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  • 19.11.2014           76      Teilen:   |

Rednerliste veröffentlicht

"Demo für Alle" in Hannover: Ein Auflauf der Erz-Homophoben

Artikelbild
Teilnehmer der letzten "Demo für Alle" in Stuttgart, damals nahmen mindestens 1.000 Menschen teil. Auch in Hannover rechnen die Organisatoren mit einer breiten Mobilisierung. (Bild: demo für alle / flickr / cc by 2.0)

Vom Professor, der die "Heilung" Homosexueller unterstützt, bis zum reaktionären DLF-Moderator – die "Initiative Familienschutz" fährt am Samstag schwere Geschütze auf.

Von Norbert Blech

Die Organisatoren der für Samstag geplanten homophoben "Demo für Alle" in Hannover haben am Mittwoch ihre Rednerliste bekannt gegeben. Der Protest richtet sich gegen Pläne der Landesregierung in Niedersachsen, an Schulen angemessen über Homosexualität aufzuklären. Ein entsprechender Gesetzentwurf (Drucksache 17/1333) hatte in der letzten Woche den Rechtsausschuss des Landtags passiert.

"Unter dem Druck der Homo-Lobby will die rot-grüne Regierung damit 'sexuelle Vielfalt' und ihre Gender-Agenda in den Unterrichtsalltag der Kinder integrieren. Deshalb müssen wir jetzt handeln", heißt es in dem Demo-Aufruf, der auch vor Sätzen aus der untersten Schublade nicht zurückschreckt: "Vor wenigen Tagen ist der erschreckende Untersuchungsbericht über die Pädophilie-Affäre der Grünen veröffentlicht worden. Dieselbe Partei versucht heute über die Schulpflicht flächendeckend das schützende Schamgefühl der Kinder zu zerstören."

Einer der angekündigten Redner auf der auf der Hetz-Seite "Politically Incorrect" fleißig beworbenen Veranstaltung ist Manfred Spieker, Professor für Christliche Sozialwissenschaften an der Universität Osnabrück. Er hatte kürzlich für Schlagzeilen gesorgt, als er bei einem Vortrag davor warnte, dass die "Lobby der Homosexuellen" dafür kämpfe, dass "heterosexuelle und homosexuelle Orientierungen als gleichrangig bewertet" werden. Er kritisierte, dass der geplante Unterricht Kinder "zwingt, Homosexualität gut zu finden".

Spieker sitzt im wissenschaftlichen Beirat des evangelikalen "Deutschen Instituts für Jugend und Gesellschaft" (DIJG), das sich für eine "Heilung" Homosexueller stark macht. 2009 gehörte er, im Streit um einen Kongress von Homo-"Heilern" in Marburg, zu den Erstunterzeichnern der Resolution "Für Freiheit und Selbstbestimmung – gegen totalitäre Bestrebungen der Lesben- und Schwulenverbände". In ihr wird kritisiert, dass "die Möglichkeit zur Veränderung von der Homosexualität zur Heterosexualität geleugnet wird und konkrete therapeutische Angebote für Menschen, die eben dies anstreben, unterdrückt werden". Auch werden darin "Risiken und Folgen praktizierter Homosexualität für den Einzelnen und die Gesellschaft" beklagt.

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Petition gegen "Umerziehungsprogramm"

Mit einer Petition wie dieser in Niedersachsen hatten auch in Baden-Württemberg die Proteste begonnen
Mit einer Petition wie dieser in Niedersachsen hatten auch in Baden-Württemberg die Proteste begonnen

Ein weiterer angekündigter Redner ist Gerrit Kohls, ein ehemaliger CDU-Politiker, der nun für die Freien Wähler aktiv ist und eine Online-Petition gegen die Pläne der Landesregierung gestartet hat. Mit Unterstützung der "Initiative Familienschutz" haben mittlerweile fast 15.000 Menschen den Text unterschrieben, in dem es als eine der Hauptforderungen heißt: "Keine Beeinflussung der sexuellen Orientierung im Sexualkundeunterricht."

Die Schulaufklärung über sexuelle Vielfalt bezeichnet er auf seiner Homepage als Umerziehungsprogramm, das die Ehe zwischen Mann und Frau diffamiere. Den Kindern werde beigebracht, "dass sie jederzeit das Recht hätten, ihre geschlechtliche Identität zu ändern. Transsexualität wird als Menschenrecht eingefordert." Bereits im September hatte Kohls eine Protestaktion vor dem Landtag organisiert; es kamen aber nur eine Handvoll Aktivisten und über 100 Gegendemonstranten (queer.de berichtete).

