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PRO: Die Grünen sind Garant für eine liberale Gesellschaft
Von Norbert Blech, queer.de

Auch wenn es einiges an ihnen zu kritisieren gibt, sind die Grünen ein wichtiger, verlässlicher Partner für Schwule und Lesben. In der Homo-Politik hat die Partei viel geleistet. Wer kritisiert, man habe Schwule und Lesben nur in das Korsett einer konservativen Spießer-Ehe gesteckt, der verkennt, dass es eine Menge Paare gibt, für die die Ehe das Ideal ist und deren zuvor abgelehnter Heiratswunsch eine deutliche, umfassende Diskriminierung darstellt. Wer kritisiert, die in vielen Teilen noch nicht zur Ehe gleichgestellte Lebenspartnerschaft sei ein diskriminierendes Sondergesetz, der verkennt die wahren Verantwortlichen. Und wer denkt, die Homo-Ehe sei nicht sein Ideal und folglich der Kampf darum nur für wenige wichtig, der verkennt, welche Signalwirkung mit dieser ersten staatlichen Anerkennung von Schwulen und Lesben außerhalb des Strafrechts an Politiker, an Behörden, Verwaltungen, Firmen und an die Gesellschaft geht. Die Gegner schwul-lesbischer Bürgerrechtspolitik haben diese Signalwirkung oftmals besser erkannt als die Szene selbst.

Es ist ein Mitverdienst der Grünen, dass sich Szene und Rest-Gesellschaft aneinander annähern. Das muss keine Aufgabe von Positionen an den Mainstream darstellen, es bedeutet vielmehr den Anfang von Toleranz und Respekt und den langsamen Niedergang von Vorurteilen und Homophobie.

Natürlich gibt es kritikbedürftige Tendenzen, etwa, wenn der größte Homopolitiker von allen sinnige Stiftungen scheitern lässt und Einschränkungen bei geplanten Gesetzen mit der angeblich noch nicht so weiten Gesellschaft begründet, und nicht etwa mit dem noch nicht so weiten Koalitionspartner.

Doch auch wenn man sich die Grünen manchmal radikaler wünschen würde, so sind sie halt tatsächlich in der Regierungsverantwortung der kleinere Partner, der sich in der Homopolitik nicht immer gegen die SPD durchsetzen kann. Vieles ist deshalb noch unerledigt. Um bei der Gleichstellung von Schwulen und Lesben voranzukommen, werden die Grünen weiterhin gebraucht.

Solange es Leute wie Günter Beckstein und Norbert Geis gibt, sollte man zu schätzen wissen, was man an Volker Beck hat. Solange die FDP nur für Homorechte eintritt, solange sie (wie beim Antidiskriminierungsgesetz) nicht die eigene Klientel einschränken, solange sind die Grünen der einzige Garant für eine liberale Gesellschaft. Ein wenig mehr Druck von linken Parteien und Homo-Medien bleibt trotzdem notwendig.

KONTRA: Die Grünen haben ihre Aufgabe erfüllt
Von Micha Schulze, queer.de

Die Verdienste der Grünen sind unbestritten. Ohne die Partei würde es keine Homo-Ehe geben, ihre Regierungsbeteiligung hat Deutschland zu einem toleranteren Land gemacht, in dem es sich als Schwuler oder Lesbe wieder zu leben lohnt. Volker Beck, dem grünen Ober-Schwulen, gebührt dafür mehr Dank und Anerkennung, als ihm in der Szene zuteil wird.

Doch die Grünen veränderten sich ebenfalls. Die Alternativen von damals haben sich in 25 Jahren zu einer ganz normalen Partei entwickelt, in der Machtfragen wichtiger sind als inhaltliche Forderungen. Eine emanzipatorische Politik für Schwule und Lesben gehört längst nicht mehr zu ihren Essentials, wie der Fall Antje Vollmer zeigt: Gegen das Adoptionsrecht für Homopaare zog ausgerechnet die grüne Bundestagsvizepräsidentin an vorderster Front zu Felde. Die Mehrheit der Parteimitglieder hat mittlerweile das Gefühl, für die Homos habe man doch schon so viel getan, jetzt sei es erst mal gut...

