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  • 14.11.2014           52      Teilen:   |

Schwerpunkt

"Junge Freiheit" hetzt gegen Schulaufklärung und Schwule

Artikelbild
Eine Headline, wie sie die NPD nicht besser hätte formulieren können, ziert die aktuelle Ausgabe der "Jungen Freiheit"

Auch das rechte Blatt schießt sich jetzt gegen Sexualpädagogik und Schulaufklärung über sexuelle Vielfalt ein. Als Kronzeugin dient ausgerechnet eine Fachbeirätin der Hirschfeld-Stiftung.

Von Norbert Blech

"Sie verführen unsere Kinder", heißt es auf dem Titel der neuen Ausgabe der "Jungen Freiheit". Falls unklar ist, wen das rechtskonservative bis rechtsextreme Blatt mit "Sie" meint, macht es das noch auf der Startseite in einem Leitartikel deutlich.

"Unter dem Druck der Homo- und Genderlobby treten Lehrer die Türen der Kinderseele ein", schreibt Chefredakteur Dieter Stein. Mit dem Schwerpunkt wolle das Blatt über die "skandalösen Pläne" berichten, "bei Kindern unter der verharmlosenden Parole 'Akzeptanz sexueller Vielfalt' natürliche Schamgrenzen zu brechen und an zum Teil perverse Sexualpraktiken heranzuführen".

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"Werbung für homosexuelles Handeln"

Ein Interview mit der Pädagogin Karla Etschenberg könnte noch ein Nachspiel in der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld haben
Ein Interview mit der Pädagogin Karla Etschenberg könnte noch ein Nachspiel in der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld haben

Als Beleg dient ein ganzseitiges Interview mit der pensionierten Erziehungswissenschaftlerin Prof. Dr. Karla Etschenberg. Zunächst macht sie einen klaren Unterschied zwischen dem Bildungsplan, dessen Ziel Akzeptanzförderung sei, und den von ihr kritisierten Auswüchsen in der Sexualpädagogik.

Später vergisst sie das allerdings, warnt vor einer "Umerziehung" und vor "Lobbyisten" sowie davor, dass "die Entdiskriminierung einer Gruppe" nicht zur Diskriminierung einer anderen führen dürfe. Vor allem aber reißt Etschenberg die Grenzen wieder ein: Sie befürchtet, dass "Initiativen und Ideologen im Schlepptau der Akzeptanzförderung in die Schulen kommen". Durch "fragwürdige Inhalte" drohe eine "Sexualisierung von Kindern und Jugendlichen" und letztlich auch Kindesmissbrauch.

Im ganzseitigen Interview geht sie dabei nur auf eine Initiative ein: das mehrfach ausgezeichnete Aufklärungsprojekt SchLAu NRW. "Bei der Initiative (…) arbeiten ehrenamtlich Menschen mit, die durch persönliches Betroffensein motiviert sind, sich bei Jugendlichen für Akzeptanz sexueller Vielfalt einzusetzen. Sie durchlaufen in der Regel nur eine interne Ausbildung, bieten aber Workshops in der Schule an."

Auf die Frage der "Jungen Freiheit", ob es sich also um Homosexuelle handelt, "die dort Eigeninteressen lancieren", antwortete die Professorin: "Wenn Homosexuelle in der Schule homosexuell veranlagten Jugendlichen den Umgang mit ihrer Sexualität erleichtern wollen, ist das anerkennenswert. Wenn dabei aber für homosexuelles Handeln geworben wird, ist das inakzeptabel. Was wirklich geschieht, müsste geklärt werden."

Etschenberg ist Fachbeirätin der Magnus-Hirschfeld-Stiftung

"Werbung für homosexuelle Handlungen"? Die Aussage ist erschreckend für eine Wissenschaftlerin. Aber viel schlimmer: Die Arbeit von SchLAu ist durchaus "geklärt" – und Etschenberg könnte und müsste es besser wissen. Denn sie sitzt unter anderem im 23-köpfigen Fachbeirat der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld, als Vertreterin der Deutschen Gesellschaft für Sozialwissenschaftliche Sexualforschung e.V. (DGSS).

Entsprechend entsetzt reagierte man in der Stiftung: "Frau Professor Etschenberg gibt mit ihren in der 'Jungen Freiheit' gemachten Aussagen nicht die Haltung der Bundesstiftung wieder", sagte deren geschäftsführender Vorstand, Jörg Litwinschuh, auf Anfrage von queer.de. "Ich distanziere mich ausdrücklich von ihren Aussagen." Er wolle nun das Gespräch mit der Fachbeirätin suchen.

