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Homophober Protest abgebrochen

Demo in Dresden: Vielfalt siegt über Einfalt


Die Polizei schützte gelassen die "Besorgten Eltern" vor einem relativ gelassenen Gegenprotest. Trotzdem brachen die Gegner einer Schullaufklärung über (Homo-)Sexualität die Veranstaltung ab.

Die "Besorgten Eltern" brachten deutlich weniger Demonstranten auf als der vielfältige Gegenprotest – und wurden regelrecht friedlich eingekesselt.

Von Norbert Blech, mit Informationen und Fotos von Dirk Ludigs

In Dresden ist es am Samstag zu einer neuen Episode im Kulturkampf um eine Schulaufklärung über sexuelle Vielfalt gekommen. An der Semperoper demonstrierten laut Einsatzleiter der Polizei rund 300 bis 400 "Besorgte Eltern" – die Gruppe hatte 3.000 Teilnehmer angemeldet. Gegen sie protestierten bis zu 1.000 LGBT und Verbündete.

Ein Zeichen hatte am Morgen bereits die Semperoper gesetzt, vor der die homophobe Demo stattfand: Sie hatte von zwei Fahnenmästen Regenbogenflaggen wehen lassen. Dem Aufruf zum Gegenprotest des Dresdner CSD und von Gerede e.V. waren zahlreiche Organisationen gefolgt; aus Köln waren Vertreter des CSD angereist, aus Berlin gleich ein ganzer Aktivistenbus, darunter die Truppe "Enough is Enough", deren "Stop Homophobia"-Logos überall präsent waren. Auch die Band "Jennifer Rostock" war mit Regenbogenflaggen dabei.

Am Schlossplatz sprachen Vertreter von SPD, Linke, Grüne, LSU, FDP und Piraten. Die Polizei schätzt die Teilnehmerzahl der Veranstaltung auf 600. Allerdings war die Zahl schwer zu schätzen, weil sich viele Schwule und Lesben zu dem später beginnenden Protest der "Besorgten Eltern" aufmachten. Auch dort hatten die Gegenprotestler letztlich eine Mehrheit; der Protest "gegen Früsexualisierung" wurde von ihnen regelrecht eingekesselt.

Viel Lob für FAZ-Stimmungsmache


Jürgen Elsässer peitsche die Menge ein

Man sei nicht homophob, sondern sorge sich um das Wohlergehen der Kinder, sagte der Protestorganisator Matthias Ebert auf seiner Bühne. Er stammt aus Nordrhein-Westfalen, hatte in Köln bereits zwei Demos und später eine in Frankfurt organisiert, als noch niemand den Bildungsplan auf dem Schirm hatte. Zuletzt war die Organisation in Augsburg aktiv: Nach einer Demo vor wenigen Wochen soll dort im Januar eine weitere folgen.

Anders als bei den Anti-Bildungsplan-Demos der "Initiative Familienschutz" wurde im Vorfeld nie groß für die Proteste getrommelt, dafür war das russische Fernsehen immer zur Stelle, um Bilder in die Heimat zu transportieren, wie sich Eltern gegen Sexualkunde wehren. Dass es eine Teilnahmepflicht für Kinder gibt, ist das Hauptthema dieser Gruppe.

Zugleich waren Flyer der "Besorgten Eltern" durchaus homophob, ein Adoptionsrecht für Homo-Paare wurde als "unverantwortliches Experiment an Schutzbefohlenen" bezeichnet, die "Werbung" für "homosexuelle und hedonistische Lebensweisen" im Unterricht kritisiert. Ebert zitierte unter zustimmenden Applaus viele Mythen aus Berichten der FAZ über Sexualpädagogik.

Auch Jürgen Elsässer, Chef des rechten und Kreml-verteidigenden Verschwörungsmagazins "Compact", brachte viele Mythen ins Spiel, sorgte sich regelrecht um eine Vergewaltigung der Kinderseele und sagte, der Unterricht diene "nicht der Aufklärung, sondern der Einübung von Sexualität". Vor genau einem Jahr hatte er in Leipzig einen Kongress seines Magazins zum Thema Familie abgehalten und dazu die Autorin des russischen Gesetzes gegen Homo-"Propaganda" und eine Anführerin der französischen Bewegung gegen die Ehe-Öffnung für schwule und lesbische Paare eingeladen (Reportage von der Konferenz).

Youtube | Die Rede von Elsässer

Vorzeitiger Abbruch


Die "Besorgten Eltern" instrumentalisierten wieder ihre Kinder

Um 15.15 Uhr, 75 Minuten nach Beginn, wurde der "besorgte" Protest nach Angaben der Veranstalter frühzeitig für beendet erklärt. Die Polizei sei nicht in der Lage gewesen, die Sicherheit zu gewährleisten, sagte Ebert. Eine "tyrannische Minderheit" habe den Protest unmöglich gemacht und Meinungsäußerungen verhindert. Hier scheint bereits an einer Legende gebastelt zu werden: Die Polizei hatte zwischen dem Protest und dem Gegenprotest drumrum einen Ring gebildet. Es bestand keine ernsthafte Gefahr von Übergriffen, nicht mal eine gewalttätige Stimmung.