"Förderung" der Homosexualität


Deutschlandfunk-Moderator Jürgen Liminksi spricht in Hannover (Foto: DLF)


Bei der Demo am Samstag soll auch Jürgen Liminski reden, ein Journalist, der unter anderem für die "Junge Freiheit" und das Portal "Freie Welt" schreibt. Das Opus-Dei-Mitglied hatte als Moderator des Deutschlandfunks in Sendungen, die an Fox News erinnern, unter anderem beklagt, dass Antidiskriminierungsgesetze das Recht auf Meinungs- und Gewissensfreiheit aushebeln und eine "Gefahr der Gleischaltung" darstellen würden, und festgestellt, dass für das Kindeswohl ein Aufwachsen bei Vater und Mutter wichtig sei. In der Jungen Freiheit kritisierte er, dass durch europaweite Richtlinien zur Schulaufklärung "Sexualität in all ihren Aspekten, auch der gleichgeschlechtlichen, gefördert" werden solle. Mit weiteren Fragen wie Abtreibung sei der entsprechende Estrela-Bericht "auf die Zerstörung einer ganzheitlichen menschlichen Natur beziehungsweise auf die Verabsolutierung der Sexualität ausgerichtet".

Liminski ist zudem Geschäftsführer des "Instituts für Demographie, Allgemeinwohl und Familie e.V.", das auf seiner Webseite einen Anti-Bildungsplantext der FAZ verbreitet und das gemeinsam mit der den Homo-"Heilern" des DIJG, der Evangelischen Allianz und dem Deutschen Familienverband e.V. im Rahmen des "Aktionsbündnis Familie" zusammenarbeitet.

"Propagieren der homosexuellen Lebensweise"

Eckhard Kuhla bei einer Demo gegen den Bildungsplan in Stuttgart
Eckhard Kuhla bei einer Demo gegen den Bildungsplan in Stuttgart (Bild: Youtube)

Teil des Aktionsbündnis ist auch das "Familiennetzwerk", dessen Chefin Maria Steuer ebenfalls das Marburg-Plädoyer für Homo-"Heilung" unterzeichnet hatte und in Hannover sprechen wird. Eine weitere Rednerin ist die evangelikale Autorin Ruth Heil; sie hat Erfahrung mit solchen Auftritten durch den Berliner "Marsch für das Leben".

Erfahrungen direkt mit Anti-Bildungsplan-Demos hat Eckhard Kuhla, er hat schon in Stuttgart gesprochen. In einem Flugblatt schreibt er, die "Homolobby" setze auf das "Verunsichern der sexuellen Identität", und kritisiert: "Die Vielfalt sexueller Identitäten soll Normalität werden und damit auch die Homosexualität, was in der Folge bedeutet: Die Zerstörung der klassischen Familie". Dabei setze die Regierung, der es um das "Propagieren der homosexuellen Lebensweise" gehe, auf "verdeckte Operationen, unsichtbare Netzwerkagenturen und schließlich manipulierende Sprache".

Breite Unterstützung durch die AfD



Die Demo unter dem Motto "Ehe und Familie vor! Stoppt Gender-Ideologie und Sexualisierung unserer Kinder" startet ab 14 Uhr am Steintor und zieht im Anschluss durch die Innenstadt zum Landtag, wo es eine Abschlusskundgebung geben soll. Der Protest wird organisiert von der AfD-nahen "Initiative Familienschutz", die bereits die Demos in Stuttgart durchgeführt hatte. Zu dem Protest aufgerufen hatte unter anderem die Jugendorganisation der AfD, die eine eigene Facebook-Seite zum Thema betreibt. Auch der Landesverband fordert inzwischen als Top-Meldung auf seiner Webseite dazu auf, die Petition zu unterzeichnen und an der Demonstration teilzunehmen, da "die rot-grüne Landesregierung eine durchgehende Sexualisierung der Schulen im Land" anstrebe.

Großer Gegenprotest geplant

Ein breites Aktionsbündnis hat zu einem Gegenprotest ab 12.30 Uhr aufgerufen; alle Infos und Bündnispartner finden sich auf der eigenen Homepage oder bei Facebook. Der Ort des Protests soll am Donnerstag nach einem letzten Gespräch mit der Polizei bekannt gegeben werden, die an dem Tag noch mit weiteren Demonstrationen zu tun hat, darunter einer von rechten Hooligans. Den LGBT-Protest unter dem Titel "Vielfalt statt Einfalt" sollte das nicht stören. Unter anderem aus Berlin, Hannover und Bremen reisen dazu übrigens einige Aktivisten mit Bussen an (Infos s. Facebook).