Litwinschuh nahm auch Projekte wie SchLAu in Schutz: "Die Bundesstiftung Magnus Hirschfeld unterstützt ausdrücklich die Vernetzungsarbeit von Einrichtungen und Projekten, die sich mit der Thematisierung von sexueller Vielfalt in der Bildungsarbeit beschäftigen. So förderten wir zum Beispiel in den vergangenen Jahren nicht nur die Vernetzung der Schulaufklärungsprojekte in Deutschland, sondern unterstützen auch die Wissensvermittlung über den Forschungsstand, den Wert und die Notwendigkeit dieser sehr wichtigen, seriösen und hervorragenden Arbeit der Projekte."

Das Interview in der "Jungen Freiheit" war nicht das erste Mal, dass sich Karla Etschenberg öffentlich auf die Seite der Bildungsplangegner gestellt hat. Bereits vor wenigen Wochen nahm sie an einem Gesprächsabend im Stuttgarter Alten Schloss teil, der von der "Initative Familienschutz" organisiert wurde (queer.de berichtete) – das sind die Ausrichter der homophoben Demos gegen den Bildungsplan in Baden-Württemberg und der entsprechenden Demo am nächsten Samstag in Stuttgart.

"Sexuelle Orientierung hinterfragen"

In der "Jungen Freiheit" findet sich unter dem Titel "Keine Chance für die Liebe" ansonsten noch ein Text von dem "Jugendforscher" Martin Voigt, der kürzlich bereits in der FAZ vor einer "Umerziehung der Gesellschaft" und "Förderung von Kindesmissbrauch" gewarnt hatte (queer.de berichtete). Er befürchtet, dass sich "die fächerübergreifende 'Akzeptanz sexueller Vielfalt' als Trojanisches Pferd erweisen könnte", mit dem Kinder lernen sollten, "ihre sexuelle Orientierung zu hinterfragen" – als könnte man zum Schwulsein erzogen werden.

Er leitet diesen Gedanken mit SchLAu NRW ein. Das Projekt wird in einem weiteren ganzseitigen Text von Mario Jacob als "tragende Säule rot-grüner Homo-Lobbyarbeit" diffamiert. Dank staatlicher Mittel wachse diese geradezu bedrohlich an.

Zahlreiche Verbände und Parteien lehnen es ab, der "Jungen Freiheit" Interviews zu geben, um der extrem rechten Zeitung nicht zu Ansehen und Leserzustrom zu verhelfen. Entsprechende Beschlüsse gibt es u.a. vom Zentralrat der Juden in Deutschland und der Berliner SPD.

 Update 1  15.11., 11.55h: Etschenberg gegen Homo-"Propaganda"
Auch im Deutschlandfunk hatte sich Etschenberg gegen "Propaganda für verschiedene Lebensweisen" an der Schule ausgesprochen. (Danke an Rainer Hörmann für den Hinweis)

 Update 2  13:05h: Aufgabe des Fachbeirats
Auf Facebook und Twitter fordern User eine "Entlassung" Etschenbergs aus dem Fachbeirat. Laut Satzung der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld ist eine Abberufung nur aus "wichtigem Grund" durch das Kuratorium möglich. Die ehrenamtlichen Mitglieder des Fachbeirats wurden vom Kuratorium, das sich aus Vertretern der Bundestags, der Ministerien und von LGBT-Verbänden zusammensetzt, für eine Amtszeit von vier Jahren gewählt. Sie sollen den Vorstand und das Kuratorium bei der Planung und Durchführung des Forschungs- und Bildungsprogramms einschließlich der Vergabe der Fördermittel beraten. Laut Satzung soll es sich dabei um Personen handeln, "die sich auf einem Fachgebiet mit Bezug zu den Stiftungszwecken hervorgetan haben". Die Deutsche Gesellschaft für Sozialwissenschaftliche Sexualforschung e.V, in deren Vorstand Etschenberg sitzt, hat allerdings einen von der Satzung garantierten Sitz im Fachbeirat.

 Update 3  16.11. Todesstrafe für Jörg Litwinschuh gefordert
Auf der Facebook-Seite der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld hat der geschäftsführende Vorstand Jörg Litwinschuh am Samstag eine ausführliche Stelllungnahme zum Interview der Fachbeirätin veröffentlicht. Darin heißt es u.a.: "Ich persönlich lehne Interviews mit homo- und transphoben Medien ab! Auch die in dem Interview getätigten Einschätzungen, Vorurteile und Zuschreibungen von Frau Etschenberg teile ich keiner Weise." Er kündigte an, das Thema auf die Tagesordnung des Kuratoriums zu setzen. "Unsere Stiftung wird auch das Gespräch mit allen Projekten und Fachexpert_innen suchen und diese zu einem gemeinsamen Treffen einladen, wie die meiner Meinung nach sehr gute, unabdingbare Arbeit der LSBTI*- und Sexualaufklärungs-Bildungsprojekte besser in die verschiedenen gesellschaftliche Gruppen (z.B. Eltern, Lehrer, Medien) vermittelt werden kann."

