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Der Landesvorsitzende Benedict Lösser befürchtet gar "sexuelle Übergriffe", sollten Aufklärungsprojekte mit Schülern alleine gelassen werden (Bild: Schüler-Union Niedersachsen)

Die CDU-nahe Vereinigung kritisiert, Schulaufklärung über Homosexualität führe zu "Übersexualisierung und Perversion" des Unterrichts".

Von Norbert Blech

Die Schüler-Union Niedersachsen hat sich in einer Pressemitteilung gegen Pläne der Landesregierung gewandt, in Schulen besser über Schwule, Lesben, Bisexuelle und Transsexuelle aufzuklären. Die Gruppierung ist eine CDU-nahe Vereinigung von Schülern.

"Die Schüler Union (SU) Niedersachsen spricht sich gegen die geplante Umstrukturierung der Lehrpläne zugunsten einer 'ominösen sexuellen Vielfalt in Schulen' aus", heißt es in der Pressemitteilung. Dieses Vorhaben führe laut SU "nicht zum gewünschten Ziel, sondern öffne vor allem einer 'Übersexualisierung und Perversion' des Unterrichts die Tür."

Warnung von "sexuellen Übergriffen"


So bebilderte die Schüler-Union ihre Pressemitteilung

Der Landesvorsitzende der Schüler-Union, Benedict Lösser, der zugleich stellvertretender Kreisvorsitzender der Jungen Union Celle ist, sagte: "Laut der rot-grünen Logik wären selbst Mathebücher, in denen Textaufgaben mit einem 'normalen heterosexuellen' Paar und Kindern auftauchen, ohne irgendwelche Aufgaben mit homo- oder bisexuellen Eltern eine offene Diskriminierung. Bereits da muss man sich schon fragen: Wie angemessen sind diese Pläne der Landesregierung?"

Samuel Goldbuch, Pressesprecher der SU und ebenfalls Mitglied der Jungen Union, kritisierte auch die Einbeziehung von externen Aufklärungsprojekten: "Dabei ist zu beachten, dass die Lehrer hierbei heraus gebeten werden sollen und somit diese Organisationen ohne Aufsicht durch die Lehrkräfte ihre Programme durchziehen können – und das alles ohne irgendwelche Altersbegrenzungen. Die bekannten Methoden, wie die Präsentation verschiedenster 'Streichelintensitäten' oder das Erfinden neuer Sexualpraktiken sind jedenfalls sehr fragwürdig, besonders ohne Aufsicht."

Lösser ergänzte dazu: "Grundschüler bereits mit verschiedensten sexuellen Orientierungen zu konfrontieren wird die Kinder wohl eher überfordern und verwirren, anstatt sie zu toleranteren Menschen zu erziehen. Außerdem können einige angestrebte Projekte durchaus zu sexuellen Übergriffen führen."

Aus Shitstorm nichts gelernt


Karin Bertholdes-Sandrock (CDU) hatte bereits viel Kritik für ihre Kritik an den Aufklärungsplänen geerntet (Bild: Wiki Commons / Martin Rulsch / CC BY SA 3.0)

Mit dieser klaren Verknüpfung von LGBT-Aufklärungsprojekten mit Missbrauch geht die Schüler-Union weiter als die CDU-Landtagsabgeordnete Karin Bertholdes-Sandrock, die bereits im September kritisiert hatte, dass Projekte wie SchLAu mit Kindern alleine gelassen werden sollen, und damit einen solchen Missbrauch angedeutet hatte (queer.de berichtete). Später hatte sie die Äußerungen revidiert und behauptet, sie sei generell dagegen, dass Projekte ohne Lehrer Zugang zu Kindern hätten.

Trotzdem hatte die Aussage zu einem Shitstorm und viel Kritik in den Medien geführt. Der Landesschülerrat hatte gar den Rücktritt der CDU-Bildungsexpertin gefordert (queer.de berichtete); der Landesjugendring, der 80 einzelne Jugendorganisationen und 200 kommunale Jugendringe vertritt, hatte die Äußerungen ebenfalls kritisiert und sich für die Aufklärung ausgesprochen (queer.de berichtete). In zahlreichen Interviews und einem Leserbrief hatte zudem das Schulaufklärungsprojekt SchLAu seine "Antidiskriminierungsarbeit" erläutert und verteidigt.