Allerdings gelang es der Gegenbewegung durchaus, die Reden auf der Bühne beinahe zu übertönen. Nachdem sich in Stuttgart die Szene aus den Protesten gegen die Bildungsplan-Demos nach dem ersten Mal regelrecht zurückgezogen hatte, ist das ein ermutigendes Zeichen. Und ein nötiges: Die "Initiative Familienschutz", die am nächsten Samstag in Hannover gegen Schulaufklärung über sexuelle Vielfalt demonstrieren will, dürfte erheblich mehr Leute mobilisieren als die "Besorgten Eltern". Ein breites Bündnis für einen Gegenprotest hat sich inzwischen gebildet (queer.de berichtete).

Am gleichen Tag lädt Elsässer in Berlin zur nächsten Konferenz seines Magazins. In einer "Friedenskonferenz" geht es hauptsächlich um eine Verteidigung der russischen Politik. Eingeladen ist aber auch der russische Bahn-Chef Wladimir Jakunin, der Anfang des Jahres in Berlin mit mehreren homophoben Aussagen für Aufsehen gesorgt hatte (queer.de berichtete).

 Update  18h: MDR-Bericht
Auch der MDR hat den reaktionären Protest in die rechte Ecke gestellt und die Gegen-Demo zum eigentlichen berichtenswerten Protest erklärt: Demonstration in Dresden – Gegen Homophobie und Diskriminierung.

Youtube | Eine der Reden vom Gegenprotest


#1 HugoAnonym
  • 15.11.2014, 17:35h
  • "Eine "tyrannische Minderheit" habe den Protest unmöglich gemacht und Meinungsäußerungen verhindert"

    Die verfluchten schweine versuchen alles erdenkliche uns zu diffamieren, die elendigen schweine.
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#2 FoXXXynessEhemaliges Profil
#3 LinusAnonym
  • 15.11.2014, 18:16h
  • "Nachdem sich in Stuttgart die Szene aus den Protesten gegen die Bildungsplan-Demos nach dem ersten Mal regelrecht zurückgezogen hatte"

    In welcher Hinsicht zurückgezogen? Habt ihr dazu genauere Infos?
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#4 PeerAnonym
  • 15.11.2014, 18:29h
  • Diese Demo zeigte wieder mal den Größenwahn dieser ewiggestrigen Homohasser und Hinterwäldler.

    Trotz tatkräftiger Hetze der FAZ kamen statt der angemeldeten 3.000 Personen nur ca. ein Zehntal.

    Aber mehr als 1.000 LGBT und ihre Freunde und Familien.

    Die Hetzer leben zwar so in ihrem Wahn, dass sie immer noch meinen werden, sie sprächen für die Mehrheit, aber jeder Mensch, der noch mehr als 3 Gehirnzellen hat, hat jetzt wieder mal gesehen, dass dies ein kleiner Haufen Fanatiker ist, auf den man nicht hören darf.
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#5 RobinAnonym
  • 15.11.2014, 18:32h
  • Diese Hass-Fanatiker wollen das immer so darstellen, als würden LGBTI Kinder für ihre Zwecke instrumentalisieren, aber auf der Demo hat man wieder mal gesehen, wer die Kinder instrumentalisiert hat und mit Schildern auf die Straße schickt, die sie garantiert noch nicht verstehen können.
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#6 DresdnerAnonym
  • 15.11.2014, 18:42h

  • War ein rundum gelungener Tag . Trotz kurzfristiger Mobilisierung fanden sich über 1000 "Bunte" Protestler. Die Zahl der sog. Besorgten Eltern ist deutlich zu hoch angegeben. Mehr als 100 waren es nicht. Der Protest War laut und bunt. Die "besorgten" waren am Mikrofon deutlich enttäuscht und verunsichert.
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#7 TheDadProfil
  • 15.11.2014, 19:46hHannover
  • Antwort auf #2 von FoXXXyness
  • Lesen :

    ""Am Schlossplatz sprachen Vertreter von SPD, Linke, Grüne, LSU, FDP und Piraten""..

    Die Leute der LSU sind AUCH CDU-Mitglieder !

    Auf deren Auftreten man bei der Haltung der sächsischen Landesregierung durchaus verzichten kann..
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#8 janxAnonym
  • 15.11.2014, 20:29h
  • Antwort auf #4 von Peer

  • Tatkräftige Hetze der FAZ? Du meinst das ganz allgemein, oder? Ich konnte gerade nichts finden dass sie direkt für die Teilnahme an dieser Demo geworben hätten. Falls doch bitte Belege. Würde mich sehr interessieren.
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#9 NicoAnonym
  • 15.11.2014, 20:59h
  • Die FDP hat ja noch vor kurzem wieder mal behauptet, die SPD und die Grünen würden einen Keil in die Gesellschaft treiben.

    Tja, FDP: wieder mal aufs falsche Pferd gesetzt. Offenbar treiben die Homohasser und deren Unterstützer einen Keil - sind aber in der absoluten Minderheit.
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#10 HeinerAnonym
  • 15.11.2014, 21:01h
  • "Auch der MDR hat den reaktionären Protest in die rechte Ecke gestellt und die Gegen-Demo zum eigentlichen berichtenswerten Protest erklärt"

    Schön, dass es außer der FAZ, die ja jetzt zum rechtspopulistischen Schmierenblättchen verkommen ist, auch noch seriösere Medien gibt...
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