Als Reaktion auf diese Klarstellung wurde Litwinschuh scharf angegriffen. "Sehr vernünftig, den Schwulen-, Lesben-, Transen- und Genderbekloppten mal mitzuteilen, daß sie mit ihrem Schwachsinn den Normalbürger nicht mehr belästigen sollen", heißt es in einem Kommentar von Facebook-User Axel Michaelis. Auch Mirko Welsch, Sprecher der Bundesinteressengemeinschaft Homosexuelle in der AfD, verteidigte die Fachbeirätin und griff Litwinschuh an: "Ich muss mich von dieser demokratiefeindlichen Grundhaltung seitens der Bundesstiftung deutlich distanzieren". Userin Julia Strüber forderte sogar, alle Unterstützer der Bildungspläne "inklusive der Autoren dieses speziellen Posts" aufzuhängen – Jörg Litwinschuh kündigte gegenüber queer.de an, eine Strafanzeige zu prüfen.

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Tags: junge freiheit, bildungsplan, schule, karla etschenberg, bundesstiftung magnus hirschfeld, martin voigt, initiative familienschutz
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 Streit um Bildungsplan in Baden-Württemberg
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Reaktionen zu ""Junge Freiheit" hetzt gegen Schulaufklärung und Schwule"


 52 User-Kommentare
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Die ersten:   
#1
15.11.2014
00:07:23


(0, 8 Votes)

Von ehemaligem User Adrien


Wenn das die Aussagen einer Pädagogin der Hirschfeld-Stiftung sind, leider kann man das Interview nicht lesen, besteht tatsächlich Aufklärungsbedarf.


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#2
15.11.2014
08:22:34


(+8, 12 Votes)

Von goddamn liberal
Antwort zu Kommentar #1 von Adrien


Es gibt keine 'Pädagoginnen der Hirschfeld-Stiftung' , sondenr nur Uni-Päagoginnen.

Dass diese Frau einem rechtslastigen Blatt, das eine Brücke ins verfassungsfeindliche Miliieu darstellt, ein Interview gibt, ist der eigentliche Skandal.

Man muss halt aufpassen, wen man so in seine Fachbeiräte reinlässt.

Die Gerede von der Homo-Lobby bewgt sich in Denkschablonen, die vom Antisemitismus her gut bekannt sind.

Manchen ist es so unerträglich, dass eine Minderheit langsam aus dem Ghetto in die Gleichberechtigung aufsteigt, dass man dahinter nur finstere Mächte vermuten kann.

Akandemiker machen da keine Ausnahme. Im Gegenteil!

Das führt nicht nur zu struktureller Gewalt, sondenr auch zu offener Gewalt.


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#3
15.11.2014
08:28:35


(+4, 6 Votes)

Von ehemaligem User FoXXXyness


Da können sich zwei die Hand reichen: die FAZ und die Junge Freiheit!


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#4
15.11.2014
08:45:55


(-4, 6 Votes)

Von ehemaligem User FoXXXyness


Nachtrag: ein Artikel aus der "Jungen Freiheit":

Volker Beck empört über ARD-Toleranzwoche

Und das übliche Blabla.


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#5
15.11.2014
08:47:36


(+4, 6 Votes)

Von ehemaligem User FoXXXyness


Zweiter Nachtrag: "Junge Freiheit" titelt:

Homo-Lobby unzufrieden mit Gesetzentwurf zu Haßkriminalität

Geht's noch!?


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#6
15.11.2014
09:39:26
Via Handy


(+8, 10 Votes)

Von Landmädchen


>>"Auf die Frage der "Jungen Freiheit", ob es sich also um Heterose­xuelle handelt, "die dort Eigenin­teressen lancieren", antwortete die Professorin: "Wenn Heterose­xuelle in der Schule heterosexuell veranlagten Jugend­lichen den Umgang mit ihrer Sexualität erleichtern wollen, ist das anerken­nenswert. Wenn dabei aber für heterose­xuelles Handeln geworben wird, ist das inakzeptabel. Was wirklich geschieht, müsste geklärt werden."<<

...merkt ihr was?


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#7
15.11.2014
10:36:56


(+5, 7 Votes)

Von Sveni Maus
Antwort zu Kommentar #6 von Landmädchen


Korrekt!


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#8
15.11.2014
10:49:04


(0, 6 Votes)

Von ehemaligem User Adrien
Antwort zu Kommentar #2 von goddamn liberal


...Aussagen einer Pädagogin im Fachbeirat der Hirschfeld-Stiftung...


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#9
15.11.2014
10:52:35


(+8, 8 Votes)

Von Thomassagt


Gut, dass sich die Hirschfeld-Stiftung von den Aussagen von Frau Etschenberg klar distanziert hat!


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#10
15.11.2014
11:08:02


(+6, 10 Votes)

Von Fennek


"Etschenberg ist Fachbeirätin der Magnus-Hirschfeld-Stiftung"

Da sieht man, was die Magnus-Hirschfeld-Stiftung wirklich ist. War doch klar, dass diese Regierung nicht mal das neutral macht.


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