Dennoch hetzt die Schüler-Union einen Monat später gegen die Aufklärung. "Das gesamte Vorhaben ist eine einzige Farce. Wir sehen darin eine absolute Perversion und Übersexualisierung des Unterrichts, insbesondere in den Grundschulen", so Lösser in der Pressemitteilung. "Es muss eine eindeutige Privatsphäre der Schüler geben! Die Landesregierung muss endlich aufhören alle gesellschaftlichen Felder durch ihre ideologisierte Politik zu nivellieren!"

Die Pressemitteilung wurde bereits Ende Oktober verfasst, erzielte aber am Mittwoch durch eine Verbreitung durch die "Initiative Familienschutz" größere Aufmerksamkeit. Die Initiative organisiert nach zahlreichen Protesten in Stuttgart derzeit eine "Demo für alle" gegen die Schulaufklärung, die am nächsten Samstag (22. November) in Hannover stattfinden soll (queer.de berichtete). Inzwischen gibt es Pläne für eine Gegen-Demo (queer.de berichtete).

 Update  13.11.2014: Reaktionen

In einer ersten Reaktion übte die Bundesstiftung Magnus Hirschfeld scharfe Kritik an der Pressemitteilung der CDU-Nachwuchsorganisation. "Die Schüler-Union sollte erst einmal ihre Hausaufgaben machen und sich informieren, bevor sie einen solchen Unsinn verbreitet", erklärte der geschäftsführende Vorstand Jörg Litwinschuh gegenüber queer.de. Die Bildungsarbeit ist einer der Schwerpunkte der Stiftung, die vor drei Jahren ihre Arbeit aufnahm.

 Update  11h: Schüler-Union äußert sich

Die Schüler-Union hat in der Nacht eine Stellungnahme "zu aktuellen Vorwürfen" veröffentlicht: "Zuerst einmal positionieren wir uns klar gegen Homophobie oder sonstige menschenverachtende Ansichten! Jegliche Handlungen, die gegen die Gleichberechtigung und zur Ausgrenzung unserer Mitschüler und Mitmenschen führen, werden von uns in keinem Fall toleriert!"

Zugleich betont die Union, dass man "eine sofortige Erneuerung der Lehrbücher nicht als notwendig" ansehe: "Toleranz wird nicht durch vermehrte Darstellung von jeglichen Sexualitäten in allen Lehrbüchern aufgebaut. Sie entsteht durch eine umfassende Aufklärung im Biologieunterricht, mitunter auch im Ethikunterricht und insbesondere durch die Eltern." Eltern müssten bei Programmen zur Bekämpfung der Diskriminierung in der Schule eingebunden werden.

Erneut sprach sich die Schüler-Union gegen Schulaufklärungsprojekte aus, die ohne Lehrer mit Schülern sprechen wollen: "Allerdings positioniert sich die Schüler Union Niedersachsen klar gegen Projekte zur sexuellen Aufklärung in der Schule unter explizitem(!) Ausschluss der Lehrkräfte! Diese sind aufsichtspflichtig und verantwortlich für ihre Schüler, wovon auch hier keine Ausnahme gemacht werden sollte! Unausgebildete Privatpersonen stehen nicht als Garant für eine größere Toleranz, hierzu muss mit den Lehrkräften zusammen gearbeitet werden, um die Schüler auch fachgerecht zu betreuen. Alle Kinder, ganz gleich welcher ethnischen – oder religiösen Gruppe, müssen sensibel behandelt werden können."