Die Grünen haben in der Regierungskoalition mit der SPD ihre historische Aufgabe erfüllt, neue Impulse sind von ihnen nicht zu erwarten. Dazu haben sie weder die Kraft noch das visionäre Potenzial.

So tragisch es klingt: Gerade in der Schwulen- und Lesbenpolitik haben sich die Grünen selbst überflüssig gemacht. Ohne ihre offensive Homopolitik von einst würden Politiker wie Klaus Wowereit wahrscheinlich noch immer im Schrank hocken. Doch im Jahr 2005 heißt der einzig offen schwule Parteivorsitzende in Deutschland Guido Westerwelle, und nur Edmund Stoiber regt sich noch ein bisschen darüber auf.

Westerwelle und seine FDP werden es wohl auch sein, die eines Tages mehr Rechte für Eingetragene Lebenspartnerschaften durchsetzen werden - den Grünen sei dank.

13. Januar 2005



34 Kommentare

#1 palatinoAnonym
  • 13.01.2005, 18:32h
  • Sind ja sehr brave Analysen von euch beiden. Passen zum politischen Zeitgeist in unserem Land, sich immer irgendwie in der "Mitte" rumzudrücken. Nur eines ist wirklich absurd und zwar im Kontra-Artikel: Westerwelle und seine FDP werden in einer bürgerlichen Koalition mit der CDU/CSU mit Sicherheit keine weiteren Homorechte durchsetzen - in diesem Falle wird man nur noch auf Brüssel, Straßburg oder Luxemburg hoffen können!
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#2 ACopAnonym
  • 13.01.2005, 18:47h
  • Was für eine blöde Frage!

    Natürlich brauchen wir die Grünen noch - vielleicht sogar
    mehr wie früher!
    Wenn hier was überflüssig ist, dann die CDU/CSU und
    solche sinnlosen Fragen wie das Thema hier!

    Das System kann nur mit den eigenen Mitteln bekämpft
    werden. Turnschuhe und Jeans reichen da nicht mehr aus!
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#3 SuisseAnonym
  • 13.01.2005, 18:56h
  • ...... Da fliegt mir doch das Blech weg.......so hiess es mal Anfang der 80er Jahre und Herr Blech scheint gedanklich immer noch dort zu verweilen. Spricht hier von "Szene und Rest-Gesellschaft ". Warum nur müssen wir immer wieder betonen, wie anders wir sind? Sind wir nicht längst ein Teil dieser Gesellschaft und wird es nicht endlich mal Zeit, dass dies auch die selbsternannten Homoaktivisten wie ein Herr Blech kapieren ?

    Dazu ein Beispiel, aber sicher kein Einzelfall: Mein Liebster ist Italiener, ich bin Deutscher, wir haben 4 Zimmerwohnung, er arbeitet als Fliesenleger und ich arbeite im Büro. Wir gingen auf den Kölner CSD, solange er noch nicht Sommerkarneval war. Er liebt Housemusik und ich liebe Hamburg 90,3. Wir trennen den Müll und wir rauchen gerne mal was. Wir haben einen Computer, einen Fernseher, grossen Freundeskreis, eine Katze, kaufen manchmal beim Delikatessenhändler und manchmal bei Aldi. Er trägt Energie und ich trage Hartwich. Wir trinken Rotwein , essen gerne Hausmannskost und mögen Spaghetti mit Muscheln. Wir haben noch nie Anfeindungen erlebt, wir leben in der tiefsten Provinz der Schweiz, jeder weiss dass wir schwul sind (und niemand störts) und wir sind in unserer Familie als Paar akzeptiert und geliebt. Wir wissen nix von FF oder Barebacking, dafür leuchten seine Augen, wenn ich Apfelkuchen backe. Wir haben als Sicherheit gegenseitig eine Lebensversicherung abgeschlossen und wir sind uns treu........

    Warum ich das erzähle???? Na Herr Blech sind wir nun SZENE ? Oder was trennt uns von der RESTGESELLSCHAFT ?

