Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse Tagesbild TV Termine
© Queer Communications GmbH
http://queer.de/?22751

Flagge zeigen gegen Homophobie

Homo-Orden für Stefan Schostok


Hannovers Steintorplatz umringt von Regenbogenflaggen: Oberbürgermeister Stefan Schostok ließ sich für die homophobe "Initiative Familienschutz" einen ganz besonderen Willkommensgruß einfallen (Bild: LSVD/Axel Blumenthal)

Hannovers SPD-Bürgermeister empfing die Bildungsplangegner mit einem Meer aus Regenbogenfahnen – während sein grüner Stuttgarter Amtskollege Fritz Kuhn beim Engagement gegen Homophobie versagt.

Von Micha Schulze

Was für ein geniales Zeichen! Natürlich dürfen in einer Demokratie auch homophobe "Dumpfbacken" demonstrieren, wie Hannovers parteiloser Personaldezernent Harald Härke die Bildungsplangegner am Samstag nannte, aber man kann ihnen sehr deutlich zeigen, dass sie nicht willkommen sind. Auf Anweisung von Oberbürgermeister Stefan Schostok wurden am Veranstaltungsort der Einfalts-Demo, dem Steintorplatz, Dutzende Regenbogenflaggen gehisst. Dafür erhält der SPD-Politiker unseren Homo-Orden.

Bereits eine Woche zuvor in Dresden hatte sich CDU-Oberbürgermeisterin Helga Orosz von der homophoben Kundgebung der "Besorgten Eltern" distanziert und indirekt zu den erfolgreichen Gegenprotesten aufgerufen. "Zeigen Sie Gesicht! Setzen Sie sich ein für ein weltoffenes, vielfältiges und von Akzeptanz geprägtes Klima in unserer Stadt!", heißt es in einer gemeinsamen Erklärung der Integrations- und Ausländerbeauftragten Kristina Winkler, der Gleichstellungsbeauftragten für Mann und Frau Alexandra-Kathrin Stanislaw-Kemenah sowie der Beauftragten für Menschen mit Behinderung, Sylvia Müller, die Orosz' Büro am 12. November verschickte (PDF).

Distanzieren, isolieren und ihnen nicht die Straße überlassen


Stefan Schostok, Jahrgang 1964, ist seit Oktober 2013 Oberbürgermeister von Hannover. Von 2010 bis 2013 war er Vorsitzender der SPD-Fraktion im Niedersächsischen Landtag (Bild: SPD Hannover)

Hannover und Dresden zeigen vorbildlich, wie man auf die erstarkende homophobe Bewegung in Deutschland reagieren sollte. Die jeweilige Stadt muss sich klar von der homophoben Hass-Propaganda distanzieren und alles tun, um die gruselige Mischung aus fundamentalistischen Christen, Rechtspopulisten und Neonazis zu isolieren, damit sie nicht noch weiteren Zustrom erhält.

Gleichzeitig müssen die LGBT-Community und die Zivilgesellschaft Flagge zeigen und den Ewiggestrigen nicht die Straße überlassen. So wie an den letzten beiden Wochenenden: In Dresden wurde der homophobe Protest vorzeitig abgebrochen (queer.de berichtete), in Hannover jammerte die "Initiative Familienschutz" über die mangelnde Unterstützung durch die CDU und die Fahnen-"Provokation" von SPD-Oberbürgermeister Schostok (queer.de berichtete). Schauen wir mal, ob die Homo-Gegner wiederkommen….

Hannover und Dresden zeigen aber leider auch das große Versagen in Stuttgart, wo die Bildungsplangegner bereits fünfmal auf die Straße gingen, der Protest weiter zu wachsen scheint und kein Ende der unerträglichen Hetze in Sicht ist.

Die Stadt und die LGBT-Community tragen an dieser Entwicklung eine Mitschuld: Bis heute hat sich der grüne Oberbürgermeister Fritz Kuhn nicht öffentlich vom homophoben Dauer-Aufmarsch in seiner Stadt distanziert, während die Schwulen und Lesben die Gegenproteste der linken Antifa überlassen und lieber zu Hause auf dem Sofa bleiben: "Die IG CSD Stuttgart e.V. hat sich in enger Absprache mit dem Netzwerk LSBTTIQ Baden-Württemberg sowie weiteren Gruppen, Vereinen und Organisationen aus dem Umfeld von lesbischen, schwulen, bisexuellen, transsexuellen, transgender, intersexuellen und queeren Menschen dazu entschlossen, keiner weiteren Konfrontation auf der Straße Vorschub zu leisten", heißt es in einer Kapitulationserklärung des Stuttgarter CSD-Vereins, warum man seit April keine Gegenproteste mehr organisiert.

Vielleicht denken unsere Freunde im Alles-andere-als-Musterländle nach den Erfahrungen von Dresden und Hannover noch einmal neu nach! Oder muss "Enough is Enough" erst mehrere Busse nach Stuttgart organisieren?