 Update  20.11., 17h: Ort der Gegenkundgebung
Das Aktionsbündnis "Vielfalt statt Einfalt" hält seinen Protest auf dem Platz an der Goseriede ab. Das gaben die Organisatoren am Donnerstag bekannt. Der Ort ist in direkter Nähe zu dem Protest der "Initiative Familienschutz".

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Tags: demo für alle, hannover, initiative familienschut, afd, dijg
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Reaktionen zu ""Demo für Alle" in Hannover: Ein Auflauf der Erz-Homophoben"


 76 User-Kommentare
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Die ersten:   
#1
19.11.2014
21:17:55


(+8, 12 Votes)

Von ollinaie
Aus Seligenstadt (Hessen)
Mitglied seit 23.08.2012


"Zu dem Protest aufgerufen hatte unter anderem die Jugendorganisation der AfD"

Na, Herr Ilg, sicher mal wieder nur Einzelmeinungen.

Und der Arbeitskreis "Homosexuelle in der AfD" protestiert ganz ganz dolle. Damacht sich der Henkel glatt in die Hose, aber vermutlich vor lachen.


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#2
19.11.2014
21:57:58


(+15, 15 Votes)

Von Danny387
Aus Mannheim (Baden-Württemberg)
Mitglied seit 06.07.2014


Was ist denn bitte schön "Christliche Sozialwissenschaft"? Klingt für mich wie "Arische Physik".


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#3
19.11.2014
22:01:43


(-4, 6 Votes)

Von ehemaligem User FoXXXyness


Erzhomophobe fahren schwere Geschütze auf? Das sind sowieso alles Rohrkrepierer!


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#4
19.11.2014
22:55:51


(+6, 8 Votes)
 
#5
20.11.2014
00:02:47


(+9, 13 Votes)

Von Miguel53de
Aus Wuppertal (Nordrhein-Westfalen)
Mitglied seit 23.07.2012


Die Evangelikale Autorin Ruth Heil - Nomen est Omen. Oder manchmal auch Programm.

Diese zynischen Menschenverachter halten sich so gar nicht an die Emphehlungen unseres Adrien und sind so gar nicht nett und zurueckhaltend.

Wir Schwulen sollen aber doch?

All denen gewidmet, die sich so vehement gegen "schwule" Aggression verwahren.

Youtube-Video:


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#6
20.11.2014
00:10:04


(+7, 9 Votes)

Von Nico


Ich hoffe auf zahlreiche Gegenprotestanten. Je mehr desto besser.

Und nicht nur Schwule und Lesben, sondern ein breites Bündnis aus Parteien, Gewerkschaften, Organisationen und allen aufrechten Demokraten, die sich diesen totalitären Fanatikern entgegenstellen wollen.


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#7
20.11.2014
00:11:05
Via Handy


(+12, 14 Votes)

Von daVinci6667
Profil nur für angemeldete User sichtbar


"Vor wenigen Tagen ist der erschreckende Untersuchungsbericht über die Pädophilie-Affäre der Grünen veröffentlicht worden. Dieselbe Partei versucht heute über die Schulpflicht flächendeckend das schützende Schamgefühl der Kinder zu zerstören."

Sie versuchen es immer und immer wieder. Zu verdrehen und nochmals zu verdrehen.

Sicher haben viele Eltern teilweise auch vollkommen zurecht Angst um ihre Kinder. Doch solche Bildungspläne sind keine Gefahr. (Schaut euch mal besser genauer den Pfarrer oder auch den Sportlehrer an.)

Du meine Güte, Es geht um Aufklörung und ums Reden über Sexualität und genau das ist der beste und stärkste Schutz der Kinder!

Man lernt dort keinen praktischen Sex, weder Hetero- noch Homosex. Jedoch lernt man Respekt und Achtung für alle, egal in wen sie sich verlieben. Sollte das schon "Umerziehung" sein, dann wäre diese dringend vom Nöten.


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#8
20.11.2014
00:12:27


(+8, 12 Votes)

Von Hinnerk


"Breite Unterstützung durch die AfD"

Da zeigt sich wieder mal die hässliche Fratze der rechtspopulistischen AfD, die aktiv zur Hetze gegen Aufklärung aufruft und den homophoben Mob noch weiter gegen uns aufstachelt.


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#9
20.11.2014
01:03:34


(+8, 12 Votes)

Von David77


"Demo für Alle"? Na, da dürfen wir uns doch sicher unters Volk mischen und mitmachen... ohne uns anzumelden. Demo für ALLE muss auch bedeuten für ALLE...


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#10
20.11.2014
01:08:37


(+9, 11 Votes)

Von Mahnung


Der braune Geist des Dritten Reichs herrscht wohl immer noch in Teilen der deutschen Gesellschaft.


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