auch im Ausland ein gutes Mittel gegen böswillige Geschichtsverzerrung, in der z. B. Visconti-Filme mit hist. Wahrheit verwechselt werden:

Youtube-Video:


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#7
12.11.2014
11:46:40


(-2, 6 Votes)

Von Laurent
Aus Heidelberg (Baden-Württemberg)
Mitglied seit 27.12.2015
Antwort zu Kommentar #5 von GeorgG


Geschickter bzw. angebrachter wäre es gewesen, nach dem Vorschlag von Ralf, Nr. 2 letzter Satz, zu verfahren.
Dann würde sich eine solche Frage gar nicht erst stellen. Ein gewisser "Nachahmungsdruck" wie bei den sog. Stolpersteinen ist, da es eben nicht so gelaufen ist, halt auch nicht von der Hand zu weisen.


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#8
12.11.2014
11:55:56


(-4, 10 Votes)

Von GeorgG
Antwort zu Kommentar #6 von goddamn liberal


Bei der Grundsteinlegung des Homo-Monuments in Amsterdam war ich anwesend. Ich weiß sehr wohl, über was ich spreche.
Ich habe ja auch nichts gegen ein solches Mahnmale gesagt, aber ich bin der Meinung, dass nicht jede Kleinstadt eines haben muss.


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#9
12.11.2014
12:10:08


(+6, 6 Votes)

Von stromboli
Aus berlin (Berlin)
Mitglied seit 01.05.2008
Antwort zu Kommentar #8 von GeorgG


die mahnmale sollten da stehen, wo zuvor homosexuelle gewohnt vefolgt, gelitten haben...
und wenn es nur eine dorfgemeinschaft von 200-300 personen wäre und nur ein einzigstes opfer...

Wir pflegen auch das gedenken an die ausgemeindeten-vetriebenen flüchtlinge und zurecht die im terror ermordeten-inhaftierten juden- romas/sintis.
Teils sogar durch den gedenk-pflasterstein vor den vormaligen wohnstätten der verschleppten.

Seltsamerweise gedenken wir nur in teilen und meist nur durch opfernähe geschuldet, auch den anderen ..
so den homos - politischen .
Warum hier mit zweierlei maß gehandelt werden soll ist unbegreiflich, weil so auch die würde der betroffen nachträglich noch mal schmähend!
Schäm dich !


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#10
12.11.2014
12:26:08


(+4, 8 Votes)

Von Harry1972
Aus Bad Oeynhausen (Nordrhein-Westfalen)
Mitglied seit 21.02.2013
Antwort zu Kommentar #8 von GeorgG


Scheinbar weisst Du nicht, worüber Du sprichst, denn Lübeck ist eine Großstadt und keine Kleinstadt, wie Du offenbar glaubst.


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