#1 FoXXXynessEhemaliges Profil
  • 23.11.2014, 10:45h
  • Diesen Orden könnte Sie jetzt auch schmücken, Herr Kuhn, aber sie haben wir den Homophoben sprichwörtlich den Schwanz eingezogen!
  • Antworten » | Direktlink »
#2 goddamn liberalAnonym
  • 23.11.2014, 11:42h
  • Antwort auf #1 von FoXXXyness
  • Gleichheit?

    Wir sind doch nicht in Amsterdam, Kopenhagen, Montevideo, Minnesota oder Montana!

    Ob Boris Palmer, ob Fritz Kuhn.

    Vielen Grünen im biederen Ländle sind das Bio-Müsli, das treudeutsche Reformhaus oder der Abbau von Industriearbeitsplätzen (Arbeiter wählen die eh nicht), also die Bedienung ihrer Manufactum-Mittelschichtklientel halt ein wichtigeres Anliegen als Menschenrechte.

    Also: Ein Dank nach Hannover.

    Und ein Widerspruch dahin:
    Landeshauptstadt Stuttgart
    Fritz Kuhn
    Marktplatz 1
    70173 Stuttgart
    T 0711/216-60349
    F 0711/216-9560349
  • Antworten » | Direktlink »
#4 LangsamLangsamEhemaliges Profil
  • 23.11.2014, 16:17h
  • Kann die Abwesenheit zu den Gegendemonstrationen, von schwul/lesbischen Gruppen, Netzwerken oder CSD-Verein, durchaus verstehen. Zeigt es doch, daß viel nicht "links" sind, sondern durchaus inzwischen bürgerlich. Mit Antifa-Gruppen, teilweise radikal und gewaltbereit, würde ich auch nicht zusammen demonstrieren.
  • Antworten » | Direktlink »
#5 Robby69
  • 23.11.2014, 17:25h
  • Antwort auf #4 von LangsamLangsam
  • Nein, so etwas kann ich absolut nicht verstehen. Das ist nichts weiter als vor den Homo-Hassern feig den Schwanz ein zu ziehne, weil sie nicht mal den Mumm haben, sich für die eigenen Leute - sprich: uns LGBTIs - einzusetzen und sich diesen verdammten perversen Religioten und Rechten in den Weg zu stellen.
    Die sollten sich schämen, dass sie uns so erbärmlich im Stich lassen!
    Wenn nicht WIR - und damit auch die LGBTI-Organisationen - auf die Straße gehen, um für unsere Rechte und GEGEN die ständig wachsende verdammte Homophobie zu kämpfen, wer denn dann?!
  • Antworten » | Direktlink »
#6 herve64Profil
  • 23.11.2014, 18:03hMünchen
  • Antwort auf #4 von LangsamLangsam
  • Ist dir auch schon einmal aufgefallen, dass man hier mit diesen Links/Rechts-Scheuklappen nicht mehr weiter kommt? Die SPD ist sooooo links nun auch nicht, aber trotzdem hat sie engagierte Leute in den Bürgermeisterämtern, die Zivilcourage an den Tag legen, und die Bündnisgrünen, vor allem im Süden der Republik, überholen stellenweise sogar die Union noch rechts und kapitulieren vor einem fasChristischen Gesindel.

    Hier geht es aber darum, dass man die Straße nicht unwidersprochen einem braunevangelikalen Mob überlässt, der unter dem Vorwand der ach-so-geheiligten Familie unverblümt Volksverhetzung betreibt und diesen IdiotInnen endlich einmal ganz gezielt klar macht, was man von ihrem Verhalten hält.

    Insofern bravo, Herr Schostok!
  • Antworten » | Direktlink »
#7 traditionAnonym
#8 MarekAnonym
  • 23.11.2014, 19:17h
  • Bei aller berechtigten Kritik an der Bundes-SPD:
    aber diesen Homo-Orden hat sich Herr Schostok mehr als redlich verdient.

    So ein deutliches Zeichen gegen den braunen Mob zu setzen ist für einen Politiker nicht selbstverständlich.

    DANKE!!
  • Antworten » | Direktlink »
#9 abc321Anonym
#10 stephan
  • 23.11.2014, 20:46h
  • Antwort auf #8 von Marek
  • Volle Zustimmung Marek!

    Leider tut die SPD im Bund gerade nicht viel, um wenigstens das durchzusetzen, bei dem die Union Sicht nicht rausreden kann - denn immerhin sollen ja alle Benachteiligungen agebaut werden etc.

    Aber da ist es wenigstens ein schönes Zeichen, mit welcher Deutlichkeit ein Kommunalpolitiker zeigt, was er von den homophoben Bildungsplangegner hält!

    DANKE!

    Gäbe es mehr solche Genossinnen und Genossen, könnten wir trotz der Union schon weiter sein!
  • Antworten » | Direktlink »