    Wir glauben, dass wir ein akzeptierter Teil dieser Gesellschaft sind. Und um auf obige Frage zu kommen: Dank auch dafür an die grüne Partei !
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#4 Jörg FischerAnonym
  • 13.01.2005, 19:13h
  • Die Grünen sind wohl ein Paradebeispiel für Prinzipienlosigkeit und Karrieregeilheit auf Kosten der Glaubwürdigkeit. Aus einer Partei, die einst für alternative Politik, Emanzipation und Fortschritt eintrat, ist eine Partei der Besserverdienenden geworden, die mit der FDP um das gleiche Klientel streitet, die Pazifismus genauso über Bord geworfen hat wie soziale Gerechtigkeit. Und: Auch bezüglich der Emanzipation von Schwulen und Lesben bröckelt es bei den Grünen auch schon. Erinnert sei an Aussagen von Antje Vollmers zur Frage des Adoptionsrecht.

    Und das ist nur logisch - eine Partei, die sich darauf vorbereitet perspektivisch auch für die Union koalitionsfähig zu werden, muß "Ballast" abwerfen. Immerhin geht es um lukrative Ministersessel nebst üppigen Gehältern ....
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#5 calvin765Anonym
  • 13.01.2005, 20:19h
  • die grünen werden genauso gebraucht oder nicht gebraucht. wie die spd, die union, die fdp oder die pds. sie sind genauso angepasst. wenn man die fragen natürlich nur auf das schwule thema reduziert dann heisst die antwort ja. und dann müsste man wenn man die contra beitragt ernstnehmen sollte, eigentlich auf eine grünen-fdp koalition hoffen mit guido als spaßkanzler ;-)
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#6 mr. bigAnonym
#7 ACopAnonym
  • 13.01.2005, 22:39h
  • Na mit dem Adoptionsrecht haben die doch Recht! Wer will
    das? Ich auf jeden Fall nicht! So ein Quatsch. Aber wer
    dieses absurde Adoptionsrecht fordert, kann natürlich auch
    sonst seltsame Ideen haben.
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#8 DavidAnonym
  • 13.01.2005, 23:01h
  • Warum ist das Adoptionsrecht Quatsch?
    Wenn DU es nicht willst, brauchst du es nicht in Anspruch zu nehmen - es geht um ein Recht und keine Pflicht!
    Es gibt sehr wohl Paare, an denen das alte Adoptionsrecht praxisfern ist!
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#9 WernerAnonym
  • 14.01.2005, 00:49h
  • Was ich persönlich sehr aufschlussreich finde, ist, dass diese Frage auf dieser Seite direkt darüber gestellt wird, ob Schwule nun einen Christian Anders wollen oder nicht. Darf isch sie nun also Ernst nehmen oder als ein Füllstück für die "Ich-will-Spass-tiker"-Gesellschaft, die schon längst das Denken verlernt hat?
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#10 MarkusAnonym
  • 14.01.2005, 09:10h
  • Ganz einfach: Die "Uns-geht's-hier-doch-gut"- Huschen und "Also-mir-hat-hier-noch-niemand-was-getan"-Tucken brauchen die Grünen definitiv nicht, weil sie politisch eh nicht interessiert sind und sich eher Sorgen darum machen, wo sie das nächste Markenkleidchen herkriegen. Wer die Rechte von Schwulen und Lesben erweitern will, kommt hingegen um die Grünen nicht herum, denn wenn auch seit allerneuestem auch die FDP einen auf homofreundlich macht, verspricht Guidessa allenfalls, daß man nichts vom Erreichten zurücknehmen werde. MEHR erreichen zu wollen, verkünden nur die Grünen - leider stets gebunden an einen Koalitionspartner, dessen Stammwähler doch immer noch so ihre Probleme mit den Schwulen haben, und der deswegen immer bremsen wird. Und zu der merkwürdigen Adoptionsrechtsdebatte eben: Man kann nur auf Rechte verzichten, die man hat! Wenn jemand keine Kinder adoptieren will, ist das seine Sache. Wenn ich aber keine adoptieren DARF, obwohl mein Partner und ich gerne würden, und dann auch noch zur Kasse gebeten werden, weil wir keine Kinder großziehen - dann ist das Diskriminierung und muß abgeschafft werden!
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