#1 FoXXXynessEhemaliges Profil
  • 12.11.2014, 17:48h
  • Die Schüler-Union kann man doch überhaupt nicht ernstnehmen! Noch ziemlich grün hintern Ohren und schon die Klappe weit aufreißen!
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#2 FringeOGAnonym
  • 12.11.2014, 17:58h
  • Gääääääähhhnnnnnnnnn! das geschwätz eines Möchtergern-Politiker-Kücken, der aus der Provinz kommt interessiert mich nicht mal!
  • Antworten » | Direktlink »
#3 JadugharProfil
#4 nebenbeiAnonym
  • 12.11.2014, 17:59h
  • Auf solche Leute in Mitteleuropa zielte das Homophobie-Design von Putins Politik-Beratern übrigens von Anfang an.
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#5 MethusalemAnonym
  • 12.11.2014, 18:00h
  • Antwort auf #1 von FoXXXyness
  • Alter ist kein Verdienst und Jugend keine Sünde.

    Das Üble an so einer rausgerotzten "Meinung" wie deiner ist, dass sie an der Sache vorbeigeht.

    Wenn Typen wie dieser Lösser älter werden, richten sie altersgemäß größeren Schaden an. Das muss man sehr, sehr ernst nehmen.
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#6 dasnochAnonym
#7 Danny387Profil
  • 12.11.2014, 18:23hMannheim
  • Kann man mal bitte die Themen "Übersexualisierung" und "Akzeptanz sexueller Vielfalt" auseinanderhalten? Ist das so schwer???
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#8 ChristineAnonym
  • 12.11.2014, 18:24h
  • >Die Schüler Union (SU) Niedersachsen spricht sich gegen die geplante Umstrukturierung der Lehrpläne zugunsten einer 'ominösen sexuellen Vielfalt in Schulen' aus", heißt es in der Pressemitteilung. Dieses Vorhaben führe laut SU "nicht zum gewünschten Ziel, sondern öffne vor allem einer 'Übersexualisierung und Perversion' des Unterrichts die Tür....
    Außerdem können einige angestrebte Projekte durchaus zu sexuellen Übergriffen führen."

    Hahaha... unglaublich...Antworten » | Direktlink »
#9 Dont_talk_aboutProfil
  • 12.11.2014, 18:52hFrankfurt
  • Ich mache mir auch Sorgen, dass der Heiratssatz von Hall im Mathematikunterricht einiger Länder bald nicht mehr gelehrt werden darf. Die graphentheoretisch Darstellung beruht auf einem bipartiten Graphen. Ein Matching ist eine Menge von verschiedenen Kanten, die keine Knoten des Graphen gemeinsam haben.
    Weil der Graph bipartit ist, sind gleichgeschlechtliche Partnerschaften von vorneherein ausgeschlossen, also reine Heteronormativität
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#10 DesignAnonym
  • 12.11.2014, 19:30h
  • Antwort auf #4 von nebenbei
  • Parteijugend anderenorts. Nein, nicht eine türkische oder russische...

    Vor einigen Wochen lobte der chinesische Präsident Xi Jinping den Blogger Zhou Xiaoping für seine positive Energie.

    Zhou Xiaoping ist der neue Jung-Star der regimetreuen Blogger.

    Er erklärte in einem viel diskutierten Beitrag Neun K.-o.-Schläge in Amerikas Kaltem Krieg gegen China, die amerikanische Kultur untergrabe die moralischen Grundlagen und das Selbstbewusstsein der Chinesen.
    (In einem anderen Beitrag verglich er die US-Medienberichterstattung über China mit der Behandlung der Juden durch Hitler.)

    www.foreignpolicy.com/articles/2014/10/21/is_this_the_new_fa
    ce_of_chinas_silent_majority


    In opportunen Nuancen gehören Nationalismus, Chauvinismus und eine rückständige Sexualmoral natürlich zusammen, sind verwoben - weltweit.

    So wird Gröhe (noch) das Deutschlandfähnchen weggerissen und der schwule Spahn (noch) in die Bütt geschickt. Bis das "Europa" mit Schaltzentrale Berlin ökonomisch, politisch und juristisch festgezurrt ist.
  • Antworten » | Direktlink »