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Das Vaterschaftstest-Urteil des BGH fördert ein Leben in ständiger Lüge - ein Leben, das schwule Männer gerade erst überwunden haben.

Von Jürgen Friedenberg

Dieses höchstrichterliche Urteil geht auch die Homos, vor allem die zahlreichen Väter und Mütter unter uns, an: Der Bundesgerichtshof hat entschieden, dass heimlich, also ohne Zustimmung des Kindes, der leiblichen Mutter oder der Sorgeberechtigten angefertigte Vaterschaftstests von Gerichten nicht als Beweismittel gewertet werden dürfen.

Gewiss haben es sich die Herren Bundesrichter nicht leicht gemacht. Das BGH-Urteil (Az: XII ZR 60/03 und 227/03) mag juristisch korrekt sein, ist es aber auch weise? Ist der Datenschutz des Kindes, seine "informelle Selbstbestimmung", tatsächlich höher zu bewerten als sein Recht, zu erfahren, von wem es stammt? Und soll Mann zahlen und zahlen müssen, auch wenn ihn Zweifel plagen, ob er wirklich der Vater ist? Wie gut kann solch ein zwangsweise im Ungewissen verharrender "Zahlvater" als Partner und Vater dann noch sein?

Die hohen Richter schätzen offenbar den Fortbestand der Familie, letztlich sogar das bedingungslose Beieinanderbleiben von Eltern und Kindern (von wem diese auch stammen mögen), höher ein als das Recht einzelner Familienmitglieder auf Wahrheit und Klarheit. Der Mainzer evangelische Theologieprofessor und Dekan Walter Dietz kommt bei seiner fulminanten Urteilsschelte zu dem Schluss: "Es darf kein Recht geben zu lügen und zu verheimlichen." Genau dies aber ist nach dem Karlsruher Richterspruch zu befürchten.

Freilich, auch Wahrheit kann furchtbar verletzen, vor allem dann, wenn sie schonungslos verkündet wird. So lässt sich durchaus darüber streiten, ob es der Sache und seinem persönlichen Anliegen zuträglich war, dass der Mainzer Dekan zur Überraschung seiner Angehörigen in den Medien bekannte, unlängst selber einen Vaterschaftstest veranlasst zu haben, mit dem Ergebnis, dass seine Zweifel bestätigt wurden. Etwas mehr Diskretion in eigener Sache wäre wohl angebracht gewesen.

Bedenkenswert ist jedoch die Erkenntnis, dass ein Leben mit ständiger Lüge des Menschen nicht würdig ist. Eine Erkenntnis, die unzählige Generationen von Schwulen machen mussten, weil sie zum Verheimlichen ihrer Prägung gezwungen waren. Die Auffassungen von sexueller Treue haben sich in unserer Zeit gewandelt, auch bei den Heten ist der Seitensprung häufiger geworden und wird oft stillschweigend toleriert, solange "nichts passiert". Der Gesetzgeber sollte als wichtigste Konsequenz des BGH-Urteils der Wahrheit die Ehre und der Bundesjustizministerin, die heimliche Vaterschaftstests sogar mit Strafe belegen will, einen Korb geben.

13. Januar 2005



#1 gertAnonym
  • 13.01.2005, 21:43h
  • Dieser Artikel ist total neben der Sachlage...

    Hallo, hallo...wer hat das geschrieben ?

    Das Gericht hat nur festgeschrieben, dass der heimliche (!!!) Vaterschaftstest nicht als Beweismittel vor Gericht zugelassen wird.

    Aber weiterhin gibt es die rechtliche Möglichkeit nach §§ 1600 BGB die Vaterschaft anzufechten. Dort kann über Verbesserungen (Anfechtungsfristen,...) durchaus nachgedacht werden, aber hier ging es vorrangig um die Heimlichkeit.

    Der Artikel ist zwar gut gemeint, passt aber nicht zum Urteil.

    Denn wo kommen wir denn dahin, wenn jeder vom anderen heimlich das Genom analysieren darf. Dann haben wir ganze Gendateien demnächst bei allen Versicherungen.,...
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